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Geschockt stehen wir vor unseren zerstörten GĂ€rten und einer kahlen, planierten Böschung. Es sieht aus als wĂ€re ein Panzer durchgerollt. Alle BĂ€ume, das QuartierwĂ€ldchen – einfach weg! Immer wieder flattern die Vögel ĂŒbers Gebiet, landsuchend. Ob sich in der Böschung noch was regt? Die Winterruhe der Igel ist jetzt zwangslĂ€ufig beendet – die Nachbarn*innen fĂŒttern sie das ganze Jahr hindurch in ihren GĂ€rten


Der Auftakt des Prestigeprojekts „Neues MetzgergrĂŒn“ ist ein Blitzangriff. Die Freiburger Stadtbau und das Stadtplanungsamt demonstriert uns Bewohner*innen wer die Macht hat: HausgĂ€rten werden unter Anwendung von Gewalt gerĂ€umt, privates Eigentum beschĂ€digt und laufende Widerspruchsverfahren ignoriert. Ein maximales Aufgebot an Sicherheitsdienst und Polizei ist abgestellt, um wehrlose Mieter*innen in Schach zu halten. Damit sind zahlreiche Grenzen der geltenden Rechtssprechung eindeutig ĂŒberschritten worden. Die GĂ€rten wurden sozusagen zwangsgerĂ€umt – brĂ€uchte es dazu nicht mindestens einen richterlichen Beschluss? Bisher hatten wir erfolglos um die verfahrensrechtliche AufklĂ€rung des Bauvorhabens gebeten. Sind die Bewohner*innen jetzt gezwungen die Freiburger Stadtbau GmbH oder gar die Stadt Freiburg anzuzeigen, um eine juristische PrĂŒfung zu erwirken?

Die gerufene Polizei zuckt mit den Schultern und verweist auf das ausgehĂ€ndigte StĂŒck Papier: die Plangenehmigung von der Stadt. Und nein, wir dĂŒrfen sie nicht einsehen. Und ja schon wieder, entgegen der Absprachen stellen weder FSB, Baurechtamt noch Umweltschutzamt vorher die Unterlagen zu. Sowohl der Einsatzleiter der Polizei als auch die Juristin vor Ort verweigern dem Anwalt der Mieter*innen das GesprĂ€ch am Telefon. Es wird auf den vereinbarten Termin zur Akteneinsicht am nĂ€chsten Tag verwiesen – da könne man dann reden. Es herrscht komplettes Chaos, am Ende des nĂ€chsten Tag ist der Stellplatz sauber gerĂ€umt.

„Alles nur ein Kommunikationsproblem“ resĂŒmieren nun die Akteur*innen, selbstgefĂ€llig, empathielos, bagatellisierend und an der Sache vorbei. Es ist die Art und Weise wie, und dass das ĂŒberhaupt so geschehen kann, was uns Bewohner*innen entwĂŒrdigt, entrechtet und verhöhnt! Jahrelang wurde von einer behutsamen Weiterentwicklung gesprochen, dann schluckte uns der Perspektivplan der Stadtplanung. Und jetzt stehen wir der „Wohnbauoffensive“ der Freiburger Stadtbau GmbH alleine gegenĂŒber und werden gleich mitverdaut.

Wir sehen was sie tun. Wir hören was sie sagen. Wir fĂŒhlen wie sie denken. Spitzengehalt gegen Minirente, Wohnberechtigungsschein, Mindestlohn, danke Freiburg! “Ich musste fallen, damit sie begreifen”, antwortet die Esche dem Schmerz in Herz und Seele.

Das „Projekt MetzgergrĂŒn“ ist fĂŒr uns gescheitert – sozial, ökologisch und ethisch. Noch vor dem ersten Spatenstich werden Grundgesetze verletzt und rechtliche Grenzen ĂŒbertreten. Wer trĂ€gt hierfĂŒr die Verantwortung? fragen wir uns wĂ€hrend wir die Zerstörung aufrĂ€umen, und ob es darauf wohl Antworten und Konsequenzen geben wird.

IG MetzgergrĂŒn




Quelle: Metzgergruen.noblogs.org