Mai 11, 2022
Von InfoRiot
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Am Abraham-Geiger-Kolleg in Potsdam soll ein Mitarbeiter Studenten sexuell belÀstigt haben. Es handelt sich um den Ehemann des Rektors Walter Homolka.

GebÀude des Abraham Geiger Kollegs ist rosa gestrichen

BERLIN taz | Der Zentralrat der Juden in Deutschland will eine Anwaltskanzlei beauftragen, VorwĂŒrfe von sexualisierter BelĂ€stigung und Machtmissbrauch am liberalen Abraham-Geiger-Kolleg zu untersuchen. Eine „vorbehaltlose, lĂŒckenlose und völlig unabhĂ€ngige Untersuchung und AufklĂ€rung“ sei zwingend geboten, erklĂ€rte ZentralratsprĂ€sident Josef Schuster. „Es geht hier nicht nur um eine strafrechtliche Dimension der Taten, sondern auch um das moralische Verhalten von FĂŒhrungspersönlichkeiten und Mitarbeitern in jĂŒdischen Einrichtungen sowie den Schutz und die Rechte der Betroffenen.“

Hintergrund ist ein Artikel in der Tageszeitung Welt, wonach ein Mitarbeiter des an die UniversitÀt Potsdam angegliederten Rabbinerseminars einem Studenten ein Video seines erigierten Penis geschickt haben soll. Auch solle es weitere FÀlle von sexueller BelÀstigung und sexuelle Kontakte mit Studierenden gegeben haben.

Die VorwĂŒrfe richten sich gegen Hartmut Bomhoff – den Ehemann von Rabbiner Walter Homolka, der nicht nur Rektor des Kollegs ist, sondern in der JĂŒdischen Gemeinschaft in Deutschland zuletzt viele andere wichtige Positionen bekleidete. So ist er bisher Vorsitzender der Leo Baeck Stiftung, der Union Progressiver Juden und Direktor des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks fĂŒr jĂŒdische Begabtenförderung (Eles). Homolka sitzt außerdem im Kuratorium des Koordinierungsrats der Gesellschaften fĂŒr christlich-jĂŒdische Zusammenarbeit.

Homolka erklĂ€rte in Folge der VorwĂŒrfe, alle seine Aufgaben in der jĂŒdischen Gemeinschaft und an der UniversitĂ€t Potsdam zunĂ€chst ruhen zu lassen. Er selbst rĂ€umte kein Fehlverhalten ein und erklĂ€rte, auf das Verhalten ihm nahestehender Menschen habe er „keinen Einfluss und möchte ihn auch nicht haben“.

Weitreichendes Entsetzen

Das Abraham-Geiger-Kolleg erklĂ€rte, man habe „unmittelbar nach Kenntniserlangung des ersten Vorwurfs“ Ende 2020 Maßnahmen zur AufklĂ€rung ergriffen, den Mitarbeiter abgemahnt und ihm den Lehrauftrag entzogen. Es sei eine unabhĂ€ngige interne Kommis­sion eingesetzt worden, dem betroffenen Studenten sei „ein umfassendes GesprĂ€chsangebot unterbreitet“ worden, das dieser auch angenommen habe. Nach Bekanntwerden eines zweiten Falles im Februar 2022 habe man das ArbeitsverhĂ€ltnis sofort beendet.

Die Allgemeine Rabbinerkonferenz, in der sich die eher liberalen Strömungen des Judentums in Deutschland organisieren, erklĂ€rte ihre „BestĂŒrzung“ ĂŒber die Presseberichte. Sie betonte die große Bedeutung der von Homolka mitinitiierten Institutionen fĂŒr das jĂŒdische Leben in Deutschland und forderte, die Untersuchungen sollten „mit der gebotenen Sachlichkeit und angemessener ZĂŒgigkeit“ vorgenommen werden – bis dahin gelte die Unschuldsvermutung.

„Wir wissen um unsere Verantwortung, Machtmissbrauch und sexualisierte Übergriffe zu verhindern und zu ahnden und nehmen diese Verantwortung sehr ernst“, erklĂ€rte Jo Frank, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks. Man sei seit Erscheinen des Artikels intern in engem Austausch und bitte alle Sti­pen­dia­t*in­nen und Ehemaligen, sich zu melden, sollten sie „unangemessenes Verhalten“ erlebt haben.

Der Zentralrat erklĂ€rte, man sei sich mit dem Abraham-Geiger-Kolleg, der Union Progressiver Juden in Deutschland, der Allgemeinen Rabbinerkonferenz und dem Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk einig, „dass unter keinen UmstĂ€nden bei solchen VorwĂŒrfen weggeschaut werden darf“.

Dass nun eine Anwaltskanzlei eingeschaltet werde, geschehe „in Abstimmung und mit ausdrĂŒcklicher UnterstĂŒtzung“ der genannten Institutionen. Wer mit VorwĂŒrfen konfrontiert sei, mĂŒsse sich verteidigen können, erklĂ€rte ZentralratsprĂ€sident Schuster. „Sollten sich die VorwĂŒrfe jedoch als berechtigt erweisen, wĂ€re ein Verbleib in den bisherigen Ämtern und Positionen und in Zukunft auch an anderen verantwortungsvollen Stellen innerhalb der jĂŒdischen Gemeinschaft in Deutschland ausgeschlossen.“




Quelle: Inforiot.de