Juli 29, 2021
Von Criminals For Freedom
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Gefangene des Hauses H aus der JVA BĂŒtzow haben sich mit einem offenen Brief an das Justizministerium Mecklenburg Vorpommern gewandt. Dabei kritisieren sie vor allem die Hausleiterin Christiane Anischewsky: 

Seit Jahren wird beobachtet, dass die zustĂ€ndige Hausleiterin Christiane Anischewsky jegliche Kritik an Ihrem FĂŒhrungsstil unterbindet. Sachbearbeiter, Psychologen und Bedienstete werden verbal durch die Hausleiterin Christiane Anischewsky angegriffen. VollzugsplĂ€ne oder auch interne SchriftsĂ€tze werden einfach von Ihr abgeĂ€ndert, damit der Inhaftierte als „Bestie“ und als „Vollzugsresistent“ abgebildet wird. Mehrfach sind solche SchriftsĂ€tze von der Hausleiterin geĂ€ndert und vorsĂ€tzlich gefĂ€lscht worden. Insbesondere auch gegenĂŒber von Gerichten, was kein Einzelfall ist.

Die selbstverursachten ZustĂ€nde sind unertrĂ€glich und sind unter den jetzigen VerhĂ€ltnissen nicht mehr tragbar.  Ihr Verhalten ist mit Hass gegen alles behaftet.

Außerdem kritisieren die Gefangenen die fehlende Maßnahmen zur Wiedereingliederung: 

Die Inhaftierten der Vollzugsabteilung H bemĂ€ngeln die fehlende Struktur der Wiedereingliederung und Resozialisierung. Maßnahmen des Vollzuges werden von der Hausleiterin erfunden, die aber im Vollzug nicht angeboten werden, um den Inhaftierten das Vollzugsleben zu erschweren. Inhaftierte die kurz vor ihrer Entlassung stehen, werden wichtige Eingliederungsmaßnahmen verwehrt. Einem Inhaftierten sagte sie wort-wörtlich ins Gesicht:

„Mir ist völlig egal wo sie unterkommen, am Ende sehen wir uns sowieso wieder hier, da wĂ€re eine Eingliederung eh umsonst und bei ihnen“

Ihr Hass gegenĂŒber uns Inhaftierten spiegelt sich in der gerichtlichen Antragsflut wieder. VollzugsplĂ€ne werden nicht rechtzeitig erstellt, Eingliederungsmaßnahmen unterlassen und wenn ein Inhaftierter Lockerungen beantragt, werden Beamte in dessen Haftraum geschickt und bereits vorher aufgetragen.

Das Justizministerium MV unterstellt der Gefangenenzeitung, „Der Lichtblick“ , welche das Schreiben weitergeleitet hatte, derweil, dass die im offenen Brief genannten Inhalte nicht wahr wĂ€ren und drohen mit Repression: 

„Soweit in diesem Schreiben Personen namentlich aufgefĂŒhrt und offensichtlich wahrheitswidrige VorwĂŒrfe erhoben werden, wird eine mögliche strafrechtliche Relevanz geprĂŒft.“

Wieder einmal werden Gefangene, welche sich gegen die ZustĂ€nde in KnĂ€sten wehren, versucht eiunzuschĂŒchtern. Die Mittel, welche  Gefangene nutzen, scheinen fĂŒr Menschen außerhalb der Knastmauern eher unscheinbar – ein offener Brief an ein Ministerium jedenfalls wirkt zunĂ€chst wenig offensiv. Trotz dessen scheint sich der Knast bedroht zu fĂŒhlen und antwortet dementsprechend.

Der Lichtblick [Gefangenenzeitschrift aus dem Knast Tegel, Berlin], berichtete in der Vergangenheit des Öfteren ĂŒber die ZustĂ€nde im Knast BĂŒtzow. Aktuell versucht der Knast herauszufinden, welche Quellen die Zeitung nutzt. DafĂŒr schĂŒchtert er Gefangene massiv ein und setzt sie unter Druck. Gleichzeitig wird versucht, die Kommunikation zwischen dem Lichtblick und den Gefangenen zu erschweren. Dieses Vorgehen kennen wir schon. 2019 wurde schon einmal Post aus der Redaktionsgemeinschaft als „gefĂ€hrlich“ eingestuft und zurĂŒck geschickt. 

Immer wieder versuchen sich Gefangene gegen KnÀste zu wehren. Ihre Belange werden entweder seitens der KnÀste ignoriert, wie es sich am Beispiel vom Knast Zeithain zeigt, oder der kleinste Widerstand wird mitthilfe massiver Repression versucht im Keim zu ersticken.

Trotz dessen kĂ€mpfen viele Gefangene weiter und verfallen nicht in Ohnmacht – denn sie wissen: umso grĂ¶ĂŸer der Widerstand ist, desto mehr können KnĂ€ste in die Knie gezwungen werden. DafĂŒr braucht es allerdings von außen solidarische UnterstĂŒtzung. Deswegen wollen wir diesen Bericht mit einem Aufruf an Strukturen in Meck Pom verbinden: zeigt euch solidarisch mit den Gefangenen, zieht Verantwortliche zur Rechenschaft!

Nachtrag zu diesem Bericht von heute, 29.07.21: Mittlweile haben wir durch Gefangene die Mitteilung erhalten, das die Hausleiterin des Hauses H Christiane Anischewski, sowie die Sicherheitsleiterin Sandra Klingberg beurlaubt wurden. In diesem Fall hat die Aufmerksamkeit, welche die Gefangenen mit ihren Berichten im Lichtblick und Dienstaufsichtsbeschwerden generieren konnten, also zu verbesserten HaftumstĂ€nden gefĂŒhrt. „Verbessert“ heißt aber nicht, dass es den Gefangenen nun generell gut geht und der Kampf vorbei ist – sondern dass wir gemeinsam anpacken mĂŒssen, bis alle frei sind.




Quelle: Criminalsforfreedom.noblogs.org