April 7, 2021
Von Emrawi
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1., Es gab offensichtlich keinen Plan fĂŒr eine WeiterfĂŒhrung der Gudi. Erst mit unserem Streik begannen GesprĂ€che zwischen Fonds Soziales Wien (FSW) und Arbeitersamariterbund (ASB), nicht jedoch mit uns. In der Zwischenzeit ist klar: Die Gudi wird tatsĂ€chlich renoviert, und soll in der nĂ€chsten Saison mit reduzierter Bettenanzahl und folglich mit besserem Schutz wieder geöffnet werden. Ein erster Erfolg unseres Streiks!

2., Der ASB stellte sich angeblich hinter uns und unsere Forderungen. Nur leider, so seine Argumentation, könne er gegen den allmĂ€chtigen FSW nichts machen. Wir sehen darin eine Leugnung der eigenen Verantwortung. Er unterschrieb nicht nur einen Vertrag mit dem FSW, der die Corona-Situation vollkommen ignorierte, er machte im prekĂ€ren Wohnungslosenbereich (Gudi, WinkelĂ€ckerweg, Kerschensteinergasse) deutliche Einsparungen. Dort wurden bei der Umstellung auf die Saison 2020/2021 die BetreuungsschlĂŒssel deutlich angehoben. Auch aktuell schaut die “UnterstĂŒtzung” so aus, dass einmal mehr unsere Arbeitsbedingungen verschĂ€rft werden. So werden unsere KrankenstĂ€nde im letzten Monat nicht mehr nachbesetzt, wir sollen in der Zeit zwischen der Schließung und unserem Vertragsende in Zwangsurlaub gehen oder Zeitausgleich nehmen. Die wöchentliche Testung und die Fahrzeit zwischen Home-Office-Teamsitzung und Dienstantritt in der Gudi sollen nicht mehr bezahlt werden.

3., Der FSW weigert sich nach wie vor, mit uns zu sprechen. Allerdings gab es kurz nach dem Streik ein Dankesschreiben an alle “MitarbeiterInnen der Wiener Wohnungslosenhilfe”. Einmal mehr wird versucht, mit kostenlosem Applaus die von ihm selbst mitverursachten harschen ZustĂ€nde zu ĂŒbertĂŒnchen/ĂŒberdecken. Mit dieser Politik des Honig-um -den-Mund-Schmieren wird wohl versucht, Basisarbeiter*innen vom Protest abzuhalten.

4., Auch politisch kommt etwas Bewegung in die Sache. LINKS unterstĂŒtzt die Proteste, die GrĂŒnen setzen sich jetzt, da sie in Opposition sind, fĂŒr ein ganzjĂ€hriges Betreuungsangebot ein. FĂŒr die SPÖ brĂŒskiert Sozialstadtrat Peter Hacker die Protestierenden mit der Aussage, dass “sie den Zustand von Betroffenen als Vorwand nehmen, um sich Vorteile fĂŒr den eigenen Arbeitsvertrag zu schaffen”. Außerdem meinte er, dass ein ganzjĂ€hriges Angebot die Obdachlosigkeit nur verfestigen werde. Von FPÖ und ÖVP ist bislang nichts zu hören – was besser so ist.

5., Die SolidaritĂ€t und die Vernetzung mit anderen Einrichtungen geht weiter. Wir bekommen mehr und mehr UnterstĂŒtzung. Wir hoffen, dass wir mit unserem Protest einen Raum öffnen können, in dem auch andere MissstĂ€nde im Sozialbereich aufgezeigt werden.

6., Der Kampf um die Gudi ist noch lange nicht vorbei. Neben kleineren Aktionen findet am 9. April eine weitere öffentliche Teilbereichsbetriebsversammlung und eine Demo statt. Treffpunkt ist um 16:00 im Stadtpark. Auch Planungen fĂŒr weitere Proteste, vor allem rund um die Schließung, sind im Gange.

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Quelle: Emrawi.org