MĂ€rz 31, 2021
Von Autonomie Magazin
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Der folgende Beitrag ist ein Auszug aus dem 2018 bei Kersplebedeb erschienen Buch The Global Perspective – Reflections on Imperialism and Resistance von Torkil Lauesen. Es beschĂ€ftigt sich mit der Entwicklungsgeschichte des globalen Kapitalismus/ Imperialismus, speziellen Formen der internationalen Ausbeutung, der daraus resultierenden ungleichen Entwicklung und der Frage, wie der Widerstand dagegen aussehen könnte.

Der Beitrag selbst beschÀftigt sich mit den verschiedenen Ausbeutungsformen der internationalen ArbeitskrÀfte und ihrer Spaltung. Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei auf der Ausbeutung migrantischer Arbeit und der rassistischen Migrationspolitik, aber ebenso der damit zusammenhÀngenden Form des Rassismus im Globalen Norden.

Der Ausschnitt wurde von Vidar LindstrĂžm aus dem Englischen ĂŒbersetzt und mit freundlicher Genehmigung des Autors hier veröffentlich.


Labor Arbitrage

Die Globalisierung der Produktion wird charakterisiert, durch die Verlagerung der Produktion in NiedriglohnlĂ€nder. Um diesen Prozess zu beschreiben, hat der Ökonom John Smith den Begriff „labor arbitrage“1 benutzt. Arbitrage ist ein ökonomischer Begriff, welcher den Handel einer Ware (in diesem Fall Arbeitskraft) zwischen verschiedenen MĂ€rkten beschreibt (in diesem Fall zwischen einem Hochlohnland einerseits und einem Niedriglohnland andererseits). Die Arbitrage erlaubt es einem Unternehmen Profit zu machen, indem es auf dem einen Markt billig einkauft und auf dem anderen teuer verkauft. Desto ungleicher die MĂ€rkte sind, desto höher ist der Profit. Es gibt kaum MĂ€rkte die ungleicher sind, als die fĂŒr Arbeit im Globalen Norden und im Globalen SĂŒden.

Die Arbitrage der Arbeit hat zwei Formen: Erstens, die Produktion wird in NiedriglohnlĂ€nder verlagert. Zweitens, die Arbeit wird aus den NiedriglohnlĂ€ndern importiert. Das Erste ist mit Abstand das wichtigste, weil die MobilitĂ€t der Arbeit durch Einwanderungsgesetze stark begrenzt wird, wie die militarisierten Grenzen der EuropĂ€ische Union und der USA schmerzlich sichtbar machen. Wirtschaftszweige die nicht einfach verlagert werden können, wie zum Beispiel die Landwirtschaft, der Bau oder der Care-Bereich, machen was nötig ist, um billige ArbeitskrĂ€fte zu importieren. Migrantische Arbeiter schuften auf US und EU Baustellen. Ihre Löhne sind geringer als die der „einheimischen“ Arbeiterklasse, aber sie sind auch erheblich höher, als das was sie Zuhause verdienen könnten. Laut der Weltbank hat jeder der 210.000 bangladeschischen Immigranten, welche 2013 in England wohnhaft waren, im Durchschnitt 4.058$ an seine Familie in Bangladesch geschickt. Im selben Jahr betrugt das Durchschnittseinkommen einer Arbeiterin in der Textilindustrie in Bangladesch 1.380$. Das bedeutet, dass zugewanderte Arbeiter aus Bangladesch im Vereinigten Königreich, mehr als das Dreifache sparen konnten, als das was eine bangladeschische Arbeiterin in der Textilindustrie verdienen könnte.2

LĂ€nder wie Saudi-Arabien, Kuwait und andere Golfstaaten, sind inzwischen komplett abhĂ€ngig vom Import billiger ArbeitskrĂ€fte. Arbeitsmigranten werden ins Land geholt wenn sie gebraucht werden und weggeschickt, wenn es keinen Bedarf mehr gibt. Dies ist besonders ausgeprĂ€gt in der Bau- und Dienstleistungsbranche. Die Skylines von Dubai und Katar wurde von Arbeitern aus Bangladesch, Nepal und den Philippinen erbaut. William Robinson hat ihre Situation wie folgt beschreiben: „Weder die Arbeitgeber, noch der Staat, wollen die Arbeitsmigration abschaffen. Im Gegenteil, sie wollen 
 deren maximale Ausbeutung zusammen mit ihrer Entsorgung, wenn nötig.“3

Arbeiter wie diese bilden das heutige Weltproletariat. Im gesamten Globalen SĂŒden schuften Millionen in Fabriken, Minen und Plantagen. Der Weltmarkt fĂŒr Arbeit, wird durch die globale Arbitrage der Arbeit bestimmt, welche direkt verknĂŒpft ist sowohl mit der Begrenzung der MobilitĂ€t der Arbeit, als auch der im Globalen SĂŒden existierende riesige industriellen Reservearmee. Laut der Weltbank ĂŒbertreffen „internationale Lohnpreisunterschiede jede andere Form der durch Grenzen bedingten Preisunterschiede um eine ganze GrĂ¶ĂŸenordnung oder mehr.“4 Die Arbitrage der Arbeit, ermöglicht eine Form der Ausbeutung, die nicht von politischer oder militĂ€rischer UnterdrĂŒckung abhĂ€ngig ist sondern sich auf den globalen Arbeitsmarkt stĂŒtzt. Das bedeutet jedoch nicht, dass UnterdrĂŒckung und Gewalt verschwunden wĂ€ren. Sie sind notwendig, um die Staatsmacht, die globalen Produktionsketten und die Teilung des Arbeitsmarktes aufrechtzuerhalten. Eine der wichtigsten Aufgaben von Staaten ist es heutzutage, Bewegungen ĂŒber ihre Grenzen zu kontrollieren – nicht die der Waren oder des Kapitals, sondern die von Menschen.

Grenzen und Migration

Die Bewegungsfreiheit von Kapital, GĂŒtern und reichen Menschen ĂŒber Staatsgrenzen hinweg, inklusive derer, welche den Globalen Norden vom Globalen SĂŒden trennen, ist ein wichtiges Merkmal der neoliberalen Globalisierung. Es gibt jedoch keine Bewegungsfreiheit fĂŒr diejenigen, welche die Waren produzieren. Das ist einer der GrĂŒnde fĂŒr die weltweiten Lohnunterschiede. Betrachten wir wie der globale Arbeitsmarkt sich historisch entwickelt hat.

Migration ist nichts neues. Es gab viele Migrationsbewegungen in der Geschichte des Kapitalismus. Die Erste bestand aus dem Transport gefangengenommener Afrikaner in die Amerikas, vom frĂŒhen sechzehnten bis zum frĂŒhen neunzehnten Jahrhundert. Die Zweite trat auf, wĂ€hrend der kapitalistischen Expansion in Nordamerika, Australien und Neuseeland, von Mitte des neunzehnten Jahrhunderts bis zum ersten Weltkrieg.

Vor dem ersten Weltkrieg, gab es relativ wenige politische EinschrĂ€nkungen in der Bewegungsfreiheit der Menschen. PĂ€sse wurden selten verlangt und es war einfach fĂŒr Immigranten die StaatsbĂŒrgerschaft zu erlangen, zumindest wenn du Immigrant aus Westeuropa warst.5 Die Migration von Europa nach Nordamerika und andere Siedlerstaaten, war sogenannte „Migration mit hohem Einkommen“, das heißt, dass die Menschen von LĂ€ndern mit relativ hohen Löhnen in andere LĂ€nder mit relativ hohen Löhnen migrierten. Zwischen 1850 und 1920 emigrierten circa 70 Millionen Menschen aus Europa. Das reduzierte die industrielle Reservearmee auf dem Kontinent erheblich, was fĂŒr die Arbeiter ein ziemlich starkes Druckmittel, in den Verhandlungen mit dem Kapital war. Dies steht im direkten Zusammenhang mit den Lohnsteigerungen am Ende des neunzehnten Jahrhunderts.

Die Menschen aus den Kolonien sind nicht unter den selben Bedingungen ausgewandert. Sie erreichten Nordamerika und Ozeanien als Zwangsarbeiter, mit wenig Rechten und keiner Aussicht darauf jemals StaatsbĂŒrger zu werden. Die „Kulis“ aus Indien oder China, wurden zur Arbeit auf den Plantagen, in den Minen und entlang der Eisenbahnstrecke eingesetzt, wo sie hĂ€rter arbeiteten und weniger verdienten, als ihre europĂ€ischen Kollegen.

Eine dritte Migrationsbewegung fand wĂ€hrend 1950 und 1975 statt. Der keynesianische Wiederaufbau Europas nach dem zweiten Weltkrieg, schuf eine Nachfrage nach ArbeitskrĂ€ften, die von EuropĂ€ern alleine nicht gedeckt werden konnte. Deutschland rekrutierte Gastarbeiter aus der TĂŒrkei, Frankreich aus den französischen Kolonien, England aus Asien und West-Indien. Die „Gastarbeiter“ besetzten die schlecht bezahlten Jobs, wĂ€hrend die „einheimischen“ Arbeiter in der Arbeitshierarchie nach oben gerutscht sind. Solange sie gebraucht wurden, haben die europĂ€ischen LĂ€ndern die Gastarbeiter willkommen geheißen, mit der Wirtschaftskrise der 1970er begann man sie als Problem anzusehen. Aus Gastarbeitern wurden AuslĂ€nder. Dies stoppte die Immigration jedoch nicht; stattdessen begann eine große Anzahl FlĂŒchtender aus dem kriegsgebeutelten Mittleren Osten anzukommen.

Die Anzahl der Migranten, die es vom Globalen SĂŒden in den Globalen Norden zieht, verblasst im Vergleich mit der Anzahl der EuropĂ€er, die zwischen 1850 und 1920 emigriert sind. WĂ€hrend dieser Periode haben damals 17% der europĂ€ischen Bevölkerung ihre HeimatlĂ€nder verlassen. In den letzten Jahrzehnten sind lediglich 0,8% der ArbeitskrĂ€fte aus dem Globalen SĂŒden in den Globalen Norden gekommen.6 Wenn wir mal die UmstĂ€nde betrachten, ist es besonders auffĂ€llig, dass diese Zahl nicht höher ist. Die EuropĂ€er zog es in LĂ€nder, in denen die Löhne vergleichbar waren, mit denen die sie gewohnt waren. Migranten aus dem Globalen SĂŒden zieht es in LĂ€nder, in denen die Löhne oftmals 10mal so hoch sind, als die welche sie gewöhnt sind. Transportmittel sind schneller und sicherer geworden und es ist wesentlich einfacher geworden, mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben. Was Menschen aus dem Globalen SĂŒden, trotz alldem fernhĂ€lt, ist einfach zu erkennen: ökonomische, rechtliche und physische Restriktionen. Nur 3% der Weltbevölkerung besteht aus Menschen, die in LĂ€ndern leben, die nicht ihre GeburtslĂ€nder sind – nur 35% davon sind vom Globalen SĂŒden in den Globalen Norden gewandert. Im Vergleich: In jedem beliebigen Jahr in der zweiten HĂ€lfte des neunzehnten Jahrhunderts, machten im Ausland geborene Einwohner 10% der Weltbevölkerung aus.7

Laut einem Bericht der Vereinten Nationen von 2005, lag die absolute Zahl der Migranten die vom Globalen SĂŒden in den Norden gingen, bei 62 Millionen.8 Circa 75% der Migranten lebten in den Vereinigten Staaten, welche die am wenigsten restriktiven Einwanderungsgesetze im Globalen Norden hatten. Über 7,5 Millionen lebten in der EU. Die meisten dieser Menschen kamen in den 1990ern an, seitdem wurde die Einwanderung in die EU jedoch erschwert. In Japan gibt es weniger als 1 Millionen Einwanderer aus dem Globalen SĂŒden, was nachweislich 1,4% der ArbeitskrĂ€fte sind. Ein Großteil der Migration vom Globalen SĂŒden in den Globalen Norden, entspricht einem „Brain-Drain“, da es fĂŒr höher qualifizierte Migranten einfacher ist, Aufenthalts- und Arbeitserlaubnisse zu bekommen, als fĂŒr andere.

Der Kapitalismus profitiert immens von der Hierarchie auf dem internationalen Arbeitsmarkt. Die Verlagerung der Produktion in den Globalen SĂŒden, hat dazu beigetragen die Profite zu erhöhen, wovon ebenfalls die Arbeiterklasse der imperialistischen LĂ€nder profitiert. Ihr Lohn ist immerhin einigermaßen stabil geblieben und KonsumgĂŒter sind billiger geworden. HĂ€tte das Kapital es nicht geschafft, den RĂŒckgang der Profitrate in den 1970ern zu stoppen, wĂ€ren soziale Unruhen und das Ende des historischen Klassenkompromisses denkbar gewesen.9 Da die Migration einen enormen Druck auf es ausĂŒbt ist das Kapital immer noch in Schwierigkeiten. Das Kapital ist an billigen, migrantischen ArbeitskrĂ€ften interessiert, dies gefĂ€hrdet jedoch den Klassenkompromiss. Zu beobachten ist das bei dem Skeptizismus und sogar der Feindschaft, mit der viele europĂ€ische Arbeiter der Migration gegenĂŒberstehen. Sie fĂŒrchten einen gesteigerten Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt und dass ihre Löhne und das Sozialsystem bedroht sein könnten.

Der politische Rahmen des Klassenkompromisses ist die parlamentarische Demokratie. Heutzutage wÀhlen immer mehr Menschen aus der Arbeiterklasse rechte Parteien. Als Antwort darauf, haben sozialdemokratische Parteien die Politik und Rhetorik der Rechten adaptiert. Indes befinden sich die neoliberalen Parteien in einem Double Bind: weder können sie eine unbegrenzte Anzahl Migranten holen, noch können sie das ökonomische System verÀndern, dass Migration erzeugt.

Es gibt wenige Orte, an denen der Globale Norden geographisch auf den Globalen SĂŒden trifft. An diesen Orten, sollen Minen, Mauern, StacheldrahtzĂ€une, Soldaten und Marineschiffe, die Migration verhindern. Im neunzehnten Jahrhundert trĂ€umten Migranten davon, ihr eigens StĂŒck Land zu besitzen. Heute trĂ€umen sie davon einen Job zu bekommen. Niemals zuvor wollten so viele Menschen emigrieren wie heute – und niemals zuvor gab es so viele, die dazu entschlossen waren, sie daran zu hindern. Neoliberale Staaten mobilisieren eine unglaubliche Anzahl an Polizisten und Soldaten, um Migranten und FlĂŒchtende davon abzuhalten, ihre Grenzen zu ĂŒbertreten. Das Mittelmeer, so wie die Grenzen zwischen den USA und Mexiko, wurden in Todeszonen verwandelt, in denen tausende verzweifelte Menschen aus NiedriglohnlĂ€nder, beim Versuch das gelobte Land zu erreichen sterben.

Aber selbst wenn sie es schaffen, ist ihnen kein GlĂŒck garantiert. Es wird zunehmend schwerer, in den LĂ€nder des Globalen Nordens eine StaatsbĂŒrgerschaft zu erlangen. Nur wenige der ankommenden Migranten, finden Zugang zu legaler Arbeit oder den Institutionen des Sozialsystems. Die StaatsbĂŒrgerschaft ist eine bio-politische Grenze geworden. Um sie zu erhalten, muss man in der Hierarchie der Migranten hocharbeiten. Es gibt Menschen mit temporĂ€ren Aufenthaltserlaubnissen, welche mit permanenten und noch welche, denen es erlaubt ist die Familie nachzuholen, etc..

Das Einwanderungssystem unterscheidet außerdem zwischen „politischen FlĂŒchtlingen“ und „Wirtschaftsmigranten“, wobei letztere manchmal zynisch „Migranten aus persönlicher Bequemlichkeit“ genannt werden. In der Konsequenz heißt das, dass politische Verfolgung als Fluchtweg raus aus der Armut gesehen wird, aber nicht nur politische Verfolgung, sondern auch Armut, hat physische SchĂ€den und den Tod zur Folge. Selbst eine liberale FlĂŒchtlingspolitik begĂŒnstigt Intellektuelle auf Kosten armer Arbeiter und Bauern. Folter rechtfertigt einen FlĂŒchtlingsstatus, aber Hunger nicht. Wilma A. Dunaway und Donald A. Clelland schreiben: „Im frĂŒhen 21. Jahrhundert, ist eine der schlimmsten ethnischen Ungleichheiten des Weltsystems darin begrĂŒndet, wie die KernlĂ€nder krisenbedingte FlĂŒchtlingsströme managen. WĂ€hrend westliche und japanische Politiker und Medien öffentliche Ängste schĂŒren, dass ihre LĂ€ndern von AuslĂ€ndern ĂŒberschwemmt werden, schieben die KernlĂ€nder diese menschliche BĂŒrde auf LĂ€nder ab, die kaum die Ressourcen haben um die Kosten zu stemmen.“10

Trotz des Ausbeutungsgrades unter dem die LĂ€nder der Peripherie des kapitalistischen Weltsystems bereits leiden, lassen die KernlĂ€nder sie fĂŒr eine „FlĂŒchtlingskrise“, welche sie selbst verursacht haben, bezahlen. Ein wichtiger Aspekt davon sind MilitĂ€rinterventionen. Mehr als die HĂ€lfte aller weltweit FlĂŒchtenden die 2014 ihre Heimat verließen, taten das, aufgrund der militĂ€rischen Beteiligung der imperialistischen LĂ€nder im Mittleren-Osten und Afghanistan.11 Im selben Jahr fanden 48% der weltweit FlĂŒchtenden in LĂ€ndern des Globalen SĂŒdens Zuflucht, in LĂ€ndern des Globalen Nordens wurden lediglich 9% Asyl gewĂ€hrt.

Die Mehrheit der weltweit FlĂŒchtenden findet in LĂ€ndern Schutz, deren Arbeitslosenquote bis zu acht mal höher ist, als in den LĂ€ndern des Globalen Norden. Mindestens die HĂ€lfte der FlĂŒchtenden weltweit, kommt in LĂ€ndern unter, in welchen die Mehrheit der Einwohner von weniger als 2$ am Tag lebt.12

Der neue Rassismus

Seit der Jahrtausendwende ist Migration zum kontroversesten politischen Thema im Globalen Norden geworden. Der Rassismus wĂ€chst. In Diskussionen ĂŒber „Kultur“ und „Tradition“ verknĂŒpfen sich Race und Class. Der heutige Rassismus hat wenig mit der Angst vor dem „Seltsamen“ oder „Anderen“ zu tun. Dies sind lediglich ideologische Rechtfertigungen fĂŒr die Spaltung der Arbeiter. Rassismus ist kein psychologischer Zustand. Er kann weder durch Bildung, noch durch Appelle fĂŒr Toleranz und Respekt, geheilt werden. Im heutigen ökonomischen, politischen und sozialen Klima, ist der neue Rassismus vollkommen rational. Er wird solange existieren, solange dieses Klima existiert.

Mit dem Sieg ĂŒber den Nazismus und der Ära der Dekolonisierung, wurde der wissenschaftlich und biologisch begrĂŒndete Rassismus weitgehend diskreditiert. Rassismus drĂŒckt sich heutzutage in Form kultureller Normen und Werten aus. Die meisten wĂŒrden zustimmen, dass alle Menschen im Wesentlichen gleich sind und, dass jemandes Hautfarbe nicht wichtig ist. Solange wir alle den richtigen Werten und Normen folgen, so die gĂ€ngige Ansicht, haben wir alle die gleichen Möglichkeiten im Leben. In diesem Sinne ist der heutige Rassismus „post-kolonial“. Der globale Lohnunterschied und strikte Einwanderungsgesetze, haben scheinbar nichts damit zu tun. Dennoch wird mit Bezug zu Migranten und FlĂŒchtenden, der neue Rassismus schmerzlich offensichtlich. In seiner institutionellen Form, bedeutet er Ausschluss von der StaatsbĂŒrgerschaft. WĂ€hrend offen rassistische oder sogar kulturelle Vorurteile inakzeptabel geworden sind, bleibt das Recht auf StaatsbĂŒrgerschaft in einem Land im Globalen Norden, einer kleinen Minderheit der Weltbevölkerung vorbehalten. Race ist nicht die offizielle BegrĂŒndung um jemandem die StaatsbĂŒrgerschaft vorzuenthalten; es sind ökonomische GrĂŒnde. Aber das Ergebnis ist offensichtlich: die große Mehrheit der Menschen denen eine StaatsbĂŒrgerschaft in den LĂ€ndern des Globalen Norden verwehrt wird, ist nicht weiß. Es gibt sogar ein eigenes Wort fĂŒr Migranten, welche die ökonomische EingangsprĂŒfung bestanden haben: „Expats“. Sie können Doktoren, Ingenieure oder IT-Spezialisten sein. In jedem Fall sind sie akzeptable Migranten. Die Klassenherkunft mildert natĂŒrlich den Ausschluss. Die Mitglieder der nationalen Bourgeoisien des Globalen SĂŒdens, können ohne Probleme die Grenzen zum Globalen Norden ĂŒberschreiten. Sie frequentieren ihre Wohnungen in Paris, gehen zum Wochenend-Shopping nach London und schicken ihre Kinder auf Schulen und UniversitĂ€ten in New York.


1Smith (2011): 17. Stephen S. Roach war der erste, der den Begriff „global labour arbitrage“ benutzt hat.

2Smith (2015): 6.

3Robinson (2008): 313.

4Clemens, Montenegro, und Pritchett (2009): 33.

5Hatton und Williamson (2008): 345-361.

6Ghose (2005): 83.

7Dicken (2011): 515.

8IOM (2008): 80.

9Smith (2010): 107-112.

10Dunaway und Clelland (2017): 431.

11ebd.: 433.

12ebd.: 432.

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Quelle: Autonomie-magazin.org