Oktober 18, 2021
Von Indymedia
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Wer an diesem schönen Sonntagmorgen in die BriefkĂ€sten schaute staunte nicht schlecht. Ein Flyer der Stadt Koblenz kĂŒndigt an den Nulltarif fĂŒr eine Woche auszuprobieren. Das heißt, Bus und Bahn, also in Koblenz nur Bus, fĂŒr eine Woche umsonst. Argumentiert wird mit klimafreundlicher MobilitĂ€t Der OberbĂŒrgermeister David Langner unterstĂŒtzt das Vorhaben und verweist auf die neuen emissionsarme Busflotte und den Ausbau des Radverkehrs. Am unteren Rand prangern verschiedene Logos, unter Anderem der UniversitĂ€t und der Sparkasse.

In Zeiten des Klimawandels, einer sich grade vor der HaustĂŒr ereigneten Flutkatastrophe und bundesweiter Debatten ĂŒber die Verkehrswende sollten solche Projekte eigentlich in allen StĂ€dten der Normalfall sein. Leider passiert real gar nichts, sodass die Initiative der Stadt Koblenz durch als mutig und richtungsweisend angesehen werden könnte.

Leider nur könnte, denn die Stadt Koblenz war gar nicht der Urheber des Flyers. Unbekannte hatten diesen tÀuschend echt wirkenden Fake entworfen. Dementsprechend dementierten Stadtverwaltung und der Koblenzer Verkehrsverbund das Angebot.

Ob sie sich damit einen Gefallen getan haben und die Idee nicht lieber dankend aufgegriffen haben ist fraglich. In den sozialen Netzwerken erhĂ€lt die Idee viel Zuspruch und entsprechend enttĂ€uscht ist so manche*r Einwohnende*r. Das dies der richtige Schritt fĂŒr lebenswerte InnenstĂ€dte und Co2-Reduktion gewesen wĂ€re, daran haben die wenigsten Zweifel. Zudem wĂ€re ein Nulltarif sozial gerecht und wĂŒrde der sich seit Jahren immer weiter auseinanderklaffenden Schere zwischen Arm und Reich entgegenwirken.

Kritik gibt es bestenfalls an der Finanzierung solcher Projekte. Zwar wĂŒrden auf der einen Seite viel Geld durch geringere Straßenabnutzung, Einsparungen bei Kontrollen und Ticketkontrollen inklusive Wartung der GerĂ€te eingespart. Auch die Unsummen, die der Staat durch das Einsperren von sogenannten Schwarzfahrenden ausgibt, wĂŒrden nicht weiter verschwendet werden. Letztendlich rechnete sich in Hinblick auf weitere Katastrophen Klimaschutz sowieso immer. Auch der anderen Seite haben Experimente eines solchen fahrscheinfreien Nahverkehrs in anderen, auch deutschen, StĂ€dten gezeigt, dass ein solches Angebot genutzt wird und das grĂ¶ĂŸte Problem in der TransportkapazitĂ€t liegt. Dass der ÖPNV daher weiter ausgebaut werden muss, sowohl in die Dörfer rein als auch in höherer Auslastung in der Stadt, ist ohnehin allen ersichtlich.

Die Landesregierung hat außerdem im letzten Jahr ÖPNV zur Pflichtaufgabe deklariert. Damit könnte Koblenz als Investitionsmaßnahme ohne finanzielle Deckelung die entsprechenden Schritte auch ohne Modellprojekt der Bundesregierung einleiten.

Bleibt zu hoffen, dass die Stadt Koblenz die Idee aufgreift und entsprechend handelt. Es ist keine Frage des „Wie“, sondern des Wollens
 und es ist höchste Zeit.

XXXXX

Pressschau:

ben-kurier.de/2021/10/17/freifahrt-tickets-fuer-oepnv-in-koblenz-aktion-war-ein-fake/

swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/koblenz/falsche-flyer-bus-100.html
koblenz.de/rathaus/verwaltung/pressemeldungen/211017-stadt-koblenz-und-koveb-planen-keine-freifahrt-testwoche/

koveb.de/verkehrs-infos/achtung-gefaelschtes-flugblatt/

beschrĂ€nkter Zugriff:rhein-zeitung.de/region/aus-den-lokalredaktionen/koblenz-und-region_artikel,-fakeflyer-stadt-koblenz-und-koveb-planen-keine-freifahrttestwoche-_arid,2322817.html”Soziale” Medien:

Account Stadtverwaltung Koblenz:
facebook.com/koblenz.stadt/posts/4365649433504588

Der KarthÀuser:
facebook.com/derkarthaeuser/posts/4578613415533806

Verkehrswende Koblenz:
twitter.com/VerkehrswendeKO/status/1449701638290161666




Quelle: De.indymedia.org