Februar 20, 2021
Von InfoRiot
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Rund um den Marktberg zog die Prenzlauer Polizei am frĂŒhen Sonnabendnachmittag verstĂ€rkt KrĂ€fte zusammen. Die Beamten sicherten eine im Vorfeld angemeldete Kundgebung ab, die unter dem Motto „Aus der Krise lernen – ohne SolidaritĂ€t ist alles doof” stand und circa 50 Frauen und MĂ€nner in die City brachte. Mitinitiator Lothar Priewe vom „Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten” stand als Uckermark-Vertreter der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes” (VVN) auf der BĂŒhne. Am Mikrofon mahnte er Mitmenschlichkeit in der derzeitigen Situation an. Vor allem aber ging er mit den Uckermark-Spitzen der AfD hart ins Gericht. Dass der Landkreis Corona-Hotspot geworden sei, habe man maßgeblich dieser Partei zu verdanken, betonte Lothar Priewe unter lautem Applaus der Anwesenden. Der Grund dafĂŒr sei deren stĂ€ndige Hetze gegen die notwendigen Corona-Maßnahmen der Regierung, fĂŒhrte Priewe weiter aus.

Stimmung gegen Schwule

Auf das Konto der AfD gehe zudem die Tatsache, dass die Uckermark bei rechtsextremen VorfÀllen hinter Cottbus jetzt auf Platz 2 im Land Brandenburg liege. Es werde auch gegen Schwule und FachÀrzte Stimmung gemacht, bilanzierte der VVN-Vertreter des Weiteren. In Berlin seien Freunde von ihm nach einer Anti-Corona-Demo wie Hunde durch die Stadt gehetzt worden.

Der Landkreis sei ein Abbild dieser Entwicklungen. Priewe rief auch das tragische Geschehen von Potzlow in Erinnerung, wo vor 19 Jahren der erst 16-jĂ€hrige Marinus von Einheimischen aus rechtsextremen Motiven heraus ermordert wurde: „Die TĂ€ter zwangen ihn zu sagen, dass er Jude ist.” Und eben dieser Judenhass mache sich auch in der Coronakrise wieder breit, ebenso wie der Massenmord des Nazi-Regimes verniedlicht werde. Ans Rednerpult trat ebenfalls Isabelle Czok-Alm.

Anschlag in Hanau

Die 47-JĂ€hrige erklĂ€rte, dass sie sich nicht erst seit dem Anschlag von Hanau, das sich in der Nacht zum 20. Februar jĂ€hrte, die Frage stelle: „Wo wart ihr?” Die Co-Kreisvorsitzende von DIE LINKE aus dem Barnim schilderte Erlebnisse aus ihrem Erzieher-Alltag, wo schon kleine Kinder merkelfeindliche SprĂŒche Ă€ußerten und alle nur betreten zu Boden schauten. „Wo sind die Menschen, die sich trauen, dem etwas entgegen zu setzen?” Sie wĂŒnsche sich, dass mehr Leute den Mut finden, Stopp zu sagen und den Kindern zu erklĂ€ren, wie die Dinge wirklich sind und dass nicht Frau Merkel schuld am Coronavirus ist. Isabelle Czok-Alm betonte außerdem, wie froh sie sei, dass man an diesem Sonnabend nicht der AfD den Marktberg ĂŒberlassen habe, sondern selbst aktiv geworden sei.

Pandemie ist Brennglas

„Tausend Dank fĂŒr diese wundervolle Idee.” Gleich zu Beginn lud sie die Teilnehmer ein, in einer Schweigeminute der zehn Opfer von Hanau zu gedenken. Es wurden die Namen aller Opfer verlesen und Kerzen fĂŒr die Toten entzĂŒndet. Bezug nehmend auf die Coronakrise stellte sie klar, dass niemand von den Menschen Kritiklosigkeit erwarte. „Mir selbst ist bei meiner TĂ€tigkeit an einer Schule aufgefallen, wie zermĂŒrbend das stĂ€ndige Hin und Her bei den Regelungen ist. Niemand weiß richtig, wie es weitergeht. Das verunsichert Lehrer und Kinder gleichmaßen.” Schlimm finde sie auch, dass die Krise zunehmend auf dem RĂŒcken der Schwachen ausgetragen werde, beispielsweise den Menschen mit Behinderung und psychischen Erkrankungen, weil deren Betreuungs- und Beratungsangebote weggebrochen seien. „Die Pandemie ist wie ein Brennglas, das alle Probleme verstĂ€rkt, die vorher schon da waren. Aber jetzt fehlt der nötige Zusammenhalt.”




Quelle: Inforiot.de