Oktober 12, 2021
Von SchwarzerPfeil
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UrsprĂŒnglich veröffentlicht auf Ill Will

Man könnte meinen, dass Amerika tot ist.

Das Land hat keinen PrĂ€sidenten mehr. Biden, falls es ihn je gegeben hat, ist durch die Katastrophe des RĂŒckzugs vernichtet worden. Dieses Land hat nicht ein Volk, sondern zwei, und sie fĂŒhren Krieg gegeneinander. Die VerbĂŒndeten schmelzen dahin und zu guter Letzt gewinnt China die diplomatische Schlacht und auch den wirtschaftlichen Wettbewerb.

All das ist wahr, aber du solltest ein nicht unwichtiges Detail nicht vergessen: Amerika ist auch ein techno-militĂ€rischer Komplex (Google und das Pentagon und so weiter), der im Besitz einer zerstörerischen Macht ist, die in der Lage ist, den Planeten zu verwĂŒsten und die Menschheit nicht nur einmal, sondern viele Male auszulöschen, und der sich die FĂ€higkeit aneignet, eine kleine Minderheit von Menschen vom Planeten Erde in Richtung eines unbekannten Ortes zu evakuieren.

Die Niederlage in Afghanistan markiert den Wendepunkt in einem Prozess des Zerfalls des Westens, dessen Signale sich in den letzten zwei Jahrzehnten verdichtet haben.

Hier verwende ich das Wort Westen, um eine geopolitische Einheit zu bezeichnen, die der jĂŒdisch-christlichen Kulturwelt entspricht (und daher auch Russland selbst einschließt).

Vielleicht ist der Kapitalismus ewig, eine Hypothese, die wir ĂŒberprĂŒfen sollten, wenn wir die Zeit dazu haben, aber ich glaube nicht, dass wir das tun werden. Der Westen tut es nicht. Und leider reagiert der techno-militĂ€rische Komplex, ĂŒber den der Westen verfĂŒgt und der sich trotz seiner FĂ€higkeit zum Overkill weiter nĂ€hrt, nicht auf die Logik der Politik, sondern ist ein Automatismus, der auf eine Logik der Abschreckung reagiert. Einst war die Abschreckung bipolar und symmetrisch, doch seit dem Zusammenbruch der UdSSR hat sie eine multipolare, asymmetrische und damit unaufhörliche Dynamik. Außerdem ist der techno-militĂ€rische Komplex auch eine Wirtschaftsmacht, die Krieg produzieren muss, um sich selbst zu reproduzieren.

Deshalb sollten wir uns ĂŒber den Zusammenbruch des Westens nicht zu sehr freuen: Der Zerfall des Westens wird kein (fast) friedlicher Prozess sein, wie es der Zusammenbruch des Sowjetimperiums zwischen 1989 und ’91 war.

Vor dem Zusammenbruch könnte der Westen die Welt nicht aus politischen GrĂŒnden auslöschen (das politische Gehirn ist offensichtlich von Nekrose betroffen), sondern aufgrund einer Kette von technischen, militĂ€rischen und psychologischen automatischen Reaktionen.

Denk an Italien: Obwohl das Land, in dem ich lebe, eine zweitrangige MilitĂ€rmacht ist, hat es nur 15 Flugzeuge zur Feuerabwehr, wĂ€hrend es 716 Kampfflugzeuge besitzt. Was machen wir mit diesem unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸigen Arsenal? Warum investiert Italien zusammen mit Deutschland und England eine riesige Summe in ein Kampfflugzeug namens Tempest, wĂ€hrend die Auswirkungen von Covid den Wohlstand vieler Menschen zerstören?

Kannst du mir sagen, warum?

Nach einer weiteren Niederlage, die der Westen (die NATO, die USA, Europa) in einem konventionellen Krieg erlitten hat, ist es naiv zu glauben, dass der Westen den Krieg aufgeben wird. Deshalb wird der Westen bald in die unkonventionelle KriegsfĂŒhrung gefĂŒhrt werden.

Der Kapitalismus ist nicht mehr in der Lage, die Reproduktion der Menschheit zu ermöglichen; die Expansion hat ihren Höhepunkt erreicht. Die kapitalistische Verwertung erfolgt jetzt im Wesentlichen durch den Abbau von physischen und nervlichen Ressourcen, die kurz vor der Erschöpfung stehen, sowie durch die Zerstörung der physischen Umwelt des Planeten und des kollektiven Gehirns. An diesem Punkt sehe ich zwei divergierende Perspektiven: die Auflösung des Kapitalismus, gefolgt von der Schaffung und Verbreitung autonomer, egalitĂ€rer und genĂŒgsamer Gemeinschaften.

Oder Krieg. Wahrscheinlicher ist: beide Perspektiven gleichzeitig.

Was jedoch sicher ist, ist die UnfÀhigkeit des Westens, zu akzeptieren, was nun sein offensichtliches Schicksal ist: Niedergang, Auflösung, Verschwinden.

Nazi-Liberaler Suprematismus

Der Zusammenbruch des Westens ist mit Prozessen verbunden, die wir heute mit bloßem Auge erkennen können: Der erste ist die zunehmende Unfruchtbarkeit der Völker im Norden der Welt (in 50 Jahren ist die Fruchtbarkeit der MĂ€nner auf der Nordhalbkugel um 52% gesunken). Ob dies, wie Sarah Swan in ihrem kĂŒrzlich erschienenen Buch Count Down argumentiert, auf die Ausbreitung von Mikroplastik in der Nahrungskette und die durch dieses Mikroplastik verursachten Hormonstörungen zurĂŒckzufĂŒhren ist, oder ob es an der mehr oder weniger bewussten Entscheidung der Frauen liegt, keine Opfer des sich schnell ausbreitenden globalen Feuers zu gebĂ€ren, spielt keine Rolle. Die weißen Beherrschenden des Planeten werden Ă€lter und neigen dazu, zu verschwinden.

Der zweite Prozess ist das Entstehen antiwestlicher kapitalistischer MĂ€chte (China), die sich aus GrĂŒnden, die in die psychokognitive Formation eingeschrieben sind, leichter an die Dynamik des digitalen Schwarms anpassen können, mit dem der westliche Individualismus in Konflikt gerĂ€t.

Der dritte Punkt ist die mentale Krise, die Selbstverachtung und der suizidale Trieb der weißen Bevölkerung, die nicht in der Lage ist, die große Migration zu bewĂ€ltigen, die als Folge der Kolonialisierung und der Kriege die globale Ordnung untergrĂ€bt.

(Vielleicht lohnt es sich, einige der Überlegungen von Mao Tse Tung und Lin Piao ĂŒber die Peripherie, die das Zentrum umgibt und stranguliert, neu zu lesen und zu aktualisieren).

Die europĂ€ische Bevölkerung, die ihr weißes Privileg mit HĂ€nden und FĂŒĂŸen verteidigt, ist nicht in der Lage, mit der Migration umzugehen. Die EuropĂ€er_innen weigern sich, die Notwendigkeit einer RĂŒckgabe der gestohlenen Ressourcen anzuerkennen, und fĂŒrchten einen „großen Austausch“ durch nicht-weiße Menschen. Aus diesem Grund sind neoreaktionĂ€re Bewegungen des Nationalismus und Rassismus in Europa auf dem Vormarsch.

Laut Achille Mbembe:

„Ultranationalismus und Ideologien der racialen Vorherrschaft erleben eine globale Renaissance. Die Idee einer wesentlichen menschlichen Ähnlichkeit wurde durch den Begriff der Differenz ersetzt, der als Anathema und Verbot gilt 
 Begriffe wie der Mensch, die menschliche Rasse, das Menschengeschlecht oder die Menschheit bedeuten so gut wie nichts mehr, auch wenn die gegenwĂ€rtigen Pandemien und die Folgen der anhaltenden Verbrennung des Planeten ihnen weiterhin Gewicht und Bedeutung verleihen. Im Westen, aber auch in anderen Teilen der Welt, erleben wir das Aufkommen neuer Formen des Rassismus, die wir als krampfartig bezeichnen könnten. Das Wesen des krampfartigen Rassismus besteht darin, dass er auf metabolische Weise das Funktionieren der Macht, der Technologie, der Kultur, der Sprache und sogar der Luft, die wir atmen, unterwandern kann. Die doppelte Wendung des Rassismus hin zu einer techno-algorithmischen und ökologisch-atmosphĂ€rischen Variante macht ihn zu einer immer tödlicheren Waffe, zu einem Virus. Diese Form des Rassismus wird als viral bezeichnet, weil sie mit der VerschĂ€rfung von Ängsten einhergeht, darunter vor allem die Angst vor dem Aussterben, die zu einer der treibenden KrĂ€fte hinter der weißen Vorherrschaft in der Welt geworden zu sein scheint.“

Mbembe spricht von SpĂ€t-Eurozentrismus. Ich bevorzuge den Ausdruck „naziliberaler Suprematismus“, denn das koloniale Privileg ist der Knotenpunkt zwischen Sozialdarwinismus und der Politik der Ausrottung: der natĂŒrlichen Selektion.

Mission erfĂŒllt

Ich bin gespannt, wie die bevorstehenden Feste zum zwanzigsten Jahrestag des islamistischen Anschlags auf die TĂŒrme von Manhattan verlaufen werden. Vielleicht wird es keine geben. Die europĂ€ischen Zeitungen werden nicht schreiben: „Wir sind alle Amerikaner_innen“, wie an dem Tag, als Bush Afghanistan den Krieg erklĂ€rte. In der Tat hat Amerika verloren.

WÀhrend die Niederlage in Vietnam ein nationales Drama war, kratzt die afghanische Niederlage nicht am amerikanischen Gewissen, weil die amerikanische Bevölkerung aufgrund ihrer Demenz-Epidemie nicht in der Lage ist, ein Scheitern zu erkennen.

Die Niederlage in Vietnam war nicht endgĂŒltig, die Niederlage in Afghanistan schon. Die Vereinigten Staaten sind zwar immer noch die grĂ¶ĂŸte MilitĂ€rmacht aller Zeiten, aber eines haben sie nicht mehr: sich selbst. Es gibt nicht mehr die Vereinigten Staaten von Amerika, sondern mindestens zwei, und sie befinden sich in einem erbitterten Kampf. WĂ€hrend die BrĂ€nde ein immer grĂ¶ĂŸeres Gebiet verschlingen und auf die MegastĂ€dte ĂŒbergreifen, wĂ€hrend psychotische Schießereien an der Tagesordnung sind, hat das Land keine regierende Regierung mehr und wird auch nie wieder eine haben.

Osama bin Ladens Sieg ist nun endgĂŒltig, und die Siege aller großen AnfĂŒhrenden der Vergangenheit verblassen im Vergleich dazu. Bin Laden hat die beiden grĂ¶ĂŸten MĂ€chte aller Zeiten besiegt: die UdSSR und die USA. Was mit der Sowjetunion nach der Niederlage in Afghanistan geschah, ist hinlĂ€nglich bekannt. Jetzt warten wir darauf, was mit den Vereinigten Staaten passieren wird, und es ist zu hoffen, dass die Auswirkungen ebenso endgĂŒltig sein werden. Die amerikanische Gesellschaft ist irreparabel gespalten und befindet sich in einem rasanten Prozess des sozialen, kulturellen und psychischen Zerfalls. Der BĂŒrgerkrieg ist nicht politisch, sondern alltĂ€glich, molekular und allgegenwĂ€rtig.

Können wir also darauf hoffen, dass der Zusammenbruch der amerikanischen Macht den Menschen wieder zum Menschen macht?

Ich fĂŒrchte nein, denn dieser Zusammenbruch kommt zu spĂ€t: Amerika hat seine Mission bereits weitgehend erfĂŒllt, die nicht darin bestand, das Reich der Demokratie zu errichten, wie sie uns sagten, sondern die Menschheit zu vernichten.

John Sullivan prĂ€gte den Ausdruck Manifest Destiny [Offenkundiges Schicksal], um die zivilisierende Mission der amerikanischen Idealisten zu definieren (aber waren die FĂŒhrer der SS, die die Freude an der deutschen ĂŒberlegenen Rasse propagierten, nicht auch Idealisten?). Diese Mission bestand darin, die Freiheit in die Welt zu bringen, oder realistischer ausgedrĂŒckt, das menschliche Leben in eine bloße Artikulation der absoluten Herrschaft des Kapitals zu verwandeln.

Die Stufen dieses Prozesses: UrsprĂŒngliche Akkumulation auf der Grundlage von Sklaverei und Genozid. StĂ€ndige Steigerung der ProduktivitĂ€t der Arbeiter_innen durch die systematische Entmenschlichung der sozialen Beziehungen.

Diese Mission ist erfĂŒllt.

WĂ€hrend einige große Unternehmen (Big Pharma, Amazon, Big Finance) heute noch nie dagewesene Profite machen und ihre Gewinne tĂ€glich steigern, ĂŒbernimmt die Psychose den kollektiven Geist, Depressionen grassieren, frei verfĂŒgbare Kriegswaffen töten jeden Tag UnglĂŒckliche, die Löhne sinken, die Arbeitsbedingungen werden immer prekĂ€rer, und in der Zwischenzeit brennen die WĂ€lder und die StĂ€dte sind hoffnungslose Fallen.

Das Ziel der amerikanischen Kriege war nicht, zu gewinnen. Es ging darum, die Lebensbedingungen zu zerstören und die Lebenden zu wahnsinnigen Gespenstern zu machen, wie die, die jetzt durch die Metropolen der Welt streifen. So wird der neo-menschliche Roboter gedeihen.

1992 fand in Rio de Janeiro der erste Gipfel zum Klimawandel statt. Bei dieser Gelegenheit erklĂ€rte der amerikanische PrĂ€sident, George Bush senior, dass „der Lebensstandard der Amerikaner_innen nicht verhandelbar ist“.

Der Lebensstandard der Amerikaner_innen besteht darin, dass sie viermal mehr Energie verbrauchen als die durchschnittlichen Bewohnenden des Planeten. Er besteht aus einer Bulimie, die zu Fettleibigkeit und Besitzgier fĂŒhrt. Er besteht darin, Fleisch in irrsinnigen Mengen zu konsumieren. Und so weiter.

Der Konsum und die kommerzielle Werbung haben vielleicht am entscheidendsten zur Zerstörung der Lebensbedingungen der planetarischen Umwelt beigetragen, denn die Ausrottung des Menschen ist dem neohumanen Charakter des puritanischen Protestantismus immanent, aus dem die Idee des offenkundigen Schicksals geboren wurde. Der digitale Automat ist die Verwirklichung dieses amerikanischen Traums.

Der Schwarm

Im 21. Jahrhundert hat sich das offenkundige Schicksal der USA in die Aufhebung der konjunkturellen Unreinheit verwandelt, in die vollstÀndige Verwirklichung des Projekts der integralen Digitalisierung und der Verbindung des Biologischen mit dem neo-humanen Fluss.

Das Projekt der integralen Automatisierung ist in vollem Gange, aber aufgrund eines ĂŒberraschenden Scherzes (das Schicksal ist zynisch und grausam) werden nicht die Westler_innen in den Genuss kommen (sozusagen).

Wahrscheinlicher ist, dass der Nutznießer dieser verfluchten Bonanza eine Nation sein wird, die sowohl geduldiger als auch weniger individualistisch ist, mit einem Volk, das dazu neigt, wie ein einheitlicher kognitiver Organismus zu agieren, und dessen Vokabular nicht in diesem trĂŒgerischen Wort verankert ist: „Freiheit“.

In der vorkapitalistischen Geschichte entwickelte sich die Technik als strukturierter und funktionaler Modus von Objekten, die vom Menschen gehandhabt wurden. Im Laufe der modernen Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise hat sich die Technik jedoch in einen operativen Rahmen verwandelt, innerhalb dessen der Mensch gezwungen ist zu handeln und den er nicht verlassen darf.

In Anlehnung an Heidegger sieht der chinesische Denker Yuk Hui im Konzept des Gestells oder der „Einrahmung“ den Grundstein fĂŒr diese Transformation, durch die die Technik zu einem SchlĂŒsselakteur bei der Mutation des Menschen zu einem kognitiven Automa wird. Die Technologie schafft Gestalten (strukturierte Formen), innerhalb derer das menschliche Handeln immer mehr vorbestimmt wird, so dass es wie ein Schwarm funktioniert.

Diese technologische Mutation, die ihr Labor in Kalifornien fand und den Westen als Experimentierfeld nutzte, etablierte das „neo-humane“ Modell eines formatierten, kompatiblen und vernetzten Menschen. Die Gesellschaft wird zu einem Schwarm, in dem die Bewegungen der Einzelnen von einem einzigen Gehirn gesteuert werden, von dem die einzelnen Gehirne abhĂ€ngen.

Aber der experimentelle Automat funktioniert im Westen nur teilweise, und zwar aus GrĂŒnden, die mit den kulturellen und kognitiven Besonderheiten des Individuationsprozesses in der westlichen SphĂ€re zusammenhĂ€ngen: Die gemeinsame kognitive Basis, die mit dem Spracherwerb verbunden ist, ist dĂŒnn, und der Widerstand gegen das Schwarmmodell ist groß.

Der Automat scheint im Bereich der ideografischen Sprachen, nÀmlich in China, viel besser zu funktionieren, weil der Individuationsprozess auf einer zweifachen gemeinsamen kognitiven Basis beruht: dem Erlernen der gesprochenen Sprache und der ideografischen Umschrift. Der chinesische Verstand lÀsst sich dank der unterschiedlichen Merkmale des Identifikationsprozesses (Spracherwerb, doppelte neuronale Formung, leichte Anlehnung an das Schwarmmodell) leichter integrieren.

Von der VerwĂŒstung profitieren

Sangihe ist eine der unzĂ€hligen Inseln des indonesischen Archipels. Die Insel war einst die Heimat eines blauen Vogels. Es schien, als wĂ€re der Vogel so gut wie verschwunden, bis man vor kurzem entdeckte, dass er immer noch in den WĂ€ldern herumhĂŒpft. Aber es gibt nicht nur den Sperling, sondern auch einige zehntausend Menschen, die auf der Insel leben. Fischer_innen, Sammler_innen, Handwerker_innen, Lehrpersonen, Student_innen.

Vor einiger Zeit hat ein kanadisches Unternehmen eine Konzession fĂŒr die HĂ€lfte des Untergrunds erhalten, weil vor kurzem Goldvorkommen entdeckt worden waren. Bis vor kurzem verbot das indonesische Gesetz den Abbau im Untergrund der Inseln, aber im letzten Jahr wurde dieses Gesetz auf internationalen Druck hin abgeschafft. Der Abbau ist nun legal und das kanadische Unternehmen, das die Ausbeutungsrechte besitzt, meldet sich, um seine Rechte durchzusetzen.

Diese Geschichte — dokumentiert in einem BBC-Video, das du hier findest — ist keineswegs neu. Das ist schon seit ein paar hundert Jahren so: Weiße Raubtiere kommen an irgendeinen Ort auf der Erde und entdecken, dass sie ein Mineral abbauen können, das fĂŒr die weiße Wirtschaft von Wert ist (vielleicht ein nutzloses Mineral wie Gold, das mit einer immensen religiösen Bedeutung aufgeladen ist, so dass es als Totem dieses aberglĂ€ubischen Glaubens, der als „Wirtschaft“ bekannt ist, betrachtet werden kann). Die weißen Raubtiere zerstören alles, sie unterwerfen die Menschen, die das Gebiet bewohnen, einem unertrĂ€glichen Arbeitstempo und geben ihnen im Gegenzug ein Gehalt, ein Auto, ein Haus mit allem, was zu einer Mausefalle gehört, in der die Angestellten zu wohnen gewohnt sind. Mittlerweile haben sie fast alles zerstört, so dass die Welt zu brennen begonnen hat und mit Sicherheit brennen wird, bis die menschliche Rasse ausgelöscht ist, außer vielleicht ein paar Exemplare, die es schaffen, an Bord von Shuttles ins Weltall zu entkommen, wo sie den Rest ihrer traurigen Tage in KĂ€figen verbringen werden, die im Nichts herumschweben.

Aber einige Inseln des Planeten Erde wurden noch nicht vollstÀndig von den Ausrottern eingenommen, weil sie zu abgelegen sind. Zum Beispiel Sangihe.

Auf die Frage: „Was bringt Ihnen die DurchfĂŒhrung Ihres Projekts“ (Abholzung der WĂ€lder, Bohrungen im Boden, Gewinnung des Erzes, das der wirtschaftliche Aberglaube fĂŒr wertvoll hĂ€lt)? antwortet der glatzköpfige, friedliche Vertreter des Bergbauunternehmens mit einem guten Lachen: „Millionen und Abermillionen von Dollar. Wenn wir voll ausgelastet sind, wollen wir in ein paar Jahren Tausende von Unzen pro Monat fördern.“

Und es wird Arbeit fĂŒr fĂŒnftausend Menschen geben. FĂŒnftausend Menschen werden mit dem Fischen aufhören können, nĂŒtzliche GegenstĂ€nde fĂŒr die Gemeinschaft bauen, studieren und schließlich acht Stunden am Tag ein paar hundert Meter unter die Erde gehen — gegen ein Gehalt, das es ihnen ermöglicht, ein Auto zu haben, ihr Haus durch eine Mausefalle zu ersetzen und so weiter.

Die Geschichte hat mich beeindruckt, denn sie enthĂ€lt in viereinhalb Filmminuten fast alles, was man ĂŒber die Moderne wissen muss. Die Zerstörung von Leben, Genuss, Schönheit, Zuneigung, Freude, Sonnenaufgang, Sonnenuntergang, Essen, Atem, im Austausch fĂŒr ein Auto, ein Gehalt und Lungenkrebs — mit einem Wort: die Wirtschaft.

Nach fĂŒnf Jahrhunderten gibt es immer noch Orte, denen diese westliche „FĂŒrsorge“ nicht auferlegt wurde. WĂ€lder brennen, FlĂŒsse treten ĂŒber die Ufer, Kriege hĂ€ufen sich, Depressionen grassieren, aber irgendwo ist der Fortschritt noch nicht angekommen. Wir mĂŒssen ihn schnell herbeifĂŒhren, bevor die Show zu Ende ist.

Es ist nur noch eine Frage von Jahren. Das Aussterben ist keine ferne Aussicht mehr, sondern ein Thema, das die heutige Generation betrifft, dieselbe, die wegen eines mysteriösen Virus nicht einmal zur Schule gehen kann. Bevor wir von der sich rasant ausbreitenden Apokalypse verschluckt werden, dĂŒrfen wir es nicht versĂ€umen, die armen Bewohnenden von Sangihe mit hineinzuziehen, denn sie sind noch nicht in den Genuss der FrĂŒchte des westlichen Fortschritts gekommen.

Dieser Fortschritt findet in den Vereinigten Staaten von Amerika seine Vorhut und sein Symbol.

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Quelle: Schwarzerpfeil.de