Mai 13, 2021
Von Anarchosyndikalismus
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Vor der Bildungs– und Jugendbehörde in der spanischen Hauptstadt haben am 11.05.2021 die Gewerkschafter*innen der CNT-IAA Madrid eine Kundgebung abgehalten. Dabei forderten sie angesichts der andauernden Pandemie mehr Gesundheitschutz in den Betrieben, damit niemand mehr wegen den Arbeitsbedingungen erkranken oder sterben muss.


Der Protest wurde in Erinnerung an Marijose Romero organisiert, eine Anarchosyndikalistin, die im „Institut fĂŒr Sekundarschulbildung Felipe II“ im Stadtteil Moratalaz als Hausmeisterin tĂ€tig war und an Covid-19 verstorben ist.

Anfang Dezember 2020 war in dem Institut eine Gewerkschaftssektion des „Syndikats fĂŒr Bildung und soziale Intervention“ der CNT-IAA Madrid gegrĂŒndet worden. Diese forderte fĂŒr die Hausmeister*innen richtige Schutzkabinen fĂŒr AufsichtstĂ€tigkeiten, da zwei Kolleg*innen bekanntermaßen zu ansteckungsgefĂ€hrdeten Personengruppen zĂ€hlten. Wegen ihres berufsbedingten Kontakts zu zahlreichen SchĂŒler*innen waren die Hausmeister*innen einer erhöhten Infektionsgefahr ausgesetzt, zumal sie nur mit Tisch und Stuhl ausgestattet waren, aber außer einer Maske keinerlei Schutz erhielten.

Wegen der an vielen Schulen mangelhaften Covid-19-Schutzmassnahmen hatte das Bildungssyndikat bereits Streiks aufgerufen, um die Behörden in Madrid dazu zu bewegen, dem Personal ein Minimum an Sicherheit zu gewĂ€hrleisten. Auch die Institutsleitung des „IES Felipe II“ war erst nach mehreren Gewerkschatfsaktionen dazu bereit, ĂŒberhaupt Acrylglasscheiben aufzustellen, die jedoch leider viel zu klein und daher unbrauchbar waren. Kein Wunder, dass die Arbeiter*innen inmitten der Pandemie große Angst um ihr Leben hatten, wenn sie unter diesen Bedingungen tĂ€tig waren. Auch wĂ€hrend der dritten Welle im Dezember war die Schulleiterin nicht zu weiteren Schutzmaßnahmen zu bewegen.

Also kam es so, wie befĂŒrchtet: Ende Januar 2021 wurde Marijose mit dem Coronavirus infiziert. Nachdem sie Anfang Februar ins Krankenhaus eingeliefert werden musste und bald auf die Intensivstation verlegt wurde, verstarb sie anfang MĂ€rz an Covid-19.


Marijose
hatte die Direktorin des Bildungsinstituts mehrmals darum gebeten, aus humanitĂ€ren GrĂŒnden nicht in diesem hoch-ansteckungsgefĂ€hrdeten Bereich eingesetzt zu werden. Wegen ihrer Vorerkrankungen hatte sie sich in der Freizeit auch komplett in ihre Wohnung zurĂŒckgezogen und ging aus Angst vor einer Infektion nur noch zum Arbeiten vor die TĂŒr. Obwohl sie ĂŒber die Situation informiert wurde, war die Chefin zu keinerlei Entgegenkommen bereit. Sie strafte sogar den anderen Hausmeister ab, der zum Schutz seiner Gesundheit bis heute in unbefristeten Streik getreten ist.

Die Mitglieder des Bildungssyndikats sind angesichts dieser absehbar tödlich verlaufenden Tragödie voller Wut, Empörung und Ohnmacht, da die Genossin Marijose mit den ausreichenden Schutzmaßnahmen heute noch leben könnte. Seit Beginn dieses Konfliktes fĂŒhren Mitglieder der CNT-IAA gemeinsam mit einem Nachbarschaftskollektiv und einigen Anwohner*innen des Stadtteils eine Informationskampagne durch.

Neben Kundgebungen, Unterschriftensammlungen und Gerichtsverfahren wurde auch eine SolidaritĂ€tskasse fĂŒr den weiterhin streikenden Kollegen von Marijose organisiert. Die Proteste, welche unter anderem den RĂŒcktritt der Institutsleiterin MarĂ­a Dolores Petit de Gabriel fordern, werden weitergehen bis der Fall endgĂŒltig aufgeklĂ€rt ist. Auch damit die Opfer der Berufskrankheit Covid-19 anerkannt werden und nicht in Vergessenheit geraten.

Mehr Infos der „Sección Sindical de la CNT-AIT en el IES Felipe II“:
https://enseñanza.cntmadrid.org/tag/ies-felipe-ii/




Quelle: Anarchosyndikalismus.blackblogs.org