MĂ€rz 20, 2021
Von SchwarzerPfeil
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Myanmars regierende Junta hat das Kriegsrecht in sechs Gemeinden in der grĂ¶ĂŸten Stadt des Landes verhĂ€ngt, nachdem SicherheitskrĂ€fte am Wochenende Dutzende von Demonstrierenden in einer zunehmend tödlichen Niederschlagung des Widerstands gegen den MilitĂ€rputsch im letzten Monat getötet haben.

Anti-Putsch-Demonstrierende marschierten unter anderem in der zweitgrĂ¶ĂŸten Stadt Mandalay und der westlichen Stadt Hakha, wo die Kundgebungen relativ friedlich verliefen, sowie in den zentralen StĂ€dten Myingyan und Aunglan, wo die Polizei das Feuer eröffnete und weitere fĂŒnf Menschen tötete, wie Zeug:innen und Medien berichteten.

Es wurde bestĂ€tigt, dass mindestens 44 Menschen bei der Gewalt am Sonntag gestorben sind – der tödlichste einzelne Tag seit dem Putsch Anfang Februar. Die meisten Todesopfer gab es bei Protesten in zwei Industriegebieten in Yangon, Hlaing Tharyar und Shwepyitha, wo Bekleidungsfabriken in Brand gesetzt wurden. Mindestens 37 Demonstrierende wurden getötet, sagte ein Arzt in der Gegend gegenĂŒber Reuters.

Der staatliche Rundfunksender MRTV berichtete am Montag, dass die Stadtbezirke Nord Dagon, SĂŒd Dagon, Dagon Seikkan und Nord Okkalapa unter Kriegsrecht gestellt wurden. Eine erste AnkĂŒndigung wurde am spĂ€ten Sonntag gemacht, dass Hlaing Tharyar und Shwepyitha unter Kriegsrecht gestellt wurden.

Seit der MachtĂŒbernahme vor sechs Wochen befindet sich Myanmar unter einem landesweiten Ausnahmezustand. Die zivilen FĂŒhrer:innen wurden entlassen und inhaftiert, und die MilitĂ€rs haben die gesamte Regierung ĂŒbernommen. Aber die AnkĂŒndigung vom Sonntag war die erste Anwendung des Kriegsrechts seit dem Putsch und deutet auf eine direktere Kontrolle des MilitĂ€rs ĂŒber die Sicherheit hin, anstelle der lokalen Polizei.

Die AnkĂŒndigung besagt, dass der staatliche Verwaltungsrat gehandelt hat, um die Sicherheit zu erhöhen und Recht und Ordnung wiederherzustellen, und dass der Regionalkommandant von Yangon mit administrativen, gerichtlichen und militĂ€rischen Befugnissen in dem Gebiet unter seinem Kommando betraut worden ist. Die Befehle umfassen sechs der 33 Stadtbezirke von Yangon, die alle in den letzten Tagen große Gewalt erlebten.

Das MilitÀr und Bullen sind in den letzten Wochen fast tÀglich gegen Demonstrierende vorgegangen, indem sie TrÀnengas einsetzten und Gummigeschosse und scharfe Munition abfeuerten, um Proteste gegen den Putsch niederzuschlagen.

In der Gemeinde Hlaing Tharyar stießen Polizei und MilitĂ€r am Sonntag mit Demonstrierenden zusammen, die mit Stöcken und Messern bewaffnet waren und behelfsmĂ€ĂŸige Barrikaden errichtet hatten. Demonstrierende, die Teile von MĂŒlltonnen als Schutzschilde benutzten, schafften es, einige der Verwundeten zu retten, als die SicherheitskrĂ€fte das Feuer eröffneten, aber ein Arzt sagte, dass nicht alle erreicht werden konnten.

Anwohner:innen, die sich zu Hause versteckten, hörten den ganzen Tag ĂŒber ununterbrochen SchĂŒsse, wĂ€hrend man MilitĂ€rfahrzeuge durch die verrauchten Straßen fahren sah.

Trotz des Blutvergießens bleiben die Protestierenden der Anti-Putsch-Bewegung hartnĂ€ckig.

„Ich habe gesehen, wie die gefallenen Held:innen ihr Leben gegeben haben“, sagte die 21-jĂ€hrige Ma Khine Lay und gab zu, dass sie sogar Angst hatte, als sie Barrikaden aus Ziegelsteinen und Bambusstangen in einer Yangon-Gemeinde wieder aufbaute. „Ich werde bis zum Ende kĂ€mpfen.“

Die Zahl der Todesopfer liegt inzwischen im dreistelligen Bereich und es wird erwartet, dass diese Zahl noch weiter steigen wird.

Ein Bulle postete Stunden vor dem brutalen Gewaltakt ein TikTok-Video, in dem er in einem Voiceover sagte, dass sie schwere Waffen mitbringen wĂŒrden. „Ich werde keine Gnade mit Hlaing Tharyar haben.“ Wenige Stunden spĂ€ter wurde das Video wieder entfernt.

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Quelle: Schwarzerpfeil.de