Januar 1, 1970
Von Indymedia
373 ansichten


BĂŒrgerliche?
Das Spektrum der Teilnehmenden setzt sich dabei nicht nur aus besorgten BĂŒrger*innen, sondern auch aus Holocaust-Leugner*innen wie Nicolai Nerling (der „Volkslehrer“), ReichsbĂŒrger*innen, AnhĂ€nger*innen der AfD, NPD, 3. Weg und der IdentitĂ€ren Bewegung (vgl. https://www.aufstehen-gegen-rassismus.de/wp-content/uploads/AgR-Querdenken-Teilnehmer-web.pdf) zusammen. Nicht nur mit ihrer strukturell antisemitischen Kritik an den Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie und den Zweifeln an der Existenz der Pandemie selbst, wollen sie am 7. November auch in Leipzig auf die Straße gehen.

Gesteigertes Gewaltpotential
Mittlerweile ist zumindest in Teilen des “Querdenken”-Umfelds eine deutliche Steigerung der Gewaltbereitschaft feststellbar. So gab es in in den vergangen Tagen zu einem Brandanschlag auf das GebĂ€ude des RKI. Zudem kam es am Wochenende in Berlin zu Flashmobs, in denen Personen ohne Mundschutz in öffentlichen Verkehrsmitteln andere Personen mit einer Bedeckung dazu aufforderten ebenfalls den Mundschutz abzulegen, dabei offensiv filmten und Mitfahrende auch körperlich angingen (vgl. https://twitter.com/SchwarzePalmen/status/1320032090797330434). Und in Minden baumelte zuletzt eine Puppe an einem Strick mit der Aufschrift „Covid Presse“ von einer BrĂŒcke.
Zudem zeigt nicht zuletzt der „Sturm auf den Reichtstag“ bei der letzten Großdemonstration am 29. August in Berlin das gesteigerte Eskalationspotential einer solchen Versammlungslage. Von den Bullen weitestgehend unbehelligt kommt es bei anderen „Querdenken“-Demonstrationen vor allem in Berlin mittlerweile immer öfter zu dynamischen Situationen wie DurchbrĂŒchen der Demonstrierenden durch Polizeiketten. Im Zuge dessen kommt es dabei auch zu Übergriffen auf Journalist*innen. Nicht zuletzt besteht fĂŒr alle, die nicht die kruden Thesen der „Querdenker“ teilen, ein nicht zu unterschĂ€tzendes Risiko im Umfeld dieser AufmĂ€rsche.

Mobilisierung
Die Mobilisierung nach Leipzig lĂ€uft mittlerweile ĂŒber zahlreiche KanĂ€le. Neben den ĂŒblichen Werbungen auf Facebookseiten und Telegram-Gruppen von „Querdenken“-Ablegern quer durch Deutschland mobilisiert mittlerweile u.a. die Hessische NPD zur Demonstration nach Leipzig (vgl. https://twitter.com/immer_bereit/status/1319353433900580864/photo/1). Und auch der Tonfall hiesiger Gruppierungen wird zunehmend von Rechten dominiert. So ist fĂŒr den 7. November die Rede von „patriotischen Rednern“ (vgl. https://twitter.com/johannesgrunert/status/1321047694622789636/photo/1).
Auch fĂŒr den 29. August in Berlin fand eine breite Mobilisierung in den verschiedensten rechten und neonazistischen Spektren statt. Beispielsweise bewarb der rechte Rapper „Chris Ares“ einen eigenen Vorabtreff in der Hauptstadt fĂŒr seine AnhĂ€nger*innen, zu dem sich auch etwa 200 Personen, auch aus dem Umfeld der IdentitĂ€ren Bewegung, einfanden (vgl. https://twitter.com/antifanordost/status/1293807004268613633). FĂŒr den 7.11. ist es ebenfalls möglich, dass es zu Ă€hnlichen Treffpunkten organisierter Neonazis im Leipziger Stadtgebiet kommt.

Facts
Vor Beginn der eigentlichen Kundgebung von „Querdenken“ soll ab 10 Uhr ein Fahrradkorso vom Lindenauer Markt ĂŒber Zschochersche Straße – Industriestraße – Könneritzstrasse-Scheußiger Weg-Karl Liebknecht Straße – Roßplatz – Geoergiering – Eisenbahnstraße – Hermann-Liebmannstraße – Wurzener Straße – Dresdner Straße zum Augustplatz fĂŒhren. Dabei soll auch ein „bekannter Querdenken-Redner“ sprechen. Die eigentliche Auftaktkundgebung soll um 13 Uhr auf dem Augustplatz beginnen. In Anlehnung an die Demonstrationen im Herbst 1989 in Leipzig ist anschließend ein Marsch ĂŒber den Leipziger Innenstadtring geplant. Aufgrund der Tatsache, dass dafĂŒr geworben wird Kerzen mitzubringen, muss von einem Start der Demonstrationen mit Einbruch der Dunkelheit gerechnet werden.

 

SolidaritĂ€t statt „Querdenken“!

All das zeigt, dass Leipzig mit der geplanten Großdemonstration von „Querdenken“ der grĂ¶ĂŸte rechte Aufmarsch seit LEGIDA bevorstehen könnte. Im Zuge dieser rechten AufmĂ€rsche kam es immer wieder zu konspirativen Mobilisierungen im extrem rechten Milieu und infolgedessen auch zu Übergriffen auf Antifaschist*innen und GeflĂŒchtete. Auch fĂŒr den 7. November ist mit einer solchen Mobilisierung und damit mit umherziehenden kleineren und grĂ¶ĂŸeren Gruppen gewaltbereiter Nazis zu rechnen. Und auch im Falle eines Verbots der Demonstration durch die Stadt Leipzig ist keinesfalls damit zu rechnen, dass „Querdenken“ nicht mehr nach Leipzig mobilisiert. Auf die Polizei können und wollen wir uns jedenfalls nicht verlassen! Kommt daher am 7. November nach Leipzig, um gemeinsam den Versuch einer erneuten rechten Großdemonstration in der Stadt zu verhindern. Solltet ihr aufgrund der Entwicklungen der Corona-Pandemie nicht nach Leipzig kommen können oder wollen, so bieten die deutschlandweiten Treffpunkte der „Querdenken“-Busanreise ebenso die Möglichkeit vorort aktiv zu werden und so wirksam gegen die rechte Großdemonstration zu intervenieren. Achtet auf weitere AnkĂŒndigungen, bereitet euch auf den Tag vor und macht auch euer Umfeld auf die Notwendigkeit antifaschistischer Intervention am 7. November aufmerksam!

 

#le0711

Eine weitere Betrachtung Leipziger „Querdenker“ findet ihr hier:

https://www.inventati.org/leipzig/?p=4950




Quelle: De.indymedia.org