Mai 22, 2022
Von InfoRiot
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Die rechtsextreme Partei „Der Dritte Weg“ wirbt gezielt junge Menschen fĂŒr ihre Nachwuchsorganisation an. Es gibt auch Überschneidungen mit der Hooligan-Szene.


Eine Kundgebung von “Der Dritte Weg” am 1. Mai in Zwickau. Rund um die Demo gab es brutale Attacken von AnhĂ€ngern der…Foto: dpa/ Sebastian Willnow

Rechtsextremisten aus ganz Deutschland versammelten sich am 1. Mai 2022 im sĂ€chsischen Zwickau, um an einer Demo der Neonazi-Partei „Der Dritte Weg“ teilzunehmen. Ein Großteil der rund 200 Teilnehmer fiel schon bei der Anfahrt auf. So wurde ein Regionalzug mit anreisenden Gegendemonstranten aus Dresden gleich zwei Mal Ziel von brutalen Attacken.

Erst griffen Neonazis im Chemnitzer Hauptbahnhof den Zug mit Flaschen an, kurz darauf schleuderten Neonazis aus dem „Dritte Weg“-Spektrum am Bahnhof in Glauchau Steine auf die Bahn. Einzelne Gegendemonstranten wurden verletzt. Inmitten der Gruppe der rechtsextremen Angreifer in Chemnitz: die jungen Brandenburger Neonazis Franz S. und Erik S. Das belegen Videos des Vorfalls, die dem Tagesspiegel vorliegen.

Beide zĂ€hlten zum harten Kern der „Division MOL“, benannt nach dem Brandenburger Landkreis MĂ€rkisch-Oderland, aus dem ein Großteil der ursprĂŒnglichen Mitglieder stammt. Bis zu 20 Akteure rechneten Experten zwischenzeitlich der Neonazi-Clique zu, die trotz des auffallend jungen Alters einiger ihrer Mitglieder von 14 bis 20 Jahren als gefĂ€hrlich und extrem gewaltbereit galt. Anfang 2021 zerstörten „Divisions“-Mitglieder den Gedenkort fĂŒr Phan Van Toan, der 1997 im brandenburgischen Fredersdorf aus rassistischen Motiven ermordet wurde.

Im Dezember 2021 waren einige der jungen Neonazis fĂŒr einen körperlichen Angriff auf einen Journalisten verantwortlich, der von einer Querdenken-Demonstration aus Berlin-Friedrichshain berichtete. Mindestens zwei Akteure der Gruppe stammen aus extrem rechten ElternhĂ€usern, in denen bereits die VĂ€ter zu prĂ€genden Akteuren der Berliner und Brandenburger Neonazi-Szene gehörten.

Nun wird bekannt: Seit Anfang 2021 liegen auch der Bundesregierung Erkenntnisse zur „Division MOL“ vor, die laut Bundesinnenministerium offiziell dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen ist. Das geht aus einer kleinen Anfrage der Linksfraktion hervor, die dem Tagesspiegel exklusiv vorliegt.

„Division MOL“ soll nicht mehr existieren – dafĂŒr ein Nachfolger

Gleichzeitig bezeichnet der Verfassungsschutz die Gruppe als „nicht mehr existent“, was sich mit den Beobachtungen von Szenekennern deckt. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich eine der umtriebigsten Neonazi-Jugendcliquen der Region einfach so aufgelöst hat. Vielmehr ist ein Teil der „Divisions“-Mitglieder laut Bundesregierung nun in der „National RevolutionĂ€ren Jugend“ (NRJ), der relativ neuen Jugendorganisation des „Dritten Weges“, organisiert. Auf einem Gruppenbild der NRJ sind zwar die Gesichter der Akteure gepixelt, dennoch sind anhand der Statur mindestens drei ehemalige Mitglieder der „Division MOL“ erkennbar.

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Im April 2021 begann die Mutterpartei „Der Dritte Weg“ erstmals ihre Jugendorganisation zu bewerben, neben den StĂŒtzpunkten Vogtland und Mittelland wurde auch eine Jugendgruppe Berlin/Brandenburg etabliert. „Der Dritte Weg versucht so, die eigene AttraktivitĂ€t fĂŒr junge Deutsche – im Sinne der völkisch-biologistischen Definition der Partei – zu steigern“, erklĂ€rt die Bundesregierung und warnt: „Analog zu den wachsenden AktivitĂ€ten der Mutterpartei ist mittelfristig (…) auch mit einer steigenden Bedeutung der NRJ zu rechnen.“

Auch die stellvertretende Parteivorsitzende der Linkspartei, Martina Renner, wird deutlich: „FĂŒr immer mehr junge Rechtsextreme wird der Dritte Weg die erste Wahl ihrer politischen BetĂ€tigung werden. Hier entsteht ein gefĂ€hrliches Netzwerk, das versucht, massiv neue Mitglieder zu rekrutieren.“

Parallele Entwicklungen zu den verbotenen Gruppierungen Wiking Jugend und Heimattreue Deutschen Jugend werden vermutet

In der Jugendorganisation der Neonazis sieht Renner parallele Entwicklungen zu den verbotenen Gruppierungen Wiking Jugend und Heimattreue Deutschen Jugend. Die Sicherheitsbehörden mĂŒssten daher konsequent gegen diese Strukturen vorgehen, fordert die Linken-Politikerin. Nötig sei „konsequente“ Strafverfolgung von Gewalttaten.

Die NRJ-Akteure haben noch eine andere Leidenschaft. Die beiden Neonazis Erik S. und Franz S. sollen nach Angaben der „Antifaschistischen Vernetzung Lichtenberg“ der aktiven Fanszene des BFC Dynamo angehören. Mehrere Fotos belegen, dass beide regelmĂ€ĂŸig Spiele des Berliner Traditionsvereins besuchen und in der Kurve offenbar bestens vernetzt sind. Der ehemalige Lieblingsverein der DDR-Oberen steht durch den ersten Tabellenplatz in der Regionalliga Nordost kurz vor dem Aufstieg in die Dritte Liga.

In der Vergangenheit kam es immer wieder zu antisemitischen und rassistischen VorfÀllen durch Dynamo-Fans, die Hooligan-Szene des Vereins gilt als extrem gewaltbereit. Zuletzt fielen im Heimspiel gegen Chemie Leipzig diverse BFC-Fans durch diskriminierende Rufe auf, die sich gegen die linksalternative Fanszene des Leipziger Clubs richteten.

Eine Person wurde wegen eines Hitlergrußes festgenommen. Szenekenner rechnen mit weiteren VorfĂ€llen bei einem möglichen Aufstieg des BFC. Auch, weil Dynamo seit der Wiedervereinigung nie deutschlandweit spielte, sondern immer nur im ostdeutschen Raum. „Die werden mit Tausenden Mann auswĂ€rts fahren und dort fĂŒr erhebliche Unruhe sorgen“, heißt es.




Quelle: Inforiot.de