April 28, 2021
Von Chronik
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Guthmannshausen, 23. April 2021

Die Feuerwehr hat am Freitagabend in Guthmannshausen im Kreis Sömmerda einen Dachstuhlbrand bekĂ€mpft. Die Löscharbeiten dauerten bis zum Morgen. Das Haus wird von der rechten Szene fĂŒr Veranstaltungen genutzt.

Auf dem Rittergut Guthmannshausen im Kreis Sömmerda ist am Freitagabend ein Brand ausgebrochen. Der komplette Dachstuhl des GebÀudes brannte nieder. Nach Angaben der Landeseinsatzzentrale dauerten die Löscharbeiten bis zum Morgen. 75 Feuerwehrleute waren dabei im Einsatz. Zur Schadenshöhe am GebÀude ist noch nichts bekannt. Die Kriminalpolizei Erfurt ermittelt.

Die Immobilie wird seit etwa zehn Jahren von der rechten Szene fĂŒr Seminare und andere Veranstaltungen genutzt – unter anderem von der extrem rechten „Schlesischen Jugend“. Der Verkauf des Rittergutes an den Verein „GedĂ€chtnisstĂ€tte“ – gegrĂŒndet von Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck – hatte 2011 politische Proteste ausgelöst. Das Land ThĂŒringen scheiterte 2013 mit einer Klage gegen den Verkauf.

Erst am vergangenen Sonntag war in Sonneberg ein anderer Treffpunkt der rechten Szene abgebrannt – die ehemalige GaststĂ€tte „Waldhaus“. Ein politischer Hintergrund wird vermutet, die Ermittlungen laufen.

Quelle: MDR

– In ThĂŒringen brennen binnen weniger Tage zwei Immobilien von Rechtsextremen.
– Zudem gibt es Attacken auf Rechte, die mutmaßlich auf das Konto von Linksextremen gehen.
– Neonazis rufen zur Selbstjustiz auf, Politiker befĂŒrchten eine Eskalation der Lage.

Guthmannshausen/Erfurt. Nach dem Brand eines rechtsextremen Szeneobjekts im thĂŒringischen Guthmannshausen befĂŒrchten Sicherheitsdienste und Politiker weitere AnschlĂ€ge und mögliche Racheakte.

Am Freitagabend brannte der Dachstuhl des ehemaligen „Ritterguts“ in Guthmannshausen, Sitz des Vereins GedĂ€chtnisstĂ€tte e. V. Die Löscharbeiten dauerten bis in die Nacht, der Schaden könnte die Millionengrenze ĂŒberschreiten.

In Guthmannshausen treffen sich Rechtsextreme und Neonazis aller Couleur, von Kameradschaften ĂŒber die NPD und deren Liedermacher Frank Rennicke bis zum „Volkslehrer“ Nikolai Nerling. Der Verein wurde von der Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel gegrĂŒndet. Auf dem GelĂ€nde stehen Stelen zur Erinnerung an die deutschen Toten des Zweiten Weltkriegs – sie wurden mit Bitumen beschmiert.

Nerling kommentierte den Brand und die Löscharbeiten live auf den sozialen Netzwerken – und verdĂ€chtigte Linksextreme, den Brand gelegt zu haben. Am Sonntag besuchte auch der frĂŒhere NPD-Europaabgeordnete Udo Voigt den Brandort, sprach vom „achten Anschlag in ThĂŒringen“ binnen weniger Tage und rief Kameraden zur „Objektsicherung“ auf, „denn sonst tut das offensichtlich niemand“.

Der ThĂŒringer Neonazi Tommy Frenck rief auf Facebook kaum verklausuliert zur Selbstjustiz auf. Der militante Rechtsextreme Thorsten Heise drehte bereits vor zwei Wochen ein Video vor einem alternativen Zentrum in Göttingen. „Sucht den Dialog mit der lokalen Antifa“, sagte er an die Gesinnungsgenossen gerichtet – und an die Adresse der Polizei: „Macht euren Job, sonst machen wir ihn.“

Racheakte von rechts befĂŒrchtet

Auch die Polizei geht von Brandstiftung aus. In Sicherheitskreisen ist zu erfahren, dass die Behörden auswĂ€rtige linksextreme Kommandos hinter dem Anschlag vermuten. Diese könnten aus Leipzig oder Berlin angereist sein und von örtlichen Gesinnungsgenossen unterstĂŒtzt worden sein. Allerdings wird nicht komplett ausgeschlossen, dass die Aktion von Rechtsextremen ausging, die den Brand den Linken in die Schuhe schieben wollten.

ThĂŒringens Innenminister Georg Maier (SPD) sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): „Wir mĂŒssen damit rechnen, dass es nun Racheakte von rechts gibt. Damit droht eine Spirale der Gewalt.“ Er fĂŒgte hinzu: „Gewalt kann niemals ein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein. Wir werden deshalb alles tun, um der TĂ€ter habhaft zu werden.“

Die ThĂŒringer CDU sieht die Gefahr einer „Eskalation der politischen Gewalt“, die AfD-Fraktion im Landtag forderte am Wochenende „rĂŒckhaltlose AufklĂ€rung“ des „hinterhĂ€ltigen Verbrechens“. Die AfD-Bundestagsabgeordnete Franziska Gminder kĂŒndigte an, fĂŒr den Wiederaufbau von Guthmannshausen zu spenden.

Vor wenigen Tagen erst war eine GaststĂ€tte in Sonneberg niedergebrannt, die laut Verfassungsschutzbericht fĂŒr rechtsextreme Konzerte und Partys genutzt worden war.

Auch die ThĂŒringer Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss (Linke) warnt vor möglichen Racheaktionen durch Neonazis. „Bundesweit kursieren bereits Aufrufe zu Angriffen auf Linke“, sagte sie dem RND. „Es gibt eine konkrete GefĂ€hrdungssituation fĂŒr Antifaschistinnen und Antifaschisten vor allem in Ostdeutschland.“ König-Preuss hĂ€lt zeitnahe Angriffe auf Objekte der linken Szene und auch auf Personen fĂŒr wahrscheinlich. Es bestehe zum einen die Gefahr spontaner Übergriffe durch Neonazis.

„Es besteht aber auch die Gefahr geplanter Angriffe auf Personen, die Neonazis fĂŒr verantwortlich fĂŒr die BrĂ€nde halten.“ In den sozialen Medien kursieren schon Mordaufrufe als Reaktion auf die BrandanschlĂ€ge. „In Chats und Facebook-Kommentaren wird bereits davon gesprochen, dass nur tote Antifas gute Antifas seien“, sagte König-Preuss. Linken-Politikerinnen, darunter auch sie selbst, wĂŒrden dort gezielt markiert und zu Verantwortlichen fĂŒr die BrĂ€nde erklĂ€rt.

Quelle: RND




Quelle: Chronik.blackblogs.org