August 10, 2022
Von Indymedia
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Antifeministische Praxis – auf das Outing von Marcel folgt ein eigener “Outcall”

Marcel bewegt sich in einem anpolitisierten Freundeskreis in Berlin-Schöneweide, der grĂ¶ĂŸtenteils aus cis-mĂ€nnlich gelesenen Personen besteht. Diese MĂ€nnergruppe zieht seit dem Outing von Marcel verzweifelt alle Register, um ihren Hass gegen feministische Praxis Ausdruck zu verleihen. Um Marcel zu verteidigen nutzen sie vor allem twitter, weil sie innerhalb der Szene kaum noch hoffen können, Gehör zu finden. Auf twitter, aber auch tiktok posten sie seit dem Outing von Marcel konstant tĂ€terschĂŒtzende Statements. Zugleich bedrohen sie Personen, die sie als Betroffene oder deren UnterstĂŒtzer*innen fĂŒr das Outing verantwortlich machen. Vor allem Teile des Berliner “Demoticker Kollektivs” sind davon betroffen und ihnen wird vorgeworfen selbst vermeintliche TĂ€terpersonen geschĂŒtzt zu haben. Der Höhepunkt dieser Schuldabwehr ist ein eigener “Outcall” aus Marcels Umfeld, in dem die ĂŒber twitter verbreiteten VorwĂŒrfe gegenĂŒber einer “Demoticker”-Person breiter ausgefĂŒhrt werden. Diesen Vorwurf wollen wir im Folgenden genauer betrachten und die Argumentationsstrategien des Umfelds von Marcel seit dem Outing genauer beleuchten. Dabei wollen wir das widerwĂ€rtige Schauspiel aus toxischer MĂ€nnlichkeit und mĂ€nnerbĂŒndischer Schuldabwehr aufdecken. Anstatt eigene Fehler zu bearbeiten, wird auf vermeintliche Fehler anderer gezeigt, um sich nicht mit den VorwĂŒrfen auseinandersetzen zu mĂŒssen. Viele der Strategien, die wir in diesem Fall beobachten, sind bekannt und tauchen auch in Ă€hnlich gelagerten FĂ€llen auf. Indem wir den manipulativen Gehalt der Argumentationen herausstellen, wollen wir anderen Menschen, die Ă€hnliches aus TĂ€terumfeldern hören, helfen, nicht auf derart billige Ausreden hereinzufallen. Niemand muss TĂ€ter sein und niemand muss TĂ€ter schĂŒtzen!

Keine Einsicht in der Buddy-Blase

ZunĂ€chst noch einmal von Anfang an: Trotz mehrerer unabhĂ€ngiger TĂ€tervorwĂŒrfe, die sich ĂŒber Jahre gegen Marcel erstrecken, ist nach dem Outing in Marcels Freundeskreis keinerlei Kritik an ihm zu erkennen. Im Gegenteil; Marcel wird von den MĂ€nnern um sich herum auch noch vehement verteidigt und bestĂ€rkt. Der Kreis um Marcel versteht sich selbst als links und/oder anarchistisch. Die einzelnen Personen inszenieren sich entsprechend auf twitter und/oder instagram unter den Usernamen “Ben Galo (@BenGaloMusik und @Satans_Crow)”, “Backenhörnchen (@161BHK)” und “berliner198336 (@AntifaBulleExil)”. Sie gehen auf linke Veranstaltungen, Demos und Konzerte. Der Rapper unter dem Pseudonym “Ben Galo” ist selbst als KĂŒnstler in linken Kontexten aktiv. Seit dem Outing von Marcel posten alle diese Accounts nahezu tĂ€glich antifeministische Statements im Social Media. Sie benutzen dabei Argumentationen wie Bullen und Justiz. Sie wollen trotz möglicher Gefahren und Retraumatisierungen von Betroffenen jedes noch so kleine Detail “ermitteln” und im Social Media ausdiskutieren – alles nur, um einen ĂŒbergriffigen Mann zu schĂŒtzen. Den Betroffenen schenkten sie von Anfang an keinen Glauben und versuchten sie zu diskreditieren, indem sie zum Gegenschlag ausholten und drohten, auch etwas ĂŒber sie zu veröffentlichen. Die szeneinternen Diskussionen ĂŒber einen progressiveren Umgang mit ĂŒbergriffigem Verhalten sind somit entweder an ihnen vorbeigegangen oder werden konsequent ignoriert. Neben den genannten maßgeblich beteiligten TĂ€terschĂŒtzern fallen auch weitere Accounts, wie “PUKE ROCKT (@PukeRockt)”, “paradox #freeLina (@para_dokz)”, “Mike ZeckenOpa (@zeckenipa)” und “Chicken George (@Swish101181)”, mit tĂ€tersolidarischem Verhalten auf.

Wir finden es nicht verwerflich, hier die entsprechenden twitter-Namen zu nennen, weil sich die TĂ€terschĂŒtzer unter diesen Namen selbst in die Öffentlichkeit begeben haben und ihre Statements fĂŒr alle, inklusive der Repressionsbehörden, offen nachzulesen sind. Wir wissen, wer die entsprechenden Personen im “richtigen Leben” sind und werden dafĂŒr sorgen, dass sie nicht mehr in linke Locations oder auf linke Veranstaltungen kommen, solange sie ihr tĂ€terschĂŒtzendes cis-Macker-Verhalten nicht Ă€ndern. Doch was sind die Argumentationsstrategien, mit denen Marcel und seine Kumpels von den TĂ€tervorwĂŒrfen ablenken wollen?

Strategie 1: Abschirmen und ZurĂŒckweisung von Verantwortung

Seit dem Outing hat sich Marcel auf twitter mehrfach zu den vorgebrachten VorwĂŒrfen geĂ€ußert. Darin war jedoch kein Wort des Bedauerns oder ErklĂ€rungen, wie die VorwĂŒrfe und die angesprochenen problematischen Verhaltensweisen politisch aufgearbeitet werden sollen. Hier zeigt sich ein absolutes fehlendes VerantwortungsgefĂŒhl und eine unsolidarische, wenn nicht gar menschenverachtende Grundeinstellung. Marcel wurde öffentlich vermittelt, dass sich Menschen von ihm und seinem ĂŒbergriffigen Verhalten betroffen fĂŒhlen. Da wĂ€re es das Mindeste, sich in einem ersten Schritt dafĂŒr zu entschuldigen. DafĂŒr ist es auch egal, was er von den VorwĂŒrfen hĂ€lt, wenn Menschen ihm spiegeln, dass er sie verletzt hat. Aber selbst dieses Minimum an Menschlichkeit scheint schon zuviel.

Dieser Unwillen sich mit dem Outing auseinanderzusetzen zeigt sich auch in seinem Freundeskreis. Übergriffe, wie die im Outing beschriebenen, werden zwar von Einzelpersonen wie Marcel durchgefĂŒhrt, doch ist deren persönliches und politisches Umfeld ebenso zu einem gewissen Teil (mit-)verantwortlich. Das nennt sich ‘community accountability’. Problematische Verhaltensweisen zeigen sich in der Regel bereits im alltĂ€glichen Miteinander, sodass sie bestenfalls frĂŒhzeitig erkannt und Gegenmaßnahmen ergriffen werden können. Die zentrale Frage lautet “Was lĂ€uft in unserem Zusammenhang falsch, dass eine Person zum TĂ€ter werden konnte und warum ist das nicht frĂŒher aufgefallen?”. Doch solche kritischen Fragen an sich selbst, wie man das TĂ€terverhalten auch sebst mitzuverantworten hatte – und sei es nur durch Tolerieren und Wegsehen – sind unter Marcels Freunden nicht auszumachen. Stattdessen betreiben sie eine aggressive Schuldabwehr. So baut die oben genannte Gruppe aus ausschließlich cis-MĂ€nnern durch eine Vielzahl relativierender Posts in den sozialen Medien einen Ring aus Ignoranz, um den TĂ€ter vor den VorwĂŒrfen abzuschirmen. Dabei sprechen die virtuellen TĂ€terschĂŒtzer fĂŒr den TĂ€ter. Die ganze Schuldabwehr wirkt insgesamt wie ein Schauspiel fĂŒr twitter. Das ist keine nachvollziehbare und vom TĂ€ter ausgehende Aufarbeitung. Dieser mĂŒsste die WĂŒnsche und BedĂŒrfnisse der Betroffenen anerkennen, die VorwĂŒrfe ernst nehmen, eigenstĂ€ndig einen RĂŒckzug aus Szenestrukturen und twitter umsetzen und sich um Möglichkeiten der TĂ€terarbeit zur Aufarbeitung (evtl. mit einer begleitenden Therapie) suchen.

Strategie 2: What-aboutism und Relativierung der TatvorwĂŒrfe

Anstatt sich mit den VorwĂŒrfen auseinandersetzen, erfinden Marcel und seine Freunde lieber eigene Geschichten, die nichts mit den VorwĂŒrfen zu tun haben und von ihnen ablenken sollen. So geschehen mit der oben bereits erwĂ€hnten Veröffentlichung eines eigenen “Outcalls”. Hauptakteur hierbei ist “Ben Galo”. Mit einem eigenen Schreiben griff er wenige Tage nach der Veröffentlichung des Outings von Marcel vermeintliche Supporter*innen der Betroffenen an und versuchte den Spieß umzudrehen. Er verwendete wiederholt gleiche Wortlaute, die auch im Rahmen des Outings von Marcel vorkamen, um seinen “Outcall” auf eine Ebene mit dem Outing von Marcel zu stellen. Weiterhin postete er seinen “Outcall” unter twitter-Posts zum Outing von Marcel mit der Forderung, diesen “Outcall” gleichermaßen zu behandeln. Insgesamt wirkt das Vorgehen von “Ben Galo” wie ein billiger Rache-Akt. Nun zum Inhalt des “Outcalls”: In seinem “Outcall” wirft “Ben Galo” einer Person vor, ihm wissentlich und gegen seinen Willen zu viele Messenger-Nachrichten geschrieben zu haben. Wir sprechen “Ben Galo” nicht ab, dass er sich bedrĂ€ngt gefĂŒhlt haben könnte, wenn er wiederholt gegen seinen Willen kontaktiert wird. Doch zu viele Messenger-Nachrichten auf eine Ebene mit den Bedrohungen und der psychischen Manipulation durch Marcel zu stellen, empfinden wir als Verhöhnung der Betroffenen FLINTA* und eine Ausnutzung des Definitionsmacht-Konzeptes. Es macht einen erheblichen Unterschied, ob ein öffentlich auftretender mĂ€nnlicher Musiker gegen seinen Willen viele Nachrichten erhĂ€lt oder ob Marcel sich seit Jahren massiv ĂŒbergriffig gegenĂŒber FLINTA* verhĂ€lt. Dass “Ben Galo” sich nun als Opfer eines vermeintlich gleich gelagerten Übergriffs inszeniert, ist eine Relativierung der ursprĂŒnglichen TatvorwĂŒrfe gegen Marcel. In “Ben Galos” “Outcall” bennent er zudem Klarnamen und postet private Messenger-Nachrichten. Sein “Outcall” richtet sich dabei explizit gegen vermeintliche Supporter*innen der Betroffenen FLINTA* und gegen die Betroffenen selbst. Sein Text ist fĂŒr uns lediglich ein weiterer klĂ€glicher Versuch, Marcel als TĂ€ter zu schĂŒtzen. Als “Ben Galo” und Marcel feststellten, dass der Rache-“Outcall” nicht die erwĂŒnschte Reichweite erzielte, warfen sie mit Worten wie “Ableismus” oder “TĂ€terschutz” um sich. Sie griffen damit bewusst Schlagworte aus dem Kontext der Antidismriminierungsarbeit auf, um eine eigene Betroffenheit zu inszenieren. Wir verurteilen einen solchen Missbrauch politischer Instrumente wie öffentliche Outcalls. Anstatt kleinste Vorkommnisse kĂŒnstlich aufzublasen, muss sich “Ben Galo” mit seinem eigenen Verhalten als aktiver und passiver TĂ€terschĂŒtzer auseinandersetzen. Nach dem Outing von Marcel ein eigenes Schreiben zu verfassen und stets darauf zu verweisen, anstatt die ursprĂŒnglichen VorwĂŒrfe aufzuarbeiten, ist ein Trick zum Blenden aus der Mottenkiste autoritĂ€ren Verhaltens. Von Trump bis zur AfD und nun auch “Ben Galo” und Konsorten – alle reagieren Ă€hnlich. Um von eigenem Fehlverhalten abzulenken, wird mit dem Finger auf andere gezeigt.

Strategie 3: TÀter-Opfer-Umkehr und öffentliche Rache

Somit zeigen Labeling und Inhalt des Textes von “Ben Galo” als “Outcall” die fehlende SensibilitĂ€t gegenĂŒber einem Umgang mit sexualisierter und/oder psychischer Gewalt und den zu wĂ€hlenden Mitteln. Im Allgemeinen sollte ein Outing in der linken Szene eher das letzte Mittel sein, um uneinsichtige Personen zu einer Einstellung problematischer Verhaltensweisen zu bewegen und andere vor ihnen zu schĂŒtzen. Im Fall von “Ben Galos” Text wurde jedoch weniger vor einem TĂ€ter gewarnt. Stattdessen wird einer Person, die explizit mit dem Verfassen des ursprĂŒnglichen Outings in Verbindung gebracht wird, TĂ€terschutz unterstellt, weil diese nicht genug da gewesen sei, als “Ben Galo” sich von den vielen Messenger-Nachrichten bedrĂ€ngt gefĂŒhlt habe. Auf diese Weise erscheint der Text von “Ben Galo” als Form der TĂ€ter-Opfer-Umkehr. Durch die Konstruktion einer vermeintlichen Betroffenheit durch die Messenger-Nachrichten wird ein moralisches Argument kreiert, um das Handeln einer Person zu delegitimieren. Das Ganze lĂ€uft nach dem Motto: “Seht her, die Person hat sich vermeintlich falsch verhalten, deswegen glaubt ihr nicht, was sie sonst noch so erzĂ€hlt.” Das TĂ€terumfeld ist sich dieser durchsichtigen Strategie auch bewusst, versucht sie aber – mehr schlecht als recht – zu verteidigen. Letztendlich missbrauchen sie das Mittel eines eigenen “Outcalls”, um von ihrem Fehlverhalten abzulenken, da es ihnen offensichtlich nicht darum geht, TĂ€ter bekannt zu machen und gegen antifeministische Tendenzen vorzugehen, sondern um Rache.

FĂŒr uns ist klar, dass ein Outcall das allerletzte Mittel der politischen Auseinandersetzung sein sollte und nur sehr vorsichtig eingesetzt werden darf. Outcalls enthalten viele persönliche Informationen, die in der Regel nichts in der Öffentlichkeit verloren haben und auch von Bullen und Nazis mitgelesen werden können. Bei Marcel und seinem Umfeld fehlt hierfĂŒr jegliches VerstĂ€ndnis. Schon wenige Stunden nach dem ursprĂŒnglichen Outing von Marcel, teilten sie private Messanger-Nachrichten von Dritten auf twitter, die sich nun auch in dem zweiten „Outcall“ befinden. So etwas hat ABSOLUT NICHTS in der Öffentlichkeit verloren. Dass die TĂ€terschĂŒtzer auf solche Mittel zurĂŒckgreifen, zeigt zwei Dinge deutlich auf:

Einerseits schrecken Marcel und sein Umfeld nicht davor zurĂŒck, private und interne Informationen zu teilen, wenn sie sich in die Ecke gedrĂ€ngt fĂŒhlen,da sie sich durch eine Veröffentlichung sensibler Daten Vorteile erhoffen. Damit arbeiten sie letztendlich nur den Repressionsorganen zu. Diese fehlende SensibilitĂ€t im Umgang mit Sicherheit und Repression hat sich bei Marcel und “Ben Galo” bereits in der Vergangenheit gezeigt, da sie mehrere politische Aktionen mit ihrem Smartphone auf ihrem persönlichen twitter-Account posteten. All diese Informationen werden dadurch fĂŒr Sicherheitsbehörden zugĂ€nglich gemacht, was nicht nur eine Gefahr fĂŒr sie selbst, sondern auch fĂŒr weitere Beteiligte aus ihrem Umfeld darstellt.

Andererseits zeigt die Veröffentlichung der Chat-VerlĂ€ufe durch “Ben Galo”, dass Marcel und sein Umfeld ihren eigenen Text nicht sonderlich ĂŒberzeugend finden und deshalb in bester Bullenmanier auf vermeintlich „objektive Beweise“ zurĂŒckgreifen wollen.

Insgesamt wird mit dem “Outcall” von “Ben Galo” eine TĂ€ter-Opfer-Umkehr betrieben, die besonders perfide ist, weil sie nicht an der AufklĂ€rung und Verhinderung von Übergriffen interessiert ist, sondern nur Einzelpersonen moralisch in den Dreck ziehen soll. Zudem werden ohne Not persönliche Daten und sensible Informationen veröffentlicht, was als Akt der öffentlichen Rache und EinschĂŒchterung erscheint, sodass Personen Angst haben mĂŒssen, wenn sie sich gegen den TĂ€ter und sein Umfeld stellen, bald weitere private Chat-Nachrichten im Internet lesen zu können.
 

Strategie 4: Delegitimierung der Betroffenen und ihrer UnterstĂŒtzer*innen

Allerdings ist der Text von “Ben Galo” nur ein Beispiel einer ĂŒbergreifenden Strategie. Seit der Veröffentlichung des Outings von Marcel versuchen er und die cis-MĂ€nner, die ihn schĂŒtzen, den Betroffenen und ihren vermuteten UnterstĂŒtzer*innen ihre GlaubwĂŒrdigkeit absprechen. So wird lang und breit ĂŒber vermeintliche politische Verfehlungen einer Person aus dem FLINTA*-Space der besetzten Habersaath-Straße geschrieben und die Person mit Vornamen auf twitter gedoxxt. Die Person, der eine Mitarbeit am Outing von Marcel unterstellt wird, soll auf diese Weise unglaubwĂŒrdig dargestellt werden. Eine Ă€hnliche Taktik fahren Marcel und seine UnterstĂŒtzer in Bezug auf das Berliner “Demoticker”-Kollektiv und einzelne Mitglieder, die als vermeintlich treibende Kraft des Outings von Marcel beschuldigt werden. So zielt der von “Ben Galo” verfasste eigene “Outcall” ausschließlich darauf, vermeintliche TatvorwĂŒrfe gegen das “Demoticker”-Kollektiv und einzelne Mitglieder zu erfinden und so eine TĂ€ter-Opfer-Umkehr zu betreiben. Ziel der Angriffe gegen einzelne Betroffene und ihre UnterstĂŒtzungskreise ist es, mithilfe einer “Salami-Taktik” StĂŒck fĂŒr StĂŒck die Betroffenen als unglaubwĂŒrdig darzustellen, um sich nicht mit den dahinterliegenden VorwĂŒrfen auseinandersetzen zu mĂŒssen. AuffĂ€llig ist in diesem Fall zudem, dass sich die TĂ€terschutzgruppe vor allem auf einzelne der vielfachen VorwĂŒrfe konzentriert. Die anderen VorwĂŒrfe aus dem Outing von Marcel, die sich aus ihrer Sicht wohl nicht so einfach mit einem Gegenangriff angehen lassen, werden einfach weggelassen und gehofft, dass sich schon kein Mensch daran erinnert.

Strategie 5: Frage nach Beweisen

Das Vorgehen der TĂ€terschĂŒtzer hat noch zwei weitere Facetten. Zum einen prĂ€sentieren sie mit privaten Chat-Nachrichten vermeintliche “Beweise” in der Öffentlichkeit. Zum anderen verweisen sie gleichzeitig immer darauf, dass im Outcall eben keine konkreten Anschuldigungen stehen wĂŒrden und eben solche Beweise fehlten. Hier zeigt sich sich ein verschobenes VerstĂ€ndnis im Umgang mit VorwĂŒrfen von sexualisierter Gewalt. Die Strategie ist im Allgemeinen aus vielen anderen Auseinandersetzungen der letzten Jahre bekannt (z.B. Feine Sahne Fischfilet). Sie ist letztendlich Ausdruck von einem bĂŒrgerlichen RechtsverstĂ€ndnis, das nach einer Art Gerichtsverfahren als AbwĂ€gung unterschiedlicher Beweise verlangt. Dabei verkennt eine solche Argumentation, dass entsprechende Verfahren zwar Gerechtigkeit auf der Basis des besseren Arguments (einer vermeintlichen „Wahrheit“) versprechen, diese aber nicht einhalten können, weil gerade weniger privilegierten Personen weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird bzw. diese von den – zumeist privilegierteren – TĂ€tern delegitimiert werden. Das geschieht auch in diesem Fall. So zeigt das Verhalten vom TĂ€ter und seinem Umfeld jetzt schon, dass sie den Betroffenen nicht zuhören wollen. Sie setzen stattdessen auf die Karte, wer die Argumentation am besten manipuliert und am lautesten – im Internet – schreit, hat Recht.

Zugleich verkennt die Frage nach Beweisen oder der Beschreibung konkreter Situationen die Erlebnisse der Betroffenen und die Berichte, da sie von Vornherein als zu widerlegen und damit unwahr angesehen werden. Solche Argumentationen nehmen eine Retraumatisierung billigend in Kauf, indem schmerzliche Erlebnisse nochmal im Detail wiedergegeben werden sollen, sodass sich der TĂ€ter dazu verhalten kann. So funktioniert aber weder SolidaritĂ€t noch Betroffenenschutz nach der Maßgabe der Definitionsmacht, d.h. der fraglosen SolidaritĂ€t mit den Betroffenen. Ein solches Verfahren kann im ersten Moment „unfair“ wirken, da es zu „Missbrauch“ in Form wilder Behauptungen einzuladen scheint. Auch wenn dies vorkommen kann, wie wir am “Outcall” von “Ben Galo” sehen, ist das im ursprĂŒnglichen Outing von Marcel nicht der Fall, weil es sich hierbei um einen sehr detaillierten Text mit mehreren Betroffenen-Berichten handelt. WĂ€hrend also ein an der Defintionsmacht der Betroffenen orientiertes Verfahren den Fokus vom TĂ€ter auf die Betroffenen verschiebt, versuchen Marcel und sein Umfeld in eine aktive Verteidigungrolle wie in einem Gerichtsverfahren zu kommen. Die Betroffenen sind ihnen dabei egal, da es ihnen einzig und allein darum geht, die eigene Position zu stĂ€rken. DafĂŒr ist ihnen jedes Mittel recht, wie ihre bisherigen Strategien gezeigt haben.

Narzisstische Persönlichkeiten – den Sicherheitsbehörden in die HĂ€nde spielend

Zum Abschluss wollen wir noch einmal darauf hinweisen, wie Marcel, “Ben Galo” und Co den Sicherheitsbehörden mit ihrem Verhalten seit geraumer Zeit in die HĂ€nde spielen. Ihre aggressive, narzisstische Selbstdarstellung ist gefĂ€hrlich. Das ist nicht erst der Fall, seit “Ben Galo” Klarnamen in seinem Rache-“Outcall” veröffentlicht hat, sondern kann schon lĂ€nger beobachtet werden. Marcel hascht bereits seit Jahren nach Aufmerksamkeit. Bereits seit einigen Monaten nutzt er verstĂ€rkt die Social Media-Plattform twitter, um wenigstens medialen Zuspruch zu finden, den er zuvor durch sein ĂŒbergriffiges Verhalten in vielen linken Kontexten nicht erhielt.

Marcel agierte im Social Media ohne jegliche Sicherheitsstandards, wie die jĂŒngste Vergangenheit zeigt. Ab Juni 2022 initiierte er nahezu im Alleingang eine mediale Kampagne zum Tod von Marcel K., einem obdachlosen Menschen, der in Schöneweide durch Bullengewalt ums Leben gekommen ist. Eine Kampagne gegen tödliche Bullengewalt ist zweifelsfrei unterstĂŒtzenswert. Allerdings ging es Marcel bei seiner Kampagne weniger um das Schicksal des Verstorbenen. Stattdessen strotzten seine BeitrĂ€ge rund um den Tod von Marcel K. vor narzisstischer Selbstdarstellung. So schrieb er fĂŒr eine breite Öffentlichkeit u.a. darĂŒber, dass Marcel K. ebenfalls Anarchist gewesen sei, der Verstorbene die Arbeit von Marcel gut geheißen hĂ€tte und Marcel demzufolge in gutem Austausch mit den Freunden des Verstorbenen stehe. Es folgten viele recht persönliche Darstellungen aus persönlichen GesprĂ€chen mit Hinterbliebenen, bis Marcel schließlich in einem twitter-Post angab, wo sich die obdachlosen Freunde des Verstorbenen auf der Straße aufhalten wĂŒrden. Zwei von ihnen sollen die Tat laut Marcels Angabe beobachtet haben. Weiterhin schilderte Marcel Details zum Tathergang, die er ĂŒber die besagten Freunde von Marcel K. in Erfahrung gebracht haben will. Am 23. Juni schrieb Marcel letztlich auf twitter, dass die Kripo einen Freund von Marcel K. zum Tathergang aufgesucht und in die Mangel genommen hĂ€tte. Das war genau der Freund, ĂŒber den Marcel zuvor selbst diverse Informationen, wie den Aufenthaltsort, öffentlich gemacht hatte. Marcel behauptete daraufhin, dass er nun versuchen wĂŒrde, diesem Freund anwaltlichen Beistand zu besorgen. Dass er zuvor wochenlang keine AnwĂ€lt*innen fĂŒr die obdachlosen Menschen, die laut seinen Angaben die Tat beobachtet haben sollen, aufgetrieben hat und stattdessen Details ĂŒber den Tathergang auf seinem twitter-Profil veröffentlichte, unterstreicht nur, dass fĂŒr ihn das Wohlergehen der Menschen, die anders wie er selbst keinen RĂŒckzugsort fernab der Straße haben, weniger wichtig ist als seine Reichweite im Social Media. All das sind nur einige Warnsignale, die verdeutlichen, wie gefĂ€hrlich es ist, mit Marcel an gemeinsamen politischen Projekten zu arbeiten.

Fazit

Marcel und sein Umfeld sind ein massives Sicherheitsproblem fĂŒr linke Strukturen. Sie teilen vertrauliche Informationen im Social Media und haben keinen “Filter” fĂŒr Interna, solange sie sich persönlichen Vorteil und Reichweite erhoffen. Weiterhin schĂŒtzen sie TĂ€ter und verharmlosen deren Verhalten. Die Erlenisse der FLINTA*, die seit Jahren unter Marcel leiden und aus RĂ€umen gedrĂ€ngt wurden, sind ihnen egal. Selbst nach dem Outing stellen sie Betroffenen und ihren UnterstĂŒtzer*innen auf den sozialen Medien nach und versuchen sie so psychisch fertig zu machen. Sie machen weiter und werden nicht aufhören, bis sie eine konsequente Antwort aus der Szene erhalten. Ihr Verhalten darf nicht unbeantwortet bleiben. Wir dĂŒrfen nicht zulassen, dass sich die manipulativen Argumentationen von Marcel und seinen cis-MĂ€nner-Freunden festsetzen. TĂ€ter und TĂ€terschĂŒtzer dĂŒrfen nicht in linken Kontexten geduldet werden. Mit den MĂ€nnern im Umfeld von Marcel sind keinerlei GesprĂ€che möglich. Sie suchen nur nach Möglichkeiten der Rechtfertigung fĂŒr TĂ€terverhalten. Deshalb mĂŒssen wir einen konsequenten Ausschluss von allen umsetzen, die Marcel weiterhin schĂŒtzen: Hausverbot fĂŒr Ben Galo, Backenhörnchen, AntifaBulle und co! Keine Auftritte mehr fĂŒr Ben Galo! Weitere solidarische Aktionen gegen tĂ€terschĂŒtzendes Verhalten sind willkommen!




Quelle: De.indymedia.org