Januar 14, 2022
Von InfoRiot
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Potsdam – Der nach massiven persönlichen Querelen aufgelöste Behindertenbeirat formiert sich neu. „So schnell wie möglich“ versucht die Stadt nach den Worten der Behinderten-Beauftragten Tina Denninger ein neues Gremium zu konstituieren. DafĂŒr allerdings steht die Novellierung etlicher Vorschriften an. So mĂŒssen etwa die Hauptsatzung und die Wahlordnung ĂŒberarbeitet werden, weil die Frauen und MĂ€nner des nĂ€chsten Beirats nicht wie fĂŒr den letzten ausgelost, sondern gewĂ€hlt werden sollen. „Ich wĂŒrde es als großen Erfolg betrachten, wenn die Stadtverordneten schon nach der Sommerpause beschließen wĂŒrden, was wir bis dahin ausgearbeitet haben“, sagte Denninger den PNN am Donnerstag auf Anfrage. „SpĂ€testens bis Ende des Jahres sollte der neue Beirat stehen.“

Jahrelang hatten BeirĂ€te und BeirĂ€tinnen des Gremiums wie berichtet mehr durch zum Teil öffentlich ausgetragene Feindseligkeiten als durch konstruktive Arbeit von sich reden gemacht. Daran Ă€nderte sich wenig, als die Stadtverordnetenversammlung die promovierte Soziologin Tina Denninger mit Wirkung zum 1. Oktober 2020 fĂŒr fĂŒnf Jahre zur neuen Beauftragten fĂŒr Menschen mit Behinderung wĂ€hlte. Zu tief waren die Verletzungen, die sich die BeirĂ€te im Lauf der Zeit zugefĂŒgt hatten, zu tief auch die GrĂ€ben zwischen ihnen. Selbst ein von der Stadt organisiertes Meditationsverfahren brachte keine Entspannung.

Dr. Tina Denninger, Beauftragte fĂŒr Menschen mit Behinderung.Foto: Andreas Klaer

Woran das Gremium gescheitert ist

Ende Oktober kam eine deutliche Mehrheit des Beirats wĂ€hrend einer Sitzung im Bildungsforum ĂŒberein, in Schreiben an den Vorsitzenden Thomas Zander ihren RĂŒcktritt zu erklĂ€ren. Das war das Aus fĂŒr den Beirat – denn es war schon davor so gut wie unmöglich gewesen, NachrĂŒcker fĂŒr frei werdende Sitze zu finden. „Das Gremium ist letztlich an den Konflikten einzelner Persönlichkeiten gescheitert“, resĂŒmiert Denninger das Geschehen.

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Die engagierte Beauftragte hat erfahren, wie sehr die laut dem statistischen Jahresbericht der Stadt fĂŒr 2020 ausgewiesenen 24.754 Menschen mit Behinderung unter den rund 182.000 Potsdamern von der UnterstĂŒtzung von Beiratsmitgliedern profitieren können: Die erblindete Heike Thiel, die dem Rat angehörte, hatte maßgeblichen Anteil an der Installation des Blindenleitsystem am Potsdamer Bahnhof. Und wann immer öffentlich zugĂ€ngliche Orte wie die Außenanlagen des vor der Eröffnung im FrĂŒhjahr stehenden neuen Museums Minsk auf dem Brauhausberg gestaltet werden, wird ihre Expertise geschĂ€tzt.

Stadt schreibt Inklusionspreis aus

Nachdem die Stadt den bisherigen Beirat im Dezember aufgelöst und die letzten Mitglieder abberufen hatte, diskutierten die Sozialbeigeordnete Brigitte Meier (SPD), Denninger und die Gleichstellungsbeauftragte Martina Trauth (Linke) Möglichkeiten, einen neuen Beirat auf eine tragfĂ€hige Grundlage zu stellen. Sie kamen, so Denninger, ĂŒberein, „ein professionalisiertes Gremium zu schaffen, das nicht Einzelinteressen, sondern die Belange von Behinderten so breit wie möglich vertritt“. SozialverbĂ€nde und Vereine sollten mitwirken, der Beirat solle aber „ein Selbstvertretergremium sein“. Dessen Mitglieder sollen kĂŒnftig gewĂ€hlt werden.

Erforderlich sei eine gute personelle Ausstattung des Beirats. So mĂŒsse die Zahl der Arbeitsstunden fĂŒr die Sachbearbeiterin erhöht werden. Zudem sei es sinnvoll, die Arbeit durch eine Moderation begleiten und auch protokollieren zu lassen. Voranbringen könne das Gremium auch den Inklusionsgedanken, das gemeinsame Handeln von Menschen mit und ohne Behinderung, sagte Denninger. Die Stadt werde in diesem Jahr erstmals einen Inklusionspreis ausschreiben, „und es steht schon fest, dass er am 31. Mai vergeben werden soll“. 




Quelle: Inforiot.de