Oktober 11, 2021
Von InfoRiot
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SĂŒdwestfriedhof Stahnsdorf

Neonazi in Grab eines jĂŒdischen Musikwissenschaftlers beigesetzt

11.10.21 | 18:01 Uhr

Der Rechtsextremist Henry Hafenmayer wurde am Freitag in Stahnsdorf beerdigt – im Grab eines jĂŒdischen Wissenschaftlers. Unter den TrauergĂ€sten waren Holocaustleugner und vorbestrafte “ReichsbĂŒrger”. Die Kirche spricht von einem Fehler.

Auf dem SĂŒdwestfriedhof in Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark) sind am Freitag die Überreste eines Rechtsextremisten und Antisemiten in der frĂŒheren GrabstĂ€tte eines jĂŒdischen Musikwissenschaftlers beigesetzt worden. Das bestĂ€tigte die Pressestelle der Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (Ekbo) am Montag auf Anfrage von rbb|24.

Zuvor hatten die Informationsdienste Blick nach rechts [bnr.de] und Recherchenetzwerk Berlin ĂŒber die Beerdigung und ihre Teilnehmer berichtet. In der Grabstelle von Max FriedlĂ€nder (1852-1934) wurde demnach der im August verstorbene Holocaustleugner Henry Hafenmayer beigesetzt.

Landeskirche prĂŒft eigene Fehler

Derzeit werde geprĂŒft, wie es zu diesem Fehler gekommen sei, hieß es. Die Ekbo könne aber noch nicht sagen, welche Konsequenzen aus dem Vorfall gezogen wĂŒrden. Das Grab sei bereits seit einiger Zeit freigegeben gewesen, sterbliche Überreste hĂ€tten sich darin nicht mehr befunden.

Laut Landeskirche war die Beisetzung Hafenmayers ohne evangelische Begleitung. Die Entscheidung, die Anfrage nach einer GrabstĂ€tte nicht abzulehnen, sei im Konsistorium der Ekbo getroffen worden, berichtet die Nachrichtenagentur EPD. Leitend sei dabei im Grundsatz, dass jeder Mensch ein Anrecht auf eine letzte RuhestĂ€tte habe. Der erste GrabstĂ€ttenwunsch sei von der Friedhofsleitung abgelehnt worden, trotzdem sei auch die Auswahl der ehemaligen GrabstĂ€tte Max FriedlĂ€nders ein Fehler. “Diesen Fehler prĂŒfen wir zurzeit”, erklĂ€rte die Landeskirche.

Holocaustleugner, verbestrafte “ReichsbĂŒrger, Neonazis unter TrauergĂ€sten

An der Beisetzung des aus Oberhausen stammenden Hafenmayer nahmen zahlreiche Neonazi-GrĂ¶ĂŸen und Rechtsextremisten teil – darunter der Neonazi Horst Mahler, der wegen Volksverhetzung lange Jahre inhaftiert war. Unter den TrauergĂ€sten waren zudem der Neonazi-Aktivist und langjĂ€hrige NPD-Kader Thomas Wulff, der rechte Blogger Nikolai Nehrling alias “Der Volkslehrer” und Dennis Ingo Schulz, ein mehrfach vorbestrafter sogenannter “ReichsbĂŒrger”. Fotos von der Grabstelle zeigen KrĂ€nze mit Grabschleifen in den Reichsfarben und aufgedruckten eisernen Kreuzen.

Auf dem Friedhof besteht seit einigen Jahren die Möglichkeit, PatenschaftsvertrĂ€ge fĂŒr historische GrabstĂ€tten abzuschließen. Die Kosten fĂŒr die Instandhaltung und Pflege der historischen Grabmale ĂŒbernehmen die Paten. Der Pate erwirbt im Gegenzug das Recht, Beisetzungen auf der ausgewĂ€hlten GrabstĂ€tte vornehmen zu lassen. Im Bestattungsfall kann zudem im Rahmen der denkmalschutzrechtlichen Bestimmungen der Name des Verstorbenen neu an der GrabstĂ€tte angebracht werden.

Der mehr als 200 Hektar große Stahnsdorfer SĂŒdwestkirchhof wurde 1909 eröffnet und ist Deutschlands grĂ¶ĂŸter evangelischer Friedhof. Bei der BegrĂ€bnisstĂ€tte handelt es sich um ein geschĂŒtztes Landschaftsdenkmal.

Sendung: Brandenburg aktuell, 11.10.2021, 19.30 Uhr


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Quelle: Inforiot.de