April 22, 2021
Von InfoRiot
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Potsdam – Eine Mehrheit der Potsdamer Stadtverordneten will an die NS-Zeit in sichtbarer erinnern. Geplant ist eine digitale Karte und die Veröffentlichung biografischer Informationen von Potsdamer*innen, welche jĂŒdische Menschen schĂŒtzten.

Eine Mehrheit der Pots­damer Stadtverord­neten will die Gedenkkul­tur an die NS-Zeit in Pots­dam sicht­bar­er machen. Unter dem Mot­to „Maß­nah­men fĂŒr eine bessere Sicht­barkeit antifaschis­tis­chen Gedenkens“ haben dafĂŒr die Frak­tion Die Andere und die Mit­glieder der rot-grĂŒn-roten Rathausko­op­er­a­tion einen gemein­samen Antrag fĂŒr die Stadtverord­neten­ver­samm­lung am 5. Mai vorbereitet.

Dem­nach soll das Rathaus auf der stĂ€dtis­chen Inter­net­seite biographis­che Infor­ma­tio­nen zu jenen ver­stor­be­nen Pots­damern veröf­fentlichen, die die Ausze­ich­nung „Gerechte unter den Völk­ern“ erhal­ten haben – also jenen vom Staat Israel ver­liehenen Ehren­ti­tel fĂŒr Per­so­n­en, die unter der nation­al­sozial­is­tis­chen Herrschaft ihr Leben ein­set­zten, um Juden vor der Ermor­dung zu ret­ten. Fern­er wollen die Antragssteller eine dig­i­tale Karte mit den frĂŒheren Wirkung­sorten dieser Per­sön­lichkeit­en. Eben­so sollen auf dieser Über­sicht die „antifaschis­tis­chen Erin­nerungs- und Gedenko­rte“ ver­merkt wer­den, samt ihrer jew­eili­gen Geschichte.

Wissenschaftliche Untersuchung zu Todesmarsch

Daneben möcht­en die Kom­mu­nalpoli­tik­er auch die Pots­damer NS-Geschichte stĂ€rk­er in den Blick nehmen – und eine wis­senschaftliche Unter­suchung zu jen­em Todes­marsch beauf­tra­gen, der im Feb­ru­ar 1945 aus dem Konzen­tra­tionslager Lieberose ĂŒber das Pots­damer Stadt­ge­bi­et gefĂŒhrt hat. Dabei solle geprĂŒft wer­den, wie die Route und wichtige Orte des Todes­marsches in geeigneter Weise aus­geschildert und sicht­bar gemacht wer­den kön­nen, heißt es in dem Antrag.

Den Vorstoß begrĂŒn­den die Stadt­poli­tik­er mit den BemĂŒhun­gen in den ver­gan­genen Jahren, „eine antifaschis­tis­che Gedenkkul­tur in der Stadt zu fördern und die Zeit des Nation­al­sozial­is­mus in diversen Geschicht­spro­jek­ten der Öffentlichkeit zugĂ€nglich zu machen“. Erin­nert wird unter anderem an die Neugestal­tung des Willi-Fro­hwein-Platzes in Babels­berg oder jĂ€hrliche Gedenkver­anstal­tun­gen, beispiel­sweise zur Erin­nerung an die Reich­s­pogrom­nacht. Gle­ichzeit­ig sei mit neuen dig­i­tal­en Möglichkeit­en auch ein neuer Umgang mit Gedenkkul­tur möglich. „Wir kön­nen nur aus der Ver­gan­gen­heit ler­nen, wenn wir uns mit ihr auseinan­der­set­zen“, so die Antrag­steller. FĂŒr eine akti­vere Auseinan­der­set­zung mit der NS-Geschichte von Pots­dam hat­te sich auch mehrfach Ober­bĂŒrg­er­meis­ter Mike Schu­bert (SPD) ausgesprochen.






Quelle: Inforiot.de