Mai 16, 2021
Von Criminals For Freedom
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Folgender Bericht eines Gefangenen aus Moabit beschreibt, wie sich Kripos als AnwĂ€lte ausgaben, um an die DNA eines Gefangenen zu kommen. Es handelt sich bei der beschriebenen Methode offensichtlich um eine EinschĂŒchterungstaktik und einen Versuch, ohne richterlichen Beschluss an die DNA des Gefangenen zu kommen.

Seit 08.30 Uhr warte ich, bis mein Anwalt kommt. Ich bleibe in der Zelle und verzichte auf Freigang – immerhin soll mein Anwalt nicht lange auf mich warten mĂŒssen. Plötzlich schließt jemand die ZellentĂŒr auf. „Anwalt ist hier“, sagt der Beamte und ich packe meine Mundschutzmaske und eile zum Anwaltsbesuch. In dem Bereich fĂŒr AnwĂ€lte angekommen, meldete ich mich vor Ort und zeige meinen Ausweis vor. Ein Beamter sagt mir eine Zimmernummer. Ich öffnete die TĂŒr und sah zwei unbekannte Personen sitzen. „Entschuldigung“ rief ich und wollte wieder gehen, da ich dachte falsch zu sein oder eine Verwechslung vorliegt. „Sind sie Herr ****?“, ich nickte, „dann sind sie hier genau richtig“. Die beiden Herren stellten sich als zwei Kripobeamte vor und ich sollte mir ein Informationsblatt durchlesen. Es handelte sich um eine Information hinsichtlich der Abgabe einer DNA-Probe. Ein Kripobeamter hielt mir ein anderes Blatt hin, welches ich unterschreiben sollte und dann ging es auch gleich los. „Moment – ich gebe hier keine freiwillige DNA-Probe ab“, erwiderte ich. Noch zwei SĂ€tze und ich verabschiedete mich freundlich. „Sie können wieder zur Zelle gehen“, wies mich der Beamte aus dem Vollzug hin, der mich zuvor aufgefordert hatte in dieses Zimmer einzutreten. ZurĂŒck zur Zelle kam dann mein Anwalt dreißig Minuten spĂ€ter.

Zwei Tage spĂ€ter auf dem Hofgang werde ich von einem Beaufsichtigungsbeamten herbei gerufen. „Herr ***“, rief er, „ihr Anwalt wartet“. Wieder ging ich in den Sprechbereich fĂŒr AnwĂ€lte und ein Vollzugsbeamter schickte mich in ein Zimmer. Als ich die TĂŒre öffnete, sah ich die gleichen Beamten wie vor zwei Tagen sitzen, sie fragten mich, ob ich es mir ĂŒberlegt hĂ€tte eine DNA-Probe abzugeben, freiwillig meinten sie.

Nach diesem Vorfall meldeten sich mehrere Gefangene, welche absolut wĂŒtend ĂŒber die Machenschaften der Bullen und des Knastes sind. In ihrem Schreiben machen sie deutlich, dass sie sich ĂŒber die Zusammenarbeit von Kripo und Knast durchaus bewusst sind:

Die AnwĂ€lte, die von draußen kommen, mĂŒssen als erstes ihren Anwaltsausweis vorlegen. Nur mit dem Anwaltsausweis können sie den Knast betreten. Wenn die AnwĂ€lte oben angekommen sind, bei den AnwaltsrĂ€umen, befinden sich dort viele RĂ€ume. In diesen RĂ€umen können sich die AnwĂ€lte mit ihren Mandanten unterhalten. Auch hier mĂŒssen die AnwĂ€lte nochmals ihren Anwaltsausweis vorlegen. Wenn sich die beiden Kripobeamten bei diesen zwei Kontrollstellen als Kripobeamte ausgeben, warum Ă€ußern sich die Vollzugsmitarbeiter den Gefangenen gegenĂŒber mit Ihr Anwalt ist da? Also kann man davon ausgehen, es liegt absolut auf der Hand, dass das Vollzugspersonal die Gefangenen wissentlich tĂ€uscht und sie unter dem Vorwand DER ANWALT IST DA in die RĂ€umlichkeiten lockt. Die Justizmitarbeiter beteiligen sich an diese dreckige verlogene Aktion und in diesem Fall sogar zweimal.

Wenn die Kripobeamten zweimal hier aufschlagen unter dem Vorwand, sie sind RechtsanwĂ€lte und dies von der JVA Moabit gedeckt und geschĂŒtzt wird, dann gehen wir doch davon aus, dass das Gericht oder der jeweilige Richter kein Beschluss fasst wegen einer Entnahme einer DNA-Probe. Es kann davon ausgegangen werden, dass die beiden Kripobeamten diesen Beschluss nicht bekommen vom Richter, weil er vielleicht gesagt hat – brauchen wir nicht. Die Kripobeamten, also sprich die blöden Bullen dennoch die DNA-Probe schwarz erhaschen wollten, liegt hier absolut vor! Diese Vorgehensweise hat nichts mit Demokratie und Rechtstaat zu tun, wenn man als Kripobeamter sich im Knast als Anwalt gegenĂŒber den Gefangenen ausgibt und die Justizmitarbeiter decken und schĂŒtzen dieses Fehlverhalten.

Falls ihr auch sitzt oder sitzen mĂŒsst, habt solche perfiden Methoden seitens der Schweine auf dem Schirm, lasst euch nicht tĂ€uschen! Solange ihr draußen seid, zeigt euch solidarisch mit den Gefangenen, in dem ihr die Verantwortlichen fĂŒr solche Drecks-Aktionen zur Rechenschaft zieht. So wie die Gefangenen offensiv mit Erfahrungen wie dieser umgehen, sollte es auch unsere Antwort auf Repression sein.




Quelle: Criminalsforfreedom.noblogs.org