Mai 20, 2021
Von Die Plattform Trier
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Seit einigen Tagen besetzen Aktivist*innen unter dem Titel ‚Besch Bleibt‘ (Besch ist Trierisch fĂŒr Wald ) ein WaldstĂŒck zwischen Igel und Zewen bei Trier. Dort soll der sog. ‚Moselaufstieg‘ oder auch ‚Westumfahrung Trier‘ gebaut werden – eine BrĂŒcke ĂŒber die Mosel die Konz mit Igel verbindet, sowie eine 4-spurige Straße zur B64 durch ein intaktes Waldgebiet, welches dafĂŒr gerodet werden soll. Das Projekt ist seit den 70ern in Planung und seit je her gibt es Proteste, BĂŒrger*innen-Initiativen uvm. dagegen. Seit 2016 ist das Projekt als „vordringlicher Bedarf“ eingestuft.

Wir solidarisieren uns mit den Aktivist*innen sowie den Anwohner*innen welche sich gegen den Moselaufstieg wehren! Wir rufen dazu auf, die Waldbesetzung zu unterstĂŒtzen! (Mehr zu UnterstĂŒtzungsmöglichkeiten unten)

Es kann nicht sein, dass in Zeiten der rasant voranschreitenden Klimakrise weiterhin große WaldflĂ€chen fĂŒr den Ausbau des Individualverkehrs abgeholzt werden! Denn der Verkehrsberuhigung geschweige denn einer besseren Anbindung an Luxemburg dient dies nicht, wie Gutachten zeigten. Allgemein gilt, dass mehr Straßen in keiner Weise zwingend weniger Stau oder weniger Verkehr bedeuten. Wird der Verkehr komfortabler, wird er mehr genutzt. Statt den schlichtweg nicht nachhaltigen Individualverkehr (egal ob mit Benziner oder Elektroauto) zu fördern, braucht es endlich einen breiter ausgebauten öffentlichen Nahverkehr, kostenlos fĂŒr alle verfĂŒgbar und flĂ€chendeckend. Es braucht mehr Logistik auf den Schienen, statt auf der Straße. Es braucht Zuwachs und Erhalt COÂČ bindender Naturgebiete. All dies wird mit diesem Bauprojekt nicht erwirkt. Es dient mal wieder nur der Anbindung eines Gewerbegebietes und damit den schnellen Profiten der Wirtschaft und der Unternehmen. Die Anwohner*innen mĂŒssen mit dem Verlust eines wunderschönen Waldgebietes mit intaktem Ökosystem, erhöhtem LĂ€rm durch den Verkehr und natĂŒrlich im Allgemeinen mit den Folgen der Klimakatastrophe leben. 

FĂŒr uns ist klar: Wenn mal wieder die Anliegen der lokal betroffenen Menschen ignoriert werden und fĂŒr parteipolitische und wirtschaftliche Zwecke WĂ€lder gerodet werden, wĂ€hrend wir auf einen Klimakollaps zusteuern, dann gilt es die Dinge selber in die Hand zu nehmen. Wenn unsere Interessen nicht gehört werden (wollen), dann mĂŒssen wir sie auch gegen die Interessen derer, denen das System und dessen Spielregeln aktuell dient, von unten und gemeinsam durchsetzen! Nur kollektiv, basisdemokratisch und ohne den Einfluss von Wirtschaftslobbys, Kapitalinteressen oder Parteiinteressen können wir diese Welt nach vorne bringen! Nur wenn wir uns auch in unseren eigenen Reihen gegen Diskriminierungs- und UnterdrĂŒckungsformen wie z.B. Rassismus, Sexismus, AbleismusÂč oder Queerfeindlichkeit stark machen, können wir wirklich alle dabei mitnehmen und unser aller Interessen gleichberechtig vertreten. Nur wenn wir erkennen, dass das Klima und die Umwelt nicht lediglich von individuellen Konsumfragen, wie unserem Fleischkonsum oder Autofahrten abhĂ€ngt, sondern strukturellem Urspungs ist, kommen wir weiter. 
Der Kapitalismus mit seinem Klassensystem, der stetig wachsen muss auf Kosten von Mensch, Tier und Umwelt – dem darin existierenden Leitbild der MĂ€nnlichkeit, welches stetig andere unterjochen und ĂŒberbieten muss – die rassistische Verschleppung, Versklavung, Ermordung und Kolonialisierung nicht-weißer Menschen weltweit, welche diese gesamte Form des Wirtschaftens erst möglich gemacht hat und die daraus bis heute anhaltende globale Ungerechtigkeit, gerade in Bezug auf die Folgen des Klimawandels – der Staat, welcher all das stets gewaltsam geschĂŒtzt und ausgeweitet hat –  all diese Dinge mĂŒssen zusammen analysiert, verstanden und ĂŒberwunden werden. Wir sehen in dieser lokalen Waldbesetzung und der dort angestrebten Form des Zusammenlebens einen wichtigen Schritt in diese Richtung.

Also: Auf in die Waldbesetzung! Zeigen wir den Herrschenden in Politik und Wirtschaft: Kein Meter der Abholzung! Keine klimaschĂ€dlichen Bauprojekte ohne massiven Widerstand! Vom Hambacher bis zum Dannenröder Forst, von den brasilianischen RegenwĂ€ldern bis zu den Gebieten der WetÊŒsuwetÊŒen in Kanada, von den WĂ€ldern der Mapuche in Chile bis nach Trier – Besch Bleibt!

Âč Diskriminierung aufgrund von (Mangel an) FĂ€higkeiten

Aufruf zur UnterstĂŒtzung von Besch Bleibt:
❗❗+++ Waldbesetzung in Trier rĂ€umungsbedroht +++❗❗
Das Forst- und Ordnungsamt Trier droht, eine RĂ€umung einzuleiten, deshalb bereiten wir uns auf Tag X vor. 
Menschen vor Ort können euch einweisen mit allem was jetzt zu tun ist und Wissen ĂŒber RĂ€umungen teilen.
Wir brauchen UnterstĂŒtzung beim Bauen und Klettern, aber auch Menschen die tagsĂŒber und nachts im Wald sind und UnterstĂŒtzung von außen geben, indem sie z.B. Menschen von Polizeiwachen abholen oder im Ernstfall Essen fĂŒr uns kochen. 
Bitte macht möglichst vor der Anreise einen Corona-Schnelltest und haltet euch an den Mindestabstand und ans Maske tragen.
Telegram/Twitter/Instagram @BeschBleibt 
Waldhandy 0178 76 46 878  
Pressehandy/UnterstĂŒtzungsgruppe außerhalb vom Wald 01573 89 45 519  
Ermittlungsausschuss (Rechtlicher Support) 0641 2010 99 546
Weitere Infos zum Moselaufstieg:
Verein Nein Zum Moselaufstieg:
Videobeitrag des Volksfreund:
Mehr zum Thema KlimakÀmpfe & Waldbesetzungen:
Redebeitrag der Plattform Trier bei Fridays For Future am 19.3.21:
Text zur Besetzung im Danni & Altmark:
Podcast zur Besetzung Dannenröder Forst:
Text & Video zu Holzraubbau in den indigenen Gebieten der Mapuche, Chile:



Quelle: Trier.dieplattform.org