November 19, 2021
Von SchwarzerPfeil
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Der nachfolgende Beitrag ist eines von 85 Artikeln aus dem Buch Schwarze Saat – Gesammelte Schriften zum Schwarzen und Indigenen Anarchismus. Eine gedruckte Ausgabe kannst du hier bestellen und damit BIPOC-Strukturen und anarchistische Gefangene unterstĂŒtzen.

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Lorenzo Kom’boa Ervin

Anarchist*innen glauben nicht alle an dasselbe. Es gibt Unterschiede zwischen ihnen. Das anarchistische Feld ist jedoch groß genug, damit diese Unterschiede nebeneinander existieren und respektiert werden können. Woran die anderen dabei genau glauben, weiß ich nicht. Ich weiß nur, woran ich glaube. Dies werde ich mit einfachen, aber deutlichen Worten zu formulieren versuchen.

Ich glaube an die Schwarze Befreiungsbewegung, also bin ich ein Schwarzer RevolutionĂ€r. Ich glaube, dass Schwarze Menschen sowohl als Arbeiter*innen als auch als Angehörige einer bestimmten Nation unterdrĂŒckt sind und dass sie nur von einer Schwarzen Revolution befreit werden können, die ihrerseits immanenter Teil einer breiten sozialen Revolution zu sein hat. Ich glaube, dass Schwarze und andere unterdrĂŒckte Nationen ihre eigenen Ziele haben mĂŒssen, ihre eigene Weltanschauungen und kĂ€mpferischen Organisationen. Dies gilt auch, wenn sie sich dazu entscheiden, mit weißen Arbeiter*innen zusammenzuarbeiten.

Ich glaube an die Zerstörung des kapitalistischen Weltsystems, also bin ich ein Antiimperialist. Solange der Kapitalismus auf dem Planeten herrscht, wird es Ausbeutung, UnterdrĂŒckung und Nationalstaaten geben. Es ist der Kapitalismus, der fĂŒr die beiden Weltkriege sowie unzĂ€hlige weitere kriegerische Konflikte und den Hungertod von Millionen von Menschen verantwortlich ist. Alles nur, um die Profitgier der reichen LĂ€nder des Westens zu befriedigen.

Ich glaube an Gerechtigkeit fĂŒr alle Menschen ungeachtet ihrer EthnizitĂ€t, also bin ich ein Antirassist. Das kapitalistische System wurde auf der Basis der Versklavung und der kolonialen UnterdrĂŒckung von Afrikaner*innen errichtet und wird darĂŒber aufrechterhalten. Bevor es zu einer breiten sozialen Revolution kommen kann, muss die weiße Vorherrschaft besiegt werden. In den USA, dem „weißen Vaterland“, bilden Afrikaner*innen eine innerstaatliche Kolonie. Weiße Arbeiter*innen mĂŒssen ihren privilegierten Status sowie ihre „weiße IdentitĂ€t“ aufgeben und unterdrĂŒckte nicht-weiße Arbeiter*innen in ihrem Kampf fĂŒr Gleichheit und nationale Befreiung unterstĂŒtzen. Freiheit kann nicht auf der Basis von Versklavung und Ausbeutung anderer erreicht werden.

Ich glaube an soziale Gerechtigkeit und ökonomische Gleichheit, also bin ich ein libertĂ€rer Sozialist. Ich glaube, dass die Produkte der Arbeit von der Gesellschaft geteilt werden mĂŒssen bzw. von allen, die an ihrer Produktion beteiligt sind. Ich glaube weder an den Kapitalismus noch an den Staat. Ich glaube, dass beide ĂŒberwunden und abgeschafft gehören. Ich akzeptiere die ökonomische Kritik des Marxismus, aber nicht sein Modell politischer Organisation. Ich akzeptiere die antiautoritĂ€re Kritik des Anarchismus, aber nicht seine VernachlĂ€ssigung des Klassenkampfes.

Ich glaube an die Kontrolle der Gesellschaft und der Industrie durch die Arbeiter*innen, also bin ich ein Anarchosyndikalist. Anarchosyndikalismus ist revolutionĂ€rer Unionismus, in dem Taktiken direkter Aktion verwendet werden, um den Kapitalismus zu bekĂ€mpfen und die industrielle Produktion zu ĂŒbernehmen. Ich glaube, dass die Arbeitsstellen von Fabrikkomitees, Arbeiter*innenrĂ€ten und anderen Organisationsformen der Arbeiter*innen selbst verwaltet werden mĂŒssen. Den Kapitalist*innen muss durch Taktiken wie Sabotage, Streik, Arbeitsniederlegung, Fabriksbesetzung usw., die Kontrolle entrissen werden.

Ich glaube nicht an das angebliche Heil, das von Regierungen kommt, also bin ich ein Anarchist. Ich glaube, dass die Regierung die schlimmste Form moderner UnterdrĂŒckung sowie die Ursache von Krieg und ökonomischer Ausbeutung ist. Deshalb glaube ich, dass alle Regierungen gestĂŒrzt werden mĂŒssen. Anarchismus bedeutet mehr Demokratie, soziale Gleichheit und ökonomischen Wohlstand. Angesichts dieser Ziele wende ich mich gegen alle Formen von UnterdrĂŒckung, welche die moderne Gesellschaft kennzeichnen: das Patriarchat, weiße Vorherrschaft, Kapitalismus, Staatskommunismus, religiösen Dogmatismus, Homofeindlichkeit usw.

anarchist*queer*vegan*

~ Burn this world to build a new. ~

Übersetze und schreibe zu Black Anarchism & Empowerment, Feminismus, Zivilisations und Technologiekritik, indigene Kulturen

Elany



Quelle: Schwarzerpfeil.de