MĂ€rz 7, 2021
Von SchwarzerPfeil
265 ansichten


FĂŒr E-Reader:

Myanmars SicherheitskrĂ€fte setzten TrĂ€nengas und Blendgranaten ein, um Proteste in Yangon am Samstag aufzulösen, wĂ€hrend eine Sitzung des UN-Sicherheitsrates dazu aufgefordert wurde, Maßnahmen zu ergreifen, um die Tötung von Zivilist:innen zu stoppen.

Myanmar ist in Aufruhr, seit das MilitĂ€r die gewĂ€hlte FĂŒhrerin Aung San Suu Kyi am 1. Februar gestĂŒrzt und inhaftiert hat. TĂ€gliche Proteste gegen den Putsch und Streiks haben die Wirtschaft und die Verwaltung lahmgelegt.

Mehr als 50 Demonstrierende wurden nach Angaben der Vereinten Nationen getötet, allein am Mittwoch mindestens 38 (siehe unseren Bericht hier und hier). Die Demonstrierenden fordern die Freilassung von Aung San Suu Kyi und die Anerkennung des Wahlergebnisses vom November, das ihre Partei in einem Erdrutschsieg gewann, aber von der Armee abgelehnt wurde.

„Wie viel mehr können wir dem MilitĂ€r in Myanmar noch durchgehen lassen?“, fragte die Sondergesandte Christine Schraner Burgener am Freitag in einer geschlossenen Sitzung des 15-köpfigen UN-Sicherheitsrates, laut einer Kopie ihrer AusfĂŒhrungen, die Reuters vorliegt.

„Es ist von entscheidender Bedeutung, dass dieser Rat entschlossen und kohĂ€rent ist, um die SicherheitskrĂ€fte in die Schranken zu weisen und sich fest an die Seite des Volkes von Myanmar zu stellen, um die klaren Wahlergebnisse vom November zu unterstĂŒtzen.“

Ein Sprecher der Junta antwortete nicht auf Rufe, die um einen Kommentar baten.

Die Armee sagt, dass sie sich bei der Unterbindung der Proteste zurĂŒckgehalten hat, aber nicht zulassen wird, dass diese die StabilitĂ€t gefĂ€hrden. Am Samstag skandierten die Demonstrierenden in der sĂŒdlichen Stadt Dawei „Demokratie ist unser Beweggrund“ und „Die Revolution muss siegen“. Auch in der grĂ¶ĂŸten Stadt, Yangon, versammelten sich Demonstrierende.

Die Menschen sind zeitweise zu Hunderttausenden auf die Straße gegangen und haben geschworen, die Aktionen in einem Land fortzusetzen, das fast ein halbes Jahrhundert unter MilitĂ€rherrschaft verbracht hat, bis demokratische Reformen im Jahr 2011 begannen, die durch den Putsch abgebrochen wurden.

„Die politische Hoffnung hat begonnen zu leuchten“, schrieb ein ProtestfĂŒhrer, Ei Thinzar Maung, online. „Wir dĂŒrfen den Schwung der Revolution nicht verlieren. Diejenigen, die es wagen zu kĂ€mpfen, werden den Sieg erringen. Wir verdienen den Sieg.“

Mindestens ein Mann wurde bei den Protesten am Freitag von SicherheitskrĂ€ften getötet. Ein FunktionĂ€r von Aung San Suu Kyis Nationaler Liga fĂŒr Demokratie (NLD) und sein Neffe im Teenageralter wurden ebenfalls von AnhĂ€nger:innen des MilitĂ€rs erstochen, berichteten lokale Medien.

Die Tötung von Demonstrierenden hat internationale Empörung hervorgerufen. „Die Anwendung von Gewalt gegen das Volk von Myanmar muss jetzt aufhören“, sagte der sĂŒdkoreanische PrĂ€sident Moon Jae-in und forderte die Freilassung von Aung San Suu Kyi und anderen Inhaftierten sowie die Wiederherstellung der Demokratie.

Die USA und einige andere westliche LĂ€nder haben begrenzte Sanktionen gegen die Junta verhĂ€ngt. Thomas Andrews, der unabhĂ€ngige UN-Menschenrechtsermittler fĂŒr Myanmar, hat ein globales Waffenembargo und gezielte Wirtschaftssanktionen gefordert.

Aber in dem BemĂŒhen, die Einigkeit des Rates ĂŒber Myanmar zu bewahren, sagten Diplomat:innen, dass Sanktionen wahrscheinlich nicht in nĂ€chster Zeit in Betracht gezogen werden, da solche Maßnahmen wahrscheinlich von China und Russland, die VetomĂ€chte sind, abgelehnt werden wĂŒrden.

„Alle Parteien sollten grĂ¶ĂŸtmögliche Ruhe und ZurĂŒckhaltung walten lassen“, sagte Chinas UN-Botschafter Zhang Jun, laut den nach dem UN-Treffen veröffentlichten Bemerkungen. „Wir wollen keine InstabilitĂ€t oder gar Chaos in Myanmar sehen.“

Die Armee ĂŒbernahm die Macht aufgrund von BetrugsvorwĂŒrfen bei den Wahlen im letzten Jahr. Diese Anschuldigungen wurden von der Wahlkommission zurĂŒckgewiesen. Die Armee hat versprochen, eine neue Wahl zu einem unbestimmten Zeitpunkt abzuhalten.

Dieser Plan wird von den Demonstrierenden und einer Gruppe von Gesetzgebenden, die bei der letzten Wahl gewÀhlt wurden, abgelehnt. Die Gruppe hat begonnen, ErklÀrungen im Namen einer rivalisierenden zivilen Administration zu veröffentlichen.

Am Freitag listete sie vier Forderungen auf: das Ende der Junta, die Freilassung der Inhaftierten, Demokratie und die Abschaffung der Verfassung von 2008, die eine bedeutende politische Vertretung und Kontrolle in den HÀnden des MilitÀrs belÀsst.

Stattdessen sagte sie, dass Myanmar eine föderale Verfassung haben sollte – ein Appell an die ethnischen Gruppen in den Grenzgebieten des Landes, die sich unter der Vorherrschaft der Bamar-Mehrheit aufgerieben haben, sowohl unter dem MilitĂ€r als auch unter Aung San Suu Kyis Partei.

Am Freitag versammelten sich Tausende von Menschen im sĂŒdöstlichen Karen-Staat, begleitet von KĂ€mpfenden der Karen National Union (KNU), einer der bewaffneten ethnischen Gruppen, die in einen lang andauernden Krieg verwickelt sind.

WĂ€hrend der Kundgebung – dem bisher stĂ€rksten Zeichen der UnterstĂŒtzung der Anti-Putsch-Bewegung durch eine der unzĂ€hligen bewaffneten ethnischen Gruppen des Landes – zeigten KNU-Truppen den von Demonstrierenden populĂ€r gewordenen Rebellengruß aus Panem[1] und verteilten Wasserflaschen.

[1] Bei der „Gummienten-Revolution“ in Thailand wurde der Rebellengruß populĂ€r. Die dystopische Serie – Die Tribute von Panem – wurde neben den Gummienten zu einem Symbol der Bewegung. Eine Zeile aus den BĂŒchern, „Wenn wir brennen, brennt ihr mit uns“, wurde ebenfalls verwendet.


Quelle: The Guardian

Folge uns!
Artikel und Übersetzungen von der Gruppe SchwarzerPfeil
Übersetzungen bedeuten nicht automatisch Zustimmung mit dem Inhalt.

Folge uns auf Mastodon: @schwarzerpfeil@antinetzwerk.de

SchwarzerPfeil
Folge uns!
FĂŒr E-Reader:



Quelle: Schwarzerpfeil.de