November 21, 2020
Von Die Plattform
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Vorwort:

Dies ist die deutsche Übersetzung einer SolidaritĂ€tserklĂ€rung der „CoordinaciĂłn Anarquista Latinoamericana“ (Lateinamerikanische anarchistische Koordination, CALA) mit den derzeitigen sozialen KĂ€mpfen in Peru. Dort protestieren vor allem junge Genoss*innen gegen einen Staatsstreich und die fortwĂ€hrende Ausbeutung durch eine herrschende Allianz aus korrupten Politiker*innen und dem Kapital, sowie gegen Repressionen durch den Staat. Bei Protesten in der Nacht vom 14. auf den 15. November tötete die Nationale Polizei Perus in der Hauptstadt Lima zwei Studenten, etwa 100 Menschen wurden verletzt. Die Demonstrant*innen fordern ein Ende dieses ausbeuterischen, rassistischen und machistischen Regimes und eine freie, souverĂ€ne verfassungsgebende Versammlung, die eine neue Konstitution erarbeiten soll.
Die CALA ist ein Zusammenschluss anarchistischer Organisationen aus Brasilien, Uruguay und Argentinien, die zu den wichtigsten Vertreter*innen der anarchistischen Organisationsströmung des Especifismo zĂ€hlen. 2019 wurde die Koordination nach Jahren der InaktivitĂ€t wiederbelebt, um dem organisierten Anarchismus Lateinamerikas inmitten zunehmender sozialer KĂ€mpfe in der Region wieder eine vereinte Stimme zu geben. Wir haben den Text ĂŒbersetzt, um die Perspektive unser lateinamerikanischen Genoss*innen auch Menschen aus dem deutschsprachigen Raum zugĂ€nglich zu machen.
Wie schon bei anderen Übersetzungen zuvor haben wir versucht, möglichst nahe am Original zu ĂŒbersetzen, weswegen fĂŒr Leser*innen hier vor Ort einige Formulierungen ungewohnt sein können.
Wir wĂŒnschen viel Spaß beim Lesen!

Übersetzung:

Die Lateinamerikanische Anarchistische Koordination (CALA) erklÀrt sich solidarisch mit dem Widerstand des peruanischen Volkes.

Seitens der Lateinamerikanischen Anarchistischen Koordination (CALA) bringen wir die breiteste SolidaritĂ€t mit den BrĂŒdern und Schwestern des peruanischen Volkes und ihren Organisationen zum Ausdruck, die sich einem neuen Staatsstreich entgegenstellen, der von einem repressiven Ansturm der herrschenden KrĂ€fte vor Ort begleitet wird.
Diese KrĂ€fte, die in den letzten Tagen eine Situation des institutionellen Putsches herbeigefĂŒhrt haben, die Soldaten auf die Straßen geschickt haben, um ein Volk, das von all dem genug hat, zu disziplinieren und zu kontrollieren, sind die gleichen KrĂ€fte, die mit dem “schmutzigen Krieg”Âč in den 1980er und 1990er Jahren ein regelrechtes Massaker angerichtet haben. Sie tragen auch die Schuld fĂŒr den Selbstputsch von FujimoriÂČ 1992, das Massaker von BaguaÂł 2009 und die Machenschaften mit Odebrecht⁎ in den letzten Jahrzehnten.
Es sind dieselben, die in den letzten Tagen zwei Studenten kaltblĂŒtig ermordet und dutzende Genossinnen und Genossen in den Straßen Limas verletzt haben.

Deshalb ist der Volksaufstand der vergangenen Woche ein weiterer Ausdruck eines Volkes, das dieses politische, soziale und wirtschaftliche System satt hat; dieses System, das nichts anderes gemacht hat, außer die unterdrĂŒckten Teile der Gesellschaft zu unterjochen und auszubeuten.
Es ist der ĂŒberwĂ€ltigendste Ausdruck des langen und hartnĂ€ckigen Widerstands eines ganzen Volkes.
Wie die organisierten KrĂ€fte von unten in Peru seit langem sagen: “Das Problem ist strukturell” und “die Antwort kommt von unten”.

Dieser von Merino angefĂŒhrte Staatsstreich, der dank des Kampfes des Volkes bereits gescheitert ist, eröffnet auch eine Periode der InstabilitĂ€t und Neuanpassung der herrschenden KrĂ€fte, um
das neoliberale Modell, die AusplĂŒnderung und die UnterdrĂŒckung der Völker voranzutreiben, die das peruanische Gebiet bewohnen und schon seit mehr als 528 Jahren Widerstand leisten.

Wir als CALA unterstĂŒtzen und stĂŒtzen die organisatorischen Prozesse unserer Genossinnen und Genossen, die sich in die sozialen KĂ€mpfen Perus einbringen, in dem Wissen, dass dies der einzige Weg des Widerstands ist und dass er durch das Volk voranschreitet angesichts der gewalttĂ€tigen, volksfeindlichen AusteritĂ€tspolitik und der Gewalt von oben.

In diesen KÀmpfen lebt das Beste des Volkes, organisiert und kÀmpferisch zu jeder Zeit. Mit Gonzålez Prada und Cerpa5 können wir sagen, dass der Kampf des Volkes noch andauern wird und dass nicht tot ist, wer kÀmpft!

Wahrheit und Gerechtigkeit fĂŒr die Genossen, die wĂ€hrend des Volksaufstands ermordet wurden!
Es lebe der Widerstand des peruanischen Volkes!
Nieder mit allen Diktaturen!
FĂŒr den Aufbau der Macht von unten!
Lang lebe der organisierte Anarchismus!
Hoch mit denen, die kÀmpfen!

FederaciĂłn Anarquista Urugaya, fAu (Uruguay)

Coordenaçao Anarquista Brasileira, CAB (Brasilien)

FederaciĂłn Anarquista Rosario, FAR (Argentinien)

Teil der «Lateinamerikanischen Anarchistischen Koordination» (CALA)


Fußnoten
  1. In den 1980er und 1990er Jahren fĂŒhrte die Staatsgewalt Perus einen blutigen Krieg gegen die Guerillaorganisationen „Leuchtender Pfad“ und „RevolutionĂ€re Bewegung TĂșpac Amaru“ (MRTA), bei denen sie Massaker an der indigenen Landbevölkerung verĂŒbte.

  2. 1992 löste PrÀsident Alberto Fujimori nach einem vom MilitÀr gebilligten Staatsstreich das Parlament auf und setzte die Verfassung ausser Kraft. Die neue und aktuelle Verfassung Perus ist aus dem Jahr 1993.

  3. 2009 wurden in Bagua im nördlichen Amazonas bei Protesten gegen ein Gesetzespaket, das die Rechte der indigenen Gemeinschaften verletzte und das Amazonasgebiet bedrohte, 33 Menschen getötet.

  4. Der brasilianische Konzern Odebrecht hat in mehreren LĂ€ndern SĂŒdamerikas mehr als eine halbe Milliarde Schmiergelder bezahlt, um an AuftrĂ€ge fĂŒr Bauprojekte zu kommen. Auch mehrere peruanische PrĂ€sidenten waren in den Skandal verwickelt.




Quelle: Dieplattform.org