August 31, 2021
Von ZĂŒndlumpen
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Dieses Szenario wird Dir prÀsentiert vom Club of Rome und seinen techno-kapitalistischen Philantropenfreunden

Vorwort

UrsprĂŒnglich zur Simulation militĂ€rischer Schlachten und zur Ausbildung von Offizieren entwickelt, hat sich das sogenannte “Planspiel” zu einem ebenso verbreiteten wie mĂ€chtigen Instrument entwickelt, die Umsetzung bestimmter wirtschaftlicher und politischer Agenden auf dem Reißbrett zu planen, bzw. zwischen verschiedenen Akteur*innen mit unterschiedlichen Interessen ein gemeinsames Vorgehen abzustimmen. Es ist eine beinahe ulkige Vorstellung, wie die wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Eliten zum gemeinsamen Spieleabend zusammenkommen und zweifellos ist dies nicht ausschließlich die Form, die man sich darunter tatsĂ€chlich vorzustellen hat. Aber mir geht es hier nicht um die tatsĂ€chlich Form dieser Art von ZusammenkĂŒnften, ĂŒber die ich ohnehin bloß spekulieren kann. Vielmehr geht es mir um eine instrumentelle Beschreibung dessen, was sich in seinen Auswirkungen weltweit konkret erfahren und beobachten lĂ€sst und das sich meines Erachtens nach am besten als ein gigantisches Planspiel rund um die Verwaltung einer globalen Apokalypse, der sogenannten “Globalen ErwĂ€rmung”, beschreiben lĂ€sst. Ein Planspiel, bei dem die Spieler*innen am Spieltisch ihre Macht und ihren Profit sichern mĂŒssen und gleichzeitig die verbleibenden grĂŒnen Oasen der Welt strategisch gĂŒnstig besetzen mĂŒssen, um zu ĂŒberleben.

Jegliche Ähnlichkeit der folgenden ErzĂ€hlung mit der RealitĂ€t ist beabsichtigt und alles andere als ein Zufall.

***

1. Das Szenario

Wir schreiben das Jahr 1968. Den italienischen Industriellen Aurelio Peccei, der von Kraftfahrzeugfirmen ĂŒber Fluggesellschaften bis hin zu Computerherstellern den technologisch bedeutendsten Wirtschaftsbranchen seiner Zeit vorgesessen hatte, plagt ein Anflug von schlechtem Gewissen. Vielleicht ist schlechtes Gewissen das falsche Wort. Vielleicht muss man seinen GemĂŒtszustand eher als einen Anflug der Langeweile ĂŒber die Tristesse seines Alltags in Kombination mit dem verachtenden Bedauern, mit dem Philanthropen auf die Misere der im Elend lebenden herabzusehen pflegen, beschreiben. Bereits frĂŒher war Peccei von einem solchen GemĂŒtszustand heimgesucht worden: 1958 hatte er aus einem eben solchen GemĂŒtszustand heraus das Consultingunternehmen Italconsult gegrĂŒndet, das durch wirtschaftliche und ingenieurwissenschaftliche Beratung die “Probleme der Dritten Welt” angehen sollte, ganz so, als wĂŒrden diese von den Menschen dort verursacht werden. Aber Peccei hatte dazugelernt. Das zynische, neokoloniale Konzept der “Hilfe zur Selbsthilfe”, es funktionierte einfach nicht. Alles musste man selber machen! Also wĂŒrde er sich der “Probleme der Menschheit” – Umweltzerstörung, Armut, endemische schlechte Gesundheit, die Verschandelung der StĂ€dte und KriminalitĂ€t – annehmen. Aber nicht voneinander isoliert, sondern als ein verallgemeinertes “Meta-Problem”, der „problematic“. Und diese “problematic”, die sah Peccei freilich nicht im Kapitalismus, nicht im Industrialismus, nicht in der Zivilisation begrĂŒndet. Nein, das Problem lautete, wie der von ihm zu diesem Zweck gegrĂŒndete Club of Rome rund vier Jahre spĂ€ter proklamieren wĂŒrde: “Die Grenzen des Wachstums.”

Kaum jemals hat eine ihrem gesamten Wesen nach so banale Studie so viel Beachtung gefunden wie die “Grenzen des Wachstums” des Club of Rome. Kurz zusammengefasst – und man muss kein*e Wissenschaftler*in sein, um das genau so vorherzusehen – sagt die Studie, dass das permanente ökonomische Wachstum, auf das sich der Kapitalismus damals wie heute eingestellt hatte, nicht endlos so weitergehen könne. Schockieren konnte und kann das damals wie heute eigentlich nur eine bestimmte Art von Zeitgenossen: Industrielle wie Peccei. Und doch: Die Studie geht durch die (westliche) Welt, als wĂŒrde sie irgendetwas bahnbrechendes erzĂ€hlen. Ob es das aufwendige Marketing des Club of Rome ist, das ihr zu dieser PopularitĂ€t verhilft oder die zu diesem Zeitpunkt bereits eingesetzte mediale Verblödung, deren erste Opfer offensichtlich die Medienmacher*innen selbst gewesen sein mĂŒssen. Vielleicht ist es auch einfach eine Modeerscheinung der Zeit. Wenige Jahre zuvor hatte etwa Edward Norton Lorenz mediale Aufmerksamkeit mit dem sogenannten Butterfly Effect erregt. Auslöser des Ganzen damals: Weil ein von Lorenz verwendeter Computer mit dem von ihm verwendeten meteorologischen Modell völlig falsche Aussagen liefert, stellt Lorenz sich die fĂŒr den wissenschaftlichen Laien absurde Frage, ob denn der FlĂŒgelschlag eines Schmetterlings, bzw. der einer Möwe nicht vielleicht einen Tornado auslösen könnte und kommt zu einem ĂŒberraschenden Ergebnis, das außerhalb einer streng wissenschaftlichen Sicht unverstĂ€ndlich bleibt: Ja. Was Lorenz “Entdeckung” und die Studie des Club of Rome gemeinsam haben: Auch der Club of Rome verwendet ein Computermodell. Das komplexeste seiner Zeit und wohl eines der bis dahin bedeutendsten kybernetischen Modelle weltweit. Es trĂ€gt den Namen “World3”, also “Welt3”, und nutzt ganze 5 (!!!) Variablen, um das Ende der Welt so prĂ€zise wie es nur der Wissenschaft möglich sein kann, vorherzusagen. Damals wird der Zeitpunkt der Apokalypse fĂŒr ungefĂ€hr das Jahr 2072, also – rein zufĂ€llig, wie man sieht – fĂŒr in damals, wir befinden uns im Jahre 1972, ziemlich genau 100 Jahren vorhergesagt.1

Der Klimawandel ist damals noch nicht Teil der “The Limits of Growth”-Hysterie. Aber “The Limits of Growth” sind ein Meilenstein in der Betrachtung von globalen Prozessen, die von der industriellen Produktion in Gang gesetzt wurden aus einer Perspektive der Industriellen und ihrer Hofnarren, der Wissenschaftler*innen. Denn wĂ€hrend die Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzungen durch Kraftwerke, das Roden von WĂ€ldern, die VerwĂŒstung von Böden durch petrochemische Landwirtschaft und die Verseuchung ganzer Regionen durch nukleare “UnfĂ€lle” und Kriege auf eine einfache, aber im Widerspruch zu den Interessen der Industriellen stehende Art und Weise gelöst werden können, nĂ€mlich einfach damit aufzuhören, eröffnet die vernetzte Betrachtung, das kybernetische Modell, das nicht die Ursachen, sondern bloß die Folgen betrachtet, einen ganz neuen Ansatz der Lösungsfindung: Von nun an wird es Sache der Staaten und multinationalen Konzerne sein, die Apokalypse zu vermeiden. FĂŒr diese Art von “Problem” ist ein zentrales Krisenmanagement unabdingbar. Und selbst die industriellen Hofnarren gehen dabei nicht leer aus. Denn es wird ihre Expertise sein, die fortan gefragt sein wird. Was immer sie an Lösungen anbieten, welche Fristen sie auch immer setzen werden, man wird sich nach ihnen richten mĂŒssen. Denn wen könnte man sonst in einer derart “komplizierten” Angelegenheit um Rat bitten? Außer vielleicht 


Richtig: Den Computer. Dieses unfehlbare Orakel, das selbst die Wissenschaftler*innen selbst befragen, man könnte doch 


Nun ja, vorerst jedenfalls nicht. Noch sind es die Routinen und Algorithmen der Wissenschaftler, die der Computer einliest. Manchmal sogar noch von Lochkarten. Noch gibt es keine evolutionĂ€ren Algorithmen, kein Machine Learning und selbst von Big Data kann man kaum sprechen – Auch wenn IBMs-Lochkartensysteme zur bĂŒrokratischen Verwaltung des Holocaust wohl als ein erstes Experiment in diese Richtung betrachtet werden kann. Man ist ja schon froh, wenn der Computer 1,0 und 1,0 richtig zusammenzĂ€hlen kann. Denn wenn nicht 
 Nun, der Butterfly-Effekt, den Lorenz beobachtete, singt ein Lied davon 


Trotz der gigantischen medialen Aufmerksamkeit, die dem Club of Rome von Anfang an sicher war, braucht es etwas Zeit, bis sich ihre Ideen festigen. Wir haben es hier immerhin mit einem Ă€ußert progressiven FlĂŒgel an Industriellen zu tun, deren Ideen bei der konservativen Mehrheit nicht gerade FreudensprĂŒnge auslösen. Und der heutige Schlag an Philantropen, der dieses Projekt fortfĂŒhren wird, muss ĂŒberhaupt erst geboren werden. Bill Gates etwa grĂŒndet Microsoft erst im Jahre 1975/76 und noch grĂ¶ĂŸere Spinner*innen mit gewissermaßen auch noch abgefahreneren Agenden, wie Elon Musc oder Jeff Bezos sind gerade erst aus dem Mutterleib gekrochen.

Anstatt auf BĂŒndnisse mit dem konservativen FlĂŒgel des Kapitals zu setzen war es schon aufgrund des Narrativs einer Bedrohung der Menschheit ohnehin naheliegender, sich auf den Aufbau einer populĂ€ren Bewegung zu fokussieren. Was war da naheliegender als die damals aufkommenden Umweltbewegungen fĂŒr sich einzunehmen. Das war kein neues Konzept. Die GrĂŒndung der bis heute bestehenden Umweltorganisation “Friends of the Earth” etwa wurde ebenfalls um diese Zeit herum, 1969, von dem Inhaber der Atlantic Richfield Oil Company finanziert. Dass das Ehepaar Meadows, das an der Veröffentlichung von “Limits of Growth” maßgeblich beteiligt war, selbst bereits in der studentischen Umweltbewegung aktiv war, war da sicherlich mehr als praktisch. Die unter anderem von der Volkswagenstiftung, also jenen Akteur*innen, die hauptsĂ€chlich mitverantwortlich fĂŒr Umweltzerstörung zeichneten, finanzierte Studie lancierte, wenngleich sich oft nicht direkt auf sie bezogen wurde, zu einem maßgeblichen Bezugspunkt zahlreicher Umweltbewegungen in den USA und Europa.

Und doch richtete sich eine Kernaussage von “Limits of Growth” an niemand anderen, als an das Kapital selbst. Ab dem Jahr 2008, nachdem sie ihren Höhepunkt erreicht hĂ€tte, wĂŒrde die Industrieproduktion pro Kopf dramatisch einbrechen, prophezeiten die frisch gekĂŒhrten Weltuntergangsprophet*innen, und sich dann in den folgenden Jahrzehnten auf einem Niveau, das unter dem vom Ende des 19. Jahrhunderts liegen wĂŒrde, einpendeln. Von Industriellen und ihren Hofnarren ins Leben gerufen, scheint diese Prognose die eigentliche Bedrohung fĂŒr den Club of Rome auszumachen. Aber wer, der Ausgebeuteten dieser Welt wĂŒrde sich fĂŒr die Belange ihrer Ausbeuter*innen interessieren? Es gilt also die Interessen der Industriellen mit denen der gesamten Erdbevölkerung gleichzusetzen. Dass fĂŒr das Jahr 2020 ein Zusammenbruch der Nahrungsproduktion prophezeit wird ist dabei ein erster Schritt, aber es wird nicht genug sein. 1991 veröffentlicht der Club of Rome-MitbegrĂŒnder Alexander King ein Buch, das einerseits Aufschluss ĂŒber die Agenda dieses grĂŒnen FlĂŒgels des Kapitals gibt und andererseits versucht, die Probleme einer techno-industriellen Zivilisation nicht auf deren zentrale Akteur*innen, sondern auf die Menschheit selbst zurĂŒckzufĂŒhren. Und er bringt schon im Titel einen Gedanken ins Spiel, von dem wir im letzten Jahr nur allzu viel gehört haben. Der Titel seines Buches lautet: The First Global Revolution. Doch seine Revolution besteht nicht etwa darin, die Verursacher*innen seiner “Problematique”, ihn eingeschlossen, zu enthaupten, wie das so viele Revolutionen der Geschichte mal mehr, mal weniger verstĂ€ndlicherweise mit sich brachten, sondern wie alle Herrschenden, die von Revolution sprechen versteht er darunter die Einrichtung eines globalen und totalitĂ€ren Kontrollapparats unter Leitung von – na von wem wohl 
 Dabei versteht King diesen Prozess durchaus auch als eine sozial-kulturelle Bewegung, die die Regierungen dieser Welt dazu zwingt, “grĂŒnere” Umweltpolitiken zu verfolgen und allzu große soziale Ungleichheiten, die immer auch ein bedrohliches aufstĂ€ndisches Potenzial bergen, aufzuheben.

Ich denke man muss verstehen, dass es sich bei dem was King und der Club of Rome hier skizzieren um ein Programm des “grĂŒnen”, linken FlĂŒgels des Kapitals handelt, dass sie ganz bewusst in den Aufbau einer sozialen Bewegung investieren, die sich ihre wissenschaftlichen Analysen zum Ausgangspunkt wĂ€hlt, und dass die heutige Klimabewegung, die zweifelslos in der Tradition dessen steht ebenso wie das derzeit akute Projekt des “Great Resets”, der von Vertreter*innen des World Economic Forum propagiert wird, zumindest in enger Tradition dieses Ansatzes stehen.

Als King 1992 sein Buch veröffentlicht, kommt darin auch die globale ErderwĂ€rmung, auf die sich heute unter anderem als Klimawandel bezogen wird, zur Sprache, die, ursprĂŒnglich hervorgehend aus der Erforschung der Auswirkungen nuklearer Waffen, eigentlich erst seit den 1980ern politische Relevanz entwickelte, als die unter anderem von der NASA, also einer US-MilitĂ€rorganisation betriebene Forschung zunehmend zu dem Ergebnis kam, dass der “Klimawandel” katastrophale, d.h. in diesem Kontext vor allem die Vormachtstellung der USA und der westlichen Welt im Allgemeinen bedrohende, Konsequenzen haben könnte. Das Narrativ des Klimawandels erinnert dabei stark an das von King aufgebaute Szenario: Wir alle sitzen im gleichen Boot, weltweit und ĂŒber die Grenzen von sozialen Klassen hinweg und wir alle seien als Teil dieser Gesellschaft gleichermaßen mitverantwortlich fĂŒr diese Katastrophe. Ein Narrativ, das so freilich nicht haltbar ist, deshalb entwickelt sich schnell eine bestimmte EinschrĂ€nkung: Wir Konsument*innen (egal ob arm oder reich) der westlichen Welt sind vor allem verantwortlich, wĂ€hrend der globale SĂŒden etwa zwar von einer individuellen Schuld entlastet wird, aber wen kĂŒmmert das schon und vor allem was soll das bedeuten? Nachdem in den 90er Jahren eine staatliche Klimakonferenz die nĂ€chste jagt, Abkommen zwischen Staaten geschlossen werden und schließlich 1997 im sogenannten Kyoto-Protokoll ein Zertifikate-System fĂŒr Treibhausgasemissionen entwickelt wird, bei dem das Recht zur Emission von Treibhausgasen durch Unternehmen gegen Geld erworben werden kann, geht erst einmal alles weiter wie gehabt. Sowieso soll das Ganze ja erst im Jahr 2005 in Kraft treten und ĂŒberhaupt lassen sich die Treibstoffemissionen der Wirtschaft nicht einfach herunterfahren ohne in eine Wirtschaftskrise zu geraten. Stattdessen werden der bĂŒrgerlichen Mittelschicht und der armen Bevölkerung in westlichen LĂ€ndern in den folgenden Jahren von Medien, Politik, Klimaschutzbewegung und eben jenem elitĂ€ren linken FlĂŒgel des Kapitals erst einmal gehörig das Gehirn gewaschen. Wer erinnert sich nicht an die unzĂ€hligen und in der Regel auch ziemlich idiotischen Tipps, wie man im eigenen Haushalt Strom und Energie und damit Treibhausgasemissionen sparen könne. Vom Schließen des KĂŒhlschranks bis hin zum Löschen des Lichts, wenn man es gerade nicht braucht ist wirklich alles dabei und eine energiesparfanatische bĂŒrgerliche Mittelschicht, die fortan darin aufgeht, ihren MĂŒll zu trennen, Strom und Heizungsenergie zu sparen, die GRÜNEN zu wĂ€hlen und sich moralisch erhaben zu fĂŒhlen dominiert sĂ€mtliche Diskurse um KlimaerwĂ€rmung. SpĂ€ter wird jene Schicht dazu ĂŒbergehen, im Biomarkt einzukaufen, PlastiktĂŒten durch PapiertĂŒten zu ersetzen und sich neue, angeblich klimaschonende Elektroautos anzuschaffen, wĂ€hrend sie fĂŒr Porto, Bahnfahrten und FlĂŒge gerne ein paar Cent oder auch einmal ein paar Euro mehr bezahlen, damit die dabei verursachten Treibhausgasemissionen auf den Wert Null gerechnet werden. “Klimaneutral” wird das dann genannt werden. Alles ganz im Sinne des Club of Rome. Man tut eben was man kann und da ist einem auch das “sauer” verdiente Geld nicht zu schade.

Und wĂ€hrend in den Privathaushalten in der Folgezeit leidenschaftlich und mal mehr, mal weniger Strom gespart wird, verdienen Industrieunternehmen eine Zeit lang Geld damit, nachts ihre GebĂ€ude und ParkplĂ€tze zu erleuchten, weil die Kohle- und Atomkraftwerke der Energieunternehmen des Nachts nicht einfach so gedrosselt werden können und Energiegroßabnehmer*innen so teilweise Geld bezahlt wird, dafĂŒr, dass sie die zur VerfĂŒgung gestellte Energie verbrauchen. Als Regierungen in Europa irgendwann damit beginnen, ihre Vereinbarung von Kyoto tatsĂ€chlich in Angriff zu nehmen, da verdienen Energieunternehmen beispielsweise in Deutschland Geld damit, sich ihr Recht auf Umweltverschmutzung einzuklagen oder wenigstens Abfindungen fĂŒr das Unterlassen zu kassieren, wĂ€hrend sie sich den Ausbau sogenannter erneuerbarer Energiequellen ebenfalls großzĂŒgig staatlich subventionieren lassen. Die mittlerweile wieder wachsende Klimaschutzbewegung beschrĂ€nkt sich unterdessen darauf zu drĂ€ngen, dass bereits getroffene, interstaatliche Vereinbarungen eingehalten werden und fungiert ansonsten vorrangig als Lobbyorganisation fĂŒr die Hersteller*innen von Photovoltaik-, Windkraft- und Wasserkraftwerken und beschert spĂ€ter auch dem einen oder anderen Bonzen-Hersteller von E-Autos ein gutes GeschĂ€ft. Was tut man nicht alles fĂŒr eine “weiße Weste” und ein reines Gewissen?

2. Die Mission

WĂ€hrend eine weitestegehend bĂŒrgerliche Klimaschutzbewegung noch immer die SpĂ€tfolgen ihrer GehirnwĂ€sche Ende der 90er und zu Beginn der 2000er auskuriert, kann man leider nicht behaupten, dass sich die Staaten auf ihren leeren Versprechungen aus den 90er Jahren ausgeruht hĂ€tten. Ihre seitdem angestoßenen Forschungsprojekte, die oft unter militĂ€rischer Leitung durchgefĂŒhrt wurden, bestanden darin herauszufinden, welche sozialen, ökonomischen und politischen Konsequenzen die zunehmende Unbewohnbarkeit – Überflutung und Desertation sind dabei die wohl hĂ€ufigsten Ursachen – der oft dicht besiedelten Landstriche hĂ€tten und wie man in einem nie zuvor dagewesenen, globalen Ausmaß an Hungersnöten, Völkerwanderungen, Kriegen und Revolten Herr der Lage bleiben könne. Schon zu Beginn der 2000er Jahre wurde in Europa dafĂŒr ein Konzept entwickelt, das heute mitunter als “Festung Europa” beschrieben wird und dessen tödliche Auswirkungen bereits heute an den im Mittelmeer ertrinkenden, in Lagern vor oder hinter den EU-Grenzen vegetierenden und verreckenden Menschen demonstriert werden. Im Jahr 2004 wird die dafĂŒr verantwortliche “Grenzagentur” FRONTEX gegrĂŒndet. Von Anfang an spielt die “Abwehr” von FlĂŒchtlingsströmen in Folge von “Umweltkatastrophen” und speziell des “Klimawandels” eine bedeutende Rolle fĂŒr FRONTEX, wobei mit großem Aufwand daran geforscht wird, die Entwicklung solcher Tendenzen vorherzusagen, zu ĂŒberwachen und durch BĂŒndnisse mit weit entfernten außereuropĂ€ischen Staaten, die FlĂŒchtlingsströme nach Europa frĂŒhzeitig durch Internierung der FlĂŒchtenden unterbinden sollen, ebenso wie durch die Internierung dennoch ankommender FlĂŒchtender in Lagern vor und innerhalb der EU-Außengrenzen zu kontrollieren. Was selbstverstĂ€ndlich in keinem Gesetz, keiner Verordnung und keiner Leitlinie steht, aber dennoch – und das wenig ĂŒberraschend – gĂ€ngige Praxis ist, sind das als “Pushback” euphemisierte vom Boot treten und im Mittelmeer ertrinken lassen oder, wie jĂŒngst wieder kurz bildmĂ€chtig durch die Medien spukte, um dann nach wenigen Tagen vergessen zu werden, das ins Meer zurĂŒcktreiben von FlĂŒchtenden, sowie die institutionalisierte Unterlassung/Verhinderung von Seenotrettung kenternder FlĂŒchtlingsschiffe und -boote und andere Praktiken des organisierten Massenmordes. Dabei erfĂ€hrt die Grenzschutztechnologie an den Außengrenzen Europas eine gigantische technologische AufrĂŒstung. Von DrohnenĂŒberwachungsflĂŒgen ĂŒber den GrĂŒnen Grenzen bis hin zur Errichtung von Infrarot- und VideoĂŒberwachten GrenzzĂ€unen, aber auch biometrische Erkennungstechnologien, die dazu dienen sollen, wiederholte Einreiseversuche unter unterschiedlichen “Legenden” zu unterbinden, wird von FRONTEX und Co. eine neue Art von Überwachungstechnologie erprobt, deren Einsatz keineswegs auf die Grenzen selbst beschrĂ€nkt bleibt und die sich nach Belieben gegen jede Klasse von Bevölkerung richten lĂ€sst. Besonders hervorzuheben ist hier vor allem auch die Rolle biotechnologischer Forschung, etwa die Tendenz gigantische DNA-Datenbanken aufzubauen um damit unter anderem auch Angaben zur Herkunft von FlĂŒchtlingen durch entsprechende DNA-Analysen (eine moderne Form der biologistischen Rassenlehre) zu ĂŒberprĂŒfen.

Auch fĂŒr die USA und Kanada ist die klimaverĂ€nderungsbedingte Flucht ein Anlass, Migrations- und Sicherheitsstrategien gegen die erwarteten FlĂŒchtlingsströme zu entwickeln. Obwohl die Trump-Administration der vergangenen vier Jahre dazu ĂŒbergegangen war, den Klimawandel zu leugnen, kann die Errichtung eines High-Tech Grenzzaunes an der Grenze nach Mexiko durchaus als KontinuitĂ€t einer solchen Abschottungspolitik verstanden werden, die wie jede solche Politik, auch die in Europa, selbstverstĂ€ndlich vor allem in ihren rassistischen Implikationen fortlebt und sich ĂŒber die rassistischen Agenden ihrer BefĂŒrworter*innen sehr hĂ€ufig verselbststĂ€ndigt. Aber auch nachdem Trumps Nachfolger Biden die Migration aus Mexiko vorerst wieder ermöglichte – zumindest in Teilen –, bestand sein dringlichstes und vorrangigstes Anliegen bei der Wiederaufnahme einer “Klimapolitik” darin, seine Geheimdienste anzuweisen einen “Bericht ĂŒber die Sicherheitsauswirkungen des Klimawandels” anzufertigen. Er kehrt damit zur US-Politik der PrĂ€-Trump-Ära zurĂŒck, als den RatschlĂ€gen von Wirtschaft und ihrer Wissenschaft folgend US-MilitĂ€r und Geheimdienste daran arbeiteten, nicht nur die Rohstoffversorgung der USA in einer Periode der klimainduzierten “Unsicherheit” zu gewĂ€hrleisten, sondern vor allem, zu bestimmen, welche Orte dieser Welt im Szenario einer klimainduzierten globalen Katastrophe von strategischer Bedeutung wĂ€ren und wie die Kontrolle ĂŒber diese möglichst bereits im Voraus erlangt werden könnte.

Wie ernst imperialistische Staaten weltweit die erwarteten Konflikte im Zuge einer klimainduzierten Unbewohnbarkeit weiter Teile der ErdoberflĂ€che nehmen, das lĂ€sst sich kaum irgendwo besser erkennen, als daran, dass die jĂ€hrlichen RĂŒstungsausgaben weltweit ab den 2000er Jahren trotz dem Ende des Kalten Krieges und diverser “AbrĂŒstungsvertrĂ€ge” bis zu den 2010er Jahren um beinahe 50% angestiegen sind. Dabei erlebt die MilitĂ€rstrategie, so unterschiedlich sie in den verschiedenen Regionen der Welt auch aussieht, einen Wandel. MilitĂ€risch-wissenschaftliche Forschung an Massenvernichtungswaffen beschĂ€ftigt sich zunehmend damit, wie die “Infrastruktur” bei ihrem Einsatz intakt bleiben kann. Die Menschen einer Stadt oder eines ganzen Landstriches vernichten, dabei aber Straßen, GebĂ€ude, usw. erhalten, das ist die Devise. Gleichzeitig scheinen sich die Einsatzszenarien fĂŒr die das MilitĂ€r trainiert und in deren spezifische Kriegstechnologie der MilitĂ€retat investiert wird, zu verĂ€ndern. Sind es nur die Erfahrungen aus den “VerteidigungseinsĂ€tzen” am Hindukusch, bei denen klassische Gefechtstrategien an den Guerillastrategien ihrer Feind*innen scheiterten, die die Armeen weltweit fĂŒr Konflikte in urbanen und besiedelten Gebieten trainieren lassen oder steckt dahinter vielmehr die allgemeine Erwartung eines BĂŒrgerkriegsszenarios in der Zukunft? MilitĂ€rische Strategiepapiere und sicherheitspolitische Konferenzen gehen jedenfalls seit Jahrzehnten von einer ab dem Jahr 2020, nicht (ganz) zufĂ€llig dem Jahr ab dem laut ursprĂŒnglicher Fassung von Limits of Growth die Nahrungsmittelproduktion und der wirtschaftliche Dienstleistungssektor zusammenbrechen könnten, zunehmend bröckelnden globalen Sicherheitslage aus und plĂ€dieren dafĂŒr, sich militĂ€risch auf bĂŒrgerkriegsartige Konflikte einzustellen.

Das passt auch zum Ausbau der Überwachungs- und Kontrollinfrastruktur der letzten Jahre in StĂ€dten weltweit. TatsĂ€chlich sind es oft militĂ€rische Strategien, die im Kampf gegen GuerillakĂ€mpfer*innen entwickelt wurden, die als Vorbild fĂŒr die moderne Polizeiarbeit dienten und einst der militĂ€rischen Intervention vorbehaltene Technologien werden – bereinigt um die ein oder andere allzu abartige Schweinerei – zunehmend “demokratisiert” und zu wichtigen Werkzeugen der tĂ€glichen Polizeiarbeit. Alleine in Deutschland wurde das polizeiliche Arsenal in den letzten Jahrzehnten um zahlreiche Waffen der AufstandsbekĂ€mpfung erweitert. Terrorabwehr, sagen Politiker*innen, Medien und ihre Freund*innen. Den Terror bekĂ€mpft man bekanntlich auch am Hindukusch und anderswo in der Welt, wo die tarnfarbentragenden Kolleg*innen der Polizei im Namen der Terrorabwehr morden. In den deutschen StĂ€dten, ebenso wie in den meisten StĂ€dten Europas nahm im Namen der Terrorabwehr in den letzten Jahren die VideoĂŒberwachung öffentlicher PlĂ€tze zu, es wurden vielerorts auch die letzten verbleibenden dunklen Ecken der StĂ€dte ausgeleuchtet, Kennzeichenerfassungssysteme erfassen, wer mit seinem Auto die Straße lang fĂ€hrt, Kameras zeichnen auf, wer die öffentlichen Verkehrsmittel nutzt und eine große VarietĂ€t an smarter Technologie schickt sich unterdessen an, ein Paar sehender Glasaugen in jeden bisher toten Winkel der StĂ€dte zu bringen. Terroristen haben es da schwer, jubelt die Presse. Doch wer noch ein FĂŒnkchen Verstand in seinem Hirn schlummern hat, die*der mag bereits ahnen, dass man selbst der*die Terrorist*in der nahen Zukunft sein wird, wenn man es nicht bereits ist.

Denn in einer Welt, in der die westlichen Demokratien und die darin subtiler funktionierenden Herrschaftsmechanismen nicht mehr auf dem RĂŒcken einer weitaus weniger subtil funktionierenden, kolonialen Herrschaft und Ausbeutung getragen werden, wird auch die bestehende Illusion einer Interessensgleichheit der hiesigen Arbeiter*innen mit ihren Bossen zu bröckeln beginnen. Terrorist*in ist in diesem Szenario nicht mehr nur die*derjenige, deren*dessen Hass – manchmal durch eine religiöse Ideologie kanalisiert, manchmal nicht – sich gegen die Mitglieder der (vermeintlichen) Interessensgemeinschaft richtet, die ihn*sie und alle um ihn*sie herum unterwerfen, sondern auch die*derjenige, die*der diese Interessensgemeinschaft aufkĂŒndigt, um sich selbst gegen die einstigen VerbĂŒndeten zu wenden. Oder anders ausgedrĂŒckt: Terrorist*in ist in einem Szenario der politischen, sozialen, ökonomischen und ökologischen InstabilitĂ€t jede*r, die*der den PlĂ€nen der Herrschenden in die Quere kommt. Wenn wir unseren Blick ĂŒber den Tellerrand hinausschweifen lassen, so finden wir in dem, was in China als Social Scoring etabliert wurde, der westlichen Welt jedoch nicht so fremd ist, wie es aufgrund der allzu tiefgreifenden HirnwĂ€sche durch die Medien vielleicht scheinen mag, die allgemeine Tendenz dieser Entwicklung: Ein totalitĂ€res kybernetisches System der Kontrolle durch Belohnung und Disziplinierung, dessen Zweck es ist, zu gewĂ€hrleisten, dass sich alle Menschen genau so verhalten, wie das die Herrschenden gerne hĂ€tten. Das ideale Werkzeug also, um die PlĂ€ne eines zentralen Krisenmanagements des Klimawandels Wirklichkeit werden zu lassen.

3. Das Spiel hat lÀngst begonnen 


So in der Art scheinen das jedenfalls diejenigen zu sehen, die sich derzeit fĂŒr einen “Great Reset” stark machen. Wer hĂ€tte je gedacht, dass eines der vermutlich neoliberalsten Elitentreffen dieser Welt eines Tages entscheiden wĂŒrde, in China nicht mehr nur einen gĂŒnstigen Produktionsstandort und einen ergiebigen Rohstofflieferanten zu sehen, sondern sich zunehmend auch fĂŒr dessen Organisationsmodelle der Gesellschaft erwĂ€rmen wĂŒrde? Aber es ist wahr. FĂŒhrende Köpfe des World Economic Forums, palavern im Zusammenhang mit der “Great Reset-Initiative” des WEF immer hĂ€ufiger davon, dass das “chinesische Modell” dem gescheiterten “westlichen Modell” ĂŒberlegen sei. Man braucht sich freilich keine Illusionen zu machen. Dank Smartphones, Smart-Homes, Smart-Cities, sozialen Netzwerken und jeder anderen smarten Technologie, die sich die BĂŒrger*innen der “westlichen Welt” in den vergangenen Jahren mehr als bereitwillig selbst angeschafft und finanziert haben, sind alle wesentlichen Aspekte eines Sozialkredit-Systems und eines Systems der kybernetischen sozialen Kontrolle lĂ€ngst vorhanden. Einzig die relative Fragmentiertheit und Uneinheitlichkeit unzĂ€hliger partieller Systeme und die algorithmische Hoheit, die hier nicht beim Zentralkommitee der Kommunistischen Partei liegt, sondern auf einige Tech-Unternehmen verteilt ist, unterscheidet den einen Ansatz vom anderen. Es erschließt sich vor dem Hintergrund global auftretender Zerfallserscheinungen der bisherigen Ordnung selbstverstĂ€ndlich auch, warum dem WEF und anderen Akteur*innen derzeit so viel daran gelegen ist, diesen Unterschied aufzuheben: Ihre Macht bröckelt – und wo immer die Macht von Herrscher*innen bedroht ist, werden die relativen Freiheiten ihrer Untertanen in einer Art von Ausnahmezustand aufgehoben in dem Versuch alles und jeden zu kontrollieren. Und im Falle der in Tradition der Apokalypsen des Club of Rome stehenden, drohenden globalen Klimakatastrophe samt ihrer sozialen Auswirkungen ist freilich nichts weniger genug, als die gesamte Welt bis ins letzte Detail zu kontrollieren.

PlĂ€ne, Visionen und erwartete Szenarien einer gewissen Klasse an Technokraten und Kapitalisten reichen von einer möglichst immer weiter gesteigerten Innovationskraft, in die die letzten Ressourcen dieses Planeten investiert werden sollen, in der Hoffnung so bis zu einem möglichen Kollaps technologische Möglichkeiten der Umkehrung gefunden zu haben, bis hin zu FluchtplĂ€nen auf den Mars. Die Szenarien des sozialen Zusammenbruchs sehen eigentlich durchweg einen globalen BĂŒrgerkrieg vor, in dem nur mehr wenige, grĂŒne Regionen dieser Welt unter totalitĂ€re Kontrolle gebracht werden sollen, wĂ€hrend man sich die verbleibenden WĂŒstenregionen etwa wie die Kriegsgebiete in Syrien, oder im Kongo vorstellen kann, in denen die Produktion unter stĂ€ndig wechselnden Machthabern weiterlĂ€uft, wĂ€hrend Milizen um die Vorherrschaft kĂ€mpfen, dabei Genozide an der Bevölkerung begehen und diese versklaven und die in den verbleibenden grĂŒnen Oasen dieser Welt sitzenden Herrscher*innen dieser Welt mit allen Parteien handeln und Rohstoffe wie Waren gegen jene Waffen tauschen, mit denen die Menschen massakriert werden.

Die jetzige Übergangsphase, in der die Zerfallserscheinungen immer offensichtlicher werden und hier und dort in Form von sozialen und ökonomischen ZusammenbrĂŒchen offenbar werden, ist die kritische Phase, in der es darauf ankommt, die Bevölkerung ruhigzustellen. Denn eine Verwaltung des Zusammenbruchs und eine Sicherung der eigenen MachtansprĂŒche kann nur dann gelingen, wenn es nicht zu massenhaften Revolten kommt – oder zumindest nicht zu Revolten in den Metropolen der Macht oder zu solchen, die ihre Rohstoffversorgung ernsthaft gefĂ€hrden.

Vor diesem Hintergrund kann die noch immer anhaltende Periode des pandemisch legitimierten globalen Ausnahmezustands inklusive Lockdowns, Ausgangssperren, Versammlungsverbote, EinschrĂ€nkungen der Bewegungsfreiheit, Grenzschließungen, MilitĂ€rposten inmitten europĂ€ischer StĂ€dte, usw. usw., vielleicht als eine Art von Blaupause fĂŒr die kommenden Jahre begriffen werden. Das vor allem medial produzierte Bild des Virus, der die Menschen nur so dahin rafft hat fĂŒr genĂŒgend Ablenkung gesorgt, dass selbst einige derjenigen, deren Engagement, ebenso wie ihre Sichtweise ansonsten auf das Feld tödlicher Landesgrenzen verengt zu sein schien, kaum bemerkten, dass der von ihnen mitgetragene pandemisch legitimierte Ausnahmezustand die Situation an diesen Grenzen dramatisch verschĂ€rfte, dass sĂ€mtliche Restmöglichkeiten den EU-Außenlagern doch noch zu entfliehen von einem Tag auf den nĂ€chsten verschwanden, dass die teils von solchen Leuten mitgetragene Seenotrettung fliehender Menschen in Richtung EU ebenfalls stoppte, dass die Situation in Lagern wie Moria auf Lesbos so unertrĂ€glich wurde, dass seinen Insass*innen nichts anderes ĂŒbrig blieb, als es niederzubrennen (es gab ja sogar Leute, die daraufhin fĂŒr dessen Wiederaufbau votierten), usw. usw. Und die Grenzschließungen der EU-Außengrenzen sind sicherlich nur der ĂŒberhaupt noch ergrĂŒndbare Gipfel der neuen Ein- und Ausschlusspolitik im Namen von Covid-19. Es ist klar, dass Flucht, egal ob aus jenen Gebieten, die infolge der desaströsen ökologischen Zerstörung zu unbewohnbaren WĂŒsten geworden sind, aus jenen, in denen die koloniale Ausbeutung und kapitalistische VerĂ€ußerung der Region den Menschen die ökonomische Existenzgrundlage geraubt hat, aus jenen, die von den zahlreichen Kriegen um Rohstoffe, militĂ€rstrategische Vormacht oder wirtschaftlichen Profit, ebenso wie um religiösen Wahn in ein (soziales) Minenfeld verwandelt wurden, oder aus jenen, in denen BĂŒrger*innenkriege um das letzte bisschen bewohnbaren Platz inmitten der desaströsen Zerstörung allen Umlands toben, keinen Lockdown kennt. Folglich stellt sich angesichts dessen, dass diese Flucht vor Europa nun mehr als je zuvor an ein absolut totes Ende gelangt, weniger die Frage ob, sondern vielmehr die Frage wo all die Menschen nun in Konzentrationslager gesperrt, niedergemetzelt werden, verhungern und verdursten, ertrinken, ihren KrĂ€ften erliegen, SklavenhĂ€ndler*innen in die HĂ€nde fallen, oder aus Verzweiflung Selbstmord begehen. Und wer interessiert sich dafĂŒr? Wer hĂ€tte gedacht, dass den deutschen Antifas einmal das Leben des sprichwörtlichen Nazi-Opas wichtiger sein wĂŒrde, als das der flĂŒchtenden Bevölkerung des globalen SĂŒdens? Naja, fĂŒr manch eine*n vielleicht keine große Überraschung.

WĂ€hrend also die “Festung Europa”, von der schon Hitler schwĂ€rmte, ihren vorlĂ€ufigen Höhepunkt erlebt, erreicht auch die innereuropĂ€ische Isolation – und gleiches gilt ĂŒbrigens auch fĂŒr die gesamte westliche Welt – einen neuen Höhepunkt. Einer dank Smartphones, Fernsehen, Home-Entertainment jeder Art, “sozialen” Netzwerken, algorithmisch vermittelten Paarbeziehungen ebenso wie LiebesaffĂ€ren, usw. ohnehin in im letzten Jahrzehnt bereits weit vorangeschrittenen Verflachung der Beziehungen zwischen den Menschen, folgte im letzten Jahr das, was vielen der ohnehin schon am seidenen Faden hĂ€ngenden, letzten verbleibenden realweltlichen Beziehungen den endgĂŒltigen Todesstoß verpasste: Rund ein Jahr fremd- ebenso wie selbstverordnete Isolation in der heimischen SphĂ€re, bei der sĂ€mtliche Beziehungen, die ĂŒber die in diesem Kontext ĂŒberraschenderweise wieder erstarkende patriarchale Basisorganisationseinheit der Familie hinausgehen, in die Weiten des kybernetischen, spiegelweltlichen Internets verbannt wurden. Ihr Zustandekommen wird damit essentiell bestimmt durch die vermittelnde Technologie und ist jenseits von ihr sowieso kaum noch zu denken. Die sprungartig angestiegene Nutzung von algorithmischen Partnervermittlungsbörsen, aber auch die plötzliche Verbreitung von Wörtern wie “zoomen”, bezeugen diesen neuen Grad der Entfremdung. Das Problem dabei ist nicht nur, dass die Beziehungen in einem noch grĂ¶ĂŸeren Grad als bisher verflachen, sondern vor allem auch, dass die Technologie, die diese zustande bringt, dadurch zunehmend weniger wegdenkbar wird, sich also kulturell verfestigt. Eine Technologie, die nicht nur die hĂ€usliche Einsperrung der Menschen ĂŒberhaupt möglich macht, sondern auch eine, die in der Vergangenheit die gezielte Manipulation der Emotionen der Menschen erforscht hat (vgl. bspw. Studien des Unternehmens Facebook, sowie die psychologischen Sparten der Spieleindustrie), und die somit das ideale Instrument globaler Gleichschaltung liefert, nach dem die grĂŒnen, technokratischen und oft auch transhumanistischen Herrscher*innen und Verwalter*innen der zerfallenden Welt so hĂ€nderingend suchen.

So oder so, die Periode des Corona-legitimierten Ausnahmezustands hat beeindruckend unter Beweis gestellt, wie leicht die Aufmerksamkeit der Menschen innerhalb der westlichen Welt von den viel existenzielleren Problemen in ihrem Umfeld, sowie deren Auswirkungen andernorts auf der Welt durch eine geeignet popkulturell vorbereitete ErzĂ€hlung (von Romanen, Filmen, Computer- und Handyspielen bis hin zu Gesellschaftsspielen hat die Unterhaltungsindustrie eine wahrliche Vielfalt an Pandemieszenarien in die Köpfe der Menschen gebracht, die wĂ€hrend der Corona”pandemie” durchaus die Phantasie der Menschen beeinflussten) einer (bloß scheinbaren?) globalen Katastrophe – wer sieht die Parallelen zum Club of Rome-Apokalypsen-Narrativ nicht? – abgelenkt werden kann. Nicht zuletzt deshalb dĂŒrften die grĂŒnen Technokraten-Propagandist*innen in ihren Think Tanks bereits an einer Neuauflage dieser ErzĂ€hlung schrauben, wie immer unterstĂŒtzt von ihren Hofnarren, den Wissenschaftler*innen, die lĂ€ngst eine Vielfalt von Studien angestellt haben, wie die Menschen pĂ€dagogisch und propagandistisch, ebenso wie manipulativ sowohl mithilfe von massenpsychologischer Kommunikation, als auch individuell zugeschnittenen Social Media Kampagnen, dazu gebracht werden können, sich dem Willen der Herrschenden gemĂ€ĂŸ zu verhalten.

4. Auswertung

Dass sich in der momentanen Phase der pandemie-katastrophistischen und technologisch-gamifizierten Ablenkung von ihrem eigentlichen Gegenstand, große Teile der (liberalen) Klimabewegung auf Seiten der Herrschenden schlagen, indem sie nicht nur deren (ohnehin lĂ€ngst gefassten) Klimagipfel-BeschlĂŒsse verfechten, sondern sich zugleich auch noch fĂŒr Maßnahmen der globalen Einsperrung einsetzen (zum Beispiel in Person Greta Thunbergs und all der anderen, mittlerweile in die Parteien eingetretenen Leitfiguren der Fridays For Future-Bewegung), vermag vielleicht kaum zu ĂŒberraschen. Es zeigt aber die GefĂ€hrlichkeit des allzu innigen Spiels von sich radikal glaubenden Akteur*innen mit jenen liberalen Bewegungen auf, von denen einige noch immer zweifeln, ob sie sich auf Greta Thunberg und Co. nun positiv beziehen sollten oder nicht und die sich teilweise sogar dazu versteigen, jene anarchistischen Kritiken an diesen AnfĂŒhrer*innenfiguren, die auf deren ideologische, ebenso wie ganz realeVerflechtungen mit der Herrschaft hinweisen, verschwörungstheoretisch oder gar “von rechts” motiviert – gemĂ€ĂŸ dem Motto: “Was nicht links ist, muss rechts sein” – zu bezeichnen. Sie haben sich einer nur scheinbaren sozialen Bewegung soweit angebiedert, dass sie darĂŒber eigene Interessen und sogar die Anliegen der Ausgebeuteten, die sie zu verfechten glauben und vorgeben, selbst vergessen haben. Plötzlich wird grĂŒne Technologie als im Interesse derer verkauft, die dafĂŒr in Minen versklavt, in Kriegen und Genoziden gemetzelt und in einst vor Leben sprudelnden Gebieten sich dem Diktat des Ökonomischen folgend diese in WĂŒsten zu verwandeln gezwungen sehen. “Klimagerechtigkeit” nennt sich das. Und in angeblich deren Interesse werden die ebenso todbringenden Wind- und Solarparks, die Geothermiekraftwerke, die Wasserkraftwerke und andere Spielarten der nach wie vor todbringenden Industrie, die sich nun eben “grĂŒn” getauft hat, auf den westlichen Territorien legitimiert, wo die von ihnen erzeugte Energie nicht zuletzt in das MilitĂ€r und die Grenzen investiert wird, die die angeblichen Haupt-Interessensstifter*innen aus diesen Regionen fernhalten.

Sich einer solchen Perspektive auch nur anzunÀhern bedeutet jeglichen aufstÀndischen Anspruch aufzugeben. Und nicht nur das, es bedeutet, ein ZahnrÀdchen im Getriebe dieser Todesmaschine zu werden.

Was aber macht eine aufstĂ€ndische Perspektive aus, die vom Sand im Getriebe, bis zum vernichtenden Triebwerksbrand das auszulösen vermag, was jeder Ausbeutung und Sklaverei, jeder UnterdrĂŒckung und Herrschaft durch diese Todesmaschinerie namens industrielle Zivilisation ein Ende zu bereiten vermag? Fest steht fĂŒr mich, dass eine solche Perspektive vor allem auch auf die Adjutanten des neuen wie alten Unterfangens, sich die gesamte Welt untertan zu machen, abzielen muss, auf die Wissenschaft. Und damit meine ich keineswegs bloß diejenigen, angewandten Wissenschaftler*innen, die an jenen Technologien feilen, die unmittelbar der Herrschaft und UnterdrĂŒckung dienen, ich meine die Wissenschaft in ihrer derzeitigen Gesamtheit, in ihrer TotalitĂ€t, von der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung ĂŒber die Geistes(verwirrungs- und -zĂŒchtigungs)wissenschaften bis hin zu den Propaganda- und Sozial(ingenieurs)wissenschaften. Keines dieser Orakel darf uns als VerbĂŒndeter im Kampf gegen jene dienen, fĂŒr deren Herrschaftssicherung sie ins Leben gerufen wurden und fortan funktionierten.

Nicht zuletzt sind es jene Gefilde der Wissenschaft, aus denen einige der wichtigsten Innovationen der hyperprogressiven grĂŒnen Technologie und seiner Kapitalfraktion entspringen und in Zukunft entspringen sollen. Vielleicht lohnt es sich daher, einen genaueren Blick auf diesen Prozess zu werfen:

Zwar sind es vor allem weltumspannende Mega-Konzerne, die schließlich die Vermarktung der grĂŒnen Technologien dominieren, wie beispielsweise im Bereich der Biotechnologie und der Computertechnologie, doch entstehen die technologischen Innovationen meist in einem universitĂ€ren Umfeld, dem es ohne die Kapitalinvestitionen der Konzerne an den Möglichkeiten ihrer Umsetzung mangeln wĂŒrde. Wenn die Wissenschaft nicht eigentlich schon immer neben dem Staat auch kapitalkrĂ€ftigen Unternehmen gedient hat, so wurden spĂ€testens ab der Mitte des 20. Jahrhunderts die Grundlagen dafĂŒr gelegt, dass wissenschaftliche Forschung in verschiedenen Bereichen zukĂŒnftig unmittelbar der Wirtschaft dienen könne. Heute spielen in diesem Prozess vor allem Startups eine bedeutende Rolle. Jungen und Ă€lteren Wissenschaftler*innen, die in einem bestimmten Bereich eine Innovation entwickeln, steht dabei im Umfeld von vielen UniversitĂ€ten ein Netzwerk zur VerfĂŒgung, das einerseits Kontakte zu industriellen Investor*innen herstellt und andererseits fĂŒr die Investor*innen jene Ideen herausfiltert, die sich fĂŒr sie als besonders nĂŒtzlich erweisen könnten. Um ganz gezielt Innovationen in einem bestimmten Bereich entwickeln zu können, rufen diese Netzwerke in Zusammenarbeit mit Unternehmen hĂ€ufig auch Wettbewerbe aus, in denen Wissenschaftler*innen und Startups darum konkurrieren, eine Lösung fĂŒr ein spezifisches Problem zu entwickeln. Auf diese Weise werden Startups befĂ€higt, ihre Ideen umzusetzen und wenn sie damit Erfolg haben, so werden sie entweder von ihren Investor*innen aufgekauft oder aber man hat sich durch LizenzvertrĂ€ge, etc. schon vorher das Recht gesichert, von diesen Innovationen zu profitieren. TatsĂ€chlich kommen Innovationen heute in vielen Branchen, auch jenen, die fĂŒr die grĂŒne Technologie von besonderer Bedeutung sind, auf diese Art und Weise zustande. Die weniger etablierten und meist schlechter geschĂŒtzten Startups könnten also neben wissenschaftlichen Laboren, Think Tanks und Forschungseinrichtungen einen geeigneten Angriffspunkt bieten, um die industrielle Manifestation wissenschaftlich-technologischer Entwicklungen an ihrem schwĂ€chsten Punkt anzugreifen.

Die Wissenschaft anzugreifen, das vermag zwar möglicherweise die Innovationskraft des grĂŒnen Kapitalismus einzudĂ€mmen, jedoch nicht notwendigerweise zu einem ebenso notwendigen Produktionsstopp beitragen. Dass nur die Arbeiter*innenklasse durch einen Generalstreik einen solchen Produktionsstopp auslösen könnte ist fĂŒr jene, die es sich nicht zur Aufgabe machen wollen, ihr Leben dem Aufbau einer kaum weniger monströsen Maschinerie der Organisation irgendeines vermeintlich revolutionĂ€ren Subjekts zu widmen – was nicht bedeutet, dass man sich nicht fĂŒr soziale Konflikte interessieren wĂŒrde –, ebenso unbefriedigend wie es ein Mythos ist. Die heutige global vernetzte und oft computergesteuerte industrielle Produktion ist von einer Reihe fragiler Infrastrukturen abhĂ€ngig. WĂ€hrend schon der lahmgelegte öffentliche Nahverkehr in StĂ€dten in der Vergangenheit wiederholt dazu fĂŒhrte, dass die Produktion in den noch nicht roboterisierten Werken der Industrie ins Schwanken geriet und teilweise zumindest tageweise einbrach (anschließend wurden meist Shuttlebusse fĂŒr die Arbeiter*innen in die Fabriken organisiert), sind es vor allem die Versorgung dieser Werke mit Energie (Strom), ihre Anbindung an das kybernetische Netz (immer mehr wird die Auftragssteuerung der Produktion aus der entlegenen Konzernzentrale erledigt) und die Versorgung mit den nötigen Rohstoffen und Zwischenprodukten (Logistik). Wird die dafĂŒr notwendige Infrastruktur (Stromnetz, Internet, GĂŒterschienennetz, sowie der GĂŒterverkehr auf Autobahnen) empfindlich gestört, so wird auch die von der jeweiligen Störung betroffene Produktion ausfallen. Der auf der Hand liegende Vorteil einer solchen Fokussierung auf die Infrastruktur anstelle der einzelnen Produktionsstandorte ist, dass durch großflĂ€chig verursachte AusfĂ€lle, die sich mit verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig geringem Aufwand erzielen lassen, ganze Cluster der industriellen Produktion ausfallen, wĂ€hrend Angriffe auf ein einzelnes Werk nur mit einem bedeutend grĂ¶ĂŸeren Aufwand zu bewerkstelligen sind und in ihrem Effekt oft hinter ersteren zurĂŒckbleiben.

Ungeachtet der konkreten strategischen Ausrichtung (deren ausfĂŒhrliche Diskussion sicherlich anderswo fortgesetzt werden wird) des Kampfes gegen die industrielle ökologische Zerstörung und ihre sozialen Katastrophen ist fĂŒr mich klar, dass nur die totale Zerstörung der Industrie, des Staates und jeder anderen Organisationsform der Herrschaft inklusive ihrer Wissenschaft und Technologie die Grundlage fĂŒr ein Leben in Freiheit legen kann. Mein Handeln auf irgendein anderes Ziel einzustellen, bedeutet in die Fallen jener zu tappen, die verstanden haben, einen Teil der ökologischen Zerstörung zu beklagen, wĂ€hrend sie jenes dafĂŒr verantwortliche System weiter am Leben erhalten, von dem sie auf die eine oder andere Art selbst profitieren.


[1] Ganz so stimmt das natĂŒrlich nicht. Weil wir es hier trotz aller politischen Motivationen immer noch mit Wissenschaftler*innen zu tun haben, gibt es natĂŒrlich kein genaues Weltuntergangsdatum. Vielmehr beinhaltet die Studie eine Reihe von Szenarien, die ganz unterschiedliche VerlĂ€ufe vorhersagen und nicht in allen – auch das ist Teil des politischen Spektakels – geht die Welt unter
 Aber es ist ja offensichtlich was der Zweck des Ganzen ist.




Quelle: Zuendlumpen.noblogs.org