Juli 2, 2022
Von Die Plattform
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Seit einigen Wochen gehen in ganz Ecuador Menschen auf die Straßen, um gegen die umfassenden Preissteigerungen in allen Lebensbereichen zu demonstrieren. Es ist die berechtigte Wut auf die Regierung und das rassistische und neoliberale System, das die Menschen von unten auf die Straßen treibt. Die Angst dieses Systems, seine Macht zu verlieren, drĂŒckt sich in der brutalen Gewalt der Polizei und der Armee gegen die Proteste aus. Die Menschen antworten wie schon bei den Massenprotesten im Jahr 2019 mit entschlossenem Widerstand.
Die Lateinamerikanische Anarchistische Koordination (CALA) und ihre Schwesterorganisationen haben heute (1. Juli 2022) eine SolidaritĂ€tserklĂ€rung mit den Protesten veröffentlicht. Die CALA wurde Ende 2019 neu gegrĂŒndet und versammelt mehrere Organisationen des especifistischen Anarchismus, ein mit dem Plattformismus verwandtes anarchistisches Organisationskonzept lateinamerikanischen Ursprungs, in ihren Reihen.
Wir haben den Text nun ins Deutsche ĂŒbersetzt, um die wichtigen Informationen ĂŒber die KĂ€mpfe in Ecuador auch Menschen in unserem Sprachraum zugĂ€nglich zu machen.
Bei der Übersetzung haben wir uns eng am ursprĂŒnglichen Wortlaut orientiert. Dabei ist anzumerken, dass der Begriff «Volk» – als Übersetzung von «pueblo» (im Spanischen) oder «povo» (im Portugiesischen) – im lateinamerikanischen Anarchismus eine andere Bedeutung hat, als wir es im deutschsprachigen Raum gewohnt sind.
Der organisierte lateinamerikanische Anarchismus begreift und verwendet «Volk» als Sammelbegriff fĂŒr alle UnterdrĂŒckten der Gesellschaft, fĂŒr alle, die ein objektives Interesse an der Überwindung der herrschenden VerhĂ€ltnisse haben und nicht als nationalistischer und rassistischer Ausgrenzungsmechanismus.
Mit dieser Anmerkung im Bewusstsein sollte der Text gelesen werden.

UnterstĂŒtzung fĂŒr den Kampf des ecuadorianischen Volkes! – ErklĂ€rung der Lateinamerikanischen Anarchistischen Koordination

Wieder einmal ist das ecuadorianische Volk auf die Straße gegangen. Die Konföderation der indigenen Völker Ecuadors (CONAIE) begann am 13. Juni mit Mobilisierungen im ganzen Land und forderte die Umsetzung zehn grundlegender Punkte, welche die Forderungen der Menschen von unten darstellen. Nach mehr als einem Jahr fruchtlosen Dialogs mit der Regierung und unerfĂŒllten Forderungen nahm die CONAIE den Kampf wieder auf.
Im Laufe der folgenden Tage schlossen sich weitere gesellschaftliche Gruppen an: SchĂŒler:innen und Studierende, Lehrer:innen, Arbeiter:innen und die Bevölkerung im Allgemeinen. Hunderttausende nahmen an verschiedenen Demonstrationen und an der Besetzung der Casa de la Cultura teil, einem GebĂ€ude, das zuvor von der Polizei besetzt worden war. Die Regierung Lasso verhĂ€ngte den Ausnahmezustand, den sie unter dem Druck der mobilisierten Bevölkerung zurĂŒcknehmen musste. Die Repression war jedoch heftig: Im ganzen Land wurden mehrere Menschen getötet, verwundet, verhaftet und verschwanden. Mehrere Zeugenaussagen deuten darauf hin, dass das Ausmaß der Repression zu den höchsten in der Geschichte des Landes gehört. Neben der Polizei ist auch die Armee auf den Straßen prĂ€sent.
Angesichts so vieler Repressionen hat das Volk seinen Kampf verdoppelt. Die KontinuitÀt der Mobilisierungen und die Suche nach einer politischen und verhandelten Lösung des Konflikts, die den Forderungen der Bevölkerung Rechnung trÀgt, werden mit Nachdruck zum Ausdruck gebracht.
Es ist nicht das erste Mal, dass das ecuadorianische Volk mit solcher Kraft mobilisiert. Sie haben dies bereits mehrfach getan und sich der neoliberalen Politik und den Regierungen entgegengestellt. TatsĂ€chlich sind mehrere dieser Regierungen durch die Mobilisierung des Volkes gestĂŒrzt worden, die, wie in diesem Fall, den Charakter einer sozialen Revolte angenommen hat. Bucaram, Mahuad und Lucio GutiĂ©rrez wurden durch die Proteste eben dieser Menschen gestĂŒrzt, die es nicht dulden, dass man sie enteignet und ihnen nicht zuhört. 2019 hat das ecuadorianische Volk die von der VorgĂ€ngerregierung unter Lenin Moreno verhĂ€ngte Benzinpreiserhöhung verhindert.
Dieser Kampf ist Teil des Zyklus der Proteste auf unserem Kontinent, der mit intensiven und massiven Mobilisierungen in Puerto Rico, Haiti, Ecuador, Chile und Kolumbien begann. Dieser Zyklus ist noch offen und dieser neue Aufstand des ecuadorianischen Volkes, der von seinen reprĂ€sentativsten sozialen Organisationen angefĂŒhrt wird, stellt ein neues Kapitel dieser Entwicklung dar. Diese Mobilisierungen sind eine Fortsetzung der Proteste von 2019.
Angesichts der AusplĂŒnderung durch die neoliberale Politik, die dem Kontinent aufgezwungen wird und sich weiter verschĂ€rft, besteht die einzige Alternative fĂŒr die Menschen in Lateinamerika darin, auf die Straße zu gehen und den Kampf zu vertiefen. Wir grĂŒĂŸen das Volk von Ecuador und sein mutiges Beispiel, seinen Mut und seine Rebellion und vor allem seinen Organisationsgrad und seine Koordinierung der Massenbewegung, die die verschiedenen Ausdrucksformen auf der Straße hinter demselben Ziel vereint.

In diesem Moment schließt die ecuadorianische indigene Bewegung ein “Friedensabkommen” mit der Lasso-Regierung, nachdem diese sich zu Verhandlungen bereit erklĂ€rt hat. Das Ziel ist, die Treibstoffpreise noch weiter zu senken. Dieses Thema hat die Proteste mit ausgelöst und es stellt eine der Hauptforderungen des Volkes dar. Der Kampf lohnt sich!!! Nur das Volk rettet das Volk!!!!!

ES LEBE DER KAMPF DES ECUADORIANISCHEN VOLKES!!!!

NIEDER MIT DEM NEOLIBERALISMUS!!!!

HOCH MIT DENEN, DIE KÄMPFEN!!!!!

LATEINAMERIKANISCHE ANARCHISTISCHE KOORDINIERUNG (CALA)

FederaciĂłn Anarquista Uruguaya (FAU)

CoordinaciĂłn Anarquista Brasilera (CAB)

Federación Anarquista de Rosario – Argentinien (FAR)

SCHWESTERORGANISATIONEN

FederaciĂłn Anarquista Santiago -Chile- (FAS)

OrganizaciĂłn Anarquista de CĂłrdoba -Argentinien- (OAC)

OrganizaciĂłn Anarquista de TucumĂĄn -Argentinien- (OAT)

OrganizaciĂłn Anarquista de Santa Cruz -Argentinien- (OASC)

Grupo Libertario VĂ­a Libre (Kolumbien)



Quelle: Dieplattform.org