August 25, 2021
Von Indymedia
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Wir haben daraus einige Erkenntnisse und Gedanken gezogen, die wir zur Diskussion stellen wollen. 

 

1. Die Flutkaastrophe der letzten Tage ist auf allen Ebenen politisch zu betrachten und die Linke muss dort stattfinden, um die Chance zu nutzen das höchste Ziel unserer politischen Arbeit – die SolidaritĂ€t – auch zu praktizieren anstatt nur zu predigen. Es ist notwendig der Bevölkerung einen Einblick in die wichtige Arbeit der Linken geben zu können, die sonst fĂŒr viele sehr abstrakt und theoretisch scheint. 

 

2. Viele Linke haben sich sofort staatsaffirmativ auf die Informationen von Kreis, THW, Bullen und Feuerwehr gestĂŒtzt. Statt sich ein Bild vor Ort zu machen, wurde sofort dazu aufgerufen nicht selbststĂ€ndig in die betroffenen Regionen zu fahren – warum eigentlich? Als politische Bewegung ist es unsere Aufgabe eine eigene Analyse zu geben und in diesem Fall die UmstĂ€nde und Situationen genauestens zu prĂŒfen. Ein Tag dort mit der lokalen Bevölkerung hat gezeigt, dass das Vertrauen in die EinsatzkrĂ€fte eher gering ist, dass jede Hilfe gebraucht wird und dass es durchaus ein Bewusstsein zur politischen Bedeutung gibt.

 

3. Kein externer Akteur dort bewegt sich im luftleeren Raum. Von der Normalisierung des Einsatzes der Bundeswehr im Inneren, ĂŒber den 10 Minuten kurzen Pressetermin der bĂŒrgerlichen Parteien bis zu Rockerclubs die dort seit Tagen einen der wichtigsten Versorgungspunkte stellen und rund um die Uhr kostenlos Essen und GetrĂ€nke an Helfer:innen verteilen. Wo ist die Linke? Wir haben alles was es braucht, um dort einen Unterschied zu machen – Infrastruktur, mobilisierbare Helfer:innen, Medien und Koordination.

 

4.     Die Rechte hat (mal wieder) schneller verstanden, dass der Raum offen ist und genutzt werden kann. Kaum ein Tag an dem nicht ĂŒber Aktionen von Nazis, Querdenken oder AfD berichtet wird. Unsere PrĂ€senz dort und das aktive HerausdrĂ€ngen wĂ€re wahrer Antifaschismus. Zu viele Genoss:innen setzen ihre Energie in sinnfreie Solifotos und AktivitĂ€ten, die sich schlussendlich nur um den eigenen Szenesumpf drehen. Es geht aber darum, zu leben wofĂŒr wir stehen, zu zeigen wofĂŒr wir kĂ€mpfen, voran gehen um eine Gesellschaft zu formen, die lebenswert ist.

 

5. Die Besserwisser-Position direkt nach dem Tag der Flut ist zum Kotzen. NatĂŒrlich hat diese Flut etwas mit dem Klimawandel zu tun. Aber es ist niemandem vor Ort geholfen, wenn das erste was die Betroffenen von uns zu hören bekommen, ein „wir haben es euch doch gesagt“ ist. Die unglaubliche Arroganz hinter solchen Aussagen wird auch weiterhin der Garant dafĂŒr sein, dass große Teile der Arbeiterklasse nur mit UnverstĂ€ndnis auf die Linke blicken. Oftmals war das höchste der GefĂŒhle auf Spenden und die Hinweise vom Katastrophenschutz zu verweisen – statt sich zumindest einmal selbst vor Ort ein Bild zu machen oder die eigenen Strukturen zu nutzen um einen Unterschied zu machen. 

 

6. Die radikale Linke in Deutschland stĂŒtzt sich seit vielen Jahren fast ausschließlich auf einen harten Kern, der sich aus einem großen Eigenantrieb heraus innerhalb unterschiedlichster Strukturen engagiert. Wenn wir als revolutionĂ€re Bewegung wirklich an StĂ€rke und Masse gewinnen wollen, dann mĂŒssen wir fĂŒr weitaus mehr Menschen ganz real im Alltag eine Bedeutung sein. Das viel bemĂŒhte Wort „SolidaritĂ€t“ ist dafĂŒr ein zentraler SchlĂŒssel. Wenn wir nur solidarisch mit uns selbst sind und es fĂŒr sonst niemanden erfahrbar machen, wird der Begriff leer bleiben und unsere Bestrebungen umsonst. 

 

7. Der bĂŒrgerliche Staat wird die Klimakrise niemals von der Wurzel her angehen und ist schlussendlich auch gar nicht mehr in der Lage dazu die entsprechenden Weichen zu stellen. Bei der appellhaften Politik oder der individuellen Konsumkritik zu bleiben zeugt von einem falschen VerstĂ€ndnis der politischen VerhĂ€ltnisse im neoliberalen Kapitalismus. Das haben andere schon besser aufgeschrieben aber noch mal konkret: Das Problem heißt Kapitalismus und er wird nur von einer organisierten revolutionĂ€ren Bewegung zerschlagen werden, die sich auf die Massen stĂŒtzen kann. 

 

 

Unser Appell: 

 

– Organisiert euch und fahrt in die betroffenen Gebiete, schließt euch den Helferstrukturen an, macht euch ein Bild der Situation.

– Tretet als Linke auf und fĂŒhrt GesprĂ€che auf Augenhöhe mit den Menschen vor Ort. Findet heraus, welche BedĂŒrfnisse es gibt und wie wir diesen als solidarische Bewegung gerecht werden können. 

– Vertraut nicht dem Staat in der BewĂ€ltigung der wichtigsten Aufgaben – das tun wir sonst nicht und sollten es auch dort nicht.

  

Großer Dank geht raus an die Genoss:innen von Rotes Mainz und dem Antifa AK Köln mit denen wir unterwegs sein durften!

 

 

Desweiteren gibt es angehangen noch einen Artikel aus dem “neuen deutschland” wo wir unsere Position darlegen und zur Diskussion aufrufen!




Quelle: De.indymedia.org