April 20, 2021
Von Indymedia
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Die MHP vergr├Â├čert ihren Einfluss im t├╝rkischen Staat immer weiter. Sie setzt sich f├╝r Repression gegen fortschrittliche und linke Kr├Ąfte ein und bringt ihre Verbindungen mit der organisierten Kriminalit├Ąt und Geheimdiensten immer weiter in den politischen Alltag der T├╝rkei ein.

Sie verfolgt eine extrem nationalistische, frauenfeindliche und autorit├Ąre Agenda.
Auch in Europa verst├Ąrken die t├╝rkischen Faschisten ihren Einfluss immer weiter, sind Teil geheimdienstlicher Strukturen, verfolgen und bedrohen linke Oppositionelle auch hier.

Zur Geschichte der MHP

Die Nationalistischen Bewegung (Milliyet├ži Hareket Partisi, kurz MHP) ist ein Produkt des Kalten Krieges. Sie wurde 1969 von einem ehemaligen Offizier namens Alparslan T├╝rkes gegr├╝ndet ÔÇô er war Oberst in einer Spezialeinheit, in den USA ausgebildet und hatte wahrscheinlich enge Verbindungen zum amerikanischen Geheimdienst, der CIA. Die Mission der MHP war es, die t├╝rkische Linke zu bek├Ąmpfen, die damals in den 60er und 70er Jahren erstarkte. Die MHP war im Grunde eine faschistische Kampftruppe, die linke Studenten, Hochschullehrer und Gewerkschafter t├Âtete.
Die MHP ist 1969 aus der Republikanische Bauern-Volkspartei hervorgegangen. Beteiligt an der Gr├╝ndung waren vor Allem Offiziere, welche beim Milt├Ąrputsch 1960 eine entscheidende Rolle gespielt hatten.
Allen voran war Alparslan T├╝rkes, welcher sich nach dem Milit├Ąrputsch dagegen stellte den Staatsapparat wieder an eine gew├Ąhlte Regierung zur├╝ckzugeben und deshalb vom Kreis der Offiziere, welche den Putsch ausgef├╝hrt hatten ins Exil gezwungen wurde. 1963 kehrte er zur├╝ck und gr├╝ndete mit nationalistischen Kr├Ąften gemeinsam 1969 die MHP.
Die Jugendorganisation der MHP, bekannt als ÔÇ×graue W├ÂlfeÔÇť, erwies sich als kampforganisation auf der Stra├če. Ihr Symbol ist ein heulender Wolf mit den drei umgedrehten Halbmonden der Kriegsflagge des osmanischen Reichs.
Sie ver├╝bten zahlreiche Morde und Anschl├Ąge auf linke Organisationen und religi├Âse und ethnische Minderheiten, durchsetzten den Sicherheitsapparat und beteiligten sich als Soldaten an Milit├Ąroperationen.
Die MHP war dabei Teil von Strukturen von Faschisten, Geheimdienstlern und Teilen der organisierten Kriminalit├Ąt, die in der T├╝rkei als ÔÇ×der tiefe StaatÔÇť bekannt sind.
Alparslan T├╝rkes, der bekennender Verehrer Hitlers war, besetzte in den 70er Jahren mehrfach Ministerposten und war stellvertretender Ministerpr├Ąsident der T├╝rkei.
Die MHP nahm f├╝r die NATO in den 70er Jahren die Rolle der Frontk├Ąmpfer gegen die erstarkende linke Revolution├Ąre Bewegung ein. Sie wurde auch aus Deutschland unterst├╝tzt, so gab es mehrere Treffen zwischen dem Ex-Nazi und bayrischen Ministerpr├Ąsidenten Franz-Josef Strau├č. Der die MHP und ihre Vereine in Deutschland mehrfach lobte und sie explizit einlud Arbeiten in Deutschland zu f├╝hren.
In den 90er Jahren versuchte die MHP sich scheinbar von ihrer Vergangenheit als Partei des Stra├čenkampfes zu l├Âsen um weniger angreifbar zu sein. In den Auseinandersetzungen darum spaltete sich ein radikaler Teil der Partei ab und gr├╝ndete sp├Ąter die BBP (Die gro├če Einheitspartei).
Als T├╝rkes 1997 starb ├╝bernahm Devlet Bah├želi seine Position als F├╝hrer der MHP.
In der nationalistischen Stimmung in der T├╝rkei 1999, die durch die Verschleppung Abdullah ├ľcalans ausgel├Âst wurde, forderte die MHP mehrfach die Todesstrafe f├╝r den Sprecher der kurdischen Freiheitsbewegung.
Aufgrund von Zugest├Ąndnissen f├╝r die Beitrittsverhandlungen in die EU wurde die Todesstrafe damals ausgesetzt und sp├Ąter offiziell abgeschafft.

Ideologie der MHP

Die Ideologie der t├╝rkischen Faschisten st├╝tzt sich gr├Â├čtenteils auf den sogenannten ÔÇ×TuranismusÔÇť der jungt├╝rkischen Bewegung. Dies ist die Vorstellung von einem t├╝rkischen Gro├čreich, welches gro├če Teile des nahen Ostens, dem Balkan und Asiens umfassen soll.
Es wird die Ansicht vertreten, dass das T├╝rkentum eine anderen V├Âlkern ├╝berlegene Gruppierung ist, die Zugeh├Ârigkeit dazu wird in der Bewegung jedoch unterschiedlich ausgelegt und reicht von dem Bekenntnis zum T├╝rkentum bis zu rassistischen Positionen.
Ethnische und religi├Âse Minderheiten in der T├╝rkei werden als minderwertig gesehen und verfolgt.
Die Angeh├Ârigen des t├╝rkischen Faschismus bezeichnen sich selbst als ÔÇ×IdealistenÔÇť oder ÔÇ×├ťlk├╝c├╝-BewegungÔÇť.
Die t├╝rkischen Faschismus sind einem streng nationalistischen Etatismus verbunden und halten die Staatsgewalt eines starken t├╝rkischen Staates f├╝r die ├╝berlegene Organisationsform der Gesellschaft.
Offiziell leugnet die ÔÇ×Idealisten-BewegungÔÇť den V├Âlkermord an den Armeniern, w├Ąhrend sich immer wieder Repr├Ąsentanten von ihnen dazu ├Ąu├čerten, dass das was den Armenieren passiert ist gerechtfertigt war und f├╝r die ├ťberlegenheit des t├╝rkischen Volkes ÔÇ×alle Feinde des T├╝rkentumsÔÇť vernichtet werden m├╝ssen.
Gegen jede Bestrebungen des kurdischen Volkes auf Anerkennung und Unabh├Ąngigkeit reagieren die t├╝rkischen Faschismus mit Gewalt und m├Ârderischer Repression.
Die Existenz einer kurdischen Kultur wird in vielen t├╝rkisch-nationalistischen kreisen vollends abgestritten oder verteufelt.
Sozialistischen und linksgerichteten Ideologien stehen sie feindlich gegen├╝ber.
Au├čerdem wird ein starker sexistischer Chauvinismus vertreten. Frauen werden als minderwertig begriffen und die Partei und die Bewegung ging wiederholt gegen feministische Bewegungen und Bestrebungen vor. Mitglieder der grauen W├Âlfe wurden in der Vergangenheit h├Ąufiger f├╝r Morde an Frauen verurteilt, so zum Beispiel der t├╝rkische Mafiaboss Alaattin Cakici, der f├╝r den Mord an seiner Ehefrau verurteilt wurde.

ÔÇ×VolksallianzÔÇť mit der AKP

Als 2016 AKP die absolute Mehrheit verlor schloss sie sich in der sogenannten ÔÇ×VolksallianzÔÇť mit der MHP zusammen, seitdem treibt sie ihre faschistische und nationalistische Ideologie immer weiter voran und setzt sie in der Regierung um.
Die BBP wollte sich dem B├╝ndnis anschlie├čen, was von der MHP abgelehnt wurde, deshalb bot die AKP den Abgeordneten an ├╝ber ihre Wahllisten ins Parlament gew├Ąhlt zu werden.
Diese Taktik wenden auch immer wieder Abgeordnete der MHP an. Das ist ein weiteres Zeichen f├╝r die Verschmelzung der AKP mit den faschistischen Kr├Ąften in der T├╝rkei.
Nach dem gescheiterten Milit├Ąrputsch im Juli 2016 sprach sie sich beim Referendum im April 2016 f├╝r eine Verfassungs├Ąnderung aus und damit zur ├ťberf├╝hrung der T├╝rkei in ein Pr├Ąsidialsystem.
Nach den Verhaftungswellen im Zuge des Milit├Ąrputsches ist zu beobachten, dass die MHP und ihre Verb├╝ndeten die Rolle der G├╝len-Bewegung als B├╝ndnispartner Erdogans einnehmen. 150.000 Staatsbedienstete wurden entlassen und werden zunehmend mit Personen besetzt, die von der MHP vorgeschlagen werden oder aus ihren Reihen stammen.

Verst├Ąrktes Vorgehen gegen die kurdische Bewegung


Die Faschisten festigen ihre Macht im t├╝rkischen Staat immer weiter. Innenpolitisch ist das Ergebnis die konsequente Repression gegen die kurdische Bewegung in der T├╝rkei. Mehr als 15.000 Anh├Ąnger der kurdischen partei HDP sind in den vergangenen f├╝nf Jahren festgenommen worden, und die Verhaftungswelle rollt weiter.
Parlamentsabgeordneten wurde ihre Immunit├Ąt abgesprochen, sie wurden eingesperrt; in den HDP-regierten Kommunen wurden die gew├Ąhlten B├╝rgermeister durch Zwangsverwalter aus Ankara ersetzt.
Das j├╝ngst angestrebte Verbotsverfahren gegen die HDP und die Verfolgung von zivil-gesellschaftlichen Organisationen, die sich gegen die autorit├Ąre Formierung einsetzen, wird ebenfalls durch die MHP vorangetrieben.
Die Einstufung der YPG als Terrororganisation und das Vorgehen gegen die  HDP erfolgte auf zunehmenden Druck durch die nationalistische Partei.
Die MHP forderte mehrfach die Wiedereinf├╝hrung der Todesstrafe und ├╝bte mit ihrer Anh├Ąngerschaft ├Âffentlichen Druck aus, um das Thema auf die Regierungsagenda zu bringen.
Erdogan ├Ąu├čerte sich anschlie├čend, dass er durch ein Referendum die Wiedereinf├╝hrung voran treiben w├╝rde, ÔÇ×wenn es sich dabei um den Willen des Volkes handeleÔÇť.

Verbindungen der MHP in die organisierte Kriminalit├Ąt und den ÔÇ×tiefen StaatÔÇť

Auch die Verbindungen des Staates mit der organisierten Kriminalit├Ąt und den Strukturen des tiefen Staates werden seit Regierungsbeteiligung der MHP immer weiter ausgebaut.
Noch w├Ąhrend des Wahlkampfs hatte der MHP-Chef den inhaftierten und inzwischen erkrankten Mafiaboss Alaattin Cakici in einer Klinik im zentralanatolischen Karikkale demonstrativ besucht und f├╝r dessen ÔÇ×Dienst an der Nation und am LandÔÇť ├Âffentlich gelobt. Mehrfach forderte er Erdogan und die AKP auf, eine Amnestie f├╝r Cakici und andere Gr├Â├čen des Organisierten Verbrechens zu verf├╝gen. Er fragte: ÔÇ×Wie gerecht ist es zuzulassen, dass unsere Br├╝der ÔÇŽ im Gef├Ąngnis verrotten?ÔÇť. Ein gemeinsames Foto der beiden wurde ├╝ber den offiziellen Twitter-Account der MHP geteilt.
Der 65-j├Ąhrige Mafiaboss Cakici wird in den Kreisen der ÔÇ×Grauen W├ÂlfeÔÇť als Held geheimer Mordkommandos im Auftrag des t├╝rkischen Staates gegen Aleviten, Kurden und Linke verehrt. Er verb├╝├čt seit 2004 eine jahrzehntelange Freiheitsstrafe unter anderem wegen Mordes an seiner ersten Ehefrau.
Er wurde auf Druck der AKP unter dem Vorwand der Corona-Krise freigelassen, w├Ąhrend Oppositionelle nach wie vor in den Kerkern des Regimes sitzen m├╝ssen. Praktisch alle gr├Â├čeren Drogengesch├Ąfte in der T├╝rkei werden mit den Grauen W├Âlfen in Verbindung gebracht.
So wurde Veysel Filiz im Dezember 2020 bei der Einreise nach Belgien mit mehreren hundert Gramm Heroin erwischt. Veysel Filiz hatte jahrelang Lobbyarbeit f├╝r das Erdo─čan-Regime in Europa geleistet und trat in AKP/MHP-Kan├Ąlen immer wieder als ÔÇ×Au├čenpolitikexperteÔÇť auf. 2014 wurde er vom t├╝rkischen Regimechef Recep Tayyip Erdo─čan (AKP) selbst zum Presseverantwortlichen der t├╝rkischen Botschaft in Br├╝ssel ernannt. 2017 stellte die belgische Polizei fest, dass Filiz von Fakeaccounts aus in Europa lebende Oppositionelle bedrohte. Gegen ihn wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und er wurde zur Aussage vorgeladen. Dies f├╝hrte zu einer politischen Krise zwischen Ankara und Br├╝ssel. Filiz wurde zur ÔÇ×unerw├╝nschten PersonÔÇť in Belgien erkl├Ąrt und er zog sich in die T├╝rkei zur├╝ck. Auch nach seiner R├╝ckkehr in die T├╝rkei unterbrach er seine Kontakte nach Europa nicht und organisierte insbesondere die AKP/MHP-nahe Nationalistenszene in Europa. Filiz hatte auch engste Verbindungen in die Drogenmafia. Offensichtlich schmuggelte er systematisch Heroin nach Europa. Am 9. Dezember wurde der t├╝rkische Agent an der bulgarischen Grenze durch einen Zufall mit hundert Kilogramm Heroin im Wert von f├╝nf Millionen Euro erwischt. Der Vorgang kam erst jetzt ans Licht, da alles daran gesetzt wurde, das Ereignis vor der ├ľffentlichkeit zu verschweigen. Die t├╝rkischen Beh├Ârden verh├Ąngten sofort eine Geheimhaltungsverf├╝gung und statt der bei ├Ąhnlichen Drogenfunden verbreiteten Erfolgsmeldung herrschte eisernes Schweigen bei der t├╝rkischen Zollbeh├Ârde.
Die Grauen W├Âlfe und der t├╝rkische Faschismus im Allgemeinen haben eine historische Verbindung zur organisierten Kriminalit├Ąt. Seit den 70er Jahren ist der Drogenschmuggel der unterschiedlichen t├╝rkischen Regime nach Europa immer wieder gut dokumentiert worden. Insbesondere die extralegalen T├Ątigkeit von Faschisten und Agentennetzwerken werden h├Ąufig aus Drogengeldern finanziert.

Der neue Vorsitzende der AKP Lobbyorganisation in Europa, ein bekennender grauer Wolf

Unter dem Namen “Union Internationaler Demokraten” (UID) tritt in Deutschland eine Lobby-Organisation der t├╝rkischen Regierungspartei AKP auf. Der im Januar neu gew├Ąhlte UID-Vorsitzende K├Âksal Ku┼č gab sich bis dato keine M├╝he, zu verbergen, dass er ideologisch der MHP und den grauen W├Âlfen verbunden ist.
Er war mehrere Jahre lang aktives Mitglied der ÔÇ×F├Âderation der T├╝rkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V.ÔÇť, einem Sammelbecken f├╝r Organisationen und Gruppen der Grauen W├Âlfe. Seit 1979 lebt er in Deutschland, wie es hei├čt, weil er durch seine Beteiligung an der faschistischen ├ťlk├╝cu-Bewegung ÔÇ×Bekanntschaft mit der PolitikÔÇť gemacht hat. Ende der 70er Jahre gab es viele Angriffe auf, politische Morde und Massaker an Linken, Alevit*innen, Gewerkschafter*innen und allen anderen, die nicht ins Weltbild der Faschisten passten. Viele der damaligen T├Ąter flohen nach Deutschland, so wie auch nach dem Massaker in Sivas 1993, bei dem 34 alevitische K├╝nstler*innen und Intellektuelle ermordet wurden. Die ├ťbergriffe gingen auch in Deutschland weiter, wie der Mord am t├╝rkischen Kommunisten Celalattin Kesim durch graue W├Âlfe 1980 in Berlin zeigte.
Mit der Wahl von Kus zum Vorsitzenden der UID setzt sich eine Tendenz fort, die sich seit einiger Zeit innerhalb der AKP-MHP-Koalition abzeichnete. Wie verschiedene t├╝rkische und kurdische Medien berichten, nehmen Personen des organisierten Verbrechens immer mehr politische Machtpositionen an. Viele Mafiosi wurden erst vor kurzem durch eine von Erdogan erlassene Amnestie aus den Gef├Ąngnissen entlassen. Unn├Âtig zu erw├Ąhnen, dass im Rahmen der Amnestie keinerlei linke oder kurdische Gefangene freigelassen wurden.

Verbindung t├╝rkischer Faschisten zu offiziellen Stellen und Parteien in Europa

Bereits 1978 unterst├╝tzten Franz-Josef Strau├č und der damalige T├╝rkei-Beauftragte des Bundesnachrichtendienstes Alparslan T├╝rkes beim Aufbau der AD├ťTDF in Frankfurt am Main. Sp├Ąter ├Ąu├čerte sich Bahceli als Vorsitzender der MHP vor Anh├Ąngern der grauen W├Âlfe in Deutschland, dass Mitglieder der Bewegung sich in deutschen Parteien einbringen sollen, ÔÇ×um die Interessen der T├╝rkeiÔÇť in Deutschland zu vertreten.
Diesem Aufruf sind einige Anh├Ąnger der ÔÇ×Idealisten VereineÔÇť gefolgt. In verschiedenen lokalen Verb├Ąnden der CDU befinden sich aktive graue W├Âlfe in Stadtratspositionen oder in lokalen Parlamenten. In M├╝hlheim an der Ruhr wird der jahrelang in der CDU aktive Sevket Avci den grauen W├Âlfen zugerechnet. MHP Politiker sprechen im t├╝rkischen Staatsfernsehen Wahlempfehlungen f├╝r Avci aus. Der CDU Poltiker stellt auch ein Grundst├╝ck f├╝r den lokalen Verein der ├ťlk├╝c├╝-Bewegung zur Verf├╝gung.
├ťber den ÔÇ×Zentralrat der MuslimeÔÇť, in dem auch ATIB vertreten ist werden ebenfalls die Interessen der grauen W├Âlfe in hohe Kreise der deutschen Politik getragen.
Obwohl immer wieder warnend ├╝ber den Einfluss des AKP-MHP Regimes in Deutschland gesprochen wird unterhalten offizielle Kreise weiter Kontakten zu bekannten Lobbyisten des t├╝rkischen Regimes.
In Stra├čburg unterst├╝tzten die franz├Âsischen Gr├╝nen aktuell den islamistisch-nationalistisch ausgerichteten Verband ÔÇ×Milli G├Âr├╝sÔÇť beim Bau ÔÇ×der gr├Â├čten Moschee EuropasÔÇť. Das Projekt wird von den lokalen Gr├╝nen mit 2 Millionen ÔéČ ausgestattet.
Der Verband Milli G├Âr├╝s steht der t├╝rkischen Kleinstpartei Saadet nahe, die ideologisch der ├ťlk├╝c├╝-Bewegung zugeordnet werden kann. Sie vertritt eine t├╝rkisch-nationalistische Ideologie, mit einem sehr konservativ-islamischen Einschlag. Organisatorisch geh├Ârt sie nicht zu den MHP Strukturen, doch vertritt eine ├Ąhnliche Agenda und unterst├╝tzt Erdogan.

Die Morde von Paris und die Beteiligung der grauen W├Âlfe

Die drei kurdischen Revolution├Ąrinnen Fidan Do─čan, Sakine Cansiz und Leyla ┼×aylemez sind im Januar 2013 vom t├╝rkischen Geheimdienst MIT erschossen worden, der Prozess gegen den Attent├Ąter wurde eingestellt, nachdem der Angeklagte kurz vor Prozessbeginn unter zweifelhaften Umst├Ąnden in Haft verstorben ist. Der Attent├Ąter hatte jahrelang in Deutschland gelebt und sich in Strukturen der faschistischen grauen W├Âlfe bewegt. Er war als V-Mann des t├╝rkischen Geheimdienstes angeworben worden und hat sich jahrelang in kurdische Strukturen in Paris eingeschlichen und die N├Ąhe zu den AktivistInnen gesucht.
Die Ermittlungen der franz├Âsischen Beh├Ârden hatten aufgedeckt, dass es sich bei dem Attent├Ąter ├ľmer G├╝ney um einen t├╝rkischen Faschisten handelt und er Verbindungen zum MIT hatte.
Nach der Verhaftung von mehreren hohen Offizieren des t├╝rkischen Geheimdienstes durch eine Aktion der HPG in S├╝dkurdistan sagten diese aus, dass die Mord durch den Geheimdienst geplant wurde und h├Âchste Regierungskreise sie geplant hatten.
Anfang 2021 gab ein AKP/MHP-Lobbyist im t├╝rkischen Fernsehen zu, dass die Aktion durch die Strukturen des t├╝rkischen Staates befohlen worden. Er sprach davon, dass der Staat Mordanschl├Ąge auf f├╝hrende revolution├Ąre Pers├Ânlichkeiten der kurdischen Bewegung in Europa in der Vergangenheit begangen h├Ątte und sprach sich daf├╝r aus dies wieder zu tun.
Dieser Vorgang zeigt erneut, dass t├╝rkische Faschisten und der t├╝rkische Geheimdienst eine enge Verbindung haben und zusammen arbeiten.

Strukturen, Vereine und Aktivit├Ąten der grauen W├Âlfe in Deutschland und Europa

In Deutschland sind die Grauen W├Âlfe in drei Vereinen organisiert. Der gr├Â├čte dieser Vereine ist die F├Âderation der T├╝rkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland (AD├ťTDF), urspr├╝nglich gegr├╝ndet als T├╝rk Federation. Sie ist direkt mit der MHP verkn├╝pft und pflegt unter anderem Kontakte mit deutschen Offiziellen. Der Hauptsitz der AD├ťTDF ist in Frankfurt am Main, insgesamt verf├╝gt sie ├╝ber mehr als 200 Vereine und Untergruppierungen in Deutschland. Mutma├člich sind ├╝ber 10.000 Personen in diesen Vereinen organisiert.
 W├Ąhrend den freundschaftlichen Treffen von Arpaslan T├╝rkes und Franz-Josef Strau├č in den 70er Jahren hatte der CSU Politiker die T├╝rk Federation nach Deutschland eingeladen und sie f├╝r ihre Aktivit├Ąten gelobt, au├čerdem hat er sie gegen den Vorwurf des Faschismus verteidigt und sich f├╝r sie ausgesprochen.
In den 80er Jahren spaltete sich ein Teil der AD├ťTDF ab und gr├╝ndete den Verband ÔÇ×Union der T├╝rkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa e.V.ÔÇť ATIB (Avrupa T├╝rk-─░slam Birli─či). Die Spaltung geschah aufgrund von Forderungen einer gr├Â├čeren Unabh├Ąngigkeit von der MHP. ATIB hat ihren Hauptsitz in K├Âln und verf├╝gt deutschlandweit ├╝ber circa 20 Vereine. Au├čerdem ist ATIB Mitglied im Zentralrat der Muslime eines konservativen Islamverbandes in Deutschland.
Nach der Abspaltung der BBP von der MHP gr├╝ndete sich in Deutschland der Verband der t├╝rkischen Kulturvereine in Europa (ATB), der der BBP nahe steht.
H├Ąufig sind Vereine der ├ťlk├╝c├╝-Bewegung als ÔÇ×Deutsch-T├╝rkische FreundschaftsvereineÔÇť getarnt, au├čerdem gibt es diejenigen, die offen nach au├čen auftreten und ATIB, ATB oder der T├╝rk Federasyon angeh├Âren.
Auch wenn es unterschiedliche Dachverb├Ąnde gibt, so eint die Verb├Ąnde die faschistisch, t├╝rkisch-nationalistische Einstellung und die Ablehnung von fortschrittlichen linksgerichteten Kr├Ąften. Sie w├╝nschen sich ein Gro├čt├╝rkisches Reich und arbeiten in ihren Strukturen darauf hin diese Interessen in den Regionen in denen sie leben zu verfolgen. Unter anderem durch die Verfolgung t├╝rkischer Oppositioneller, der kurdischen Bev├Âlkerung oder anderen linksgerichteten Kr├Ąften.
In der Vergangenheit nahmen Vertreter der grauen W├Âlfen auch an der sogenannten ÔÇ×Demo f├╝r AlleÔÇť in Wiesbaden teil, die sich gegen die Rechte von LGBTIQs und f├╝r ein konservatives, reaktion├Ąres Frauenbild einsetzte.
Es gibt auch einen regen Austausch zwischen DITIB, dem, durch die t├╝rkische Religionsbeh├Ârde gesteuerten, t├╝rkischen Islam Verband in Deutschland und den verschiedenen Vereinigungen, die der ÔÇ×├ťlk├╝c├╝ÔÇť-Bewegung zugerechnet werden k├Ânnen. So zum Beispiel in Kassel, wo zu gemeinsamen Veranstaltungen eingeladen wird.
Auch dies ist ein Indiz f├╝r die enge Zusammenarbeit von AKP und MHP-Strukturen, auch in Deutschland.

Einige Beispiele f├╝r Aktivit├Ąten und Angriffe durch t├╝rkische Faschisten in Deutschland und Europa:

W├Ąhrend einer faschistischen Demonstration im Jahre 2015 in Frankfurt am Main, die den Krieg des t├╝rkischen Staates gegen kurdische St├Ądte bef├╝rwortete kam es zu einem Angriff von grauen W├Âlfen auf eine antifaschistische Blockade. Der Angriff konnte durch entschlossene Gegenwehr zur├╝ckgeschlagen werden, mindestens ein Faschist wurde dabei verletzt.
Am 10.04.21 kam es im Zuge des Aktionstages gegen den t├╝rkischen Faschismus in Hamburg zu Bedrohungen durch t├╝rkische Faschisten, die den Wolfsgru├č zeigten und mit gezogenem Messer neben der antifaschistischen Demonstration standen.
In Wien Favoriten kam es im Juni 2020 zu mehreren Angriffen t├╝rkischer Nationalisten auf das linke Zentrum ÔÇ×Ernst-Kirchweger-HausÔÇť (EKH). Im EKH wird durch ├Âsterreichische antifaschistische Organisationen, sowie kurdische und t├╝rkische linke Organisationen gemeinsam genutzt und wurde nach einer Kundgebung aufgrund von Angriffen in Rojava erstmals Anfang Juni 2020 angegriffen. In den Tagen danach gab es mehrfach Attacken t├╝rkischer Faschisten auf das EKH unter anderem mit Molotow-Cocktails und Eisenstangen. Es kam zu mehreren gro├čen Demonstrationen, bei denen internationalistische, kurdische und t├╝rkische Linke zusammen gegen die faschistischen Angriffe Position bezogen. Angriffe auf eine dieser Demonstrationen konnten zur├╝ckgeschlagen werden.
Im September 2020 kam es zu einem Brandanschlag auf das EKH, der von den Anwesenden gel├Âscht werden konnte und keine gro├čen Sch├Ąden hinterlie├č, auch dieser Angriff wird den grauen W├Âlfen zugerechnet.
Im Nachhinein wurde aufgedeckt, dass die Angriffe durch Kontakt Leute des t├╝rkischen Geheimdienstes MIT und den Strukturen der t├╝rkischen Faschisten in ├ľsterreich organisiert wurden.
Die grauen W├Âlfe haben in ├ľsterreich einen Dachverband die ATF, die ÔÇ×T├╝rkische F├Âderation in ├ľsterreich (Avusturya T├╝rk Federasyon)ÔÇ×. Sie verf├╝gen ├╝ber Vereinslokale, vor allem in Wien.

In Frankreich treten die grauen W├Âlfe vermehrt sehr militant auf und ver├╝ben Anschl├Ąge und Angriffe auf Armenier*Innen und kurdische Vereine. Kurz vor dem Bet├Ątigungsverbot der Organisation in Frankreich war in D├ęcines-Charpieu eine Gedenkst├Ątte f├╝r die Opfer des Genozids an den Armenierinnen und Armeniern 1915 mit pro-t├╝rkischen Parolen beschmiert worden. Neben ÔÇ×RTEÔÇť, den Initialen des t├╝rkischen Pr├Ąsidenten Recep Tayyip Erdo─čan, stand auch ÔÇ×Loup GrisÔÇť, die franz├Âsische Bezeichnung f├╝r die Grauen W├Âlfe, an dem Geb├Ąude. Au├čerdem wurden in Lyon Armenier*Innen von einem Mob der grauen W├Âlfe durch die Stadt gejagt.
Am 3. April kam es in Lyon zu einem Angriff der grauen W├Âlfe auf das dortige kurdische Kulturzentrum. Circa 20 vermummte und mit Baseballschl├Ągern bewaffnetet Personen st├╝rmten das Zentrum und verletzten die anwesenden Personen teilweise schwer.
Als Antwort antifaschistischer Kr├Ąfte gab es eine internationalistische Solidarit├Ątsdemonstration, welche durch Lyon zog und die Angriffe beantwortete. Nach Provokationen t├╝rkischer Faschisten kam es zu einer Auseinandersetzung, nach der die Polizei die Demonstration angriff, welche sich kurze Zeit sp├Ąter wieder formierte.
Trotz dem Verbot der grauen W├Âlfe in ├ľsterreich und Frankreich sind ihre Netzwerke dort weiterhin aktiv und organisieren weiterhin Angriffe auf antifaschistische Kr├Ąfte und ethnische und religi├Âse Minderheiten, die nicht in ihr faschistisch nationalistisches Weltbild passen.
Die Antwort darauf m├╝ssen wie in Wien und j├╝ngst in Lyon breite, gemeinsame Aktionen von kurdischen, t├╝rkischen und nationalsozialistischen Zusammenh├Ąngen sein, die Angriffe des langen Arms des t├╝rkischen Faschismus d├╝rfen nicht unbeantwortet bleiben.

T├╝rkische Faschisten aus der Deckung holen!

Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass die faschistische MHP einen immer gr├Â├čeren Einfluss auf den t├╝rkischen Staat haben und ihre politische Agenda darin umgesetzt wird. Auch die wachsenden Verbindungen zwischen Geheimdiensten, organisierter Kriminalit├Ąt und staatlichen Stellen sowie die Repression gegen alle linken und fortschrittlichen Kr├Ąfte sind auf den Einfluss der MHP in der Regierung zur├╝ck zu f├╝hren.
Die Angriffe durch ihre Strukturen in Europa zeigen, dass der t├╝rkische Staat seinen Fu├čtruppen immer gr├Â├čere Freiheiten gibt um seine Gegner auf der ganzen Welt zu verfolgen, ob mit geheimdienstlichen Mitteln oder durch die Stra├čengewalt der grauen W├Âlfe.
Die faschistische Gefahr in Europa geht, wie die Strukturen der t├╝rkischen Faschisten zeigen, nicht nur durch die rechten Bewegungen der jeweiligen L├Ąndern aus, sondern auch von den transnational agierenden t├╝rkischen Faschisten.

Die Antwort darauf muss eine internationalistische antifaschistische Offensive sein, die die faschistischen Strukturen benennt und bek├Ąmpft!

Antifaschismus international denken! Faschisten bek├Ąmpfen!




Quelle: De.indymedia.org