Juni 6, 2022
Von Graswurzel Revolution
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WĂ€hrend der diesjĂ€hrigen Katholikentage in Stuttgart wandten sich am Samstag, den 28. Mai, knapp 100 Demonstranten dem US- Africa Command (AFRICOM) in Stuttgart Möhringen zu. Die Friedensbewegten prangerten vor den Kasernentoren die Kriegspolitik der NATO-Staaten an und forderten Diplomatie und AbrĂŒstung.

Das AFRICOM ist die Zentrale fĂŒr alle MilitĂ€roperationen der USA in Afrika. Die US-MilitĂ€rplaner haben die Welt in sechs Zonen mit den dazugehörigen Oberkommandos eingeteilt. WĂ€hrend alle anderen FĂŒhrungsstĂ€be auf us-amerikanischem Boden liegen, befinden sich die Hauptquartiere EUCOM – fĂŒr Europa, Russland und TĂŒrkei zustĂ€ndig – und AFRICOM in Stuttgart. Seit 2008 werden hier alle militĂ€rischen AktivitĂ€ten des US-Verteidigungsministeriums und anderer Behörden auf dem afrikanischen Kontinent – Ägypten ausgenommen – gebĂŒndelt und koordiniert.
Pablo Flock von der Informationsstelle Militarisierung und Odilo Metzler von Pax Christi erklĂ€rten ausfĂŒhrlich die Rolle des AFRICOMs bei der Bombardierung Libyens oder bei den DrohnenanschlĂ€gen, die die USA unter anderem in Somalia durchfĂŒhren, um mutmaßliche Terroristen zu jagen. Im letzten Jahrhundert war die CIA schon am Mord an Patrice Lumumba, dem ersten gewĂ€hlten Premierministers des Kongo, sowie bei der Verhaftung Mandelas beteiligt.
Die Menschen vor dem AFRICOM fĂŒhlten sich mit ihrer Haltung gegen Waffenlieferungen und ihrer Kritik an der NATO als Minderheit auf dem Katholikentag

Flock erklĂ€rte anhand einer Studie der UN-Entwicklungsorganisation UNDP, dass Unzufriedenheit mit korrupten Regierungen und das BedĂŒrfnis nach einem bezahlten Beruf die stĂ€rksten GrĂŒnde seien, warum sich Menschen terroristischen Organisationen anschließen. WĂ€hrend „französische, kanadische und chinesische Minenarbeiter die BodenschĂ€tze aus der Nachbarschaft wegkarren“, seien „die staatlichen Armeen wie auch die Rebellengruppen oft die einzigen Chancen fĂŒr ein sicheres Einkommen“. Er sagte: „Armut ist der Hauptgrund fĂŒr AufstĂ€nde und BĂŒrgerkriege
, deswegen kann der Kampf gegen den Terror nicht militĂ€risch gewonnen werden.“ (1)
„Kampfdrohnen sind eine Einstiegsdroge fĂŒr autonome Waffensysteme“, so Metzler. Er zitierte lang aus einem Artikel der SĂŒddeutschen Zeitung „Drohnentod aus Deutschland“ und forderte „ein Ende der Komplizenschaft unserer eigenen Stadt und unseres Landes mit den Drohnenmorden
 Wir wollen, dass es aufhört“, flehte er die US-Soldaten ĂŒber den Zaun an. (2)
Neben dem Krieg gegen den Terror war die Veranstaltung nicht nur vom Ukrainekrieg ĂŒberschattet. Die Gesellschaft „Kultur des Friedens“, die den Protest zusammen mit Pax Christi organisert hatte, gedachte ihrem kĂŒrzlich verstorbenen GrĂŒnder Henning Zierock. Viele Redner erinnerten seiner mahnenden Worte, man mĂŒsse „
den Frieden gewinnen, nicht den Krieg.“
Die Menschen vor dem AFRICOM fĂŒhlten sich mit ihrer Haltung gegen Waffenlieferungen und ihrer Kritik an der NATO als Minderheit auf dem Katholikentag. Heike HĂ€nsel, ehemalige Bundestagsabgeordnete fĂŒr die Linke, betonte, dass der Katholikentag kontrĂ€r zur Stimme von Papst Franziskus verlief, der am 3. Mai im Interview mit der italienischen Corriere dela Sera vom „Gebell der NATO an der Toren Russlands“ sprach, das den Kreml dazu
gebracht habe, „falsch zu reagieren und den Konflikt zu entfesseln“. Eine Meinung, fĂŒr die der Papst seitdem stark kritisiert wird.
Gunther Rall wunderte sich, warum der Pazifismus am Ende sein soll, da doch jeder Krieg von einem Aggressor ausgehe. „Wieviel Wert hat eine Moral, die in der Krise ins Gegenteil verkehrt wird?“ Er plĂ€dierte fĂŒr die Suche nach einer politischen Lösung, „die am Ende jeder militĂ€rischen Auseinandersetzung steht“ und gedachte der Worte des US-amerikanischen Antimilitaristen A.J. Muste: „Es gibt keinen Weg zum Frieden. Der Frieden ist der Weg.“
Statt sich nach politischen Vorbildern wie Gandhi und Martin Luther King und der Lehre der Bergpredigt zu orientieren, habe man heute „Jesus zu einem politischen Deppen gemacht“, so Franz Alt in einer weiteren Rede vor dem AFRICOM.



Quelle: Graswurzel.net