September 10, 2021
Von Der Rechte Rand
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von Kai Budler und Lisa Krug
Antifa-Magazin »der rechte rand« Ausgabe 187 – Dezember 2020

#Netzwerk

Neben der monatlichen Printausgabe haben JĂŒrgen ElsĂ€sser und seine Mitstreiter*innen ein wahres »Compact«-Netzwerk mit unterschiedlichen Formaten aufgebaut. Dazu gehören Veranstaltungen zur Eigenwerbung, Leser*innenbindung auch im Internet und Vernetzung, die auch die Kassen der Veranstalter fĂŒllen.

Antifa Magazin der rechte rand
Neonazi Jörg HÀhnel von der NPD im Mitarbeiter*innenbereich des Messestands des
»Compact Magazins« in Leipzig im GesprĂ€ch mit JĂŒrgen ElsĂ€sser.

© Mark MĂŒhlhaus / attenzione

Gegenstand der »Compact-Magazin GmbH« ist »die Herausgabe der Zeitschrift Compact-Magazin«, heißt es in den Papieren der GmbH. Dort erscheinen außerdem unregelmĂ€ĂŸig Ausgaben von »Compact Spezial«, »Aktuell«, »Geschichte« und »Edition«. FĂŒr deren Bewerbung fĂŒhren die Blattmacher*innen Veranstaltungen durch, die meist die Inhalte der jeweiligen Sonderausgaben thematisieren wie zum Beispiel »Dresden 1945. Die Toten, die TĂ€ter und die Verharmloser« im Februar 2020 in Dresden. Andere Veranstaltungen mit entsprechenden ParteifunktionĂ€r*innen besonders aus dem Netzwerk des formal aufgelösten »FlĂŒgel« haben das Milieu der »Alternative fĂŒr Deutschland« (AfD) als Zielgruppe im Blick. So gelang ElsĂ€sser im MĂ€rz 2016 am Abend der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt noch vor den öffentlich-rechtlichen Medien ein Live-Interview mit dem damaligen AfD-Spitzenkandidaten AndrĂ© Poggenburg.

Das HerzstĂŒck

Eine Konstante seit Erscheinen des gedruckten Magazins ist die jĂ€hrliche »Compact-Konferenz« an wechselnden Orten, die bis mindestens 2015 mit dem in Moskau gegrĂŒndeten Kulturinstitut »Institut de la DĂ©mocratie et de la CoopĂ©ration« in Paris durchgefĂŒhrt wurde. Seit 2012 firmiert das »AushĂ€ngeschild von Compact« als »Konferenz fĂŒr SouverĂ€nitĂ€t« mit einem Eintrittspreis von circa 70 Euro. Besonders zu Anfang standen noch typische Verschwörungsmythen wie der Anschlag am 11. September 2001 in New York auf der Agenda der Konferenzen, deren VortrĂ€ge und Diskussionen anschließend auf DVD erworben werden konnten. SpĂ€ter werden die Reden auf dem YouTube-Kanal von »Compact« verbreitet, ausgewĂ€hlte BeitrĂ€ge werden zudem in einer der folgenden Magazinausgaben zweitverwertet. FĂŒr die Konferenz »Zukunft der Familie« 2013 konnte Chefredakteur ElsĂ€sser Thilo Sarrazin als Redner vor etwa 600 zahlenden GĂ€sten gewinnen. Im Vorfeld hatten die angekĂŒndigten Peter Scholl-Latour und Frauke Petry ihre Zusagen zurĂŒckgezogen, selbst Eva Herman hatte mit der BegrĂŒndung abgesagt, sie wolle sich nicht »vorwerfen lassen mĂŒssen, an einem homophoben Kongress teilzunehmen«.

»Compact« und die rechten VIPs

SpĂ€testens seit 2014 gelingt es den Organisator*innen, die neu-rechte Szene und die AfD in die Veranstaltungen einzubeziehen und damit an das Magazin zu binden. Unter dem Titel »Frieden mit Russland« referierten in Berlin neben Andreas von BĂŒlow und Egon Bahr von der SPD sowie Willy Wimmer von der CDU auch Karl Albrecht Schachtschneider und Alexander Gauland. Im folgenden Jahr nahmen neben Schachtschneider und dem Schriftsteller Rolf Hochhuth unter anderem auch AndrĂ© Poggenburg von der AfD Sachsen-Anhalt, Götz Kubitschek vom »Institut fĂŒr Staatspolitik« (IfS) und der Chef der »IdentitĂ€ren Bewegung« (IB) in Österreich, Martin Sellner, teil. Sie diskutierten nach Eigenangaben vor 1.000 zahlenden Besucher*innen ĂŒber »Perspektiven fĂŒr eine deutsche Freiheitsbewegung«. Sellner erhielt spĂ€ter die regelmĂ€ĂŸige Kolumne »Sellners Revolution« im gedruckten Magazin. Zum Thema »Meinungsfreiheit« holte ElsĂ€sser 2016 in Berlin dann den Kopf von ­PEGIDA, Lutz Bachmann, mit ins Boot, der auch im folgenden Jahr bei der Konferenz »Opposition heißt Widerstand« in Leipzig als Redner auftrat. Ebenfalls auf der BĂŒhne saßen 2016 Götz Kubitschek, Martin Sellner, Oliver Hilburger, Chef des Vereins »Zentrum Automobil« und Ex-Gitarrist der Neonazi-Band »Noie Werte« sowie Björn Höcke, Initiator des völkischen »FlĂŒgels« und AfD-Landesvorsitzender in ThĂŒringen. In einer Nachbetrachtung wurden sie als »die wichtigsten Vertreter der parlamentarischen und außerparlamentarischen Opposition« bezeichnet. Der erstmals bei der Konferenz des neu-rechten Netzwerks »Ein Prozent« gestiftete Preis »Held des Alltags« ging an Sellner und den damaligen Chef der Berliner und Brandenburger IB, Robert Timm. In den folgenden zwei Jahren erhielten den Preis der ehemalige AnfĂŒhrer der rassistischen »English Defence League«, Tommy Robinson, und Gernot Tegetmeyer von PEGIDA NĂŒrnberg sowie der extrem rechte Hip-Hopper Christoph Zloch alias Chris Ares. Die vorerst letzten »Konferenzen fĂŒr SouverĂ€nitĂ€t« fanden 2018 in Garmisch-Partenkirchen (»Grenzschutz«) und 2019 in Magdeburg (»Ökodiktatur«) statt.

Wirtschaftsfaktor

Mit ihren Veranstaltungen kommen ElsĂ€sser und »Compact« ihrem Ziel nĂ€her, bei der weiteren Vernetzung und Zusammenarbeit der rechten Szene eine zentrale Rolle einzunehmen. Ein solcher Austausch ist auch in den Print-Ausgaben des Magazins zu beobachten. So bestehen Sonderausgaben wie »Compact Geschichte« bis zu einem Drittel aus Material des Verlags »Druffel & Vowinckel«, der sich unter dem Dach der Verlagsgesellschaft Berg, einem der grĂ¶ĂŸten extrem rechten Verlage bundesweit, befindet. GeschĂ€ftsfĂŒhrer ist der ehemalige Vorsitzende der »Gesellschaft fĂŒr freie Publizistik«, Gert Sudholt, der wegen Volksverhetzung vorbestraft ist.

Mit zu Kongressen eingeladenen Referent*innen kann das Magazin neue Autor*innen und Interview-Partner*innen gewinnen. Ein reger Austausch besteht etwa mit Autor*innen aus der rassistischen Gruppierung »Nova Europa Society« mit Sitz in Mannheim. Sie strebt einen neuen »Ethnostaat« mit ausschließlich weißen Bewohner*innen an und hat dazu im Juli 2019 im Raum Karlsruhe einen ersten Kongress durchgefĂŒhrt. Den Besucher*innen der Compact-Veranstaltungen wiederum wird ein GefĂŒhl der ExklusivitĂ€t vermittelt, das zu einer starken Bindung fĂŒhrt. Und nicht zuletzt generieren ĂŒberteuerten Eintrittskarten und der Verkauf von Heften und dem ĂŒblichen Merchandising vor Ort eine nicht unerhebliche Menge an Umsatz. Ein Teil des insgesamt erwirtschafteten Geldes dĂŒrfte wohl fĂŒr die Begleichung der Kosten fĂŒr die verschiedenen »Compact«-Projekte genutzt werden. Unklar ist, ob dazu auch die Kosten fĂŒr den Redaktionssitz gehören. In diesem Fall wĂŒrde das Geld vor allem JĂŒrgen ElsĂ€sser als alleinigem GeschĂ€ftsfĂŒhrer der »Compact-Magazin GmbH« zugutekommen, denn der Sitz der »Compact«-Redaktion im brandenburgischen Waldheim bei Falkensee ist zugleich ElsĂ€ssers Wohnsitz.

»Compact« fĂŒr zu Hause

Diejenigen, denen der Eintritt der Konferenzen zu teuer oder das Lesen zu anstrengend ist, können sich im YouTube-Kanal »Compact TV« mit aktuellen Inhalten und Debatten aus Sicht der »alternativen Journalisten« berieseln lassen. Seit August 2011 stellt »Compact TV« regelmĂ€ĂŸig Videos online. Die Aufmachung ist ĂŒber die Jahre aufwendiger geworden. Bewegte Grafiken in den Einspielern, professionell geschnittene Videoberichte, eine Moderatorin und gefĂŒhrte Interviews mimen ein seriöses Nachrichtenportal. Mit diesem Konzept werden mittlerweile 143.000 Abonnent*innen online erreicht, das ist ein Vielfaches mehr als bei anderen KanĂ€le im rechten Milieu. So bringen es vergleichsweise die IB-Plattform »einprozentfilm« gerade einmal auf 11.800 oder der NPD-Kanal »DS-TV« auf 7.830 Abonnent*innen. Neben den Berichten ĂŒber diverse tagesaktuelle Themen aus dem politischen Deutschland gibt es bei »Compact-TV« auch immer wieder Interview- oder GesprĂ€chsrunden. Der Live-Stream, in dem sich »FlĂŒgel«-Obmann Jens Meier mit Martin MĂŒllerMerten und ElsĂ€sser im Sessel sitzend zur vermeintlichen Selbstauflösung des AfD-»FlĂŒgels« auslassen, wurde ĂŒber 45.900 Mal aufgerufen. Das Interview mit Xavier Naidoo im Juli dieses Jahres brachte fast doppelt so viele Aufrufe – Klickzahlen, die lĂ€ngst zur NormalitĂ€t geworden sind.

Einen besonderen Clou ließ sich »Compact TV« zu den kĂŒrzlichen USA-Wahlen einfallen. In dem knapp zwölfstĂŒndigen Livestream gaben die Protagonist*innen ihre geistigen ErgĂŒsse zu den aktuellen Zahlen und Spekulationen rund um Donald Trump und seinen Herausforderer Joe Biden preis. Um noch mehr Zuschauer*innen zu erreichen, sendeten sie parallel auf vier KanĂ€len. Neben »Compact TV« mit JĂŒrgen ElsĂ€sser sendeten der »Digitale Chronist« Thomas Grabinger und Elijah Tee den Stream auf ihren eigenen KanĂ€len. Stefan Bauer plauderte auf seinem erst kurz vorher wieder freigegebenen Kanal unter anderem mit dem selbsternannten Wahlexperten Bernhard Boneberg, dessen Expertise darin besteht, nach eigenen Angaben seit 1984 die Wahlen in den USA live zu verfolgen – vor dem heimischen Fernseher. Im »Compact«-Kanal wurde der Livestream insgesamt 126.588 Mal aufgerufen.

Nicht zu leugnen ist, dass die YouTube-Community und das Netzwerk hinter »Compact TV« groß ist. Dennoch ist auch die Sorge einer Abschaltung groß. ElsĂ€sser arbeitet klar heraus, wie entscheidend er die Wahl Donald Trumps im Hinblick auf das Weiterbestehen des Compact-Kanals sieht. »Ich sehe die Zukunft, was â€șCompact TVâ€č auf YouTube angeht dĂŒster«, so ElsĂ€sser in dem USA-Livestream. Um einem Ende vorzubeugen, habe man wĂ€hrend eines sogenannten »Patriotentreffs« eine Woche zuvor in Schmalkalden bereits GesprĂ€che gefĂŒhrt, um mit anderen Gleichgesinnten gemeinsame Projekte zu starten. Ähnlich wie es bereits zum USA-Livestream praktiziert wurde, wolle man zukĂŒnftig stĂ€rker auf mehreren, alternativen KanĂ€len prĂ€sent sein. Das soll einem »Totalausfall« von »Compact TV« vorbeugen, so dass dieser trotz Sperrung einzelner KanĂ€le weiterhin online bleiben kann.




Quelle: Der-rechte-rand.de