Potsdam – FĂŒr den BĂŒrger, der sich an die Corona-Vorgaben halte, seien die Bilder von Demonstrationen gegen die MaĂnahmen nicht mehr zu verstehen, meint die SPD-Innenpolitikern Inka Gossmann-Reetz. WĂ€hrend seit Dienstag in Brandenburg fĂŒr SchĂŒler sogar auf dem Pausenhof Maskenpflicht gilt, das Tragen von Mund-Nase-Schutz in öffentlichen Verkehrsmitteln zumindest stichprobenartig kontrolliert wird, machen wie zuletzt vergangenes Wochenende in Frankfurt (Oder) Corona-Skeptiker ihrem Ărger in der Ăffentlichkeit zum Teil ohne Maske und ohne Einhaltung der Abstandsregeln Luft.
âIn der Ăffentlichkeit darf nicht das Bild entstehen, dass sich Brandenburgs OrdnungskrĂ€fte auf der Nase herumtanzen lassenâ, sagte die Landtagsabgeordnete am Mittwoch wĂ€hrend der wegen der Pandemie komplett ins Internet verlagerten Sitzung des Innenausschusses. âEin staatlicher Kontrollverlust gefĂ€hrdet uns alle.â
StĂŒbgen weist die Kritik zurĂŒck
Tags zuvor hatte die SPD-Politikerin bereits scharfe Kritik geĂŒbt, weil der AfD-Fraktionsvorsitzende Hans-Christoph Berndt am 30. Oktober in Cottbus eine Anti-Corona-Demonstration angemeldet hatte â ohne dass ihm dafĂŒr nach Auskunft des Innenministeriums zusĂ€tzliche Auflagen erteilt worden sein.
Hauptadressat der Kritik: Innenminister und Vize-MinisterprĂ€sident Michael StĂŒbgen (CDU), der gemeinsam mit Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) und Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (GrĂŒne) bei der Vorstellung jeder neuen EindĂ€mmungsverordnung die Gefahr der Pandemie betont â und gleichzeitig fĂŒr den sicheren Ablauf der Demonstrationen verantwortlich zeichnet. Erst vergangenen Freitag erklĂ€rte StĂŒbgen: âWir haben den rasanten Anstieg zwar gebremst, aber wir bewegen uns auf einem gefĂ€hrlichen Hochplateau der Infektionen. Es ist unsere Aufgabe, gerade die verletzlichen Bevölkerungsgruppen zu schĂŒtzen.â Vor allem diese vulnerable Gruppe, also Ăltere und Vorerkrankte, die aus gesundheitlichen GrĂŒnden oft keine Maske tragen könnten, mĂŒssten bei den Demonstrationen besser geschĂŒtzt werden, fordert Gossmann-Reetz.
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StĂŒbgen wies die VorwĂŒrfe am Mittwoch im Ausschuss vehement zurĂŒck. âDie Polizei hĂ€lt sich prĂ€zise an geltendes Rechtâ, so der Innenminister. Die Polizei mĂŒsse das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit gewĂ€hrleisten, die Hygieneregeln durchsetzen und dabei stets deeskalierend auftreten. âDiesen schweren Auftrag erfĂŒllt Brandenburgs Polizei seit Anbeginn der Corona-Pandemie stets mit AugenmaĂ.â Ein Problem sei in der Tat, dass die Zahl der Demonstranten, die wegen eines Attestes keine Maske tragen, massiv gestiegen sei. Die Polizei lasse sich von Teilnehmer, die keinen Schutz tragen, dieses Ă€rztliche Attest zeigen. âAber Polizisten sind keine Ărzteâ, so StĂŒbgen. Erscheine ein Attest unplausibel oder gefĂ€lscht, gehe eine Meldung an das zustĂ€ndige Gesundheitsamt. Doch diese, das zeigt etwa der Brandbrief der Gesundheitsamtmitarbeiter aus Potsdam, sind schon mit der Nachverfolgung der Kontakte von Corona-Infizierten derzeit am Limit.
Viele Demo-Touristen auch in Brandenburg
Auch die von Gossmann-Reetz aufgeworfene Frage, wo die Anti-Corona-Demonstranten denn trotz Beherbergungsverbot ĂŒbernachten wĂŒrden, gehe die Polizei nichts an. âWir sind ein freies Landâ, so StĂŒbgen. Bei der Demonstrationen am Wochenende in Frankfurt (Oder) seien aber in der Tat auffĂ€llig viele Autos mit Kennzeichen aus Baden-WĂŒrttemberg oder Nordrhein-Westfalen gesichtet worden, wo die Querdenker-Szene besonders stark ist.
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Eine Versammlung aufzulösen, sei aus Infektionsgesichtspunkten nicht immer der beste Weg, machte der fĂŒr PolizeieinsĂ€tze zustĂ€ndige Referatsleiter im Ministerium, Jan MĂŒller, deutlich. Das könne dazu fĂŒhren, dass die Demonstranten auf zu engem Raum zusammengedrĂ€ngt wĂ€ren und dann die HygieneabstĂ€nde erst recht nicht mehr eingehalten werden könnten.
âOft werden Veranstaltungen gerade deswegen nicht aufgelöst, weil sonst ein Risiko fĂŒr Leib und Leben bestĂŒndeâ, erklĂ€rte auch der CDU-Abgeordnete Björn Lakenmacher, der selbst Polizist ist. Die PolizeifĂŒhrer vor Ort mĂŒssten nach Lage entscheiden. âDas ist kein einfacher Jobâ, sagte Lakenmacher, der gleichzeitig davor warnte, die Demo-Debatte partei- oder politikgeleitet zu fĂŒhren. Auch fĂŒr die Menschen, deren Aussagen man ganz und gar nicht teile, gelte das Versammlungsrecht.
Stohn fordert Begrenzung der Teilnehmerzahl
Den VerstoĂ von SPD-Fraktionschef Erik Stohn, die Teilnehmerzahl bei Demos je nach FlĂ€che zu begrenzen, stöĂt auch bei der oppositionellen Linksfraktion auf Ablehnung. âDer Gedanke ist in keiner Weise mit dem Demonstrationsrecht im Grundgesetz vereinbarâ, so Linke-Fraktionschef Sebastian Walter.
Quelle: Inforiot.de







