August 4, 2021
Von InfoRiot
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Im Herbst soll sich in Brandenburg ein frĂŒherer KZ-Wachmann vor Gericht verantworten. Ein Gutachten bestĂ€tigte die VerhandlungsfĂ€higkeit des 100-JĂ€hrigen.

Eingang zum HÀftlingslager mit dem "Turm A" auf dem GelÀnde der GedenkstÀtte Sachsenhausen

NEURUPPIN dpa/epd | Ein 100 Jahre alter ehemaliger Wachmann des Konzentrationslagers Sachsenhausen soll sich ab Anfang Oktober vor dem Landgericht Neuruppin in Brandenburg verantworten. Ein medizinisches Gutachten habe inzwischen die zeitweise VerhandlungsfÀhigkeit des 100-JÀhrigen bejaht, teilte Gerichtssprecherin Iris le Claire am Montag auf Anfrage mit.

Der ehemalige SS-Wachmann soll laut Anklage der Staatsanwaltschaft durch seine TĂ€tigkeit im Hauptlager des ehemaligen KZ von 1942 bis Februar 1945 wissentlich und willentlich Hilfe zur grausamen und heimtĂŒckischen Ermordung von Lagerinsassen geleistet haben. Dabei soll es unter anderem um die Erschießung von sowjetischen Kriegsgefangenen im Jahr 1942 und Beihilfe zur Ermordung von HĂ€ftlingen mit dem Giftgas Zyklon B gegangen sein. Der 100-JĂ€hrige ist in 3.518 FĂ€llen wegen Beihilfe zum Mord angeklagt.

Stephanie Bohra vom Berliner NS-Dokumentationszentrum Topographie des Terrors sagte gegenĂŒber der Zeitung Welt am Sonntag: „Mord verjĂ€hrt nicht, darum mĂŒssen sich auch Ă€ltere Semester vor Gericht verantworten. Es geht um die AufklĂ€rung von Verbrechen, und ehemalige HĂ€ftlinge haben die Gelegenheit, zu berichten, was dort passierte.“ Rechtsanwalt Thomas Walther, der NebenklĂ€ger in den letzten NS-Verfahren vertritt und den Angaben zufolge auch am Neuruppiner Prozess beteiligt ist, hĂ€lt diesen fĂŒr notwendig: „Viele NebenklĂ€ger gehören dem gleichen Alter wie der Beschuldigte an und hoffen auf Gerechtigkeit.“

Seit dem Urteil gegen den ehemaligen KZ-Aufseher John Demjanjuk im Jahr 2011 besteht die Justiz nicht mehr auf den oft unmöglichen Nachweis individueller Schuld. Auch die allgemeine DienstausĂŒbung in einem Lager, in dem erkennbar systematische Massenmorde stattfanden, kann juristisch geahndet werden. FĂŒr die Hinterbliebenen der getöteten Lagerinsassen ist die juristische Aufarbeitung wichtig.

Im KZ Sachsenhausen waren zwischen 1936 und 1945 nach Angaben der dortigen GedenkstÀtte mehr als 200.000 Menschen inhaftiert. Zehntausende HÀftlinge kamen dort durch Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit, medizinische Versuche und Misshandlungen um oder wurden Opfer systematischer Vernichtungsaktionen.




Quelle: Inforiot.de