November 2, 2020
Von FAU Dresden
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AnlĂ€sslich des Welt-KobanĂȘ-TagesÂč haben Aktivist_innen des Internationalistischen Zentrums (IZ), der Basisgewerkschaft FAU und andere Internationalist_innen in Dresden symbolisch 4 Straßen umbenannt. Sie wollen damit auf den Kampf fĂŒr Frauenrechte, Basisdemokratie, Bedarfswirtschaft und Ökologie in Nord- und Ostsyrien und deren Bedrohung durch die tĂŒrkische Diktatur aufmerksam machen. Die Aktion ist eingebettet in eine weltweite Aktionswoche vom 1. bis zum 8. November 2020.

Mit Straßenschild-VerĂ€nderungen wurden in der Nacht zum Sonntag der Fetscher-Platz in Bager NĂ»jiyan-Straße, die Fetscher-Straße in ArĂźn MĂźrkan-Straße, das Carus-Ufer in Avesta XabĂ»r-Straße und der Ebertplatz in HĂȘlĂźn Qereçox-Straße umbenannt. Alle Namensgeber_innen waren Teil der basisdemokratischen Revolution die seit Ende 2013 in Nord- und Ostsyrien (auch bekannt als Rojava) stattfindet und ließen dort ihr Leben. Detailierte Hintergrundinfos zu Namensgeber_innen und die GrĂŒnde fĂŒr die Wahl der umbenannten Straßen finden Sie am Ende der Pressemitteilung.

„Die Diktatur TĂŒrkei und islamistische Milizen bekĂ€mpfen, ausgerĂŒstet mit deutschen Waffen und gedeckt durch deutsche Diplomatie, in Nord- und Ostsyrien ein zu tiefst humanistisches, ökologisches und demokratisches Projekt, das auch fĂŒr die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft wegweisend sein könnte. Mit UnterstĂŒtzung Deutschlands wurden seit 2013 tausende RevolutionĂ€r_innen gefoltert, vergewaltigt und ermordet. Wir forden ein sofortiges Ende jeder militĂ€rischen, politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit der Diktatur TĂŒrkei, eine Aufhebung des PKK-Verbotes und die vollstĂ€ndige diplomatische Anerkennung der Autonomen Administration von Nord- und Ostsyrien“, so Marina Wagner, Pressesprecherin der FAU-Dresden.

Gleichsam solidarisieren sich die Beteiligten auch mit den Protesten der armenischen Gemeinschaften, die sich fĂŒr ein Ende des, durch die TĂŒrkei maßgeblich unterstĂŒtzten, Angriffskrieges aussprechen und deren Proteste u.a. in Frankreich durch die militant-rechten, erdogan-treuen „Grauen Wölfe“ wiederholt angegriffen wurden.

Âč Die nordsyrische Stadt KobanĂȘ wurde bekannt durch den Verteidigungskampf gegen den Daesh (auch bekannt als „Islamischer Staat“) durch die Milizen der revolutionĂ€ren Selbstverwaltung YPG und YPJ

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Hintergrundinformationen zu den Umbenennungen

Ebertplatz wird zur HĂȘlĂźn Qereçox-Straße

Der Ebertplatz hat bereits verschiedene Umbenennungen erlebt, so trug er 1962-1993 den Namen Willi-Ermer-Platz. Ermer, der auf der heutigen Oederaner Straße wohnte, war bis 1925 Mitglied der Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend Deutschland, schloss sich dann der KPD an und leitete in Löbtau den RotfrontkĂ€mpferbund. Ab 1933 war er im Widerstand tĂ€tig, durchlitt Haft und die berĂŒchtigte Strafdivision 999. Mutmaßlich wegen seiner spĂ€teren SED-Mitgliedschaft entschied sich der Dresdner Stadtrat fĂŒr die RĂŒckbenennung in Ebertplatz.

Friedrich Ebert hatte großen Anteil an der Zustimmung der SPD zu den Kriegskrediten 1914-1918, im Angesicht der sozialen Revolution und eines potentiellen Ende des kapitalistischen Elends bekundete Ebert dem Prinzen: “Wenn der Kaiser nicht abdankt, dann ist die soziale Revolution unvermeidlich. Ich aber will sie nicht, ja, ich hasse sie wie die SĂŒnde.“ In der Folge ließ er rechte Freikorps, die spĂ€ter die Grundlage fĂŒr SA und SS bilden sollten, die RĂ€terevolutionen in MĂŒnchen, Bremen und an der Ruhr niederschlagen, mit zehntausenden Toten. Ebert steht daher wie kein anderer fĂŒr die Tradition der SPD kapitalistische Ausbeutung, Krieg und ein militantes Streben gegen basisdemokratische Weiterentwicklung der Gesellschaft zu erhalten. Die SPD bewilligt heute weiterhin Waffenexporte in die Diktatur TĂŒrkei und unterstĂŒtzt in der Bundesregierung viele weitere autoritĂ€re Regime.

HĂȘlĂźn Qereçox (Anna Campbell, 1991 – 15. MĂ€rz 2018) war eine britische Anarchistin, Feministin und Anti-GefĂ€ngnis-Aktivistin. Sie ging nach Nord-Ostsyrien, um die dort entwickelten Utopien zu verteidigen und die dortigen Frauen zu unterstĂŒtzen. Mit den Frauenverteidigungseinheiten der YPJ kĂ€mpfte sie gegen den Daesh (IS). 2018 starb sie wĂ€hrend der völkerrechtswidrigen und vom NATO-Partner Deutschland geduldeten Invasion der TĂŒrkei auf die Stadt Afrin durch einen Raketenangriff. Die FAU fĂŒhlt sich ihr als ehemaliges Mitglied ihrer Schwesterngewerkschaft IWW besonders verbunden.

Carus-Ufer wird zu Avesta XabĂ»r-Straße

Carl Gustav Carus ist in Dresden vor allem als Mediziner und Maler bekannt. Wenig ErwĂ€hnung findet dabei aber sein rassepsychologisches und rassistisches Denken, das grundlegend fĂŒr die Ideologie des deutschen Imperialismus und Kolonialismus war.

Avesta XabĂ»r (ZulĂ»kh Hemo) schloss sich 2014 der Frauenverteidungseinheiten YPJ an um die Errungenschafften der Frauenrevolution gegen den Daesh zu verteidigen. Am 8.Tag der Invasion der tĂŒrkischen Besatzungsarmee auf AfrĂźn, griffen tĂŒrkische und dschihadistische Truppen das Dorf Hemam im Bezirk CindirĂȘsĂȘ an. Bei der Verteidigung des Dorfs griff sie einen tĂŒrkischen Panzer an, indem sie sich selbst mit einer Handgranate sprengte. Dies war notwendig um die Zivilbevölkerung, die sich ganz in der NĂ€he aufhielt, zu retten.

Sie gilt darauf hin als Symbol fĂŒr emanzipierte Frauen, die sich fĂŒr ihre Überzeugungen und zum Erhalt der Errungenschaften der feministischen Revolution fĂŒr den Kampf gegen den tĂŒrkischen Angriffskrieg opfern.

Fetscherplatz wird zu Bager NĂ»jiyan-Straße

Rainer Fetscher ist zwar in Dresden als Antifaschist und Humanist bekannt, war aber maßgeblich im Nationalsozialismus fĂŒr seine Zwangssterilisationen bekannt. Er schuf eine „Erbbiologische Kartei“ von „biologisch minderwertigen“ Personen, die fĂŒr die Nazis „wohl von entscheidener Bedeutung fĂŒr die systematische Realisierung ihres barbarischen Feldzuges gegen alle Formen, [angeblicher] ererbter Minderwertigkeit“ war, wie der Dresdner Arzt Steffen Sachse schrieb.

Bager NĂ»jiyan war ein ostdeutscher Antifaschist, internationalistischer RevolutionĂ€r und GuerillakĂ€mpfer. 2015 schloss er sich der revolutionĂ€ren Miliz YPG in Nord-Ost-Syrien an um gegen die Barbarei und den Greultaten des Daesh und der faschistischen TĂŒrkei vorzugehen. Er war Teil bei der Befreiung der Eziden im Dschabal-Sindschar-Gebirge (Irak). Er wurde am 14. Dezember 2018 bei einem tĂŒrkischen Luftangriff auf die Medya-Abwehrgebiete in SĂŒdkurdistan getötet.

Fetscherstrasse wird Arün Mürkan-Straße

Arin Mirkan (Deilar Genj Khamis) war eine Kommandeurin der Frauenverteidigungseinheit YPJ. Sie starb im Kampf gegen den Daesh wĂ€hrend dem Kampf um KobanĂȘ am 5. Oktober 2014. Sie hat sich im Kampf mit dem Daesh um den Berg MiƟtenĂ»r, von welchem man KobanĂȘ beschießen kann, geopfert. Sie kroch mit einer Panzermine unter einem Panzer des Daesh und sprengte ihn somit in die Luft. Die Verteidiger_innen der Stadt konnten kurze Zeit spĂ€ter den Berg MiƟtenĂ»r zurĂŒckerobern. Ihr Opfer war als Wendepunkt im Kampf um KobanĂȘ angesehen.




Quelle: Dd.fau.org