Juli 12, 2021
Von Freie ArbeiterInnen Union (FAU)
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FAU Halle kritisiert verantwortungslosen Umgang in der Pandemie von halleschem Pflegedienst

Nachdem eine Pflegekraft Mitte MĂ€rz nach einem positiven Corona-Schnelltest seitens der halleschen Lebensdank 2.0 GmbH gekĂŒndigt wurde, fand am 02.07.2021 die GĂŒteverhandlung vor dem Arbeitsgericht Halle statt.

Der Pfleger war Mitte MĂ€rz erkrankt, was bei einem positiven Corona-Schnelltest wĂ€hrend der Arbeitszeit bestĂ€tigt wurde. Durch einen weiteren, jedoch unsachgemĂ€ĂŸ durchgefĂŒhrten Schnell-Test seitens einer Mitarbeiterin sollte seine GlaubwĂŒrdigkeit in Frage gestellt werden. Er erhielt die Anweisung weiterzuarbeiten. Dies obwohl seine Aussagen durch einen PCR-Test bestĂ€tigt wurden. Einen Tag spĂ€ter erhielt er die KĂŒndigung und wurde aus sĂ€mtlichen Kommunikationsstrukturen des Unternehmens ausgeschlossen.

Das Unternehmen hatte zunĂ€chst mit Verweis auf die Probezeit gekĂŒndigt, welche jedoch bereits abgelaufen war. Daraufhin erging sich die AnwĂ€ltin des Pflegedienstes wĂ€hrend der Verhandlung in wenig glaubhaften Andeutungen ĂŒber angebliches Fehlverhaten des Angestellten. Etwaige Vergleichsbereitschaft ließ sie vollstĂ€ndig vermissen und so geht der Rechtsstreit in die nĂ€chste Runde.

Die FAU Halle erhebt schwere VorwĂŒrfe gegen das Pflegeunternehmen im Umgang mit der Pandemie: „Der ganze Fall wirft ein erschreckendes Bild auf die Arbeitsbedingungen und den Gesundheitsschutz in einem Unternehmen, in dem ein verantwortungsbewusster Umgang mit den Patientinnen eigentlich an erster Stelle stehen sollte“, so Jay Parker, Sprecherin der Basisgewerkschaft. Und das ist noch nicht alles. So berichtet der Betroffene von regelmĂ€ĂŸigen Ausgrenzungen und ZurĂŒckweisungen, welche er und andere migrantische Kolleginnen erleiden mussten. Nachdem er das Problem der GeschĂ€ftsfĂŒhrerin meldete, ignorierte sie dies und blockierte die Kommunikation.

Probleme mit diesem Pflegedienst sind nicht neu. Bereits 2018 hatten drei Angestellte mit der FAU Halle gesetzlich zustehende NachtzuschlĂ€ge gegenĂŒber dem VorlĂ€uferunternehmen „Lebensdank“ einklagen mĂŒssen. WĂ€hrend dieser Auseinandersetzung fiel die GeschĂ€ftsfĂŒhrung besonders negtativ auf. So ging sie gegen die Meinungsfreiheit vor und versuchte öffentliche Kritik seitens der FAU Halle gerichtlich zu unterbinden, was jedoch scheiterte. Zudem berichteten ehemalige Angestellte von Ermittlungen gegen den Pflegedienst wegen Sozialbetrugs im Gesundheitswesen. Im Anschluss daran wurde seitens der GeschĂ€ftsfĂŒhrerin letztlich das aktuelle Unternernehmen Lebensdank 2.0 gegrĂŒndet. Es scheint jedoch, dass sich an der Unternehmenspraxis nichts geĂ€ndert hat.

Zudem stellte die AnwĂ€ltin des Pflegedienstes die Gewerkschaftseigenschaft der FAU Halle, sowie deren Recht ihre Mitglieder gerichtlich zu vertreten, in Frage. „Das ist nicht das erste Mal, dass angezweifelt wird, dass wir fĂŒr unsere Rechte eintreten dĂŒrfen, obwohl auch Gerichte dies immer wieder festgestellt haben, auch gegenĂŒber der gegnerischen AnwĂ€ltin“, kritisiert Jay Parker, Sprecherin der FAU Halle. „Wir mĂŒssen dies als gewerkschaftlichsfeindlichen Angriff auf unsere Rechte als Arbeiter*innen begreifen, welchen wir auf das SchĂ€rfste verurteilen“.

Am 22. Oktober um 9:45 wird der Kammertermin am Arbeitsgericht Halle stattfinden.




Quelle: Fau.org