Oktober 23, 2022
Von Der Rechte Rand
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von Andreas Speit
Antifa-Magazin »der rechte rand« Ausgabe 195 – MĂ€rz / April 2022

#Cato

Der Leitungswechsel beim »Magazin fĂŒr neue Sachlichkeit« verlief gerĂ€uschlos. Seit Februar 2022 ist Ingo Langner Chefredakteur von »Cato«. Im Editorial der MĂ€rz-Ausgabe schreibt der ehemalige Theaterkritiker und Filmproduzent aus der Mitte der Gesellschaft, dass Andreas Lombard »anderorts eine neue Aufgabe« gefunden habe. Nicht ohne zu erwĂ€hnen, dass der »erste â€čCatoâ€ș-Chefredakteur« das 100 Seiten starke Magazin zu einem »SolitĂ€r in der deutschsprachigen Medienlandschaft« werden ließ, in dem »das Wahre, Gute und Schöne«, der »Maßstab fĂŒr die redaktionelle Leitlinie« sei.

© derrechterand Archiv

Im September 2017 stellte Lombard das Zweimonatsmagazin in der »Bibliothek des Konservatismus« vor. Eine kleine Runde war in den RĂ€umen in der Berliner Fasanenstraße versammelt. Karlheinz Weißmann – der die Wochenzeitung »Junge Freiheit« (JF) mitprĂ€gt – sagte, dass sie sich dem »BewĂ€hrten« widmen und »das Wirkliche gegen seine ideologische Verzehrung« verteidigen. Hier in den RĂ€umen habe Weißmann die Idee zu dem Magazin schon vor LĂ€ngerem aufgeworfen, erzĂ€hlt JF-Chefredakteur Dieter Stein zur BegrĂŒĂŸung und erklĂ€rt, dass die JF beim Vertrieb unterstĂŒtzen werde. Der Ort und die Personen legten nahe, was nun verkĂŒndet wurde: »Cato« ist ein Projekt aus dem JF-Milieu. Das alte Netzwerk der »Neuen Rechten« steht. Stein selbst verwies auf das frĂŒhere Magazin »CriticĂłn«, das eine Gegenstimme zur 68er-Bewegung und dem vermeintlichen Linksruck der Kirchen bildete. Das Theorieorgan der »Neuen Rechten« war weltanschaulich prĂ€gend fĂŒr einen Teil der heutigen »Alternative fĂŒr Deutschland« (AfD). Einer der damaligen Autoren: der AfD-Ehrenvorsitzende Alexander Gauland. Ein weiterer: Weißmann.

Elite, Elite, Elite

Die Aufmachung des Magazins, die Sprache der Texte und auch der Einzelpreis von 15,20 Euro spiegeln die Intention der Redaktion: Sie möchte nicht die Masse ansprechen, sie will die Masse fĂŒhren. Plebs versus Elite. Sie erscheint als reaktionĂ€re Avantgarde. »Was wahr, gut und schön ist, hĂ€ngt nicht von einem vorlĂ€ufigen gĂŒltigen Zeitgeist ab«, schreibt Langner und stellte sich ins Ewige. Dieser Dreiklang des klassischen Ideals werde jedoch »vielfach verachtet«. Im Rekurs auf den griechischen Philosophen Sokrates definiert er, dass gut ist, »was erstens das richtige Maß hat, das zweitens, was schön und drittens was wahr ist«. Die sokratische Trias sei jedoch letztlich »entsorgt« worden. Ein destruktiver Niedergang. Unausgesprochen wird ausgesprochen, dass das Wahre, Gute und Schöne nicht zu hinterfragen sei. Sie alleine sind die Wissenden – und legen fest; ein Machtanspruch wird formuliert und als Verlust beklagt.

Der Niedergang ist aber der Aufstieg des Hinterfragens alles vermeintlich Gegebenen, Göttlichen und NatĂŒrlichen. Die Emanzipation des Einzelnen, die Demokratisierung der Gesellschaft und Liberalisierung des Privaten die in den unterschiedlichen Epochen den herrschenden Eliten abgerungen und erkĂ€mpft wurde, erscheinen als widernatĂŒrlich, gottlos und dekadent. Der Angriff auf die »Himmelsmusik« eines Beethoven und Wagner bejammert Langner unter dem programmatischen Titel: »HöllenlĂ€rm versus Himmelsmusik«. In der Verteidigung verwendet Langner, der ab 2018 Autor und ab 2020 Redaktionsmitglied ist, die gĂ€ngige Methode des direkten Zitierens zur indirekten Positionierung – klingt auch gleich gebildet. So zitiert er aus Axel Ross’ »The Rest is Noise«: »Der kultartige Fanatismus der modernen Kunst- und Musikwelt ist dabei der Politik des Faschismus nicht unverwandt: Beide versuchen die Welt nach utopischem Modell umzugestalten.« Unter Faschismus wird an der Stelle »Hitlers blutiger Barbarismus« verstanden. Die Gleichsetzung dient auch als erhabene Distanzierung zu allen »Extremismen«.

Ȁsthetik der Dissonanz«

Das Verschwinden des »Dreiklangs« als Basis der Harmonie habe schon 1875 zart begonnen, ab 1945 sei jedoch eine Ȁsthetik der Dissonanz« vorangetrieben worden, weiß Ross. Und Langner wird mit Ross deutlich: Theodor W. Adorno greift dieser als »postmarxistischen Musikkritiker« an. Er sei »wirkungsvoller Geschmackpolitiker«, »dem jedes Mittel recht war, Musik zu verunglimpfen, die er als rĂŒckwĂ€rts gerichtet empfand«. Die Herren stört, dass der MitbegrĂŒnder der Kritischen Theorie im Schatten von Auschwitz das »Wahre, Gute und Schöne« auch in der Musik als mitursĂ€chlich fĂŒr die Barbarei hinterfragt.

Auch Thomas Manns »Doktor Faustus« greift Langner auf: »Seit die Kultur vom Kultus abgefallen ist und aus sich selber einen gemacht hat, ist sie denn auch nichts anderes mehr als ein Abfall.« Die Elite empfindet Massenkultur fĂŒr eine demokratische Kultur einfach nur als vulgĂ€r. Das Himmlische, das Göttliche klingt mit an, wenn den »MĂ€chten der Finsternis« erneut vorgehalten wird, dass ihnen »Töne von Harmonie und Wohlklang« ein »Greul« seien. »Sie hassen das Wahre, sie hassen das Gute und sie hassen das Schöne. Ihr Gegengift sind LĂŒgen, Bosheit und Mißklang« schreibt Langner ohne zu zitieren. Gemeint dĂŒrfte nicht bloß Adorno sein. Gemeint sind alle, die das Ewige fĂŒr nicht ewig halten, sich dem »NatĂŒrlichen« nicht unterwerfen und dem Göttlichen nicht ohnmĂ€chtig folgen.

»Heiliges Reich«

In der Ausgabe 2/2022 wird David Engel grundsĂ€tzlich. Der Professor fĂŒr Römische Geschichte an der UniversitĂ© libre de Bruxelles und Forschungsprofessor am Institut Zachodni in Posen schreibt regelmĂ€ĂŸig fĂŒr »Cato«. »Per Aspera ad Astra« titelt er in Latein, frei ĂŒbersetzt: »Durch Schwierigkeiten zu den Sternen.« Teile der »Schwierigkeiten« sind die Demokratie und der linksliberal dominierte Pluralismus. »Machen wir uns nichts vor«, beginnt Engel. »Es wird nicht durch traditionelle demokratische Prozesse sein, daß jene Kraft in Europa eine bestimmende Rolle einnehmen wird, die wir im folgenden mit dem Begriff â€čHesperialismusâ€ș bezeichnen wollen, um den hiermit gemeinten christlich-abendlĂ€ndischen Kulturpatriotismus klar vom herkömmlichen â€čKonservatismusâ€ș zu trennen«. Die Kritik an der parlamentarischen Demokratie geht in einen radikalen Konservatismus ĂŒber. Den Grund fĂŒhrt Engel gleich an: Durch den »formalen Pluralismus« sei ein »umfassender Wahlsieg der â€čRechtenâ€ș faktisch unmöglich«. Jede »kulturpatriotische Bewegung« werde »entweder totgeschwiegen, von innen zersetzt, diskreditiert oder ausgemerzt«. Ein »MilliardĂ€rsozialismus« beherrsche die Welt. Im Osten sei die Lage nicht ganz so schlimm, denn »Ultraliberalismus, Entchristianisierung, Multikulturalismus und Bildungsverfall« hĂ€tten noch nicht einen so hohen »Grad« erreicht. Die Rettung liege in einer »neuen abendlĂ€ndischen Elite«, die Charisma und eine »vorbildhafte LebensfĂŒhrung« entwickle und verbinde – »wie das mittelalterliche Königstum«. Eine romantisch-reaktionĂ€re Wende. Die eine »homogene, solidarische und politisch gebildete BĂŒrgerschaft« des Hesperialismus vorbereiten mĂŒsse – gut vernetzt in »Parteien, Vereinen, Akademien, geistlichen Bruderschaften, Schulen, Selbsthilfeorganisation, kreativen Einrichtungen, SicherheitsverbĂ€nden«. Der Historiker denkt in langen ZeitrĂ€umen. Das Ziel sei aber kein ZurĂŒck, sondern ein Sehnen nach »einem neuen Sacrum Imperium des 21. Jahrhunderts«. Der Gedanke der FĂŒhrung durch AuserwĂ€hlte war schon in der ersten Ausgabe des Magazins prĂ€sent. Mit RĂŒckgriff auf Rom schlug Pierre Manent eine fĂŒhrende Elite der TĂŒchtigen und Tugendhaften als Rettung vor. Keine Überraschung, dass auf »Die Herrschaft der Minderwertigen« von Edgar Julius Jung, den antidemokratischen und eugenischen Klassiker aus dem Spektrum der »Konservativen Revolution«, verwiesen wird. In dem Kontext wundert auch wenig, dass Weißmann dem Hochadel der Hohenzollern in der Debatte um ihre Verantwortung am Aufstieg der NSDAP wenig vorhĂ€lt, aber betont, dass die Diskussion »gar kein wissenschaftliches Interesse« antreibe, sondern »weltanschauliche Vorgaben«. Bei der Bewertung geht es auch um hohe RĂŒckerstattungen. Und Geld ist bei »Cato« kein Tabu-Thema. Ein »Heiliges Reich« und dessen »Kulturpatriotismus« brĂ€uchte »materielle Mittel«, hebt Engel hervor.

Finanzielle UnterstĂŒtzung

Ein bekennender UnterstĂŒtzer von »Cato« ist Thomas R. J. Hoyer. Der Unternehmer aus Hamburg ist immer wieder mit Bild und Zitaten prĂ€sent wie: »Die Geschichte hat uns gelehrt, dass sich die Globalisierung und das Bekenntnis zur Nation nicht widersprechen.« 2018 ĂŒberreichte der Hamburger OberbĂŒrgermeister Peter Tschentscher dem Chairman der Hoyer Group den GrĂŒndungspreis fĂŒr sein Lebenswerk. Der tageszeitung wollte er keine Stellungnahme geben. Die GeschĂ€ftsfĂŒhrung eines Modeunternehmens aus Hamburg ebenso nicht. Ihre Anzeige fĂŒr den »Krawattendackel« war in diskreten GrĂŒn-Weiß-Tönen gehalten. »Modische Jagd- und Hundekrawatten, Socken und EinstecktĂŒcher sind das perfekte Geschenk zur Kneipe, zum Jagdschein, zum Geburtstag, zu Ostern, fĂŒr sich selbst und fĂŒr alle weitere AnlĂ€sse«, wirbt das Unternehmen. Der Veranstalter SenfkornReisen wunderte sich ĂŒber die Anfrage zu ihrer Werbung: »Wir machen keine Politik, sondern organisieren seit Jahren anspruchsvolle Reisen und Begegnungen zu unseren östlichen Nachbarvölkern, mit denen wir vor allem BildungsbĂŒrger ansprechen wollen«, erklĂ€rt der Reiseanbieter. Der Unternehmer und »Manuscriptum«-EigentĂŒmer Thomas Hoof sponserte das Magazin mit einer zehn Seiten umfassenden Anzeige fĂŒr seinen Verlag. In der aktuellen Ausgabe wirbt auch »ME-Fonds-Pergamon« fĂŒr die Investition in »nachhaltige Zukunftstrends«.

Da fĂ€llt das auf der RĂŒckseite beworbene »Richtig auswandern und besser leben« des »Kopp-Verlags« aus dem Rahmen. Nur aus internationaler SolidaritĂ€t sollten diese Reisenden aufgehalten werden.




Quelle: Der-rechte-rand.de