Dezember 31, 2020
Von Liebig34
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*deutsch weiter unten / german below*

We fought. For years we have fought for this house.
The Liebig34 was our life, our refuge, a dangerous island of utopia. Our home.
Now it stands empty, our beautiful house, looks naked, looks sad.
We have given everything. We worked until the last minute to prevent this eviction.
Outside, people have risked so much to resist and attack even in this highly militarized zone.
Yes, many things could have been different, many things could have been better organized and yet, in the end, the success of this struggle is not measured by this eviction!

The Liebig was and is a symbol of anarchism and feminism. It is a symbol of feminism that shits on the aid of the state and screams loudly in its spiteful face.
We are queer and irreconcilable and stand for a feminism that does not make itself comfortable in neoliberal hipster Berlin and does not let itself be printed on glossy magazines.
The Liebig is a place where domination is questioned, where gender coercion is broken up, where people are not judged by their job or financial status.
It is a place of practical solidarity, where people found a room when they did not know where to go. Where people helped each other when things got tight.

With the eviction of Liebig34 the repressive apparatus tries to break us and
intimidate us.
Your huge police force should make us feel that we are a problem again.

But we are not the problem! We, who are fighting for self-determination and from below to shape our lives and our places. We, who try to live our everyday life collectively, away from sexist violence and patriarchal bullshit! Even if they have heavy equipment and storm us with weapons.

We are many! We will be stronger.
Because we have so many things they don‘t have and never dare to dream about. We have utopias for which we fight. friends and allies we stand up for. We have a backbone and a heart.
We know what it is like to look out for each other and to fight together. We have lived collective moments and moments where we have smelled the scent of freedom. No, they will not take away what drives us.

As anarchists, as feminists, as queers and as antifascists, we are in enmity with this capitalist state and its organs of repression.
Therefore we never demand solutions from above, but approaches from below!
We demand thousands of such places like Liebig34.
Places where we can be far away from consumerism, where we can try out a society free from exploitation and oppression.

The city of the rich is reaching out, creeping into every corner of our streets. But in these corners lurks also our resistance, in ambush and unnoticed, but also loud and merciless. Between the chic new buildings lies an utopia, squeezed between concrete. But it is still there. Under the asphalt is still the beach.
We also see the powerlessness and the disgusting feeling of having suffered a defeat. But it is not defeat in the long run. In this city there are so many people who don‘t want to do this shit, who curse capitalism, who hate the cops with all their heart. In this city the situation is coming to a head and various struggles with which we are in solidarity are coming to a point that must lead to confrontation with the state and patriarchy. Renters protests, migrantifa-organizations, mutual help in times of corona-restrictions, worldwide feminist protests with thousands of FLINTA’s – we see you and stand with you. We should get out of the bubble, get into conversation, connect our anger, let our dreams melt together.

We take back the streets. We take the neighborhoods that are more to us than just chic cafés and places of consumption. We need more anger.
We need revenge for Liebig34.

Liebig34 lives! Liebig34 fights!

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Wir haben gekĂ€mpft. Seit Jahren haben wir fĂŒr und um dieses Haus gekĂ€mpft.
Die Liebig34 war unser Leben, unser Zufluchtsort, eine gefÀhrliche Insel der Utopie. Unser zu Hause.
Nun steht es leer, unser wunderschönes Haus, sieht nackt aus, sieht traurig aus.
Wir haben alles gegeben. Bis zur letzten Minute haben wir daran gearbeitet diese RĂ€umung zu verhindern.
Draußen haben Leute so viel riskiert, um selbst in dieser hochmilitarisierten Zone Widerstand zu leisten und anzugreifen.
Ja, vieles hÀtte anders laufen können, vieles hÀtte besser organisiert sein können und dennoch, der Erfolg dieses Kampfes misst sich am Ende nicht an dieser RÀumung!

Die Liebig war und ist ein Symbol fĂŒr Anarchismus und Feminismus. Sie ist ein Symbol fĂŒr einen Feminismus, der auf die Hilfen des Staates scheißt und laut in seine gehĂ€ssige Fresse schreit.
Wir sind queer und unversöhnlich und stehen fĂŒr einen Feminismus, der es sich nicht im neoliberalen Hipsterberlin gemĂŒtlich macht und sich nicht auf Hochglanzmagazine abdrucken lĂ€sst.
Die Liebig ist ein Ort, wo Herrschaft in Frage gestellt wird, wo Geschlechterzwang aufgesprengt wird, wo Leute nicht nach ihrem Job, oder finanziellen Status beurteilt werden.
Sie ist ein Ort der praktischen SolidaritÀt, wo Leute ein Zimmer fanden, wenn sie nicht wussten wo hin. Wo sich unter die Arme gegriffen wird, wenns mal eng wurde.

Mit der RĂ€umung der Liebig34 versucht der Repressionsapparat uns zu brechen und
uns einzuschĂŒchtern.
Ihr riesen Polizeiaufgebot sollte uns mal wieder das GefĂŒhl geben, dass wir ein Problem sind.

Aber wir sind nicht das Problem! Wir, die wir dafĂŒr kĂ€mpfen, selbstbestimmt und von unten unsere Leben und unsere Lebensorte zu gestalten. Wir, die wir versuchen, abseits von sexistischer Gewalt und patriarchaler Gesamtscheisse unsern Lebensalltag kollektiv zu bestreiten! Selbst wenn sie schwere GerĂ€te haben und uns mit Waffen stĂŒrmen.

Wir sind viele! Wir werden stÀrker sein.
Denn wir haben so vieles, was sie nicht haben und niemals wagen davon zu trĂ€umen. Wir haben Utopien fĂŒr die wir kĂ€mpfen. Freund*innen und
VerbĂŒndete fĂŒr die wir einstehen. Wir haben RĂŒckgrat und wir haben ein Herz.
Wir wissen wie es ist, aufeinander aufzupassen und gemeinsam zu kÀmpfen. Wir haben kollektive Momente und Augenblicke gelebt, in denen wir den Duft der Freiheit gerochen haben. Nein, sie werden uns nicht das nehmen, was uns antreibt.

Als Anarchist*innen, als Feminist*innen, als Queers und als Antifaschist*innen sind wir in Feindschaft mit diesem kapitalistischen Staat und seinen Repressionsorganen.
Deshalb fordern wir niemals Lösungen von oben, sondern AnsÀtze von unten!
Wir fordern tausende solcher Orte wie die Liebig34.
Orte, an denen wir fernab von Konsumzwang sein können, an denen wir an einer Gesellschaft schmieden, frei von Ausbeutung und UnterdrĂŒckung.

Die Stadt der Reichen greift um sich, kriecht in alle Ecken unserer Straßen. Aber in diesen Ecken lauert auch unser Widerstand, im Hinterhalt und unbemerkt, aber auch laut und gnadenlos. Zwischen den schicken Neubauten liegt eine Utopie, eingezwĂ€ngt zwischen Beton. Aber sie ist noch da. Unter‘m Asphalt liegt immer noch der Strand.
Wir sehen auch die Ohnmacht und das eklige GefĂŒhl eine Niederlage erlitten zu haben. Aber es ist keine Niederlage auf lange Sicht. In dieser Stadt gibt es so viele Menschen, die keinen Bock auf diese Scheiße haben, die den Kapitalismus verfluchen, die mit ihrem ganzen Herz die Bullen hassen. In dieser Stadt spitzt sich die Lage zu und verschiedene KĂ€mpfe, mit denen wir solidarisch sind, kommen zu einem Punkt, der in Konfrontation mit Staat und Patriarchat mĂŒnden muss. Mieter*innenproteste, Migrantifa-organisierungen, gegenseitige Hilfen in Zeiten von Corona-restriktionen, weltweite feministische Proteste mit tausenden von FLINTA’s – wir sehen euch und stehen mit euch. Wir sollten raus aus der Bubble, ins GesprĂ€ch kommen, unsere Wut verbinden, unsere TrĂ€ume verschmelzen lassen.

Wir nehmen uns die Straßen, die wir selbstbestimmt gestalten wollen. Wir nehmen uns die Kieze, die fĂŒr uns mehr sind, als bloß schicke CafĂ©s und Konsumorte. Wir brauchen mehr Wut in unseren BĂ€uchen.
Wir brauchen Rache fĂŒr die Liebig34.

Liebig34 lebt! Liebig34 kÀmpft!




Quelle: Liebig34.blogsport.de