Juni 2, 2022
Von Revista BUNA
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Un parcurs libertar internaționalist. Interviuri

2020 erschien in RumĂ€nien eine Sammlung von Interviews mit dem 1949 in Bukarest geborenen Anarchisten Nicolas Trifon. Dieser gehörte zu denjenigen, die wĂ€hrend der national-kommunistischen Diktatur Kritik von einem zunehmend libertĂ€ren Standpunkt aus Ă€ußerten. Diese Kritik war dem Herrschaftssystem nicht willkommen und 1977 emigrierte Nicolas Trifon nach Frankreich. Dort arbeitete er mit anarchistischen Genossinnen und Genossen aus Osteuropa, vornehmlich Bulgarien, zusammen. Gemeinsam gaben sie die Zeitschrift „Iztok“ (Ost) heraus.

Der Literaturwissenschaftler und Anarchist Adrian Tătăran besorgte die Herausgabe des wunderschön gestalteten Bandes ĂŒber den in Deutschland und auch in RumĂ€nien kaum bekannten Oppositionellen. Er schreibt dazu:

„Nicolas Trifon, ein LibertĂ€rer, der 1977 RumĂ€nien verließ und sich in Paris niederließ, hatte einen anderen (persönlichen und politischen) Weg als den, den wir normalerweise kennen. Im Kalten Krieg (
) wurden die Stimmen der sich bekennenden Gegner in unserem Land und anderswo verwendet, um im Gegensatz dazu das „entgegengesetzte“ politische und soziale Modell zu legitimieren. Es ist nicht ĂŒberraschend, dass im Allgemeinen denjenigen, die Diktatur und Ungerechtigkeit scharf verurteilten und sich weigerten, fĂŒgsam unter den verfĂŒgbaren „vorgefertigten“ Lösungen zu wĂ€hlen, sehr wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Deshalb ist der Weg von Nicolas Trifon interessant. Er hinterfragt die simplen und dogmatischen Dichotomien, an die wir in RumĂ€nien vielleicht so gewöhnt sind und die nach 1989 einen Platz des Diskurses und der politischen und intellektuellen Debatte eingenommen haben (und immer noch einnehmen). TatsĂ€chlich kam das angekĂŒndigte Ende der Geschichte mit dem Zusammenbruch des „Vorhangs“ nicht, und die Ära des Wohlstands und der Gerechtigkeit, die durch die Akzeptanz des kapitalistischen Modells versprochen wird, wird noch erwartet. Begriffe wie Freiheit, Rechte oder Demokratie wurden inzwischen durch den „freien Markt“ fast vollstĂ€ndig von ihren Inhalten befreit. (
) Die alte Herrschaft der „roten BĂŒrokratie“ hat den Regimewechsel fast intakt ĂŒberstanden. Sie ist auf natĂŒrliche Weise und ohne zu viele Stolpersteine zur AutoritĂ€t des „freien Marktes“ geworden, den nur wenige in Frage zu stellen gewagt haben, ohne dass die tatsĂ€chlichen Strukturen von Macht und Privilegien in irgendeiner Weise beeintrĂ€chtigt werden. Die befreiende Lösung erwies sich wie so oft als ein weiterer Weg zur Knechtschaft fĂŒr viele. Und diejenigen, die sich weigerten zu wĂ€hlen, die „feuerfesten“, diejenigen, die sich kritisch in den sozialen Kampf einmischten und „an nichts festhielten“ (nach einem berĂŒhmten istrischen Wort), blieben so heute wie gestern wenig gehört. Dies ist auch bei Nicolas Trifon der Fall.

Die Interviews mit Nicolas Trifon sind eine spannende LektĂŒre. Von der Erinnerung an die ersten Jahre in RumĂ€nien und den ersten „AusflĂŒgen“ ĂŒber die militanten AktivitĂ€ten in Frankreich und die Beteiligung an der „Iztok“ -Gruppe bis hin zur Reise nach Polen und den Verbindungen, die manchmal nicht ohne Risiko mit den Gegnern der östlichen Regime stattfanden. Sie zeigen eine Geschichte, die reich an Beobachtungen und Details ist.

Sie kann auch als eine Reihe von GemĂ€lden gelesen werden, die Details und Perspektiven enthĂŒllen, die oft neu und ĂŒberraschend sind. Das Durchgehen dieser Erinnerungen kann besonders lehrreich fĂŒr alle sein, die eine etwas differenziertere und gleichzeitig umfassendere Perspektive auf die jĂŒngste Geschichte wĂŒnschen.

Die ersten beiden Interviews wurden 2012 durchgefĂŒhrt. Eines davon erschien in der Zeitschrift ANARHIA und wurde spĂ€ter in der Zeitschrift BUNĂ ins Deutsche ĂŒbersetzt. Das dritte Interview, das dem Iztok-Magazin gewidmet ist, erschien ursprĂŒnglich im Jahr 2007 und wurde von uns aus dem Französischen ĂŒbersetzt. Der letzte Teil der Anthologie enthĂ€lt die Diskussion, die ich im April dieses Jahres mit Nicolas Trifon gefĂŒhrt habe.

Von besonderem Interesse war die Aufnahme eines Manifests als Anhang in den Band, das von der Gruppe „Iztok“ in Frankreich gedruckt und ursprĂŒnglich 1981 in rumĂ€nischer Sprache veröffentlicht wurde. Dieser Text, der Teil einer BroschĂŒre war, die auch die Forderungen von Vasile Paraschiv und den „Aufruf aus Danzig“ enthielt, stand vor dem Hintergrund von AusteritĂ€ts-Maßnahmen in RumĂ€nien, aber auch der wachsenden Zahl von Herausforderungen der Macht durch Arbeiter. Das Manifest, von dem nur wenige Exemplare im Land ankamen, trug den Titel „Was wollen die Anarchisten?“. Der Text dieser einzigartigen BroschĂŒre stammt aus der Zeitschrift ANARHIA, in der Interessierte ein ganzes Dosar finden können, das der Gruppe „Iztok“, Nicolas Trifon und den VorschlĂ€gen des Arbeiters Vasile Paraschiv gewidmet ist.“

Inhalt:

  • Nicolas Trifon;
  • CuvĂąnt Ăźnainte (2020);
  • I. CĂąteva observații cu privire la dificultatea de a-ți exprima politic revolta Ăźn RomĂąnia comunistă (1956-1977);
  • II. Solidaritatea cu opoziția muncitorească din RomĂąnia comunistă (1978-1981);
  • III. Nicolas Trifon despre revista Iztok (Răsărit) (1979-1991);
  • IV. Anarhismul ca practică socială și ca politică anti-totalitară (1981-1991);
  • Anexă: Ce vor anarhiștii? (1981);
  • Notă despre Anarhia și Revista Bună;

Nicolas Trifon: un parcurs libertar internaționalist. Interviuri; 76 Seiten, Verlag Editura Pagini Libere, 2020.

Hier findet sich das Buch als kostenloses PDF https://pagini-libere.ro/wp-content/uploads/2020/08/WEB-Colectiva-Anarhiva-Nicolas-Trifon.pdf

Dieser Artikel ist erschienen in BUNĂ #9




Quelle: Revistabuna.wordpress.com