Mai 7, 2022
Von InfoRiot
172 ansichten

Ukrainischer Botschafter

Melnyk: Denkmal fĂŒr ukrainische Opfer des NS-Regimes

08.05.2022, 17:52

| Lesedauer: 3 Minuten


Andrij Melnyk, Botschafter der Ukraine in Deutschland.

Andrij Melnyk, Botschafter der Ukraine in Deutschland.

Foto: dpa

Das Brandenburger Parlament hat an den Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus erinnert und der Opfer gedacht. Das Gedenken stand im Schatten des Angriffskriegs gegen die Ukraine. Mit Spannung wurde die Rede des ukrainischen Botschafters erwartet.

Potsdam. Unter dem Eindruck des Angriffs auf die Ukraine hat der Brandenburger Landtag 77 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa der Millionen Opfer gedacht. LandtagsprĂ€sidentin Ulrike Liedtke und MinisterprĂ€sident Dietmar Woidke (SPD) riefen zu Frieden und Versöhnung auf. Auf Einladung der LandtagsprĂ€sidentin waren auch der Botschafter der Ukraine in Deutschland, Andrij Melnyk, und seine Frau Svitlana zu Gast im Parlament. Der Botschafter forderte in seiner Rede ein Mahnmal fĂŒr die acht Millionen ukrainischen NS-Opfer in Berlin.

Die LandtagsprĂ€sidentin erinnerte im Parlament an alle Opfer des Zweiten Weltkrieges. “Noch in den letzten Tagen dieses schrecklichen Krieges starben auf Brandenburger Boden Soldaten der Roten Armee, viele aus der Ukraine, aus Russland, aus Belorussland.” Zahlreiche KriegsgrĂ€berstĂ€tten erinnerten daran.

“Wir sind auch noch nach 77 Jahren und weit darĂŒber hinaus zu tiefem Dank verpflichtet. Gerade deshalb schmerzt uns Deutsche und EuropĂ€er der russische Angriffskrieg auf die Ukraine so sehr: Weil Russen, deren UrgroßvĂ€ter zu den Befreiern gehörten, in brutaler Weise ein Volk ĂŒberfallen haben, das selbst zu unseren Befreiern vom Nationalsozialismus zĂ€hlte”, sagte Liedtke.



“Dieser Angriffskrieg bringt großes Leid ĂŒber die Menschen und jetzt, auch wĂ€hrend dieser, unserer Gedenkstunde, (…) sterben in der Ukraine unschuldige Menschen”, sagte Woidke. “Gerade am heutigen Tag (…) macht uns das Leid, machen uns die vielen getöteten Menschen (…) fassungslos und wĂŒtend.” Es werde deshalb nicht nur an die Opfer des Zweiten Weltkrieges erinnert, die Gedanken seien auch bei den Opfern in der Ukraine, betonte er. Brandenburg trete den angekommenen GeflĂŒchteten mit einem “großen Herzen” entgegen, versicherte der Regierungschef dem Botschafter der Ukraine in Deutschland.

Der Botschafter forderte in seiner Rede vor dem Parlament ein Mahnmal fĂŒr die acht Millionen ukrainischen Opfer des Nationalsozialismus im Zentrum Berlins. Damit wĂŒrde endlich ein wĂŒrdiger Gedenkort in der Bundeshauptstadt entstehen, an dem auch mindestens 140.000 in Deutschland lebende Ukrainer um ihre Landsleute trauern können, sagte Melnyk im Brandenburger Landtag. “Meine Heimat ist nach wie vor fast komplett abwesend in der Topographie der deutschen Erinnerung.” Eine solche GedenkstĂ€tte Ă€hnlich des Erinnerungsortes fĂŒr die polnischen Opfer des Naziregimes wĂ€re ein wichtiges Zeichen der historischen Verantwortung Deutschlands gegenĂŒber der Ukraine und wĂŒrde die gegenseitige VerstĂ€ndigung und Versöhnung erheblich voranbringen, so Melnyk. Eine entsprechende Bitte an den Bundestag sei bis heute ignoriert worden.

Die LandtagsprĂ€sidentin unterstrich, dass in der aktuellen Situation bei aller Empörung und Betroffenheit und dem Willen zum sofortigen Handeln ein klarer Kopf gebraucht werde. Ziel sei es, sich auf das “ZielfĂŒhrende, das wirklich Hilfreiche” zu konzentrieren. “Schwarz-Weiß-Denken lĂ€sst die Vielfalt an Möglichkeiten außer Acht. Und der Dialog kann nicht auf Twitter stattfinden”, betonte Liedtke.

Melnyk hatte unter anderem auf Twitter Berlins BĂŒrgermeisterin Franziska Giffey aufgefordert, Auflagen der Polizei fĂŒr Demonstrationen und Gedenkveranstaltungen zum 77. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs zu widerrufen. FĂŒr 15 Gedenkorte hatte die Polizei Auflagen erlassen, unter anderem ein Verbot von russischen und ukrainischen Fahnen. Diese Maßnahmen waren am Samstag vom Botschafter und von ukrainischen VerbĂ€nden kritisiert worden.

© dpa-infocom, dpa:220508-99-206110/3





Quelle: Inforiot.de