Oktober 14, 2021
Von FAU Flensburg
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WĂ€hrend sich der KĂŒndigungsskandal beim Lieferdienst Gorillas ausweitet, beobachtet das LKA jetzt die Proteste

Die Entlassungswelle bei Gorillas hat sich im Laufe der vergangenen Woche weiter ausgeweitet. Mit der BegrĂŒndung, »wilde« Streiks seien illegal, hatte der Lebensmittellieferdienst letzten Dienstag mit einer KĂŒndigungswelle begonnen. Laut Informationen von Verdi und dem »Gorillas Workers Collective« seien 350 Angestellte in neun WarenhĂ€usern von den Entlassungen betroffen. Weit mehr, als sich in den Tagen zuvor an Streiks beteiligt hatten. Am Donnerstag wurde bekannt, dass sich unter den Entlassenen nicht nur eine Person befand, die zur Wahl eines Betriebsrates aufgerufen hatte, sondern auch ein Mitglied des Wahlvorstandes. Diese haben gemĂ€ĂŸ Paragraph 15 KĂŒndigungsschutzgesetz einen weitgehenden Schutz vor Entlassungen. Das entlassene Mitglied des Wahlausschusses berichtete gegenĂŒber jW, dass es dem Gorillas-Vertreter am Telefon mitgeteilt hĂ€tte, Mitglied des Wahlausschusses zu sein. Ihm wurde geantwortet, dass man das wisse, er aber trotzdem entlassen sei. Das Unternehmen wollte sich nicht zu den VorwĂŒrfen Ă€ußern.

Indes haben sich mehrere gefeuerte Lieferkuriere gefunden, die auch juristisch gegen die KĂŒndigungen vorgehen werden. FĂŒr Duygu Kaya, eine der betroffenen Fahrerinnen, geht dieser Kampf weit ĂŒber Gorillas hinaus: »Auch wenn wir fĂŒnf Jahre kĂ€mpfen und bis zum EuropĂ€ischen Gerichtshof fĂŒr Menschenrechte ziehen mĂŒssen. Jetzt geht es nicht nur um pĂŒnktliche Lohnzahlungen und grundlegenden Arbeitsschutz. Wir kĂ€mpfen gegen das postfaschistische Streikrecht in Deutschland«, erklĂ€rt sie im GesprĂ€ch mit jW. Im Widerspruch zur europĂ€ischen Sozialcharta und allen anderen EU-LĂ€ndern gelten politische Streiks und verbandsfreie Arbeitsniederlegungen wie bei Gorillas als verboten. Die erste öffentliche Aktion gegen die Entlassungen fand vergangenen Mittwoch vor dem Berliner Firmensitz von Gorillas in der Schönhauser Allee statt. Und die weckte nicht nur die Aufmerksamkeit von Faschisten wie dem Fotografen und ehemaligen NPD-Kandidaten Stefan Böhlke. Die Proteste wurden auch von zwei in Zivil gekleideten Beamten observiert.

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Quelle: Fau-fl.org