Oktober 11, 2021
Von Indymedia
273 ansichten


Kennen Sie Ihren Nachbarn Herrn Neumann? Er wohnt in der Bellevue 21. Statten Sie ihm doch mal einen Besuch ab und fragen Sie ihn, warum er in Afrika mehr als 400 Familien brutal hat vertreiben lassen? Da eine ehrliche Antwort von ihm eher nicht zu erwarten ist, haben wir hier ein paar Fakten zusammengetragen, die die Machenschaften Herrn Neumanns aufzeigen.

2001 hat die Neumann-Kaffee-Gruppe in Uganda Land fĂŒr eine neue Plantage gesucht. Auf dem von der Regierung angebotenen 2.500 Hektar großen GrundstĂŒck im Distrikt Mubende westlich der Hauptstadt Kampala – Ideal fĂŒr den Kaffeeanbau – lebten allerdings Menschen, ĂŒberwiegend Kleinbauern. Nachdem sie nicht freiwillig gingen, kamen eines Tages Soldaten mit Baggern und haben alles zerstört, was die ohnehin armen Bauern hatten: die HĂ€user und ViehstĂ€lle wurden niedergewalzt oder niedergebrannt, die Ernte der Kleinbauer sowie ihre Bienenstöcke vernichtet, die traditionell (nicht plantagenhaft) gesetzten Kaffee- und BananenbĂ€ume abgeholzt. Wer noch Hab und Gut aus seinen HĂ€usern retten wollte, wurde mit Schlagstöcken vertrieben. Viele Familien mit Kindern mussten danach im nahegelegenen Wald unter BĂ€umen leben.

Die Neumann-Manager gaben an, nichts von der gewaltsamen MilitĂ€raktion gewusst zu haben. Außerdem habe es sich „nur“ um 600 Menschen gehandelt und die seien entschĂ€digt worden, hieß es beschwichtigend. Die Betroffenen sprechen demgegenĂŒber von 4.000 Bewohnern aus vier Dörfern. Manchen wĂ€ren umgerechnet 30 Euro als EntschĂ€digung angeboten worden. Neues Land hĂ€tte es fĂŒr die Kleinbauern nicht gegeben.

Über 2.000 der Vertriebenen hatten vor dem High Court of Uganda in Kampala Klage gegen dieses Unrecht eingereicht. Die Gerichtsverhandlungen wurden 11 Jahre lang verschleppt (im Korruptions-wahrnehmungsindex (CPI) liegt Uganda auf Platz 142 – nur 37 Staaten gelten als korrupter). Dann aber gab das Gericht im MĂ€rz 2013 den KlĂ€gern Recht. Laut „Informationen zur deutschen Außenpolitik“ vom 15.08.2013 hĂ€tten die Plantagenmanager ĂŒber die bevorstehende Vertreibung Bescheid gewusst. Die Menschenrechte und Werte der Bewohner hĂ€tten respektiert werden mĂŒssen, das Gericht sprach den Vertriebenen eine EntschĂ€digung von umgerechnet rund 11 Millionen Euro zu. Die Neumann-Gruppe hat allerdings Berufung eingelegt und verzögert damit weiter, dass die brutal ihrer Lebensgrundlage beraubten Familien zumindest eine EntschĂ€digung erhalten.

Die „Informationen zur deutschen Außenpolitik“ berichtete außerdem, dass eine Gruppe der ugandischen Vertriebenen im Juni 2009 erfolglos bei der deutschen “Nationalen Kontaktstelle“ (NKS) Beschwerde gegen Neumann eingereicht hatte. Diese Kontaktstelle ist beim Bundeswirtschaftsministerium angesiedelt und prĂŒft bei Beanstandungen, ob Firmen im Ausland gegen den „OECD-Verhaltenskodex“ verstoßen haben. Die NKS sah keinen Grund fĂŒr Beanstandungen – was zwei Jahre spĂ€ter durch den obersten Gerichtshof Ugandas widerlegt wurde.

Am 16. Dezember 2019 bot die ugandische Staatsanwaltschaft in einer Verhandlung in Kampala eine finanzielle EntschĂ€digung fĂŒr zerstörtes Eigentum in Höhe von insgesamt 3,8 Milliarden Ugandischen Schilling an (rund 950.000,- Euro), also nur rund 8,5 % dessen, was der oberste Gerichtshof Ugandas in erster Instanz ausgeurteilt hatte. Es bedarf keiner großen Phantasie um zu ahnen, wer in diesem Ă€ußerst korrupten Staat dafĂŒr sorgt, dass weiter versucht wird, die vertriebenen Bauern mit einem Taschengeld abzuspeisen. Legt man die von den Betroffenen genannte Zahl von 4.000 Betroffenen zugrunde (allein 2.000 haben geklagt), wĂŒrde jede vertriebene Person mit knapp 240,- Euro dafĂŒr abgespeist, dass ihnen ihr Land und damit ihre Lebensgrundlage gewaltsam genommen wurde!

Die Neumann Kaffee Gruppe hat bisher ĂŒberhaupt noch kein EntschĂ€digungsangebot vorgelegt.

Anna Nandyose Katende, eine Betroffene sagte in der Fernsehsendung Panorama 3: „Sie sollen mir mein Land zurĂŒckgeben. Das ist das Einzige, was ich will. Sie sollen mir mein Land zurĂŒckgeben und mich fĂŒr alles entschĂ€digen, was ich erleiden musste. Sie haben mir meinen inneren Frieden genommen. Ich habe keinen Frieden mehr.“

Falls Sie Herrn Neumann beim Spazierengehen treffen, richten Sie ihm doch bitte einen Gruß von Frau Katende aus. Bis heute hat sie weder ihr Land noch eine EntschĂ€digung erhalten.




Quelle: De.indymedia.org