Juli 16, 2021
Von InfoRiot
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Trotz RĂŒckschlĂ€gen durch Pandemie

Landesbeauftragte sieht Integration in Cottbus auf gutem Weg

15.07.21 | 13:27 Uhr

Cottbus war lange ein Brennpunkt von Konflikten und Auseinandersetzungen bei der Integration. Die Brandenburger Landesbeauftragte Doris Lemmermeier bilanziert klare Fortschritte. Doch sie warnt vor VersÀumnissen in der Pandemie. Von Josefine Jahn

Die Brandenburger Integrationsbeauftragte Doris Lemmermeier sieht die Integration von FlĂŒchtlingen im Land auf einem guten Weg. Auch die Situation in Cottbus habe sich entspannt, unter anderem mit Hilfe des Landes, sagt Lemmermeier. Nach Cottbus waren ab 2015 viele GeflĂŒchtete gezogen. Die Stadt war teilweise ĂŒberfordert, Cottbuser und Zugezogene gerieten aneinander, es kam zu vielen fremdenfeindlichen Übergriffen. Dass es dort nun ruhiger ist, fĂŒhrt Lemmermeier unter anderem auf dieses “flexibel einsetzbare Instrument der Migrationssozialarbeit” zurĂŒck, das sich nach ihren Worten auch in Cottbus bewĂ€hrt hat.

Hilfe im Willkommenstreff fĂŒr jeden einzelnen – kein großer Andrang wie 2015

Im regionalen Willkommenstreff Cottbus wird diese Integration praktiziert. Der dreijĂ€hrige Ahmad spielt in der Kinderecke, seine Mutter Shaza Kabbash kommt gerne hier her – vor ein paar Jahren noch, um sich UnterstĂŒtzung zu holen, oder wie jetzt, um sich einfach auf einen Kaffee mit Freunden zu treffen.

2016 ist Shaza Kabbash aus Syrien hierher gekommen. Negative Erlebnisse habe sie nur selten: “Ich trage ein Kopftuch und ich treffe manchmal Menschen, die schimpfen oder machen uns schlecht. Ich ignoriere das.”

Der Willkommenstreff im Cottbuser Stadtteil Sachsendorf ist fĂŒr alle da: Kleidung, Möbel, Spielsachen werden hier an BedĂŒrftige ausgegeben und es gibt Hilfe beim AusfĂŒllen von AntrĂ€gen oder Schreiben von Bewerbungen – alles in Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Jobcenter.

2015 und 2016 war der Andrang noch extrem groß, bis zu 80 Besucher kamen damals innerhalb einer Stunde. “Das war schon mehr oder weniger ein Abfertigen”, sagt GeschĂ€ftsfĂŒhrerin Ivette Kirschner. Heute ist die Lage entspannter und die Mitarbeiter hĂ€tten nun die Möglichkeit, sich “individuell mit den Fragen, mit den Problemen, mit der Hilfestellung zu befassen”.

GeschĂ€ftsfĂŒhrerin Ivette Kirschner im GesprĂ€ch mit Shaza Kabbash. Quelle: rbb/Josefine Jahn
Bild: Josefine Jahn

Miteinander in der Stadt hat sich verbessert

Auch das Miteinander in der Stadt hat sich nach EinschĂ€tzung von Stefanie Kaygusuz-Schurmann, Leiterin des stĂ€dtischen Servicebereiches Bildung und Integration, verbessert: “Auch wenn es immer mal wieder zu Konfliktlagen kommt, wird weniger ĂŒber Alltagsrassismus gesprochen bzw. wird er weniger wahrgenommen.” Doch dieser Rassismus sei natĂŒrlich noch immer da. Trotzdem denke sie, dass die Stadt hier auf einem guten Wege sei: “Ich glaube, die Personen mĂŒssen es auch erst erleben, miteinander – wie funktioniert Integration, wie funktioniert Zusammenleben.”

Ein gelungenes Beispiel fĂŒr Integration ist Shaza Kabbash. Vor fĂŒnf Jahren ist sie ihrer Mutter nach Cottbus gefolgt, hat mittlerweile selbst ein Kind und fĂŒhlt sich wohl. Die Stadt habe eine gute GrĂ¶ĂŸe, die Wege sind kurz. “Ich kenne hier viele Leute, ich habe mein deutsch verbessert und viele Deutsche kennen gelernt.” Momentan belegt die 29-JĂ€hrige noch einen Sprachkurs. Ab Oktober wird sie an der Brandenburgischen Technischen UniversitĂ€t studieren – ihre Zulassung fĂŒr Medizininformatik hat sie bereits erhalten.

Allerdings warnt Brandenburgs Integrationsbeauftrage Lemmermeier auch, dass durch die EinschrĂ€nkungen der Corona-Pandemie die Integrationsprozesse verlangsamt und teilweise sogar gestoppt wurden. So seien viele Deutschkurse ausgefallen und fĂŒr das Homeschooling habe in den GemeinschaftsunterkĂŒnften das Internet gefehlt. Dies gelte es nun, aufzuholen.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 14.07.2021, 19.30 Uhr

Beitrag von Josefine Jahn




Quelle: Inforiot.de