Januar 6, 2023
Von Die Plattform Berlin
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Von Red-Burned-Boulet

Die folgenschwere Logik, dass Menschen ohne Arbeit, am besten im bĂŒrgerlichen Sinne ungebildet, das Gros der Faschisten [1] bildet, ist auch in einer Linken, wie zu lesen sein wird, ein immer wiederkehrendes (falsches) ErklĂ€rungsmuster. Dass hierbei ein bĂŒrgerlicher Chauvinismus reproduziert wird, will nicht gewusst sein.

Faschisten gibt es in allen Schichten, ob in der Unterschicht, der sogenannten Mittelschicht oder der Oberschicht. Mit den Faschisten der Oberschicht wird gerne – und ganz im (falschen) bĂŒrgerlichen VerstĂ€ndnis von PluralitĂ€t – Talkshows diskutiert, die Faschisten der Mittelschicht seien keine Faschisten, sondern Teil der Mehrheitsgesellschaft (dem völkischen/nationalistischen Kollektiv). Auf die Faschisten der Unterschicht wird allerdings mit dem Finger gezeigt, sie gehen in der bĂŒrgerlichen Formel auf „arbeitslos/arm/bildungsfern = Nazi“.

Nehmen wir beispielhaft eine Sahra Wagenknecht, eine Politikerin der Partei „die Linke“, welche neben rassistischen und nationalistischen Widerlichkeiten [2], auch die genannte chauvinistische bĂŒrgerliche Formel bedient, indem sie die WĂ€hler der AFD zu den „Adressaten“ der Partei „die Linke“ erklĂ€rt. [3]

„Arbeiter und Arbeitslose sind unter den WĂ€hlern zwar ĂŒberdurchschnittlich vertreten, machen aber nur ein Viertel der AfD-GesamtwĂ€hlerschaft aus, wĂ€hrend die ĂŒbrigen drei Viertel auf Angestellte, Beamte und SelbstĂ€ndige entfallen.“ [4] Denn „hinsichtlich des Einflusses sozioökonomischer Faktoren ist anzufĂŒhren, dass die Arbeitslosenquote bzw. der Anteil an SGB II-Beziehenden eines Wahlkreises keinen Einfluss auf die Höhe des AfD-Wahlergebnisses ausĂŒben [
].“ [5]

„Arbeiter und Arbeitslose“ als primĂ€re „Adressaten“ der Partei „die Linke“ oder einer Linken im Allgemeinen sind also nicht bei einer AFD zu suchen! Wer dies unternimmt, erklĂ€rt eben jene „Arbeiter“ und machen wir uns nichts vor, vor allem die „Arbeitslosen“ in GĂ€nze zu WĂ€hlern der AFD. Die, die ihre Stimme der AFD geben, stehen stets auf der anderen Seite der Barrikade, Punkt.

Eine Linke muss also dem Chauvinismus, der sich in der Formel: „arbeitslos/arm/bildungsfern = Nazi“, ob er nun unter „linker“ oder bĂŒrgerlicher Flagge daherkommt, widersprechen, und zwar auf das SchĂ€rfste.

Der „monokausale“ [6] Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit (Armut) gleich AFD-WĂ€hler, ergo Faschist oder Neonazi ist bĂŒrgerliches ErklĂ€rungsmuster, welches einer „Linken“ wie Sahra Wagenknecht polemisch gesprochen im Halse stecken zu bleiben hat.

Der NĂ€hrboden hingegen fĂŒr die faschistische Agitation ist vielschichtig, er ist „ökonomischer, soziologischer, politischer oder kultureller Natur“. [7]

Im Folgenden wird versucht den Ursachen einer Faschisierung nÀherzukommen, in keinstem Fall dient es ihrer Rechtfertigung.

Das „ökonomische“ faschistische Mosaik materialisiert sich in der Verdinglichung in Form von Lohnarbeit innerhalb eines gesellschaftlichen Konkurrenzsystems sowie in der Erniedrigung des Menschen zum Humankapital. In diesem Mosaik, in dieser proklamierten „schrecklichen NormalitĂ€t“ [8] (nur allzu gern ergĂ€nzt um einen Irrationalismus [9]) ist das faschistische Moment bereits angelegt. Es wird „ein positiver Zusammenhang zwischen einer niedrigen Arbeitslosenquote [
] einem hohen Pro-Kopf-Haushaltseinkommen [
] wie auch einem hohen Anteil sozialversicherungspflichtig BeschĂ€ftigte*r und einem hohen AfD-Wahlergebnis festgestellt [
].“ [5]

Neben der genannten Verdinglichung drĂŒckt sich diese „NormalitĂ€t“ im perfekten (patriarchalen/heteronormativen) FamilienglĂŒck aus. In einer NormalitĂ€t, „in der die Welt noch in Ordnung ist“: Von Vater und Mutter, Kinder und das Einfamilienhaus mit gepflegtem Garten und weißem Gartenzaun. Um sich der „Normen und Moralvorstellungen“ [10] „der bĂŒrgerlichen-kapitalistischen Gesellschaft“ [11] anzupassen, kann es unter anderem einer „TriebunterdrĂŒckung“ [12] bedĂŒrfen: einer „UnterwĂŒrfigkeit“ [13], die die eigenen „rebellischen Impulse [
] durch Angst im Zaum“ [14] halten. Sie kann eine „autoritĂ€re Aggression“ [15] beinhalten, die „die reale oder vermeintliche Missachtung konventioneller Ideale und Normen durch Dritte hart bestraft“ [16] [17]. Diese NormalitĂ€t verlangt nach einer „SexualitĂ€t“ [18], die einer „konventionellen Sexualmoral“ [19] unterworfen ist. Diese ökonomische, soziale, politische und kulturelle „NormalitĂ€t“ hat das Potenzial, durch ihre RollenzwĂ€nge und in der Angst vor Abweichung zu eben jener „NormalitĂ€t“ der Entsagung, einen „autoritĂ€ren Charakter“ [20] als „Antwort“ auf den autoritĂ€ren Zwang herauszubilden.

Der faschistische Agitator (man stelle sich hier den heimlichen Parteivorsitzenden der AFD Björn Höcke vor) kann hierauf aufbauen und die (vermeidlichen) einfachen Antworten bieten, die eine Linke nicht bieten kann. Unsere Antworten sind komplex und dadurch kompliziert. Der Agitator hingegen hat sie, die „einfachen“ Antworten. Diese sind jedoch nicht radikal, sondern ganz im Gegenteil, die VerschĂ€rfung der bestehenden VerhĂ€ltnisse und deren Barbarisierung. Die Aufhebung erfolgt nicht im Sinne einer Überwindung, die „Aufhebung“ erfolgt (ohne zu erfolgen) reaktionĂ€r in der VerstĂ€rkung der bestehenden KonkurrenzverhĂ€ltnisse, der absoluten Brutalisierung derer.

Der faschistische Agitator meint: „Meine Freunde, wir leben in einer Welt der Ungleichheit und Ungerechtigkeit. [
] Die Welt ist die Arena eines erbarmungslosen Überlebenskampfes. Warum solltet ihr nicht auf der Seite derer sein, die profitieren? Anstatt mit den UnterdrĂŒckten und Leidenden gemeinsame Sache zu machen [
] weder Frieden noch Sicherheit, noch GlĂŒck [verspreche ich euch]. Ich erzĂ€hle euch nichts von IndividualitĂ€t – was immer das Wort bedeuten mag. Ich verachte solche Schlagworte [
] Wenn ihr euch mir anschließt, verbĂŒndet ihr euch mit Kraft, StĂ€rke und Macht [
] Ich biete euch PrĂŒgelknaben an – Juden, Radikale [
] Ihr könnt sie beschimpfen und schließlich verfolgen. [
] Es kommt ja nicht darauf an, daß sie eure wahren Feinde sind, solange ihr sie ausplĂŒndern und eure Wut an ihnen auslassen könnt. Ich biete euch nicht eine Utopie, sondern einen realistischen Kampf um den Knochen im Maul des anderen Hundes [
] stĂ€ndiger Kampf ums Überleben. [
] Um das zu erreichen mĂŒĂŸt ihr mir folgen. Wir wollen eine Bewegung des Schreckens organisieren. Wir werden uns mit den MĂ€chtigen verbĂŒnden, um einen Teil ihrer Privilegien zu gewinnen. Anstatt Gefangene werden wir Polizisten sein. Und ich bin euer FĂŒhrer. [
]“ [21]

Durch das Aufgreifen der „ZwĂ€nge und Ängste“ der bestehenden VerhĂ€ltnisse und die Übertragung in absolute autoritĂ€re UniformitĂ€t bekundet der Agitator das faschistische Moment. Nicht die Überwindung des Bestehenden [22], sondern dessen Zementierung in der Barbarei ist das Ziel. [23] Die absolute Auslöschung des Individuums unter der Macht „des FĂŒhrers“.

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass der Kapitalismus vermittelt durch die verdinglichende Lohnarbeit und die das Individuum unterdrĂŒckende Entwicklung des autoritĂ€ren Charakters den besten NĂ€hrboden fĂŒr faschistische Agitatoren bietet, ihre menschenfeindliche Saat zu sĂ€hen.
Klar muss aber auch sein, dies resultiert nicht notwendig in einer Faschisierung. Es stellt gleichwohl eine reale Gefahr dar, die ihr brutales Gesicht nur allzu oft bereits zeigte.

Widersprechen wir also dem falschen bĂŒrgerlichen Chauvinismus, der Gleichsetzung von arm und faschistisch, auch wenn er von vermeintlich Links kommt. Nicht die im wahrsten Sinne Ă€rmsten Schweine sind das faschistische Potenzial, es ist die propagierte NormalitĂ€t selbst. Das „Da ist die Welt noch in Ordnung“ bleibt eine brandgefĂ€hrliche LĂŒge.

Einer emanzipatorischen Linken muss es also darum gehen »alle VerhĂ€ltnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verĂ€chtliches Wesen ist«. [Karl Marx] und somit neue VerhĂ€ltnisse zu schaffen, in denen man/ich ohne Zwang und Angst man/ich selbst sein kann. Dies entzieht dem „autoritĂ€ren Charakter“ den NĂ€hrboden und ohne diesen Charakter steht der faschistische Agitator auf weiter Flur allein. Um dies zu erreichen, bedarf es der radikalen Aufhebung der bestehenden VerhĂ€ltnisse, welche maßgeblich durch Kapitalismus und ein ihn bedienendes Patriarchat geformt sind.

Auf dem Weg zu dieser radikalen Aufhebung ist der Streit um politische Liberalisierung [24] unseres Alltags und um die Verbesserung unserer Arbeitsbedingungen von zentraler Bedeutung. Doch wird die Aufhebung des Falschen nur möglich sein, indem das Gros der LohnabhĂ€ngigen Klasse ĂŒber nationale Grenzen hinweg sagt: „Schluss, es reicht“.

Die Freiheit des Individuums, welche bedeutet, den eigenen BedĂŒrfnissen folgen zu können, abseits von Entsagung und dem Zwang, muss das Ziel sein.

Eine Gesellschaft, die als normal akzeptiert, dass alles Ware ist, einschließlich des stets austauschbaren Menschen, welcher als Mensch nichts, sondern nur als ArbeitskraftbehĂ€lter etwas ist, stellt eine potenzielle Gefahr hin zum Faschismus dar. Diese „NormalitĂ€t“, in der das Individuelle nicht sein darf, ist gefĂ€hrlich.

Um nun aber das Geltende aufzuheben und damit Kapitalismus und das ihn bedienende Patriarchat zu beenden, bedarf es Streiks [25], die die Kapital-Akkumulation aussetzten. Die „richtige“ Wut ist an die grundlegenden VerhĂ€ltnisse zu adressieren, welche die eigentliche Ursache eben jener darstellen. Es braucht den Bruch mit dem Arbeitsfetisch, den Bruch mit der politischen Ökonomie, den Bruch mit der kapitalistischen Logik und eine Hinwendung zu einer radikal demokratisch organisierten – Armut und Lohnarbeit nicht kennenden – und an menschlichen BedĂŒrfnissen orientierten Produktion. Um dies zu bewirken, braucht es (antifaschistische) Massen, und um diese zu erreichen, braucht es weder Paternalismus [26] noch ein chauvinistisches „den Rechten nicht das Feld ĂŒberlassen“. Es braucht das fordernde GesprĂ€ch, suchen wir es!


Quellenangaben und Anmerkungen:

[1] Faschismus

„Der Faschismus, den wir heute sehen, ist nicht derselbe wie vor 80 Jahren. Die Gesellschaft hat sich verĂ€ndert und mit ihr die faschistische Ideologie und Bewegung. Die Organisationen sind andere, der Sprachgebrauch hat sich gewandelt und mit ihm auch die politische Propaganda und ihre Medien, der politische Inhalt wurde neu formuliert. Der Kern der Ideologie aber, die Ziele, fĂŒr die die Leute heute wieder unter dem Banner des Faschismus marschieren, sind genau dieselben wie schon in den 1930er-Jahren. 
 die Grundideen sind aber die alten geblieben. Es ist dieselbe Verachtung fĂŒr alles, was als fremd und schwach empfunden wird, diese Verherrlichung einer als völkisch gedachten Gemeinschaft, dieselbe Verachtung fĂŒr die Demokratie und fĂŒr ein Denken, in dem alle Menschen denselben Wert haben, derselbe Glaube an das Recht, das sich der StĂ€rkere nimmt – damals wie heute.

Die Verherrlichung der Gewalt als politisches Instrument zieht sich als roter Faden durch die Geschichte des Faschismus.“

Aus „Was ist eigentlich Faschismus?“ von Kalle Johansson und Lena Berggren

https://www.jacobystuart.de/buecher-von-jacoby-stuart/comic-graphic-novel/was-ist-eigentlich-faschismus/

[2] „Sahra Wagenknechts Wir“

https://mission-lifeline.de/sahra-wagenknechts-wir/

„“Wer Gastrecht missbraucht“, sagt Wagenknecht, „der hat Gastrecht dann eben auch verwirkt.“ Das sei „ganz klar Position“ der Linken.““

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/sahra-wagenknecht-zum-asylrecht-die-gast-rechte-a-1071614.html

[3] „“Und deswegen hoffe ich, dass wir auch viele von denen erreichen, die zurzeit aus Frust, aus VerĂ€rgerung ĂŒber die bisherige Politik darĂŒber nachdenken, AfD zu wĂ€hlen, aber nicht, weil sie deren Parolen unbedingt gut finden, sondern wirklich nur, weil sie sagen: ‚Ich will deutlich machen, dass sich was Ă€ndern muss’““

https://www.n-tv.de/politik/Wagenknecht-will-AfD-Protestwaehler-abjagen-article19497221.html

[4] „Wahlergebnisse und WĂ€hlerschaft der AfD“

https://www.bpb.de/themen/parteien/parteien-in-deutschland/afd/273131/wahlergebnisse-und-waehlerschaft-der-afd/

[5] „Ist die AfD in lĂ€ndlichen RĂ€umen besonders erfolgreich? (von Larissa Deppisch, Andreas KlĂ€rner & Torsten Osigus)“

https://www.idz-jena.de/wsddet/wsd5-11

[6] „Fest steht, dass Radikalisierung nie monokausal ist, also immer mehrere Ursachen hat (Logvinov 2014: 148f.). Allerdings muss betont werden, dass selbst, wenn mehrere dieser Faktoren auf eine Person zutreffen, nicht zwangslĂ€ufig eine Radikalisierung folgen muss.“

https://www.bpb.de/lernen/bewegtbild-und-politische-bildung/reflect-your-past/313952/radikalisierung-und-deradikalisierung/

[7] „Auswirkung auf die Radikalisierung einer Person können Bedingungen haben, die ökonomischer, soziologischer, politischer oder kultureller Natur sind, wie soziale UnterdrĂŒckung, IdentitĂ€tskrisen, Diskriminierungserfahrungen, (schulische/berufliche) Misserfolge, fehlende Perspektiven, Konkurrenzangst, die Suche nach eigener IdentitĂ€t oder Protest gegen Ungerechtigkeit (jup! Berlin o. J.).“

https://www.bpb.de/lernen/bewegtbild-und-politische-bildung/reflect-your-past/313952/radikalisierung-und-deradikalisierung/

[8] „Die schreckliche NormalitĂ€t“

https://berlin.dieplattform.org/2021/05/27/die-schreckliche-normalitaet/

[9] “Der Irrationalismus mit all seinen esoterischen Facetten ist der grĂ¶ĂŸte Feind des Humanismus und ein Begleiter und Vor(be)reiter antidemokratischer und faschistischer gesellschaftlicher Entwicklungen.”

Jutta Ditfurth: “Worum es geht” S. 12/13

„erste Versuch vor, AutoritĂ€tsglauben, GefĂŒhlsmystik, gnostische Phantasterei in die freie Wissenschaft des Denkens einzuschmuggeln“

Friedrich Engels (1843)

[10]„Kritische Theorie“ S. 77 – S.79

http://www.theorie.org/titel/595_kritische_theorie

[10 – 16 / 18 – 20] ebd.

[17] „ZDF-Politbarometer: Mehrheit fĂŒr strengere BĂŒrgergeld-Sanktionen“

https://www.zdf.de/nachrichten/politik/politbarometer-buergergeld-einigung-zu-sanktionen-richtig-102.html

[21] „Leo Löwenthal Schriften. 5 BĂ€nde Band 3: Falsche Propheten“

„Meine Freunde, wir leben in einer Welt der Ungleichheit und Ungerechtigkeit. Wer immer glaubt, daß dieser Zustand sich je Ă€ndern wird, je geĂ€ndert werden könnte, ist ein Narr oder LĂŒgner. UnterdrĂŒckung und Ungerechtigkeit sind – wie Krieg und Hungersnot – die Begleiterscheinungen der menschlichen Existenz. Idealisten, die dies leugnen, belĂŒgen sich selbst – schlimmer noch: sie fĂŒhren euch an der Nase herum. In Gesten humaner BrĂŒderlichkeit zu schwelgen, ist nur ein Köder fĂŒr Einfaltspinsel und Dummköpfe, die sich dadurch von ihrem rechtmĂ€ĂŸigen Anteil an der heutzutage vorhandenen Beute abhalten lassen. Sagt euch nicht eure eigene Erfahrung, daß ihr fĂŒr euren Idealismus immer habt zahlen mĂŒssen? Seid praktisch Die Welt ist die Arena eines erbarmungslosen Überlebenskampfes. Warum solltet ihr nicht auf der Seite derer sein, die profitieren?

Anstatt mit den UnterdrĂŒckten und Leidenden gemeinsame Sache zu machen, schließt euch mir an. Ich verspreche euch weder Frieden noch Sicherheit, noch GlĂŒck. Ich erzĂ€hle euch nichts von IndividualitĂ€t – was immer das Wort bedeuten mag. Ich verachte solche Schlagworte, wenn ich sie auch gelegentlich, wenn’s paßt, selbst verwende.

Wenn ihr euch mir anschließt, verbĂŒndet ihr euch mit Kraft, StĂ€rke und Macht – den Waffen, die am Ende alle Streitigkeiten entscheiden. Ich biete euch PrĂŒgelknaben an – Juden, Radikale, Plutokraten und sonstige Kreaturen, die unsere Fantasie erfinden kann. Ihr könnt sie beschimpfen und schließlich verfolgen. Worin besteht der Unterschied? Es ist ja gleichgĂŒltig. Es kommt ja nicht darauf an, daß sie eure wahren Feinde sind, solange ihr sie ausplĂŒndern und eure Wut an ihnen auslassen könnt.

Ich biete euch nicht eine Utopie, sondern einen realistischen Kampf um den Knochen im Maul des anderen Hundes; das ist unser Programm. Nicht Frieden, sondern stĂ€ndiger Kampf ums Überleben. Nicht Überfluß, aber den Löwenanteil. Könnt ihr, wenn ihr realistisch seid, mehr erwarten?

Um das zu erreichen mĂŒĂŸt ihr mir folgen. Wir wollen eine Bewegung des Schreckens organisieren. Wir werden uns mit den MĂ€chtigen verbĂŒnden, um einen Teil ihrer Privilegien zu gewinnen. Anstatt Gefangene werden wir Polizisten sein. Und ich bin euer FĂŒhrer. Ich werde fĂŒr euch denken und euch sagen, was zu tun ist. In meiner FĂŒhrerrolle werde ich euch euer Leben vorleben, und ich werde euer BeschĂŒtzer sein. In der Hölle meiner Erbarmungslosigkeit winkt euch ein trautes Heim.“

https://www.suhrkamp.de/buch/leo-loewenthal-schriften-5-baende-t-9783518285039

[22] „Der an die Macht gelangte Faschismus lĂ€sst die bestehende Gesellschaftsordnung grundsĂ€tzlich unangetastet.“

https://www.wissen.de/lexikon/faschismus

[23] „Rechter Sozialkahlschlag“

Robert D. Meyer ĂŒber die PlĂ€ne der Faschistin Giorgia Meloni

Wie versprochen, so geliefert: Die Faschistin Giorgia Meloni und ihre extrem rechte Regierung in Italien will das BĂŒrgereinkommen – vergleichbar mit Hartz IV – nahezu ersatzlos abschaffen. KĂŒnftig soll es weniger finanzielle Hilfe fĂŒr weniger Menschen geben, die dafĂŒr hĂ€rtere Bedingungen erfĂŒllen mĂŒssen. Es ist Sozialkahlschlag mit Ansage
 Melonis WĂ€hler*innen wussten, was sie erwarten dĂŒrfen.

Genauso verhĂ€lt es sich hierzulande mit der AfD: In der Debatte um die EinfĂŒhrung des BĂŒrgergeldes forderte die Bundestagsfraktion eine »aktivierende Grundsicherung«, was da hieß, nach sechs Monaten sollten alle Leistungsbezieher*innen zur »BĂŒrgerarbeit« verpflichtet sein. Als Sanktion sollte zudem eine »Sachleistungs-Karte« statt Geld möglich sein.

Ziel der extremen Rechten ist kein starker Sozialstaat. Ideologie und Methode fußen darauf, AbstiegsĂ€ngste zu schĂŒren, Prekarisierte gegeneinander auszuspielen, gesellschaftlich nach unten zu treten. Strategien im Kampf gegen Rechts mĂŒssen dies viel klarer als bisher betonen.“

https://www.nd-aktuell.de/artikel/1168786.italien-unter-giorgia-meloni-rechter-sozialkahlschlag.html

[24] „Der Abbau von repressiven Funktionen des Staates wird politische Liberalisierung genannt; oft im Kontext von Minderheitenschutz, Menschenrechten, Verboten und der Umwandlung bzw. AbschwĂ€chung von Strafmaßnahmen gebraucht.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Liberalisierung

[25] Kampagne fĂŒr ein umfassendes Streikrecht

https://rechtaufstreik.noblogs.org/

[26] Ohne Bevormundung, die sich auch darin ausdrĂŒckt, dass man Menschen nicht zutraut, das Komplexe und dadurch Komplizierte durchdringen zu können. Das Niveau einer „Bild-Zeitung“ spiegelt das herrschende Diskurs-Niveau wieder, nicht doch das intellektuelle Niveau des Menschen.

Wer die radikale VerÀnderung möchte, darf nicht am bestehenden intellektuellen Niveau festhalten oder es gar bedienen, das herrschende Niveau ist Teil der herrschenden VerhÀltnisse.




Quelle: Berlin.dieplattform.org