November 30, 2021
Von InfoRiot
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Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Asklepios-BeschĂ€ftigte demonstrieren in Potsdam fĂŒr bessere Arbeitsbedingungen (21.10.2021)

Seit April kĂ€mpfen die BeschĂ€ftigten der Asklepios-Fachkliniken in Brandenburg fĂŒr bessere Arbeitsbedingungen und höheren Lohn â€“ nun haben sich die Tarifparteien auf Eckpunkte eines Tarifvertrages geeinigt. Das teilte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi am Sonnabend mit.

»Nach insgesamt acht Verhandlungsrunden gelang heute endlich der Durchbruch«, hieß es in einer gemeinsamen ErklĂ€rung der VerhandlungsfĂŒhrer Daniela Wolarz-Weigel von Asklepios und Ralf Franke von Verdi. Es sei ein »fairer Kompromiss« gefunden worden. Konkret bedeutet die Einigung eine Lohnerhöhung von bis zu 7,5 Prozent sowie verschiedene Zulagen. Außerdem solle noch vor Weihnachten eine steuerfreie CoronaprĂ€mie von bis zu 1.200 Euro ausgezahlt werden.

Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 33 Monaten und soll ab dem 1. Â­April 2022 fĂŒr die rund 1.300 nichtĂ€rztlichen BeschĂ€ftigten gelten. FĂŒr die Ärzte an den drei Standorten Teupitz, LĂŒbben und Brandenburg (Havel) gebe es eine eigenstĂ€ndige Vereinbarung. Erstmals eingefĂŒhrt wird eine allgemeine Zulage fĂŒr PflegekrĂ€fte von monatlich 60 Euro. Zudem ist eine Zulage fĂŒr Wechselschichten vorgesehen, die zu Vertragsbeginn eine Höhe von 110 Euro haben soll. Ab April 2023 soll sie dann auf 155 Euro im Monat angehoben werden.

»Mit der Tarifeinigung erfolgt ein wesentlicher Schritt zur Angleichung an die Tarifentgelte, die den Asklepios-BeschÀftigten in Hamburg und Göttingen gezahlt werden«, betonte Franke. Vom eigentlichen Streikziel, der Angleichung der Löhne in Ost und West, ist man trotzdem noch weit entfernt. Mit der nun erzielten Vereinbarung erhalten die PflegekrÀfte in Brandenburg nur 95 Prozent des monatlichen Tabellenentgeltes in den WestbundeslÀndern.

Der Übereinkunft vorausgegangen war ein harter Arbeitskampf: 18 Tage befanden sich die BeschĂ€ftigten der drei Kliniken im Streik, und die UnternehmensfĂŒhrung zeigte kein Entgegenkommen. Ihnen ging es dabei um weit mehr als nur um Geld â€“ obwohl der Lohnunterschied zu den Kollegen in Hamburg mitunter bis zu 10.600 Euro im Jahr ausmachte. Sie sorgten sich auch um die Zukunft der drei Kliniken; denn bei ihnen fehlt es nach Angaben von BetriebsrĂ€ten an Personal, und die Arbeitsbedingungen verschlechterten sich von Jahr zu Jahr.

Eine Pflegerin erzĂ€hlte am Rande einer Streikdemonstration, in der letzten Zeit habe es eine regelrechte Personalflucht gegeben (siehe jW vom 5. November). Das habe Folgen: In der FrĂŒhschicht mĂŒssten zwei PflegekrĂ€fte 24 Patienten versorgen, in der Nachtschicht sogar allein die Stellung halten. Weil die ServicekrĂ€fte abgeschafft worden seien, mĂŒssten die Krankenschwestern auch Betten machen, das Essen zubereiten und verteilen. Selbst um den GeschirrspĂŒler mĂŒssten sie sich kĂŒmmern.

Allein am Standort Brandenburg (Havel) seien rund 60 Stellen in der Psychiatrie, Neurologie und im Maßregelvollzug nicht besetzt, hieß es von seiten des Betriebsrates. Zwischen April und Juli 2021 seien ĂŒber alle Berufsgruppen hinweg 40 BeschĂ€ftigte gegangen â€“ 15 davon in Rente, die anderen suchten sich woanders eine Stelle. In den nĂ€chsten Jahren dĂŒrfte der Personalmangel noch schlimmer werden, denn viele BeschĂ€ftigte hĂ€tten nur noch wenige Jahre bis zur Rente. »In den nĂ€chsten acht Jahren wird das Unternehmen in Brandenburg an der Havel 40 Prozent seiner Belegschaft altersbedingt verlieren«, sagten die BetriebsrĂ€te.

Der nun gefundene Tarifabschluss lindert zwar einige Probleme, doch eine grundsĂ€tzliche Lösung ist er nicht. Die Asklepios-Kliniken konkurrieren mit anderen HĂ€usern um Personal, die immer noch deutlich bessere Arbeitsbedingungen bieten. So zahlt das StĂ€dtische Klinikum in Brandenburg (Havel) demnach zu 100 Prozent nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD), genauso das Ernst-von-Bergmann-Klinikum in Potsdam. Das Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus zahlt 97,5 Prozent des TVöD. »Warum sollte da jemand zu Asklepios in Brandenburg, LĂŒbben oder Teupitz kommen«, fragte deshalb einer der BetriebsrĂ€te, zumal sie nicht nur weniger Entgelt erhalten, sondern auch noch elf Tage im Jahr mehr arbeiten mĂŒssen.

Nach Angaben der Gewerkschaft hat die Verdi-Tarifkommission die Einigung gebilligt. Nun stehe noch das Votum der jeweiligen Gremien sowie eine Urabstimmung aller Verdi-Mitglieder aus.




Quelle: Inforiot.de