Januar 28, 2022
Von Indymedia
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Fritzcon-Neubau an Fritz-Reuter-Straße: Warum du fehl am Platz bist.

 

Letzte Nacht wurde der als eines ‚der‘ Gentrifizierungsprojekte im Bereich Dresdner Neustadt – Hechtviertel bekannte Neubau ‚Fritzcon‘ mit Plakaten und Flyern besucht, um Umgebung und Bewohner:innen darauf aufmerksam zu machen, dass derartige Projekte, die die Mieten in der Umgebung hochtreiben, nicht willkommen sind. Mittlerweile seit ĂŒber einem Jahr steht der mit allerlei teuren Extras ausgestattete Mini-Wohnkomplex auf der Fritz-Reuter-Straße nahe des Bischofswegs und verdeutlicht exemplarisch wie Gentrifizierungsprozesse dazu fĂŒhren, dass unsere StĂ€dte und Viertel mehr und mehr der Verwertung durch kapitalistisch strebende Unternehmen zu reinen Waren und Geldanlagen werden. Es werden gezielt die fĂŒr das hedonistisch veranlagte junge BĂŒrgertum interessanten Viertel – wie hier Neustadt und Hecht – ausgewĂ€hlt, als ‚hipp‘, ‚urban‘, ‚einfach super special‘ dargestellt, langsam aufgekauft und kapitalisiert. Ehemals gĂŒnstige Mieten verschwinden und werden ersetzt durch Neubauten wie das ‚Fritzcon‘-Projekt, in denen schnell mal 15€ Kaltmiete verlangt werden, wodurch durch die Mietspiegelregelung auch die Mietpreise drum herum legal steigen dĂŒrfen. Der Prozess dahinter heißt Gentrifizierung, die ‚Rent Gap‘, also LĂŒcke zwischen möglichem Profit und dem der gerade eingetrieben wird, ist in als ‚hipp‘ aufgeladenen Vierteln groß. Hier wohnen vielen Menschen mit wenig Geld, aber das junge, grĂŒne BĂŒrgertum wĂŒrde dort genauso gerne wohnen, um nach der Uni oder dem harten Tag im Start-Up nicht so einen weiten Weg zur nĂ€chsten Bar zu haben. Und die sind natĂŒrlich gerne bereit das 3-fache zu zahlen – die ‚Rent Gpa‘ ist offen und es findet sich Kapital das gerne bereit ist dies auszunutzen, Immobilienunternehmen, die ihre AktionĂ€r:innen zufriedenstellen mĂŒssen, schlagen zu, kaufen alte HĂ€user oder BaulĂŒcken und sanieren dann sehr teuer oder bauen neu, um dann zu so hohen Preisen zu vermieten oder direkt zu verkaufen, durch die die ursprĂŒnglichen Einwohner:innen des Viertels verdrĂ€ngt werden und der ursprĂŒngliche Charme des Viertels auch nach und nach verschwindet. Stattdessen reiht sich bald ein lĂ€cherlich ĂŒberteuertes Caffee an das nĂ€chste. Herzlich willkommen in der kapitalistischen Dystopie: Das authentische, ‚hippe‘ Viertel ist nur noch Ware, die kaufkrĂ€ftige Menschen anziehen soll, damit sie die Ware ‚Teurer Neubau‘ kaufen können, wobei sie sich dann super alternativ vorkommen, weil man wohnt jetzt quasi im ‚Szeneviertel Neustadt‘.

Die beschriebenen Prozesse sind bekannt, besonders in Berlin oder anderen europĂ€ischen Metropolen auch schon weit fortgeschritten und mittlerweile schon seit einer Weile in Dresden angekommen. Das großangelegte Gentrifizierungsprojekt im Dreieck Leipziger Vorstadt – Neustadt (Hecht) – Pieschen (s. PlĂ€ne alter Leipziger Bahnhof, Hafencity, Großenhainer Straße, Bischofsweg etc.) zeigt uns wo die Zukunft hier in der Stadt hingeht. Dem gilt es sich entgegenzustellen. Wir wollen keine kapitalistische Dystopie, Wohnen ist keine Ware, sondern Menschenrecht. Niemand darf fĂŒr Profitinteressen kapitalistisch-ideologisch Verblendeter das Zuhause verlieren. Niemand darf verdrĂ€ngt werden, nur weil die neuesten Mitglieder der GrĂŒnen Jugend ihre Wessi-Eltern dazu gebracht haben, ihnen die teure Wohnung im ‚hippen‘ Viertel zu mieten oder direkt zu kaufen. Unsere Viertel sind weder Ware noch Spekulationsobjekte, der kapitalistische Zerstörungskreislauf muss durchbrochen und diesem Elend endlich ein Ende gesetzt werden. Solange es Immobilienunternehmen gibt, die aus teuren zentrumsnahen Wohnungen Profit generieren können, wird die Gentrifzierung nicht aufhören. Daher möchten wir mit unser Aktion einen klaren Trennungsstrich ziehen: Wer sich mit dem Profitstreben von Immobilienunternehmen wie der AOC Immobilien-AG gemein macht und in die Leuchtturmprojekte der Dresdner Gnetrifizierungsprojekte zieht, um das ‚alternative‘ Leben in der ‚hippen‘ Neustadt zu erleben, steht auf der anderen Seite und muss als Gegner emanzipatorischer Bestrebungen begriffen werden.

 

Wer die Stadt fĂŒr alle will, muss das ‚Fritzcon‘ und im Optimalfall den Kapitalismus loswerden.

 

Als Anlass unseres kleinen Besuchs nahmen wir das lĂ€cherliche, nach verkĂŒrztem bĂŒrgerlichem VerstĂ€ndnis dieser Gesellschaft nur so triefende Banner ‚Bonzen for Future‘ (s. Foto), das Anfang des Jahres von Bewohner:innen des ‚Fritzcon‘ aus ihrem Fenster gehĂ€ngt wurde, um sich mit der Klimabewegung zu solidarisieren. Dieses wurde fachgerecht entfernt und vernichtet, die Spuren davon festgehalten und als Plakat an die hĂ€ssliche Fensterfront im immernoch leerstehenden Erdgeschoss gehĂ€ngt, um das Projekt ‚Fritzcon‘ daran zu erinnern, dass es hier nicht willkommen ist. Auch die Bewohner:innen wurde per Flyer informiert. Wir halten es fĂŒr eine bodenlose Frechheit, dass Yuppis, die sich neu gebaute Wohnungen fĂŒr 15€ kalt kaufen, denken sie wĂŒrden an der Seite der Klimabewegung stehen. Falls es euch nicht aufgefallen ist, der Neubau von GebĂ€uden verbraucht massive Ressourcen und erzeugt ebenso massive CO2-Emissionen. Wenn ihr fĂŒr die Zukunft sein wollt, zieht in ein Haus, das schon lĂ€nger steht und werft nicht Immobilienunternehmen das Geld euer Eltern in den Rachen, die exemplarisch fĂŒr ein Wirtschaftssystem stehen, das unseren Planeten durch systematische Ausbeutung von Ressourcen und Arbeitskraft in mehr Krisen gefĂŒhrt hat, als irgendjemand zĂ€hlen könnte. Die emanzipatorische Klimabewegung steht fĂŒr einen klar antikapitalistischen Weg, wer nachhaltig wirtschaften und leben will, kommt nicht umher vom Primat des Profits abzurĂŒcken und MenschenwĂŒrde und bewussten Umgang mit Ressourcen in den Mittelpunkt des Handelns zu rĂŒcken.

Von daher kann es nicht heißen ‚Bonzen for Future‘ sondern ‚No Bonzen for Future‘. Eine klimagerechte Welt kommt nur mit der Überwindung des Kapitalismus. Also denkt dran, ihr steht auf der falschen Seite der Geschichte und wir werden nicht aufhören euch daran immer wieder zu erinnern.




Quelle: De.indymedia.org