November 16, 2020
Von Anarchistische Gruppe LĂŒbeck
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Die Liebig34 war ein anarchistisches und queerfeministisches Hausprojekt in Berlin, das 1990 besetzt wurde und seitdem einen Infoladen, eine Bar und ein Wohnprojekt, das sich ohne Cis-MĂ€nner organisierte, beherbergte. So war die Liebig ein Schutzraum und ein Zuhause fĂŒr Menschen, die anderswo von Sexismus betroffen sind. Und wenn wir des Nachts aufbrachen um die Welt zu Ă€ndern, bot sie uns Schutz vor den Feind*innen der Freiheit, nach der wir streben.

Doch sie war mehr als das: Sie war der lebendige Versuch, aus dieser Gesellschaft auszubrechen, sich selbst und Anderen Raum zu schaffen: FĂŒr Reflexion, Empowerment, das Entwickeln, Anwenden und Ausweiten antipatriarchaler Strukturen. Ein Widerspruch zur bestehenden Gesellschaft und ihren ZwĂ€ngen, eine Kampfansage an das kapitalistische System und seine Gentrifizierung, ein Dorn im Auge der Herrschenden und ihren Lakaien!

Im vergangenen Sommer haben wir das 30-jĂ€hrige Bestehen des Hausprojektes gefeiert – jetzt wurde es gerĂ€umt. Nach anderthalb Jahren juristisch wie aktivistisch kĂ€mpferischem Prozess wurde im Juni die RĂ€umung des geliebten Hauses gerichtlich beschlossen. Der Hausbesitzer Gijora Padovicz, der wohl ĂŒber 2000 HĂ€user sein Eigen nennen soll, hat bereits mehrfach gezielt Hausprojekte aufgekauft und zerstört. Und dass die Berliner Regierung, wie alle Herrschenden, unseren anarchistischen GefĂ€hrt*innen gerne ihre RĂ€ume nehmen, ist gleichermaßen bekannt wie logisch: Wie die Liebig34 lehnen wir diesen Staat und seine Gesetze ab, können uns also nicht wundern, wenn er uns als seine Feind*innen erkennt. Doch wir nehmen diese RĂ€umung nicht hin – wenn ihr unsere GefĂ€hrt*innen angreift, schlagen wir zurĂŒck! Jedes sich in Rauch auflösende Auto, jede zu Bruch gehende Scheibe, jede Barrikade habt ihr dann so gewollt!

Ihr habt das Haus gerĂ€umt, ihr habt den Lebensraum unserer GefĂ€hrt*innen geklaut, zerstört und öffentlich zur Schau gestellt. Ihr habt ein Spektakel daraus gemacht, Menschen ihr Zuhause und ihre PrivatsphĂ€re zu nehmen. Ihr habt Menschen verprĂŒgelt und dann Currywurst gefressen – man ist, was man isst – ihr Schweine!

Was ihr aber nicht getan habt, was ihr nicht tun könnt, ist uns unsere SolidaritĂ€t zu nehmen. Denn wenn wir aus der RĂ€umung eines gelernt haben, dann das: Die Liebig und ihre Bewohner*innen haben große UnterstĂŒtzung erfahren und tun das noch. Und die UnterstĂŒtzer*innen werden euch diese RĂ€umung nie verzeihen. Ihr habt uns ein Haus genommen, ihr werdet uns nie das Feuer und die Nacht nehmen können, denn die Nacht schĂŒtzt uns und das Feuer brennt in unseren Herzen!




Quelle: Aghl.noblogs.org