April 19, 2020
Von Revista BUNA
209 ansichten


Georgi Konstantinow und Ilija Trojanow im GesprÀch

„Arbeit war eine Utopie, Wohnungen waren eine Utopie, WĂŒrde war eine Utopie, eigene Entscheidungen zu treffen war eine Utopie. Uns ist es gelungen, viele Utopien Wirklichkeit werden zu lassen.“

BĂŒrgermeister Juan Manuel SĂĄnchez Gordillo aus Marinaleda in Andalusien

„Diese Geschichtsauffassung, das der Staat, das der Kapitalismus, das der Nationalismus einfach eine RealitĂ€t ist, die wir akzeptieren mĂŒssen, das es keine andere Alternative gibt, das ist die eigentliche schwachsinnige Vorstellung die uns aufgezwungen wird.“

Dilar Dirik, Soziologin und Aktivistin der kurdischen Frauenbewegung

Diese beiden Zitate sind nur zwei Stimmen von mehreren, die in der 3sat-Dokumentation „Oasen der Freiheit – Anarchistische StreifzĂŒge“ zu hören sind. Der bulgarische Schriftsteller Ilija Trojanow begibt sich darin auf Spurensuche nach Oasen der Freiheit in Europa und findet sie in der anarchistischen Geschichte und Gegenwart, in der Literatur und im Internet.

Aus vielfĂ€ltigen Blickwinkeln und in verschiedenen LĂ€ndern bringt er uns anarchistische Gesellschaftsmodelle von Selbstverwaltung und Freiheit zur Kenntnis. Die Interviews mit Anarchistinnen und Anarchisten aus verschiedenen Generationen und LĂ€ndern transportieren einen revolutionĂ€ren, befreienden und konstruktiven Geist. Auf den StreifzĂŒgen gelangen wir ins thĂŒringische Meiningen zur BakuninhĂŒtte, ein Erholungsort der historischen anarcho-syndikalistischen Bewegung in Deutschland und heute wieder von libertĂ€rem Geist getragen. Der Weg fĂŒhrt nach Jambol in Bulgarien, einst eine Hochburg des revolutionĂ€ren Anarchismus. GesprĂ€che mit Christo Karastojanow geben historische Einblicke und der in ehren ergraute Anarchist Georgi Konstantinow gibt einen Ausblick auf die Alternative einer freien Gesellschaft ohne den alles zerstörenden Kapitalismus und seine Rationalisierung. „Anarchie oder Tod“, das ist die Wahl, vor der die Menschen stehen. Zwei selbstverwaltete Projekte werden vorgestellt und die darin Arbeitenden berichten ĂŒber die HintergrĂŒnde. In der spanischen Kleinstadt Marinaleda erkĂ€mpfte eine vom Anarcho-Syndikalismus inspirierte Arbeiterbewegung die Selbstverwaltung des Ortes und die Selbstorganisation und Selbstverwaltung produzierender Kollektive. Im Ort ist die Polizei abgeschafft. Die Bewohnerinnen und Bewohner regeln die Dinge solidarisch. Auf der zu Griechenland gehörenden Insel Ikaria gibt es keine Uhren. Die Arbeiterin in der Frauenkooperative, Dana Filippas, erlĂ€utert, wie das Leben dort funktioniert. Hetze und Stress wie im Kapitalismus gibt es nicht. Die Lebenserwartung der Bewohnerinnen und Bewohner ist ĂŒberdurchschnittlich. In Wien treffen wir auf ein feministisches Internet-Kollektiv. Die Netzwerkaktivistin und KĂŒnstlerin Reni HofmĂŒller spricht ĂŒber die Notwendigkeit freier „Open“ Software und unreglementiertem Informationsaustausch. Infrastrukturen dĂŒrfen nicht ausschließlich in den HĂ€nden zentralistischer und monopolistischer Körperschaften liegen. Beeindruckend ist das GesprĂ€ch mit der kurdischen Frauenaktivistin Dilar Dirik. Sie spricht ĂŒber die Ansichten der Anarchistin Emma Goldman und deren Inspiration und Einfluss auf die kurdische Frauenbewegung. Anarchistische Vorstellungen nehmen auch Einfluss auf die Selbstverwaltung durch die revolutionĂ€ren Bewegungen in den kurdisch kontrollierten Gebieten in Nord-Syrien, in Rojava.

Die Dokumentation wurde im April 2018 ausgestrahlt. Sie findet sich auch auf Youtube:

Oasen der Freiheit – Anarchistische StreifzĂŒge – 3sat HD Kulturzeit Doku – 11.04.2018

Bildunterschrift: Georgi Konstantinow und Ilija Trojanow im GesprÀch.

„Wie wollen wir eine wirklich freie und gerechte Gesellschaft nennen? Der Begriff Kommunismus ist seit der sowjetischen Erfahrung verunglimpft, das Wort Anarchismus weckt bei den meisten Menschen leider negative Assoziationen.“

Ilija Trojanow

„Alle Wörter sind beschmutzt als Folge von Demagogie, Machtdrang und Gier. Wir haben erlebt was nach der französischen Revolution mit ihrem Motto ‚Freiheit, Gleichheit und BrĂŒderlichkeit‘ geschehen ist. Die Bolschewiken haben den gesamten Rest der Sprache kontaminiert. Aber bis heute haben wir keine genaueren Begriffe fĂŒr eine alternative soziale und wirtschaftliche Organisation der Gesellschaft gefunden als Anarchie und Kommunismus.

Der Kommunismus als Wirtschaftsform, die Anarchie als Gesellschaftsform.“

Georgi Konstantinow

Dieser Artikel ist erschienen in BUNĂ #6




Quelle: Revistabuna.wordpress.com