Januar 8, 2023
Von Indymedia
174 ansichten

 
Am Samstag, den 26.11.2022, rief ein breites rechtes Bündnis zu einer Demonstration in Leipzig unter dem Motto “Ami go home” auf.(2) Als Redner waren die bekannten Faschisten Jürgen Elsässer und Björn Höcke eingeladen. Mobilisiert wurde bundesweit. Auch Berger reiste mit seinem roten Peugot extra aus Altenburg an. Als es im Zuge des linken Gegenprotestes zu einer Sitzblockade kam, fuhr Berger mit seinem Auto auf die Demonstrant*innen zu. Nach mehreren Versuchen, ihn zum Umdrehen zu bewegen, gab er auf einmal Vollgas. Mehrere Menschen mussten zur Seite springen und zwei Personen auf die Motorhaube. Eine Person musste sich für mehrere Meter auf der Motorhaube festhalten und fiel letztendlich herunter. Die Polizist*innen, welche daneben standen, unternahmen nichts. Erst im Nachhinein konnte Berger mithilfe der Verfolgung durch Passant*innen gestellt werden und es wurde die Polizei hinzugezogen. (3)

Auch wenn laut lokalen Medien niemand ernsthaft verletzt wurde, ist Bergers Verhalten ein Akt der Gewalt und ein Angriff auf Menschenleben. Diese Aktion ist kein Einzelfall, sondern die Tat einer politischen Bewegung. Dieser Akt der Gewalt kann nicht unbeantwortet bleiben und so trifft es heute die scheinbar heile Welt des “feinen örtlich ansässigen Familienunternehmers”. Wir hassen dieses perfide Spiel von Identität, Heimat und Politik für den kleinen Mann. Wir stellen uns an die Seite aller Unterdrückten des Kapitals und seiner ausbeuterischen Poltik. Dabei lassen wir jedoch nicht zu, dass hetzerische, rassistische Scheinlösungen als Stimme des Volkes verkauft werden und somit nur weiter nach unten getreten wird.

Wir sind erschrocken über das gesellschaftliche Versagen, faschistische Strukturen und Akteure konsequent zu bekämpfen. Allzu oft wird sich dabei auf den Staat verlassen. Dabei wird stets vergessen, dass rechte Gewalt nicht erst bei Terroranschlägen, sondern bei der alltagspolitischen Hetze gegen Minderheiten durch sogenannte “besorgte Bürger” beginnt. So schafft es auch Gebhard Berger sich mit weiteren, teils rechtsextremen Akteuren unter dem Deckmantel des “Altenburger Bürgerforums” zu vernetzen und ohne großartigen Widerstand sein rechtspopulistisches Gedankengut zu verbreiten. Dieser Mix aus einem konservativen Teil der Mehrheitsgesellschaft und extremen Rechten ist Gift für eine solidarische Gesellschaft. Seine Taten werden genährt durch seine Ideologie. Seine Ideologie ruft zu Gewalt auf.
Der fehlende Wille der politischen Führung gegen rechte Strukturen, insbesondere in den eigenen Reihen, vorzugehen bietet rechten Akteuren Freiräume, welche für marginalisierte Gruppen tödlich enden können. Folglich ist Widerstand aus der Zivilgesellschaft das einzige Mittel, das uns bleibt, wenn der Staat mal wieder untätig ist, während Rechte Verschwörungsmythen verbreiten und sich dabei bewaffnen. Dieses Versagen macht konsequentes, antifaschistisches Handeln zwingend notwendig.

Wir warten nicht einfach ab und schauen zu, wie marginalisierte Gruppen und Linke von Faschisten wie Berger physisch und psychisch angegriffen werden. Wir lassen nicht zu, dass rechte Ideologie Land gewinnt. Wir werden zurückschlagen, immer und immer wieder.

Und wenn jetzt wieder von allen Seiten die linke Gefahr heraufbeschworen wird, stellen wir hiermit öffentlich die Frage, was ein paar zerbrochene Scheiben im Verhältnis zu der tödlichen Ideologie und dem gewaltvollem Angriff auf Menschen sind.

“Wer gegen Nazis kämpft, kann sich auf den Staat nicht verlassen.” – Esther Bejarano

(1)ausführliche Informationen zur Person Gebhard Berger und dem Angriff am 26.11,2022: https://de.indymedia.org/node/241068
https://www.werberat.de/content/werberat-spricht-6-ruegen-aus-missbrauch-der-fluechtlingsdebatte-und-sexismus-im-fokus

(2)https://chronikle.org/ereignisse/compact-grossdemo-in-leipzig-floppt

(3)https://de.indymedia.org/node/241068




Quelle: De.indymedia.org