November 25, 2020
Von Autonomie Magazin
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Von: Pierre Rouge

Teil I gibtÂŽs hier

Seit der Weltweiten Pandemie geht es ja einigen so, dass sie ideologisch ein bisschen durchdrehen. Das letzte Jahr hat bei vielen fĂŒr ein teilweise grundlegendes Umdenken gesorgt. Vor kurzem taucht die Meldung auf, Markus Söder, bereue seine Aussagen ĂŒber die FlĂŒchtlingspolitik ab 2015. Außerdem redet er jetzt die ganze Zeit ĂŒber den Klimawandel. Da könnte man doch glatt meinen, ihn hat es wohl auch erwischt. Nicht nur gute Freunde werden sich aktuell fragen: Markus, was ist los mit dir?

Über 2 Jahre dauert nun schon seine Regentschaft im Land der Bayern (und Franken und Schwaben und OberpfĂ€lzer). Und scheiße ja, Markus Söder ist beliebt wie nie zuvor. Seit Anfang des Jahres inszeniert er sich als die Stimme der Vernunft schlechthin. Er ist ein Macher. Er meistert die Krise mit den Mitteln, die zur VerfĂŒgung stehen. Dabei steht er stets an der Speerspitze der EinschrĂ€nkerInnen, um zu Zeigen, wie ernst ihm die Sache ist. Das kommt natĂŒrlich gut an in einem Bundesland, das die Demokratie nie so richtig ĂŒbernommen hat und mit Freiheiten tendenziell wenig anzufangen weiß. Er ist der Held der Landfrauen Mittleren Alters, die ihn aus „Dahoam is Dahoam“ kennen. Sogar KritikerInnen sind teilweise ĂŒberzeugt worden: Der Söder, der macht das super, egal was man sonst von ihm hĂ€lt. Ein echter AnfĂŒhrer in Krisenzeiten ist geboren. Es ist zum gruseln.

Gleichzeitig hat er offensichtlich seinen Rassismus völlig eingestellt. Das Thema Migration ist tot fĂŒr ihn. Er ist jetzt MinisterprĂ€sident, da braucht es keine WĂ€hlerstimmen aus den Braunen Nestern des Freistaates mehr. So etwas hat er nicht mehr nötig. Jetzt ist sein neues Lieblingsthema der Klimawandel. Als hĂ€tte er in den 80ern schon in Wackersdorf mit den Bullen gekĂ€mpft, haut er ein Statement nach dem Anderen raus, das einen zunĂ€chst einmal staunen lĂ€sst. Die Umwelt ist ihm sehr wichtig jetzt. Verbrennerautos sollen möglichst schnell weg. So geht er auf Kuschelkurs zur GrĂŒnen Partei, die beim letzten Wahlkampf noch sein grĂ¶ĂŸter Gegner war. Konnte ja keiner ahnen, wie groß die jetzt werden. Söder kommt langfristig nicht mehr an Ihnen vorbei auf dem Weg nach oben. Und auch wenn er immer so tut, als wĂŒrde er das nicht wollen: Ein Markus Söder will ganz nach oben. Also zieht er die nötige Konsequenz und nimmt einen Richtungswechsel vor. Es geht steil Richtung Schwarz-GrĂŒne Kanzlerschaft. Seine aktuelle Politik könnte dafĂŒr nicht besser geeignet sein. Er bringt sich durch seine Krisenpolitik in Stellung, ohne offene Absicht auf die Kanzlerschaft und sagt: „Wenn ihr mich wollt, mĂŒsst ihr schon lieb fragen.“ Er ist ja kein Depp. Und auch wenn in seinem Krisenmanagement mal was schief geht (Nur paar Tests verballert, mein Gott, Fehler passieren): Bei ihm geht deswegen noch lange nichts schief. Er gibt dem Volk was es braucht: Tests fĂŒr ReiserĂŒckkehrer stopften die Labore voll, wĂ€hrend wirklich kranke Menschen zuhause saßen und tagelang auf ihre Ergebnisse warteten. Die GesundheitsĂ€mter kommen auch schon bei geringen Infektionszahlen nicht mehr hinterher, die Leute anzurufen. Doch diese Sauerei wird mal wieder nicht mit ihm in Verbindung gebracht. Ein beneidenswertes KunststĂŒck.

Diesen Stil kann man nur beneiden. Es ist ein genialer Opportunismus, ohne als das wahrgenommen zu werden. BeschĂ€ftigt man sich nĂ€her mit der Person des Markus Söder, kann man aber nur mĂŒde gĂ€hnen. Diese Nummer ist absolut nichts neues bei ihm. Er hat schon immer sehr geschickt agiert, Möglichkeiten genutzt und war stets inhaltlich flexibel genug. Wir können also ganz beruhigt sein. Es ist alles in Ordnung mit ihm, er wird schon kein Hippie oder sowas. Er bleibt seiner alten Linie, die er vom Franz-Josef abgeschaut hat, treu: Er ist ein Sohn seiner Klasse. Und diese hat eben gerade das Interesse an Schwarz-GrĂŒn, also ist der Markus Schwarz-GrĂŒn. Er hat den Braten schon lange gerochen. In Wolfsburg wurde beschlossen, wir bauen jetzt Elektroautos. Also muss der Markt dafĂŒr geregelt werden. Die gehen eben besser weg, wenn man die alten verbietet. Und man kann eben so tun, als wĂŒrde man ernsthaft das Klima damit retten. Ein genialer Plan. Es bleibt spannend, wohin es Markus Söder noch schaffen wird. Sein Ziel ist klar.




Quelle: Autonomie-magazin.org