November 23, 2021
Von Emrawi
356 ansichten


Die Putzbranche wurde durch Corona ordentlich durcheinandergewirbelt. Auf der einen Seite brachen durch Hotelschließungen etc. massiv AuftrĂ€ge weg, andererseits gab es in KrankenhĂ€user etc. einen deutlichen höheren Reinigungsbedarf. Die Bosse wĂŒnschten sich bereits letztes Jahr, das Risiko durch diese Schwankungen auf die Arbeiter*innen abzuwĂ€lzen. Sie wĂŒnschten sich eine KĂŒndigungsfrist von nur einer Woche statt bislang sechs Wochen. Schon jetzt betrĂ€gt der Durchrechnugszeitraum, in der die Arbeitszeit flexibel gestaltet werden kann, 9 Monate.

Letztes Jahr wurde die Forderung bei den Kollektivverhandlungen noch abgelehnt, doch dieses Jahr fiel die Gewerkschaft um. Ab 1.1. 2022 gilt fĂŒr alle reinigenden Arbeiter*innen, die weniger als 3 Jahre bei der gleichen Firma sind, nur noch 2 Wochen. Die KĂŒndigung kann tĂ€glich ausgesprochen werden. ÖGB ermöglichst somt Hire&Fire in der ganzen Putzbranche!

Die Gegenleistung dafĂŒr ist ziemlich mager. Es gibt ein Gehaltsplus von 3,5%. Der Reallohnverlust des letzten Jahres, als es eine Lohnerhöhung von 1,6% bei gleichzeitiger Inflation von 3,6% (Stand Oktober 2021) gab, kann damit nicht ausgeglichen werden. Auch der freiwillige (!) einmalige Coronabonus von €100,- (!) kann eher als Hohn denn als Zeichen der WertschĂ€tzung verstanden werden.Einmal mehr zeigt sich, was das Klatschen wert ist.

Zum Abschluss sei noch festgehalten, dass es einen ArbeitskrĂ€ftemangel gibt. Eine Gewerkschaft, die diesen Namen auch verdient, wĂŒrde diesen Umstand nutzen, um Verbesserungen der Arbeiter*innen zu erkĂ€mpfen. Stattdessen nutzen Firmen ihre Chance, um eine KĂŒrzung des Arbeitslosengeld zu fordern. Die linksliberale Zeitung „Der Standard“ gab im Oktober zwei dieser Firmen viel Platz fĂŒr ihre Forderungen (1). Eine ist in der Vergangenheit wiederholt aufgefallen, da sie zu wenig Loh auszahlte (2).

Sinnvoller wĂ€re es, wenn die Bosse vor ihrer eigenen TĂŒr putzen wĂŒrden. Oder besser noch: Sie können sich auch selbst wegputzen – und ihre gelben GewerkschaftsfunktionĂ€r*innen gleich mitnehmen!

(1) https://www.derstandard.at/story/2000130389446/iss-oesterreich-chefbin-nicht-dafuer-dass-man-faulheit-unterstuetzt

https://www.derstandard.at/story/2000130419354/warum-arbeiten-wenn-ich-mit-arbeitslosengeld-mehr-bekomme

(2) https://ooe.arbeiterkammer.at/service/broschuerenundratgeber/arbeitundrecht/B_2016_Schwarzbuch_Arbeitswelt.pdf Die Praktiken der Firma ISS, von der hier die Rede ist, finden sich auf Seite 11.




Quelle: Emrawi.org