April 21, 2021
Von InfoRiot
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Schwedt – Der durch den ZDF bekannt gewordenen Dr. Ballouz legte nach einer Episode rassistischer Schikanen durch örtliche Polizeibeamte eine Dienstaufsichtsbeschwerde ein.

Liebenswert, ein biss­chen kauzig, oft mit zerknit­tertem Trench­coat braust Fernse­harzt Dr. Bal­louz im ZDF ĂŒber den Bild­schirm und in die Herzen der Zuschauer. WĂ€hrend der Dok­tor auf der Mattscheibe stets hil­fs­bere­it und gut­mĂŒtig ist, pla­gen den echt­en Dr. Amin Bal­louz aus Schwedt zuweilen sehr weltliche Prob­leme, die so gar nicht har­monisch sind.
So wirft der Schwedter Arzt zumin­d­est Teilen der Polizei „ras­sis­tisch motiviertes Han­deln“ vor, weil Polizis­ten ihn – so Bal­louz Schilderung – hĂ€u­fig kon­trol­lierten, zeit­gle­ich der Schutz der Prax­is­rĂ€ume, der Pri­vat­woh­nung oder sein­er Fahrzeuge aber nur ungenĂŒÂ­gend sei. So kön­nten „Strafhand­lun­gen wie SachbeschĂ€di­gun­gen, Van­dal­is­mus, Bran­dan­schlĂ€ge, Bedro­hun­gen von mir und mein­er Fam­i­lie nicht fer­nge­hal­ten wer­den“, heißt es in der Dien­stauf­sichts­beschw­erde von dem Medi­zin­er, der in der fik­tiv­en Serie mit dem Slo­gan: „Nicht von hier, aber hier zu Hause“ prĂ€sen­tiert wird.

Verkehrskontrolle im MÀrz ist der Auslöser

Aus­lös­er ist eine konkrete Verkehrskon­trolle, die am 23. MĂ€rz stattge­fun­den haben soll. Zu diesem Vor­fall hat Bal­louz eine Dien­stauf­sichts­beschw­erde an die Polizei­di­rek­tion Ost ein­gere­icht. Das Schreiben mit den genan­nten Dat­en liegt der MOZ vor. Darin schildert Bal­louz auf dem Papi­er sein­er Arzt­prax­is den Vor­fall wie fol­gt: Er sei an jen­em Tag ab der Friedrich-Engels-Straße/ Bertolt-Brecht-Platz von Polizis­ten ver­fol­gt worden.
Diese block­ierten – so heißt in es der Dien­stauf­sichts­beschw­erde weit­er – dann die Zufahrt zum Park­platz des Medi­zin­ers. „Die Polizis­ten forderten mich auf, mit dem Hin­weis auf eine Verkehrskon­trolle, meine Papiere vorzuzeigen“, schreibt Bal­louz an die Polizei­di­rek­tion. Dabei hĂ€tte es zwei Prob­leme gegeben: Der Arzt hat­te die Papiere nicht am Mann, dafĂŒr aber empfind­liche Medika­mente, die rasch gekĂŒhlt wer­den mussten.

Erst die Medikamente der KĂŒhlkette zufĂŒhren

Daher hĂ€tte er mit den Beamten vere­in­bart, dass er in seine Prax­is gehen wĂŒrde, um die gewĂŒn­scht­en Ausweise zu holen und die Medika­mente der KĂŒh­lkette zuzufĂŒhren. Gesagt, getan. Nach eigen­er Darstel­lung begab sich Bal­louz danach zurĂŒck zum Fahrzeug, „wo ich die Polizis­ten anzutr­e­f­fen hoffte. Jedoch ver­sucht­en sich die Polizis­ten mit Gewalt Zutritt zu den Prax­is­rĂ€u­men zu verschaffen.“
Das kom­men­tiert der Medi­zin­er wie fol­gt: „Es ist unangemessen, unnötig, den Pan­demiebes­tim­mungen wider­sprechend und unter dem Aspekt der Ansteck­ung sog­ar gefĂ€hrlich, ent­ge­gen meinen Anweisun­gen als Arzt, Zutritt in meine Prax­is erzwin­gen zu wollen.“ Gle­ichzeit­ig ver­weist Bal­louz darauf, dass die Prax­is im ersten Obergeschoss des GebĂ€udes liege und eine „abwegige Flucht­ge­fahr“ aus­geschlossen wer­den könne.

„Meine Person dĂŒrfte in Schwedt bekannt sein“

Aus diesen Vor­fĂ€llen zieht Bal­louz den Schluss des „ras­sis­tisch motivierten Han­delns“. Dies auch mit der BegrĂŒn­dung: „Vor allem auch vor dem Hin­ter­grund, dass meine Per­son und auch meine Fahrzeuge sĂ€mtlichen Polizeibeamten in Schwedt bekan­nt sein“ dĂŒrften. Und weit­er: „Die HĂ€u­figkeit ange­blich­er Verkehrskon­trollen, die Per­so­n­enkon­trollen oder die Ver­fol­gung von ange­blichen Ver­stĂ¶ĂŸen gegen irgendwelche Regelun­gen, die mir in Schwedt inner­halb der let­zten 6 Jahre wider­fuhren, kön­nen nicht damit begrĂŒn­det wer­den, dass hier ver­sucht wird, das Ord­nungssys­tem aufrecht zu erhalten.“
Bal­louz selb­st Ă€ußert sich auf Anfrage der MOZ nicht zu der Dien­stauf­sichts­beschw­erde, die derzeit bei der Polizei­di­rek­tion Ost in Frankfurt/Oder bear­beit­et wird. Mehrfach mit ihm vere­in­barte per­sön­liche Ter­mine und Tele­fonate nahm er nicht wahr und antwortete schließlich auf eine E‑Mail lediglich, dass er der Berichter­stat­tung ĂŒber die Beschw­erde nicht zus­timme. Dies bekrĂ€ftigte er spĂ€ter noch ein­mal mĂŒndlich. Die Polizei ver­wies auf das laufende Ver­fahren und Ă€ußerte sich eben­falls nicht zu den Vor­wĂŒr­fen des Medi­zin­ers aus Schwedt.

Rund 80 Knöllchen auf dem Kurzzeitparkplatz

In die Schlagzeilen war Bal­louz jen­seits des Bild­schirms zulet­zt im Som­mer ver­gan­genen Jahres ger­at­en, weil er nach eige­nen Angaben rund 80 Knöllchen auf einem Kurzzeit­park­platz in der NĂ€he sein­er Prax­is einge­sam­melt hat­te. Dage­gen hat­te er sich – auch öffentlich in ein­er Sitzung der Schwedter Stadtverord­neten – zur Wehr gesetzt.
Dass er dort ohne Parkschein ges­tanden habe, sei kein zu ahn­den­des Verge­hen, hat­te er damals argu­men­tiert, schließlich mĂŒsse er als Lan­darzt immer wieder seine schwere Aus­rĂŒs­tung hin und her tra­gen. Dass er dafĂŒr nicht öffentlichen Par­kraum nutzen dĂŒrfe, empfinde er als Schikane, sagte er damals und schĂ€tzte sein­erzeit auch das Han­deln der zustĂ€ndi­gen Mitar­beit­er des Ord­nungsamtes als ras­sis­tisch ein. Das in dieser Sache anhĂ€ngige Ver­fahren ist noch nicht abgeschlossen.






Quelle: Inforiot.de