Dezember 28, 2021
Von InfoRiot
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Die wegen Mordes an vier schwerstbehinderten Menschen im evangelischen Oberlinhaus verurteilte ehemalige Pflegekraft will das Urteil offenbar akzeptieren. „Wir gehen nicht in Revision“, sagte Rechtsanwalt Henry Timm ï»żam Dienstag in Potsdam – einen Tag vor Ablauf der Frist binnen der es möglich ist, Revision zu beantragen. Zuerst hatte der Evangelische Pressedienst (epd) berichtet.

Seine Mandantin wolle den Angehörigen eine Wiederholung der Gerichtsverhandlung nicht zumuten – und sich selbst auch nicht, sagt Henry Timm der MAZ. Er habe sich seit der UrteilsverkĂŒndung am 22. Dezember mehrmals mit ihr beraten und auch RĂŒcksprache mit ihren Angehörigen gehalten. „Ich habe ihr alle Optionen offengelegt“, so Timm. „Die Entscheidung muss sie selbst treffen und das hat sie auch getan.“

15 Jahre Freiheitsstrafe

Das Landgericht Potsdam hatte die 52-jÀhrige Pflegehilfskraft am 22. Dezember 2021 wegen vierfachen Mordes und wegen Mordversuchs in drei FÀllen in Tateinheit mit gefÀhrlicher Körperverletzung und schwerer Misshandlung Schutzbefohlener schuldig gesprochen und zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt; das Gericht ordnete zudem die Unterbringung in einer psychiatrische Fachklinik an. Das Gericht kam zu dem Schluss, dass die Pflegerin zum Tatzeitpunkt erheblich vermindert schuldfÀhig war und sah daher von einer lebenslangen Freiheitsstrafe ab; die verhÀngte Freiheitsstrafe ist in diesem Fall die mögliche Höchststrafe.

Gericht folgte AntrÀgen der Staatsanwaltschaft

und bundesweit Entsetzen ausgelöst. Die Pflegerin hatte fĂŒnf ihr anvertraute wehrlose Personen mit einem Messer angegriffen. Zwei Frauen (31 und 42) und zwei MĂ€nner (35 und 56) verbluteten in ihren Betten, eine Frau (43) ĂŒberlebte den Angriff Dank einer Notoperation.

Wie sich im Verfahren herausstellte, leidet die Verurteilte seit ihrer Kindheit unter psychischen Problemen und hegt seit vielen Jahren Gewalt- und Tötungsfantasien. Die Gerichtspsychiaterin attestiert ihr eine emotional-instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ. Sie sei nur begrenzt in der Lage, auf Belastung zu reagieren, und könne sich von Affekten nicht angemessen entlasten. Extreme GefĂŒhlsschwankungen und ImpulsdurchbrĂŒche gehören zum Krankheitsbild wie ein gestörtes Selbstbild und eine gestörte SelbstfĂŒrsorge.

Mit dem Strafmaß folgte das Gericht weitgehend den AntrĂ€gen der Staatsanwaltschaft. Auch der Verteidiger hatte eine Unterbringung seiner Mandantin in der Psychiatrie beantragt. Timm wollte allerdings beweisen, dass seine Mandantin zum Tatzeitpunkt vollkommen schuldunfĂ€hig war. Er macht dafĂŒr eine chronifizierte komplexe posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) geltend, scheiterte vor Gericht allerdings mit dem Antrag, die Angeklagte von einem PTBS-Spezialisten begutachten zu lassen – fĂŒr ihn sei das noch immer eine ausreichender Revisionsgrund, so Timm.

Arbeitsgericht entscheidet ĂŒber KĂŒndigung

Schon bald wird der Fall Oberlin erneut ein Gericht beschĂ€ftigen – und zwar das Arbeitsgericht Potsdam. Am 1. Februar 2022 wird dort zum wiederholten Mal die KĂŒndigungschutzklage der Pflegerin aufgerufen. Das Oberlinhaus hĂ€lt an der unmittelbar nach der Bluttat ausgesprochenen fristlosen KĂŒndigung fest und hat diese laut Timm direkt nach dem Urteil erneut ĂŒberstellt. Die Pflegerin, die mehr als 30 Jahre fĂŒr das Oberlinhaus tĂ€tig war, wehrt sich weiterhin gegen die fristlose KĂŒndigung. Ihr Anwalt hat inzwischen aber beantragt, die KĂŒndigung zum 31. Dezember 2021 gegen die Zahlung einer Abfindung „nicht unter 44.182,65 Euro“ zu ermöglichen – die genaue Höhe stelle er in Ermessen des Gerichts.

Von Nadine Fabian/RND




Quelle: Inforiot.de