Juni 6, 2021
Von SchwarzerPfeil
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Bericht aus dem sogenannten Minneapolis, wo eine von der Stadt finanzierte Non-Profit-Organisation versucht hat, den George-Floyd-Platz zu rÀumen.

Via It’s Going Down

Seit der Ermordung von George Floyd — wĂ€hrend Radikale weiterhin fĂŒr Befreiung kĂ€mpfen — haben wir auch eine beunruhigende, wenn auch vorhersehbare Welle von AufstandsbekĂ€mpfungsfronten in der Gegend von Minneapolis gesehen. Die Polizei hat aus den Jamar-Clark-Protesten 2015, dem George Floyd Square (GFS) und dem Daunte-Wright-Protesten in Brooklyn Center im April gelernt, dass die Nutzung von Schwarzen Körpern und „Community Leaders“ eine ihrer effektivsten BemĂŒhungen zur Demobilisierung ist. Schwarze aus bestimmten Klassen, die sich von den Schweinen abwenden und Situationen mit Gewaltandrohungen und „verbalem Judo“ „deeskalieren“ (was nur bedeuten kann, dass IdentitĂ€tspolitik gegen diejenigen, die sich dem Staat militant widersetzen wollen, als Waffe eingesetzt wird). Viele der Mitglieder von Agape, einer Non-Profit-Organisation, die von der Stadt kontaktiert wurde, waren an vorderster Front, und zu sehen, wie diejenigen, die MĂŒllcontainer umstellten und die Straßen blockierten, nur ein Jahr spĂ€ter diejenigen bedrohten und beschimpften, die mit dem Gedanken kamen, den Platz zu verteidigen, hinterlĂ€sst ein klaffendes Loch in unserem Herzen. Agape wird sehr gut dafĂŒr bezahlt, unsere Revolte gegen den Polizeistaat zu kooptieren.

Diese HĂ€nde der Kollaboration wachen ĂŒber unsere Bewegung und geben vor, VerbĂŒndete zu sein. Aber in Wirklichkeit sind sie im besten Fall als „Friedenspolizei“ da, im schlimmsten Fall sind sie Informant_innen und HĂ€nde des Staates. Andere StĂ€dte sollten das zur Kenntnis nehmen.

Am 3. Juni versicherte die Community-Organisation, dass nur die Barrikaden bewegt werden wĂŒrden, nur „Stadteigentum“, aber plötzlich kommen SchweißgerĂ€te und Gabelstapler, um die Schuppen zu bewegen, und nur eine Minimalbesatzung von Halbmilitanten bleibt ĂŒbrig, um sie zu verteidigen. Leute, die geglaubt hatten, die Organisation wĂŒrde sich nicht so weit herablassen, um der Stadt zu zeigen, dass sie kooperativ sind. Jeder Dissens mit der Stadt wurde von Agape unterdrĂŒckt, die nicht nur auf dem Platz, sondern auch an der Absperrung standen und den Leuten sagte: „Wir arbeiten, nur Stadtarbeiter_innen dĂŒrfen rein.“ Obwohl wir enttĂ€uscht waren, nahmen wir uns Zeit und warteten auf weitere Gemeindemitglieder. Gegen 10 Uhr erhielt eine anonyme Person eine E-Mail, die die Stadt an ihre Arbeiter_innen geschickt hatte, in der es um die RĂ€umung des Platzes und die Aufgabe von Agape/MPD (Minneapolis Police Department) ging, „das Problem zu beheben.“

Die Menschen kamen weiterhin en masse und Ă€ußerten ihre Empörung sowohl online als auch persönlich. Gegenseitige Hilfe in Form von Essen, Wasser und Barrikadenmaterial wurde zur 38th Street und Chicago Avenue geeilt.

Agape rieß weiterhin die Barrikaden ein, schleuderte homo- und frauenfeindliche Beleidigungen um sich und drohte, Leute zu schlagen, aber jedes Mal, wenn sie gingen, wurden die Barrikaden wieder aufgebaut.

Nach 14 Uhr wurden die Menschen an und um den George-Floyd-Platz herum auf einen weiteren Mord durch die HĂ€nde der Schweine in Uptown aufmerksam gemacht — weniger als 4 Meilen von dem Ort entfernt, an dem George hingerichtet wurde. Die erste Geschichte, die die Schweine den staatlichen Medien gaben, war, dass die Sheriffs von Hennepin County „einen MordverdĂ€chtigen verfolgten.“ Als sich die Menschen am Tatort — einem fĂŒnfstöckigen Parkhaus im GeschĂ€ftsviertel von Uptown — versammelten, verwirrte und verĂ€rgerte uns die Ankunft von ATF[1] und DHS[2]. Offensichtlich hatte der Staat wieder einmal gelogen.

Um 19:00 Uhr erzĂ€hlte ein Statement der US Marshals eine ganz andere Geschichte. Mehrere Agenturen hatten Winston Smith, einen lokalen Comedian, aufgespĂŒrt, weil sie glaubten, dass er illegal eine Waffe erworben hatte. Die Sprache in dem Statement ist vage und wir haben nicht viele Antworten, aber die Tatsache bleibt, dass der Staat wieder einmal außergerichtlich einen weiteren Schwarzen Mann ermordet hat. Und wie bei Philando Castile wurde der Gedanke, dass ein Schwarzer Mann eine Schusswaffe besitzt, kriminalisiert und fĂŒr wĂŒrdig befunden, vom Staat ermordet zu werden.

Nachdem die Schweine abgehauen waren, hielten die Leute weiter dagegen. Ein MĂŒllcontainer wurde in Brand gesetzt — und ein paar Fenster wurden eingeschlagen. Die Veranstaltung verlief grĂ¶ĂŸtenteils friedlich — SachbeschĂ€digung ist nicht gewalttĂ€tig. Die meisten Menschen unterhielten sich miteinander und starrten ins Feuer. Gleichzeitig verteidigten GefĂ€hrt_innen den George-Floyd-Platz und verstĂ€rkten weiterhin die Barrikaden. Es ist inspirierend, wie schnell und wie kĂ€mpferisch dieser Raum zurĂŒckerobert wurde.

Nach Mitternacht zeigten die Schweine unweigerlich ihr Gesicht. Eine Stunde lang war es ein GedrĂ€nge und Geschiebe, bevor die Schweine uns auflauerten. Linien von angreifenden Schweinen stĂŒrmten aus einer Seitengasse und nahmen mehrere gewalttĂ€tige Verhaftungen vor, einschließlich des Einsatzes von „SpucktĂŒten“ ĂŒber dem Kopf eines Verhafteten.

Die nĂ€chsten fĂŒnf Tage werden ĂŒber 30 Grad heiß sein, was es zur heißesten Woche des Jahres macht. Es ist unklar, was an diesem Wochenende passieren wird. Wir werden weiterhin auftauchen und seinen Namen sagen — Winston Smith!

Sie dachten, sie könnten uns beschwichtigen, indem sie Derek Chauvin verurteilten. Das hat nichts gebracht, um Winston Smiths Leben zu retten. Als wir sagten, wir wollen die Polizei abschaffen, meinten wir das auch so. Nicht reformieren, sondern sie von Grund auf demolieren. Das, ist der Kompromiss.

FĂŒr einen Bericht ĂŒber die Protestnacht nach dem Mord an Winston Smith siehe folgenden Artikel: „All Cops Are Derek Chauvin!“ — Mord an Winston Smith durch die Polizei fĂŒhrt zu erneuten Auseinandersetzungen in Minneapolis

[1] Das Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives (ATF) ist eine bundesstaatliche Strafverfolgungsorganisation innerhalb des Justizministeriums der Vereinigten Staaten.

[2] Ministerium fĂŒr Innere Sicherheit der Vereinigten Staaten

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Quelle: Schwarzerpfeil.de